Hallo laborare,
Zitat:Ich werde jetzt mal niederschreiben, was genau passiert ist, was in mir
vorging, damit wir es vielleicht zusammen analysieren können.
Gute Idee. Ich denke ich kann es erklären, jedoch weiß ich nicht,
ob Du meine Meinung teilen wirst.
Der Mensch funktioniert wie eine Maschine oder vielleicht so ähnlich
wie ein Computer. Dadurch ist es möglich,
erstens, zu erkennen, was in bestimmten Situationen sachlich überhaupt geschieht.
Zweitens, gibt es immer mindestens zwei Möglichkeiten auf die aktuelle Situation zu reagieren. Und
drittens kann man voraus ahnen, wie Du Dich danach fühlst.
Als Mensch hast Du im Kopf ein Entscheidungszentrum, welches Du vermutlich schon sehr lange
nicht mehr, oder falsch herum benutzt.
Auf alles, was Du siehst, hörst und fühlst, reagierst Du in Deiner eigenen Weise. Dies macht Dich gut,
frei und einzigartig. Bis auf ein paar grundlegende Ängste, zum Beispiel, Angst vor Dunkelheit,
Angst vor großen Höhen, Angst davor, bei Gefahr keine Fluchtmöglichkeit
zu haben, lernen wir uns Menschen selbst, was uns nicht gefällt und wovor wir deshalb Angst haben.
Um unser Gehirn zu entlasten denken wir mit sehr vielen Vereinfachungen.Wenn die ersten beiden Äpfel, die Du probiert hast sauer waren, wirst Du bestimmt immer denken,
Äpfel mag ich nicht. Auch wenn jemand sagt, hier probiere den mal, wirst Du sehr vorsichtig daran gehen,
weil Du den sauren Geschmack von früher erwartest. Ist der Apfel süß, wirst Du nicht sofort Deine
Meinung über Äpfel ändern, sondern Du wirst sagen. Äpfel sind sauer, aber ich habe auch schon mal einen
süßen Apfel gefunden.
Ähnlich könnte es mit Deiner gestörten Lehrerin gewesen sein. Deine Erfahrungen
mit dieser Frau waren sehr negativ und vor allem fehlte Dir damals eine hilfreiche
positive Vergleichsmöglichkeit.
Noch heute hast Du also Angst vor einer Schule, obwohl dies völlig unbegründet ist.
Findest Du nun eine Schule, in der Du keine Probleme hast, wirst Du sagen
Na ja, in der Schule war es eigentlich nicht schlecht, aber ich mag nun mal weder
Schulen, noch Lehrer.
Damit will ich sagen. Wie Du reagierst, hast Du Dir zum größten Teil selbst seit Geburt beigebracht.
Etwas was man gelernt hat, wird man nie vergessen. Man kann es aber überschreiben mit neuen Erfahrungen.
Je häufiger Du eine negative Erfahrung mit einer positiven Erfahrung überschreibst, um so schwächer wird die
alte, meistens wenig hilfreiche Information.
Etwas schlimmes geschieht, wenn Du negative Denkweisen automatisierst.
Beispiel : Es gibt zahlreiche polnische Landsleute, die Autos stehlen und
so großen Schaden anrichten. Egal, wie viele polnische Menschen Autos entwenden, es wird immer nur
eine geringe Minderheit sein.
Dem normalen polnischen Bürger tun wir sehr unrecht, wenn wir pauschal sagen,
ja die Polen, die stehlen nur.
Dieses pauschale Vorurteil hindert uns vielleicht oft daran, vertrauensvoll mit
Polen Gespräche und Kontakte aufzubauen –
völlig zu Unrecht.Die nächste Schwierigkeit besteht darin, Deine vorgefertigte (vermutlich falsche) Meinung zu überschreiben.
Die meisten sagen, "Ich kann nichts dafür. Ich mache das unbewusst." Richtig ist, das die meisten das wirklich
unbewusst machen.
Trotzdem kann man das bequem überschreiben, wenn man das will.
Zum Punkt "Zweitens."
Also kann man immer mindestens auf zwei Weisen auf eine Situation reagieren.
Entweder Du schaust nach, welche Erfahrung Du vor Jahren zu einer Sache gemacht hast. Damit liegst
Du über 50% falsch. Oder Du entscheidest, die aktuelle Situation neu zu bewerten, wozu Du Deine alten
Erfahrungen zum Vergleich prima hinzu ziehen darfst und solltest.
Und jetzt kommt das entscheidende.
Bei einer Angststörung, hast Du schon länger aufgehört, Sachen wirklich immer wieder neu zu beurteilen. Du greifst nur auf alte Erfahrungen und das, was Du gehört und gelesen hast zurück.
Daher ist übrigens Hypochondrie sehr schlecht heilbar.
Deine alten Erfahrungen passen natürlich selten zu der aktuellen Situation. Dies verunsichert Dich erneut,
weil Du mit Recht sagst. "Ich verstehe es nicht. Ich bin doch nur in ein Geschäft gegangen. Da war doch
nichts gefährliches. Und damit hast Du Recht.
Du hast nur eins übersehen.
Du beurteilst die aktuelle Situation gar nicht mehr. Warum? Bist Du zu faul um neu darüber nachzudenken? Erkennst Du den Sinn nicht Situationen immer
wieder neu zu überprüfen? Hast Du keine Lust dazu zu lernen? Oder was ist es sonst?
Bei vielen Menschen, die wieder selbstbewusst "neu" nachdenken, und ihr heutiges Weltbild anpassen,
verschwinden Panikattacken schnell, wie von Geisterhand.
Die Angst vor der Angst ergibt kaum einen Sinn. Du denkst ja sowieso erst mal wieder neu nach.
Deine alte Angst hilft Dir also nicht wirklich weiter.
Ist es einigermaßen verständlich, was ich ausdrücken möchte?
Viele Grüße
Hotin