Zitat von silverleaf: Ein weiterer Aspekt: Es gibt keinen Schritt zurück. Soll heißen: Was man einmal kann, gilt als erreichter Meilenstein, hinter den man nicht wieder zurückfallen soll. Das würde übertragen auf Deinen Fall bedeuten: Du weißt, dass Du alleine rausgehen kannst, Dein Kind/er zur Schule fahren kannst und zum Spielplatz begleiten kannst, also solltest Du künftig keine Begleitperson mehr mitnehmen, wenn Du rausgehst, da Du bereits weißt, dass es ohne geht. Das hatte ja auch schon so erläutert (wenn ich das richtig verstanden habe, ansonsten sorry, falls ich Dich falsch zitiere), Dein Gehirn bleibt sonst bei der "Überzeugung", dass Du es alleine nicht schaffen kannst.
Das Ziel ist es irgendwann komplett ohne Hilfmittel die Situation aushalten zu können, sprich auch ohne externes Sicherheitsnetz. Die Vor- und Nachbereitung ist da ein Teil des Prozesses.
Die Erfahrung, das man das Aushalten kann und auch das das Angstzentrum da irgendwann nachgibt, weil eben die Annahme einer Gefahr eine Fiktion des Unterbewusstseins ist, halte ich für eine der elementar wichtigsten Erfahrungen. In einer Klinik geht das gut dosiert und kontrolliert. Ambulant dauert es länger bis man an diesen Punkt kommt.
Will man seine Erfolge behalten, hat man die Aufgabe das konsequent weiter zu üben und auszubauen.
Stellt einen Fluss vor auf dem ihr mit einem Ruderboot unterwegs seit. Ihr befindet euch in einem Bereich wo sich der FLuss natürlich durch die Landschaft schlängelt und somit langsam fließt.
Hier hat man nur wenig zu rudern um seine Position zu halten.
Ruht man sich zu lange aus, treibt man weiter den Fluss hinunter. In Bereiche wo mehr begradigt sind und es ein höherer Energieaufwand ist seine Postion zu halten, bzw. wieder in den ruhigen Bereich zu kommen.
Vermeidet man nun weiterhin zu rudern, kommt man in einen Bereich wo man erheblich Energie benötigt um ein weiteres Abtreiben zu vermeiden. Und entsprechend auch mehr, um sich wieder mühevoll in ruhigere Bereiche zu kommen.
Mit Vermeidung in Kombination mit einem sich selbst bestätigten Katastrophengedanken kann sich eben ein solch Bollwerk von Blockade aufbauen, das man selbst es für real annimmt das man beim druchbrechen der eigenen, psychischen Schallmauer schlicht weg sterben "muss".
Es entsteht ein sich selbst erhaltender Angstmechanismus der sich auch in weitere Bereiche des Lebens ausbreiten kann. Und in der Konsequenz auch der eigene Bewegungsradius eben multidimensional schrumpft.
Es wird mehr Energie benötigt für das Aushalten der Symtome, welche dann einem fehlt um eine Exposition/Konfrontation durchziehen zu können.
Die Schwellenhöhe ist bei jedem Menschen individuell. Aber - nahezu jeder kann mehr aushalten als er selbst denkt.
Den Mittelweg zu finden, bzw. den zu steigern ist das worum es aus meiner Sicht geht.
Also wo die Grenze zwischen aushaltbarer Belastung mit Lerneffekt und emotionaler Überlastung ist.
Silverleaf, eines möchte ich anmerken. Ich finde deine Beiträge echt fundiert. Sie zeigen ein hohes Maß an Therapieerfahrung und Fachwissen.
