Liebes Forum,
Im letzten Jahr war ich hier kaum aktiv. Es ging mir nämlich wieder richtig gut. Ich hatte ja 2019 etliche Monate lang mit der Angst vor einer Psychose gekämpft und schon seit längerem hab ich diese endlich überwunden.
Dabei hatte ich unter anderem auch ein paar Monate lang Zwangsgedanken, die sich auf das Thema Psychose bezogen (im Sinne von: Was wenn ich anfange zu denken Leute wollen mir böses, was wenn ich plötzlich Dinge auf mich beziehe, usw). Zwischendurch hatte ich auch mal mit derealisation zu kämpfen, dabei kamen auch hin und wieder zwangsgedanken wie: ist alles real, bin ich wirklich ich selbst (ganz typisch für DR und DP eben).
In den letzten Monaten hatte ich ab und zu mal einen kleinen Rückfall, ist ja bei einer Angststörung auch nicht weiter schlimm, kann ja passieren. Meistens kamen dann auch alte Zwangsgedanken hoch mit denen ich mich vielleicht höchstens ein oder zwei Tage beschäftigte, sie dann aber wieder loslassen konnte. Sie kamen auch eher weil ich genervt war, nicht weil ich Angst davor hatte.
Im Großen und Ganzen war ich also der Meinung ich hätte es jetzt geschafft, das Ganze wäre einfach jetzt mal eine schwierige Phase in meinem Leben gewesen, aber die wäre jetzt vorbei. Ich dachte auch: "ich weiß jetzt, dass komische Gedanken nicht schlimm sind und selbst wenn solche Gedanken mal wieder kommen, ich weiß ja jetzt dass ich nicht verrückt werde bzw. dass sowas bei einer DR/DP einfach dazugehört, also sollten mir solche Gedanken in Zukunft keine Angst mehr machen und dann sind es auch keine Zwangsgedanken mehr."
Jetzt hatte ich vor ein paar Tagen einen Rückfall, wo der Gedanke: "bin ich wirklich ich?" wieder hochkam. Er löste tatsächlich ein wenig Angst in mir aus, aber nur weil ich dachte: "nicht wieder das! Ich dachte das ist vorbei, ich hab das doch schon vor fast 2 Jahren abgeschlossen". Dummerweise würde der Gedanke dadurch natürlich stärker und quälte mich dann erst wirklich, was ja auch Sinn macht, Gedanken die man wegschieben will fallen nun mal besonders auf.
Um mich zu beruhigen, versuchte ich im Internet ein bisschen was zu Zwangsgedanken und Rückfällen zu finden und stieß dann leider überall nur auf Folgendes: "Zwangsgedanken gehören immer zu Zwangsstörungen und die sind Chronisch. Das kann man nicht heilen, die meisten nehmen ihr Leben lang Medikamente. Es kann zwar besser werden aber nie wirklich weggehen und selbst wenn es mal weggeht, kommt es unweigerlich irgendwann zurück, da braucht man sich nichts vormachen."
Seitdem geht es mir furchtbar. Ich dachte immer, wenn man die Angst vor den Gedanken verliert, weil man merkt dass sie nicht schlimm sind, dann ist man auch geheilt davon. Und bei mir gingen die Gedanken ja auch weg als ich akzeptieren könnte, dass ich keine Psychose habe. Ich dachte immer: "jetzt wo ich weiß, dass ich nicht verrückt werde und wie solche Zwangsgedanken entstehen, bin ich gerüstet und den Fehler mach ich nicht nochmal." Und wenn ich dann einen Rückfall hatte und mir ein Gedanke doch ein bisschen Rest-Angst bereitet hat, dann dachte ich immer nur: "das ist noch die alte Assoziation, die ist wohl noch nicht ganz weg, aber irgendwann wird auch die weg sein." Es kam ja auch nie ein neuer ZG dazu, immer nur alte Sachen.
Doch jetzt wo ich all diese Sachen gelesen hab, geht auch mein momentaner Rückfall nicht mehr weg. Ich sehe ihn jetzt nicht mehr als kurzen Ausrutscher, sondern als Zeichen, dass ich für immer mit Zwangsgedanken gestraft sein werde. Sonst bin ich immer optimistisch und kann den Rückfall schnell vergessen, jetzt bin ich am weinen und denk immer wieder daran, dass ich evtl nie gesund werden kann und das wo ich doch dachte, ich wäre es bereits.
Ich will das nicht mein ganzes Leben haben, ich will keine Medikamente nehmen müssen und ich will mich nicht damit abfinden, dass ich ein Symptom was ich bis vor 2 Jahren noch nie hatte und dann nur ein halbes Jahr lang wirklich akut jetzt für immer haben werde. Aber all diese Artikel können doch nicht lügen.
Kann mir jemand hier vielleicht aus eigener Erfahrung sagen, ob es wirklich so ist? Denn ich werde hier immer verzweifelter
