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Hallo Zusammen,
ich habe mich soeben hier angemeldet, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Mein Freund, wir sind seit 2 Jahren zusammen hat enorme Zukunftsängste. Ich versuche mal 2 Situationen zu beschreiben.
Vor ein paar Wochen hat er eine neue Arbeitsstelle angetreten. Aber die Wochen davor, war er kaum noch ansprechbar, hat sich eingeschlossen, hat unsere Beziehung in Frage gestellt, hat gemeint er schafft das nicht ( den neuen Job) usw...ich hab mir riesige Sorgen gemacht, weil er auch meinte er würde am liebsten sein Leben hinschmeißen...Klar, ich hab ihn versucht aufzumuntern, gut zuzureden...aber er meinte nur, ich würde ihn nicht verstehen.
Die 2te Situation war vor ein paar Tagen. wir haben schon öfters nach einer gemeinsammen Wohnung oder Haus geschaut, bisher ist dies leider immer gescheitert, da er Angst hatte etc. Die letzten 2 Wochen kam aus seinem Munde das Gegenteil und wir haben uns auch intensiv darum gekümmert...und so kurz vor Schluß bevor es ernst wurde hat er mir am Telefon erklärt, das Ihm das alles zuviel wird, er weiß nicht ob er mich liebt, er weiß nicht ob er jemals mit mir zusammenziehen kann, da er Angst davor hat usw...
Ich war und bin natürlich nun auch total verletzt und weiß einfach nicht mehr was ich tun soll..... ich liebe ihn sehr und wir verstehen uns bis auf seine Panikanfälle super super gut und er sagt auch das er glücklich ist nur in diesen Situationen ist alles ganz anders....und jetzt im Moment ist es natürlich sehr schlimm..ich bin total verunsichert, bin mir nicht mehr sicher, ob er überhaupt mir mir zusammen sein will usw...

wer kann mir helfen, Tipps geben, was soll ich tun, was kann ich für mich selber tun, das mich das ganze nicht so berührt ?

Ich danke Euch allen !!

27.09.2011 18:33 • 10.10.2011 #1


9 Antworten ↓


Hallo,

Dein Freund könnte an einer vermeidenden Angststörung leiden.
Ist er ein schüchterner Mensch, eher gehemmt in vielen Situationen ?
Lebensveränderungen machen jedem Angst, nur eskaliert es bei krankhafter Angststörung eben, wenn die Selbstzweifel zu groß sind.
Mach Dir keinen Kopf, er liebt Dich.
Wartet mit der Wohnungssuche, bis er sich am neuen Arbeitsplatz eingelebt habt.

Liebe Grüße,
Joe

29.09.2011 01:14 • #2



Mein Freund hat enorme Zukunftsängste

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Hallo Joe,

ich danke dir sehr für Deine Antwort.
Ja, mein Freund ist eher schüchtern und hat auch arge Selbstzweifel....ich würde
Ihm so gern mehr helfen, das er auch mehr Vertrauen in sich selber bekommt aber
das scheint gar nicht so einfach zu sein.
Was genau ist eine vermeindende Angststörung ?

Vielen Dank

Simone

29.09.2011 08:37 • #3


Schattenbinder
Hallo sea_angel,

ich kann mich gut in die Situation deines Freundes versetzen, denn mir geht es ähnlich wie ihm.

Ich bin mit meinem Partner sehr glücklich, auch wenn wir eine Fernbeziehung führen und das nicht immer einfach ist. Aber ich zweifle trotzdem immer wieder alles an, wenn es mir schlecht geht. Das sind die unterschiedlichsten Situationen, aber meist haben sie etwas damit zu tun, Unabhängigkeit aufzugeben, mehr Nähe zuzulassen und die Zukunft zu planen. Es macht mir furchtbare Angst, mich auf etwas einzulassen, was mir Freiheit nehmen könnte. Bindungsangst nennt man das wohl.

Was dein Freund macht, ist einfaches Vermeidungsverhalten. Er fürchtet sich davor, mit dir zusammen zu ziehen, also versucht er es zu vermeiden. Denn dann muss er sich mit der Situation und den Gefühlen, die daraus resultieren, nicht auseinandersetzen. Dass dies genau das falsche Verhalten ist, kann jeder Angstpatient bestätigen. Denn seine Befürchtungen kann er niemals überwinden, wenn er sich nicht selbst die Chance gibt, festzustellen, dass sie nicht stimmen.

Es ist nicht leicht, der Partner eines Ängstlers zu sein. Du musst dir auf jeden Fall bewusst sein, dass es nicht an seiner Liebe zu dir liegt, sondern an seiner Angst, dass er sich zurückzieht. Denn anscheinend mag er sich ja mit der Zukunft auseinandersetzen, wenn es ihm gut geht, weshalb er das Thema Wohung/Haus ja auch von sich aus nach vorn getrieben hat. Dann ging es ihm wieder schlechter, Gedanken stellten sich ein und schon kommt der Rückzieher.

Sieht er selber das denn so, dass es hier eine Problematik bei ihm gibt? Und gibt es einen Auslöser dafür in seinem Leben? Vielleicht sollte er auch einmal über eine Therapie nachdenken, wenn diese Ängste wirklich so gravierend in sein Leben eingreifen.

Alles Liebe
Schabi

29.09.2011 12:06 • #4


Hi, seaangle,

schau Dir das mal an. Oder Berichte zur Soziale Phobie.

https://www.psychic.de/angst-vor-ablehnung.php

Gruß,
Joe

29.09.2011 15:12 • #5


Hallo Schabi,

du schreibst, das die Fernbeziehung zu deinem Partner nicht immer einfach ist... Aber aus welchem Grund würdest Du dich nicht auf eine nähere Bindung einlassen? Oder war das bei Euch noch nie so ein Thema !? Sorry, ich stelle viele Fragen aber ich bin sehr froh wenn ich die Ängste ( Bindungsängste) besser verstehe oder lerne zu verstehen.

Ich glaube mein Freund erkennt schon, das er ein Problem hat...Aber diese Panik hält immer nur ein paar Tage an, dann schafft er in dieser Zeit alle Panik-Auslöser auf die Seite und dann denkt er, das es ihm wieder gut geht, bzw. das er keine Therapie braucht...

LG

29.09.2011 15:17 • #6


Schattenbinder
Hallo,

ich will versuchen, dir das so weit wie möglich zu erklären. Das ist nicht so leicht, weil die Gedanken, die man sich bei Zukunfts- oder Bindungsängsten macht, mitunter wirklich nicht in sich schlüssig sind. Übrigens ist das bei allen Angsterkrankungen so. Da hilft auch logisches Denken nicht, denn das funktioniert in solchen Momenten nicht.

Nehmen wir mal mich als Beispiel.
Mich haben einige Ereignisse in meiner Kindheit ganz besonders geprägt und es ist schwer für mich, über meinen Schatten zu springen und zu sagen: "Komm her, ich brauche dich, ich will mit dir zusammen sein." Da wäre einerseits die Situation, dass meine Mutter uns verlassen hat, als ich sechs Jahre alt war. Ich war schon immer sehr auf meine Mutter fixiert und dann ging sie einfach weg und ließ uns zurück. Als sie nach etwas über einem Jahr wieder zu uns zog, war sie aufgrund verschiedener Umstände dem Alk. und Tabletten sehr zugetan. Ich weiss noch, dass sie sich auf einer Feier einmal völlig betrunken und außer sich eingeschlossen hat und ich saß weinend vor der Tür und habe sie angefleht, mich rein zu lassen. Keine Chance. Ich bin nachts oft weinend aufgewacht und zu ihr ins Bett gekrochen. Bis sie mich einmal anschrie, ich solle nie wieder zu ihr kommen. Das habe ich auch nicht getan. Nie wieder. Bei niemandem. Meine Eltern haben sich dann scheiden lassen, das war eine schlimme Zeit, in der wir Kinder ausgespielt wurden gegen die Eltern und in der es nur Streit und Anfeindungen gab. Mit acht Jahren wollte ich mich umbringen. Da war ich zum ersten Mal beim Psychologen. Ich hatte immer das Gefühl, dass das alles meine Schuld wäre, dass ich nicht gut genug war. Ich begann mich zu hassen. Mobbing in der Schule folgte, schlimme Selbstzweifel, Depressionen in der Pubertät, Probleme im Umgang mit Menschen, die aus starker Unsicherheit entstanden.

Ich habe in meiner Kindheit gelernt, dass Nähe nur weh tut. Dass man immer wieder zurückgestoßen wird, wenn man Geborgenheit sucht. Dass ich nicht gut genug bin, um die Liebe anderer zu erlangen oder zu verdienen. Dass Zweisamkeit zerstörerisch wirkt. Mein Therapeut sagte mir, dass ich das Urvertrauen verloren habe. Und ja, ich denke, da ist was dran. Das Vertrauen in sich selbst, in andere und in das Leben ist kaum vorhanden.

Was bei mir passiert, wenn ich zu viel Nähe verspüre?
Als erstes mache ich mir Gedanken darüber, dass ich vor meinem Partner immer die tolle Frau sein muss, die man nicht verlassen will, weil sie alles mitmacht und immer gut drauf ist und man sich nie streitet. Ist man sich sehr nah, verbringt man viel Zeit miteinander, dann muss diese Maske ununterbrochen aufrecht erhalten werden. Das kostet viel Kraft und macht Angst, denn darf man dann noch man selbst sein?
Zieht man dann noch in eine gemeinsame Wohnung oder in ein Haus, geht man eine noch größere Verpflichtung ein. Was ist, wenn alles scheitert? Wie steht man finanziell da? Bricht evtl. auch ein Freundeskreis zusammen? Wie verkraftet man das emotional? Ist man bereit, diese Lasten auf sich zu nehmen? Was passiert in bestimmten Situationen? Bei Unklarheiten, bei Krankheit, bei schwierigen Themen?
Und die weitreichenden Konsequenzen bedenkt man natürlich auch. Ist es die richtige Entscheidung für mich? Kann ich mir sicher sein, dass dieser Mensch mir gut tun wird und die richtige Wahl ist? Was, wenn ich mich irgendwann mal anders entscheide? Wie sollen unsere Kinder aufwachsen? Wäre ich eine gute Mutter? Könnte ich überhaupt Mutter sein? Ich bin noch gar nicht bereit!

Wie gesagt, das ist jetzt mal aus meiner Sicht beschrieben. Von anderen Menschen mit Bindungsängsten habe ich die Probleme aber auch schon so oder so ähnlich geschildert bekommen.

Die Probleme und Gedanken wegschieben nützt auch leider nichts. Dein Freund kann sich für kurze Zeit davon befreien, aber dann sind sie ja eben wieder da. Und wenn das für euch beide so belastend ist, dann liegt schon was im Argen. Und ich denke, eine Abklärung könnte sich durchaus lohnen.

Lieben Gruß
Schabi

30.09.2011 15:26 • #7


Wenn ich einen schlechten Tag hab und mich meine Ängste übermannen, denke ich komplett irrationales Zeug, meine Gefühlsreaktionen stehen dann in absolut keinem adäquaten verhältnis zur Situation.
An solchen Tagen bzw. in solchen Situationen will ich dann oft radikale Entscheidungen treffen (zb. Arbeit kündigen) um aus der Situation zu flüchten und ihr zukünftig nicht ausgesetzt sein zu müssen. Bei mir ist es im Normalfall auch nach ein paar Tagen besser.

Inzwischen hab ich gelernt das ich in solchen Situationen bzw. an solchen Tagen keine wichtigen Entscheidungen treffe.
Inzwischen kann ich in solchen Situationen (zumindest immer öfter) erfolgreich meine Gefühlsrektion getrennt von meine ich betrachten, ich sag mir quasi das was du da jetzt fühlst ist vollkommen unverhältnismäßig und hat nichts mit der Realität zu tun sondern nur mein Phobie.

Zu Beginn als ich erkannt hab das ein Problem mit Ängsten hab, hab mir eine Lösung gewünscht bei der ich in meinem Zimmer bleiben kann solange bis ich meine Ängste losgeworden bin und dann erst wieder ausser Haus gehen muss.
Das funktioniert leider nicht.

Dein Freund sollte:
1.) Erkennen das er ein Problem hat
2.) Aufhören sich dafür zu schämen, vor allem vor sich selbst.

Ich hab sehr lange meine Probleme verdrängt, weil ich mich geschämt hab. Sobald in mir ein Gedanke aufkam der mir meine Situatione und meine Probleme vor augen geführt hat, hab ich mich extremst dafür geschämt das ich "nicht normal funktioniere" in der Gesellschaft, und hab den Gedanken daran sofort verdrängt durch ablenkung um die Scham nicht fühlen zu müssen.
"Niemand muss sich für die Probleme die er/sie hat schämen, schließlich hat sie sich ja niemand bewusst ausgesucht, nach dem Motto ich möchte eine Soziale Phobie haben"
(Der Satz zumindest sinngemäß hat mir sehr geholfen mich für meine Probleme nicht mehr zu schämen)
Wenn man sich für seine Probleme nicht mehr in Grund und Boden schämt kann man anfangen sie genauer zu betrachten und zu analysieren, sich hintergrundwissen anzueignen und hilfe in Anspruch zu nehmen, kurz man fängt an sie lösen.

Angst und Scham sind sehr unangehme Gefühle und man entwickelt Strategien diese Gefühle loszuwerden. Situationen zu vermeiden die Angst und Scham auslösen ist eien Strategie, leider wird die Angst vor der Situation jedesmal etwas größer wenn man sie vermeidet.

Kann er mit dir offen über seine Probleme reden oder versucht er schnell aus der Konversation zu flüchten wenn die Thematik aufkommt ?

30.09.2011 16:01 • #8


Hallo Schabi,

vielen Lieben Dank für die Antwort... das ist sehr ergreifend, was Du schreibst und ich glaub ich kann Dich nun aus deiner Sicht auch sehr gut verstehen.
Ich glaub, wenn man sich "neu" mit dieser Thematik auseindandersetzt ist es nicht ganz
einfach und vielleicht deshalb auch für mich und meinen Freund noch recht schwer...da er ja früher immer die Möglichkeit gehabt hat einfach wegzulaufen, was er jetzt mit mir nicht mehr machen möchte...worüber ich natürlich sehr froh bin.
Aber er macht sich auch immer so viele Gedanken, das er mir gegenüber alles Richtig machen muß und einfach perfekt sein sollte....was ich natürlich nicht erwarte und auch nicht will.....
Meinst Du, das wenn man jemand von Herzen liebt, man nicht über seine Ängste hinwegsehen kann, auch grad in deinem Fall !? Oder das man vor lauter Liebe Blind ist und die Ängste vergisst ?

GLG

04.10.2011 19:04 • #9


Hallo,

Dein Freund scheint sehr verunsichert zu sein. Das, was Du beschreibst, scheint mir eine Versagensangst zu sein. Kann er Dich ernähren? Kann er die Verantwortung tragen?

Du solltest das Gespräch mit ihm suchen.

10.10.2011 12:57 • #10



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