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Psycho93
Hallo,

ich habe bin zurzeit stationär in Therapie und habe etwa die Hälfte der Zeit rum.

Die ersten drei Wochen liefen gut, meine Depression hielt sich in Grenzen, dennoch entschied ich mich wegen nun seit gut einem halben Jahr andauernden Schlafstörungen und andauernden Ängsten im Zusammenhang mit Derealisation/Depersonalisation Trazodon verschreiben zu lassen.

Auf dem Papier sah alles gut aus: gegen Ängste und Depression, dazu noch ein gutes Schlafmittel. (in den USA wohl das meist verschriebene Schlafmittel).

Außerdem noch zwei weitere Argumente: Es soll sich nicht auf Gewicht und S.ualität auswirken.

Also dachte ich mir, was soll schon schiefgehen, die vorherigen Medikamente (Fluoxetin, Fluvoxamin) haben mir ja auch geholfen, und die sollen bezüglich Serotonin noch stärker wirken.

In der ersten Woche klappte das mit dem Schlafen überhaupt nicht (nahm 100mg).

Ich hatte andauernd unruhige Beine und einen trockenen Mund. Aber ich dachte mir wartest du mal ab, es dauert ja immer so zwei Wochen bis die richtig wirken und Nebenwirkungen können sich legen.

Meine Ängste und Depressionen (Grübeleien) waren dann im Laufe der ersten Woche plötzlich wie weggezaubert, ich weiß allerdings nicht ob es auch die Gleichgültigkit war die mir dieses Medikament verschaffte, ich konnte aber noch Gefühle empfinden.

Als ich dann mal am Wochenende zu Hause war, bemerkte ich eine Veränderung meines Spermas (Wässriger als sonst), und das der Orga. nicht mehr so intensiv war. Ich dachte mir erstmal nichts dabei.
Auch mein Wesen veränderte sich: es taten sich plötzlich Suizid- und Mordgedanken auf, als ich mit meinen Eltern zu Weihnachten am Tisch saß. Es machte mir Angst, aber auch das soll bei solchen Medikamenten in der Anfangsphae vorkommen dachte ich mir.

Als ich dann wieder zurück auf Station war und nach einer Woche auf 200 mg erhöht wurde, konnte ich endlich schlafen wie ein Baby. Allerdings wurde meine Derealisation so stark, das ich irgendwann nicht mehr wusste ob alles überhaupt noch real ist.

Unter der Dusche bemerkte ich dann noch Poten., ich fühlte mich ohnehin regelrecht Geschlechtslos.

Also entschied ich letztlich das Zeugs nach nur 9 Tagen aprubt abzusetzen, das war vor 5 Tagen.

Das Problem ist nun allerdings, das ich das Gefühl habe das Medikament immer noch zu nehmen: Ich habe nach wie vor einen trockenen Mund, kann kaum noch Emotionen empfinden, habe keinen S.ualtrieb mehr, fühle mich einfach unwirklich.

Es ist so, als würde alles bisschen was ich noch hatte auseinanderbrechen, und ich kann es nicht aufhalten.

Ich habe solche Angst, das sich mein Gehirn durch dieses Medikament dauerhaft verändert hat, ich PSSD (Post-SSRI S.ual dysfunction) habe und ich noch kaputter hier rausgehen werde als ich reingekommen bin.

Ich bereue es so sehr, wie konnte ich so dumm sein, warum habe ich es nicht einfach gelassen?

Ich wollte doch nur endlich wieder schlafen können und keine andauernden Vergiftungsängste mehr haben, und jetzt habe ich mich wohl selbst vergiftet, dabei hätte ich mir doch einfach was anderes verschreiben lassen können

Ich werde so missmutig ins neue Jahr starten wie noch nie

31.12.2017 11:16 • 13.10.2018 #1


10 Antworten ↓


Schlaflose
Mit hat Trazodon (bis 100mg) zum Schlafen überhaupt nicht geholfen. Es heißt auch, wenn es unter 100mg beim Schlafen nicht hilft, hat eine höhere Dosis dafür auch keine Wirkung. Mundtrockenheit und auch unruhige Beine sind eine häuige Nebenwirkung von beruhigenden ADs in höherer Dosierung. Wegen unruhiger Beine und starken Rückeverspannungen musste ich Mirtazapin nach 2 Wochen absetzen. Auch Suizidgedanken sind bei ADs in der Einschleichpase ein häufiges Phänomen.

Zitat von Psycho93:
Das Problem ist nun allerdings, das ich das Gefühl habe das Medikament immer noch zu nehmen: Ich habe nach wie vor einen trockenen Mund, kann kaum noch Emotionen empfinden, habe keinen S.ualtrieb mehr, fühle mich einfach unwirklich.


In den 9 Tagen, wo du es genommen hast, hat sich ein Wirkstoffspiegel im Blut aufgebaut, der nach 5 Tagen ohne Einnahme immer noch nicht ganz abgebaut ist. Deswegen halten die Symptome noch an.

Zitat von Psycho93:
Ich habe solche Angst, das sich mein Gehirn durch dieses Medikament dauerhaft verändert hat, ich PSSD (Post-SSRI S.ual dysfunction) habe und ich noch kaputter hier rausgehen werde als ich reingekommen bin.


Dafür hast du es viel zu kurz genommen. Das passiert, wenn überhaupt, nach langer Einnahmezeit.

31.12.2017 11:58 • #2



Medikament Trazodon hat alles verschlimmert?

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Grashüpfer
Hallo Psycho93 ,

ich habe mit Trazodon leider auch keine guten Erfahrungen gesammelt. Anhand deines Usernames vermute ich, dass du Mitte 20 bist? Wenn das stimmt, kann dir evtl. das hier weiterhelfen:

Ich hatte mit 25/26 eine schwere Depression und habe anfangs Mirtazapin genommen. Wegen sich verändernder Blutwerte musste ich es nach einigen Monaten aufhören, obwohl es mir gut geholfen hat. Das neue Medikament hatte NWs, die für mich schwierig waren. Einige Zeit später - es war in den Semesterferien - war ich bei meinen Eltern und ging dort zum Arzt, weil ich keine Tabletten mehr hatte und mit den NWs des Medikaments nicht so gut klar kam. Die fremde Ärztin verschrieb mir Trazodon - und nach nur einem Tag ging es mir richtig schlecht, viel viel schlechter als je zuvor. Ich war völlig benommen, bleiern müde, konnte kaum die Augen öffnen geschweige denn aufstehen, fühlte mich wie neben mir, hatte irgendwie keinen Bezug zur Realität um mich herum mehr, und psychisch fühte ich mich schrecklich. Ich ging wieder hin - nein, es sei ein gutes Medikament und ich solle ein paar Tage abwarten.
Wieder zurück an meinem Studienort ging zu meinem dortigen Psychiater. Der schlug die Hände über dem Kopf zusammen! Wer um Himmels Willen mir DAS verordnet hätte! Er erklärte mir, dass es kein Wunder sei dass es mir so schlecht ging, weil das Medikament auf den Stoffwechsel älterer Menschen zugeschnitten sei, bei jungen Erwachsenen aber völlig ungeeignet sei, da deren Stoffwechsel ja ganz anders funktioniert und verläuft.

In wieweit das heute noch zutrifft, kann ich dir nicht sagen, das sich die einzelnen Medikamente ja weiterentwickelt haben. Trotzdem denke ich, dass sich die Grundzusammensetzung und -ausrichtung von Trazodon wahrscheinlich nicht groß verändert hat. Das ganze ist bei mir 15 Jahre her. Die NWs, die du schilderst, kenne ich nicht. Aber vielleicht wäre es gut für dich, eine zweite Meinung einzuholen? It wahrscheinlich schwiwriger, wenn du in stationärer Behandung bist, aber ich würde es trotzdem versuchen anzusprechen.

Viele Grüße,
Grashüpfer

31.12.2017 12:17 • #3


petrus57
@Psycho93

Hast du das mit den Suizid- und Mordgedanken immer noch? Ich bekam das vor gut 1 1/2 Jahren unter Sertralin. Habe heute immer noch damit zu kämpfen. Nur ist es nicht mehr so krass wie früher. Aber immer noch echt nervtötend.

Petrus

31.12.2017 12:38 • #4


Grashüpfer
Also, dass ein Medikament, das solche Nebenwirkungen wie Mordgedanken und auch anhaltende oder wiederkehrende Suizidgedanken macht, überhaupt zulässig ist, finde ich schon sehr bedenklich! Müsste hier nicht der Schutz der Allgemeinheit und auch der Schutz vor sich selbst stärker wiegen? Dass ADs Suizidgedsnken in der Anfangsphase machen können, ist ja leider häufig der Fall, Aber was ihr da bescheibt, klingt ja, als ob es über sehr lange Zeiträume immer wieder kehrt!
Natürlich soll es helfen - aber was die Pharmaindustrie alles zulässt, ist zum Teil einfach nur unverantwortlich und haarsträubend!
Musste mal wieder gesagt werden.

31.12.2017 13:04 • #5


petrus57
@Grashüpfer

Das erste mal Selbstmordgedanken bekam ich ja unter Antibiotika. Dann war eine Weile Ruhe. Dann bekam ich alle paar Monate mal Zwangsimpulse mit Flashbacks. Mit der Einnahme von Sertralin, die ja in der Klinik auf 150 mg hochdosiert wurden, ging dann richtig die Post ab. Da fingen dann die Zwangsgedanken an. Aus der Klinik wurde ich natürlich als stabilisiert entlassen obwohl es mir beschissener als vorher ging.

Nun habe ich mal ein paar gute Tage und dann wieder weniger gute.

31.12.2017 14:15 • #6


Schlaflose
Zitat von Grashüpfer:
Also, dass ein Medikament, das solche Nebenwirkungen wie Mordgedanken und auch anhaltende oder wiederkehrende Suizidgedanken macht, überhaupt zulässig ist, finde ich schon sehr bedenklich!


Eigentlich kann das bei allen Antidepressiva auftreten, aber nur in den ersten Wochen. Das liegt daran, dass die antriebssteigenrnde Wirkung vor der stimmungsaufhellenden Wirkung eintritt. Das steht im Beipackzettel und man kann sich darauf einstellen. Bei mir war das aber bei keinem AD der Fall.

Wenn jemand so extrem reagiert wie der User sind das Einzelfälle, die bei den langjährigen Studien, die vor der Zulassung durchgeführt wurden, nicht aufgetreten sind.

31.12.2017 15:16 • #7


Psycho93
Hallo,

ich wollte mal Rückmeldung geben.
Meine Potenz und Sper. scheinen sich erholt zu haben, allerdings habe ich durch Trazodon irgendwie bleibende Missempfindungen und meine Emotionen sind allgemein herabgesetzt, nach wie vor auch fast keine Libido. Ob es noch die Angst/Depression ist weiß ich nicht, evtl. hat Trazoon auch die Hormone total durcheinander gewirbelt.
Ich werde dieses Medikament jedenfalls nie wieder nehmen, sowas hab ich noch nicht erlebt.
Es hat sich angefühlt als würde sich Säure durch meine Wirbelsäule fressen, und das ironische ist das es überall als leichtes Antidepressivum mit wenig Nebenwirkungen beschrieben wird... o.O

17.01.2018 20:35 • #8


Psycho93
Tja was soll ich sagen, ich habe Trazodon jetzt vor 5 Monaten abgesetzt und immer noch die Symptome.
Es ist erschreckend zu glauben das 11 Pillen so viel Schaden angerichtet haben.
Demnächst gehe ich ins Krankenhaus alles checken lassen, hoffentlich finden die was.

28.05.2018 01:05 • #9


Ich hab mit dem Medikament keine Erfahrung. Und ich glaube dir gerne, mein Beileid.

Aber was ich dir vom Mindset her empfehlen kann:

Also Post Sexuale Dysfunktion hast du ja körperlich scheinbar nicht, weil ja alles wieder geht. Libido ist sowohl körperlich als auch psychisch beeinflussbar. Die anderen beschriebenen Symptome auch.

Medikamente werden schon ganz gut getestet und du hast das nur kurz genommen.

Ich würde erstmal von dem Gedanken / der Angst abrücken, dass da körperlich oder gehirnmäßig was kaputt ist. Sehr sicher nicht nach der kurzen Zeit und Dosis.

Es kann aber sein, dass dich in einer psychischen Ausnahmesituation (schon vor dem Medikament) dich das richtig richtig getriggert hat. Also so vom negativen Impact. Quasi traumatisch.

Bevor du nichts weißt, finde ich das auf jeden Fall die bessere und positive Haltung. Statistisch auch erstmal die wahrscheinlichere Haltung.

Also wenns geht so auf die Sache drauf schauen.

Als Angst/Psychosomatik Patient neigt man dazu solche Symptome als endgültig, körperlich irreversibel zu sehen etc.

Wenns aber wirklich psychisch so lange nachhallt, dann tut man sich halt mit der Grübelei und Angst/Einstellung, dass das ganze körperlich/permanenter als Psyche ist keinen Gefallen in der Heilung.

Na, schwierige Sache. Weiß auch nicht, ob ich das könnte. Ablenken und nicht auf die Symptome achten ist auch immer gut, aber schwierig. Kann ich auch nicht so gut.

28.05.2018 01:49 • x 1 #10


Psycho93
Moin,
es ist wieder einige Zeit vergangen und ich kann leider nur sagen, dass ich nach wie vor mit den Symptomen zu kämpfen habe. Diese umfassen neben dem Taubheitsgefühl im Genitalbereich, kaum vorhandener Libido und wässriger, verminderter Samenmenge auch Schmerzen im Beckenbodenbereich.
Sämtliche Ärzte konnten bisher nichts finden. Wenn man bedenkt, dass es sich dabei um komplexe neurochemische/hormonelle Vorgänge handelt, die noch nicht verstanden sind, wundert das nicht. Ich habe heute jedenfalls Anzeige an den Psychiater erstattet, der mir damals dieses Gift verschrieben hat.
Ich glaube zwar kaum das es zu einem Gerichtsprozess kommt, aber versuchen kann man es ja.
Mein Leben ist jedenfalls ruiniert.

13.10.2018 18:41 • #11



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