Hallo Tex,
danke - das passt wohl recht gut ins Gesamtbild und ich möchte diesen Nachtrag in meine noch ausstehende Fortsetzung integrieren.
Zitat von Sinnsucher:
Wie meinst du das mit ein "ich" vor der Auflösung? Erschreckend gut finde ich den zweiten Teil Diffuse Existenzangst wird umgeleitet auf Objektfurcht... ich glaube das ist, was ich tue und was ich auch schon früher gemacht habe. In meinem alten Beitrag! Das ist echt super!
"Erschreckend" trifft es wohl ganz gut

. Aber das Umleitungsobjekt sind nicht nur die "Materialien" des Hobbys sondern
sämtliche geistigen Aspekte, die damit
zusammengedacht werden.
Um das "Erschreckende" an dieser Umleitung wirklich zu verstehen, möchte ich den Unterschied zwischen Existenzangst und Objektfurcht klarer darstellen:
ExistenzangstEin "Ich" hat automatisch nahezu stetige Angst vor dem Erlöschen, vor der Auflösung, vor dem "Tod". Es hat damit genau genommen keine Angst
vor etwas, sondern Angst
um etwas, nämlich um "
sich".
Dies ist bereits ein Widerspruch in sich, denn die Angst ist
subjektivgerichtet.
Wie bei jeglicher (normalen) Furcht bedarf es zu ihrer Beschwichtigung einer Betrachtung und Beurteilung von (Furcht-)Objekt und (bedrohtem) Subjekt. Im Falle dieser subjektivgerichteten Existenzangst ist das jedoch für unseren "Alltagsgeist" unmöglich. Warum?
Weil wir dafür dieses "Ich" untersuchen, verstehen müssen und
dann erst die Angst untersucht und beurteilt werden kann. Die Beschäftigung mit dem "Ich" ist jedoch weder einfach noch leicht. Hierzu habe ich mal einen etwas ausführlicheren Beitrag reingestellt; wenn Du magst, kannst Du ihn mal in Ruhe lesen:
erfolgserlebnisse-f59/sammelthread-kontemplationen-fuer-individuelle-probleme-t107790-30.html#p2427727Das dürfte auch erklären, weshalb der Mensch idR sehr ungern dieser Existenzangst nachgeht: er
ahnt nämlich (unterbewusst), dass dieses "Ich" gar nicht zu finden ist, zumindest nicht dergestalt, wie
es sich für ihn anfühlt. Und deshalb verlagern viele empfindsame Menschen diese Existenzangst auf die
ObjektfurchtHier nämlich fühlt sich das Ich, das Ego, vollumfänglich bestätigt. Es kann seine Struktur aufrechterhalten und voll ausagieren. Denn je mehr Angst man
vor etwas hat, umso dualistischer ist die Welt. Hier kann man alle seine gelernten Unterscheidungen, Vorurteile, Kategorien und Bewertungen zum Einsatz bringen. Und jetzt kommts: indem wir Angst
vor etwas haben, glauben wir, einen
Lösungsansatz zu haben. Wir können
a) das Objekt der Furcht bekämpfen, verdrängen, uns schönreden
b) uns davor (vermeintlich) schützen (z. B. durch Verhaltenstherapie)
c) und es somit insgesamt
behandeln.
Durch diesen Ablauf entsteht das, wonach sich jedes Ego zutiefst sehnt: eine
Kontrolle. Natürlich ist diese ebenso Illusion wie das o. g. Ich-Empfinden, doch da wir uns nie mit dem Ich beschäftigt haben, werden wir immer auf diesem Nebenspielplatz, nämlich der Objektfurcht, weiter in der 2. Liga spielen.
Unterbewusst hoffen wir, dadurch in die 1. Liga (Konfrontation mit und Lösung der Existenzangst) aufzusteigen, doch so läuft das nicht.
Ergo: Obwohl die Existenzangst gerne auf die Objektfurcht umgeleitet wird, besteht zwischen den beiden lediglich eine
strukturelle Verbindung. Ihr
Wesen jedoch ist völlig unterschiedlich. Das ist auch der Grund, weshalb m. E. mit Verhaltenstherapie niemals die Existenzangst weder adressiert noch in aller Tiefe verstanden und aufgelöst werden kann. Es gibt keine Möglichkeit, durch noch so intensives Beschäftigen mit der Objektfurcht in die 1. Liga aufzusteigen. Das einzige, was Liga 2 und Liga 1 miteinander verbindet, ist
das ungute Gefühl und die Ablehnung desselben. Wir
wollen weder Furcht noch Angst haben.
Und hier kommen wir zu dem Handeln durch Nicht-Handeln:
Zitat von Sinnsucher: D.h. ich mache nichts und tue einfach so, wie wenn das nicht wäre und mache einfach mein Ding?
Wenn Du das kannst, ja. Doch ich fürchte....

Was ist denn eigentlich
Dein Ding? Kann es ohne diesen Freund überhaupt (noch) so sein, wie vorher? Höchstwahrscheinlich fielen einfach weitestgehend die
Bedingungen weg, die dieses Hobby
seinerzeit so erfüllend machten. Deshalb würde ich nun einfach mal sowohl die Gedanken an das Hobby und seine Ausführung
lassen. Lassen bedeutet nicht aufgeben oder beenden. Lassen ist ein Weder-Noch. Du beziehst KEINE Stellung zu etwas. Das Thema wird sich im Laufe der Zeit
in seiner bisherigen (!) Form "auslaufen". Du darfst dabei nicht den Plan hegen, dass Du es zeitnah wieder aufleben lässt.
Wer keine Stellung zu einem Objekt bezieht, für den existiert dieses Objekt nicht.Und parallel würde ich mich an Deiner Stelle mit der o. g. Existenzangst näher beschäftigen. So wie ich Dich einschätze, wirst Du ziemlich bald die Hinfälligkeit unserer "Objektfurchtbemühungen" erkennen. Du wirst idealerweise auch sämtliche anderen Neigungen und Abneigungen des Alltagsgeistes in einem anderen Licht sehen.
Zitat von Sinnsucher: Alles, was bei mir im Haus steht, erinnert mich teilweise an das Hobby und damit an früher. Ich will das am liebsten alles weg haben, damit mich nichts erinnert. Aber die Sachen sind mir auch selbst wichtig, ich sehe es auch nicht ein, alles neu zu kaufen. Daher gebe ich sie nicht weg, sondern behalte sie und versuche es auszuhalten. Und das ist dieser Kampf. Die Sachen sind für mich einfach zu wertvoll, ich will mich davon nicht trennen. Aber mit ihnen kommt immer diese Erinnerung.
Hier scheint, wenn Du genau hinsiehst, die Existenzangst durch: die Sachen sind deshalb so "wertvoll", weil sie Dich an ein "Ich" erinnern, das nie mehr so sein kann wie "früher". Ich Wirklichkeit hat diese Ich-Illusion lediglich einen anderen Geschmack angenommen - den (sehr realen!) Geschmack der Veränderlichkeit. Die absolute Unmöglichkeit, zu diesem alten Er-Leben (dem alten "Ich") zurückzukehren
ist dieser Kampf, von dem Du sprichst.
Zitat von Sinnsucher: Und dann merke ich, dass mich das belastet und dann werde ich wieder wütend. Weil quasi mein Haus voller Sachen ist, die mich nun daran erinnern. Ich möchte aber einfach nicht alles aufgeben, was mir wertvoll ist. So und das ist der Konflikt, der glaub mir auch körperlich zu schaffen macht.
Korrekt und klar erkannt!

Also: inzwischen dürftest Du gelernt haben, dass es nichts aufzugeben
gibt (letztlich nicht mal einen, der etwas aufgibt - aber das führt wohl gerade zu weit...

). Lass es einfach (sein, wie es ist). Nimm
Dich raus. Lebe mit den Dingen in Deinem Haus im Einklang. Irgendwann vielleicht kommt der Tag, wo eine "neues" (anderes) "Tex-Ich" weiß, dass alles weg kann oder Du nimmst sie aus einer neuen Perspektive wahr und gehst damit unvoreingenommen, "neu" um.