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201703.12




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Hallo liebe Forums-Mitglieder!

Ich bin männlich, 22 Jahre alt und habe folgendes Problem:

Vor ziemlich genau 5 Monaten verspürte ich ganz plötzlich an einem (eigentlich ruhigen) Nachmittag zu Hause folgende Symptome:

Einen permanenten, diffusen Betrunkenheitsschwindel, wie schwankend / Benommenheit / Gehirnnebel. Ich kann dieses Gefühl einfach so schwer beschreiben. Als hätte ich am Vortag eine Flasche Vodka getrunken und die Nacht durchgemacht.
Außerdem einen dauerhaften Tinnitus im linken Ohr (Geräusch ähnlich einer Sinuslinie).

Es sind keine Vorerkrankungen bekannt. Ich habe nie geraucht und an den Wochenenden nie mehr als 1-2 B. getrunken, da ich generell kein Fan von Alk. bin.
An Allergien ist lediglich eine Laktoseintoleranz bekannt.

Nach 3 Tagen begab ich mich selbst ins Krankenhaus, dort wurden folgende Untersuchungen gemacht:

großes Blutbild = völlig in Ordnung
EKG = völlig in Ordnung
MRT Gehirn = ohne Befund (bis auf eine 6mm Pinealiszyste)

Danach überstellt ins nächste Krankenhaus mit HNO-Schwerpunkt:

wieder großes Blutbild = völlig in Ordnung
wieder EKG = völlig in Ordnung
Schellong-Test = völlig in Ordnung
Frenzel-Brille = o.B. - kein Nystagmus feststellbar
Sonographie Halsschlagader = völlig in Ordnung
danach durchblutungsfördernde- und Vitamin-Infusionen

Am nächsten Morgen wurde ich mit der Diagnose atypischer Lagerungsschwindel und einem Blatt Papier mit bestimmten Lagerungsübungen entlassen.
Nun gut, ich habe den Göttern in Weiß vertraut und die Übungen brav mehrmals täglich durchgeführt - der Erfolg ließ natürlich auf sich warten, die Symptome waren unverändert.

Danach nahm ich mein Schicksal selbst in die Hand und es folgte eine Ärzte-Odysse:

unzählige Male beim Hausarzt

HWS-Röntgen
Befund: Incipiente Arcuäre linkskonvexe Streckfehlhaltung (Verdacht auf Rotationsblockierung). Gering höhenreduziertes Bandscheibenfach C II / CIII.
Minimal erweiterter Atlanto-Dentalspalt rechts. Engergestelltes Atlanto-Axialgelenk vor allem links lateral. Keine Halsrippen.

BWS-Röntgen
Befund: Initiale linkskonvexe Kyphoskoliose.
Zwölf rippentragende BWK, wobei der Th XII lediglich Stummelrippchen trägt.
Zarte flache muldenförmige Eindellungen der WK-Abschlussplatten vor allem im dorsalen-Abschnitt der mittleren BWK wie bei zarten Schmorlschen Knötchen (fraglich als Ausdruck eines atypischen Morbus Scheuermann).
Keine Verbreiterung der paravertebralen Weichteilzone.

HWS-MRT auf eigene Kosten
o.B.

mehrmals beim Orthopäden
Befund: oberes Cervikalsyndrom

mehrere Blutbilder
o.B.

neurologische Notfallambulanz
Befund: cervikogener Schwindel

Schwindel-Ambulanz
o.B.
Außerdem sagte man mir dort, eine Art Dauerschwindel kann niemals, niemals von der HWS kommen?!

Sonographie Schilddrüse (+TSH, fT3, fT4)
o.B.

Borreliose-Antikörpertest
negativ

3 verschiedene Neurologen
o.B. (vegetative Dystonie)

2 verschiedene HNO-Ärzte
o.B.

3 Heilpraktiker
Befund: Wirbelsäule als Hauptauslöser

Zahnarzt
o.B. (habe auch keine Füllungen o.Ä.)
Knirsche allerdings mit den Zähnen und habe deshalb bereits seit 2 Jahren eine Nachtschiene.

Facharzt für Psychologie
rein psychische Komponente fragwürdig

8 Einheiten manuelle Therapie gemischt mit Osteopathie & Cranio-Sacral
sehr heftig reagiert, wurde mir danach zu viel und ich habe abgebrochen (evtl. doch HWS?)



Medikamententechnisch habe ich bisher ohne Erfolg folgendes ausprobiert:

Betaserc (Hausarzt)
Taumea
Vertigoheel (Hausarzt)
unzählige Globulis (Homöopath)
Vertirosan B6 (Neurologe)
Trittico (Psychologin)

Hat mich total matschig gemacht, Schleimhäute sind zugeschwollen, bin ohnehin schon recht antriebslos.
Cipralex (Hausarzt)
Hab ich überhaupt nicht vertragen, die anfänglichen Nebenwirkungen waren wirklich kaum auszuhalten, also wieder abgesetzt.



Was ich derzeit täglich mache ist:
- Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
- Yoga
- Mobilisation der Wirbelsäule
- Gleichgewichtstraining
- ausgedehnte Spaziergänge (täglich, ohne Ausreden)

Ich fing halt mit der Zeit an, über den Tellerrand hinauszublicken und zog die absurdesten Sachen in Betracht, also habe ich
- Vitamin B12-Mangel
- Vitamin D-Mangel
- Eisen-Mangel und
- Zöliakie ausschließen lassen.
Danach bekam ich den Tipp mit der Histaminintoleranz im Zusammenhang mit Schwindel bzw. Gehirnnebel, also hielt ich über mehrere Wochen eine Eliminationsdiät = keine Besserung.
Ein Prick-Test ergab ebenfalls keinen Aufschluss über etwaige Allergien.
Außerdem habe ich noch den Schlafplatz gewechselt, mir ein teures Nackenkissen gekauft und bin sogar über Monate wieder zu meinen Eltern gezogen, auch das brachte keine Symptombesserung.

3 Wochen bevor die Symptome begonnen haben, sind ich und meine Freundin umgezogen, haben also viel schwere Möbel geschleppt und ich hatte echt (auch in den Wochen zuvor) extremen Stress, welchen ich mir z.T. natürlich auch selbst gemacht habe, dazu neige ich nämlich.
Vor einigen Wochen ließ ich mich auf die Warteliste zur Psychotherapie setzen (Wartezeit ohnehin 3-4 Monate), weil ich mir einfach dachte Was hast du schon noch zu verlieren?.
Nun ja, an Autofahren oder mit Freunden treffen ist nicht mehr zu denken. Die Benommenheit ist generell ständig anwesend, auch bei Ablenkung. Das Einzige, was mir derzeit noch Hoffnung gibt, sind meine herzensgute Freundin und meine Eltern.

Schlimmer wird die Benommenheit bzw. der Schwindel bei anstrengender Bewegung (auch Sport), nach dem Aufstehen aus dem flachen Liegen, nach dem Aufrichten aus gebückter Haltung als würde man etwas aufheben und was ich bis jetzt so beurteilen konnte auch nach dem Genuss von etwas Alk..

Das Ganze schlägt mir so heftigst auf die Psyche, dass ich tagtäglich nur noch verzweifelt am Weinen bin, weil mir keiner mehr helfen kann und mich ein Großteil der Ärzte aufgrund meines jungen Alters auch nicht ernst genug nehmen. Daraus resultierend habe ich mir über die Monate nun auch noch eine chronische Gastritis gezüchtet, also kommen jetzt noch stechende Magenschmerzen und gelegentliche Übelkeit hinzu.

Ich bin seitdem nicht mehr arbeitsfähig. Den Job habe ich voriges Monat dadurch bereits verloren. Die Krankenkasse macht mir immensen Druck und schreibt mich immer wieder mal gesund, weil ja sämtliche Untersuchungen ständig ohne Befund sind.

Seid ihr der Meinung, ich sollte wieder zur Psychologin und es nochmals mit einem Antidepressivum versuchen? Dass evtl. doch eine psychische Komponente dahintersteckt, wie z.B. eine Angststörung, obwohl sich der Schwindel so verdammt echt und körperlich anfühlt?
Wie schon weiter oben geschrieben, 90% der Ärzte mit denen ich mich unterhalten habe, meinten, dass ein permanenter Schwindel / Benommenheit ganz sicher nicht von der Wirbelsäule kommt bzw. kommen kann?!

Ich habe mit Sicherheit einige kleine erfolgte Untersuchungen vergessen zu schreiben, jedoch kann ich mich auf alles in den letzten 5 Monaten gar nicht mehr genau erinnern.

Mit meinem Latein bin ich mittlerweile am Ende. Vielleicht kann mir ja noch jemand helfen oder Tipps geben - ich wäre euch sooo dankbar!

Danke an alle, die sich die Zeit nehmen das durchzulesen!

LG

Auf das Thema antworten
Danke2xDanke


2116
103
Ruhrgebiet
1202
  03.12.2017 22:56  
Ich habe mal einige Monate an psychogenem Schwankschwindel und Gangunsicherheit gelitten, dazu das Gefühl der Derealisation. Sagen dir diese Begriffe etwas?

Dein Schwindel ist kein Drehschwindel, habe ich das richtig verstanden?





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  03.12.2017 23:27  
hazyhue hat geschrieben:
Ich habe mal einige Monate an psychogenem Schwankschwindel und Gangunsicherheit gelitten, dazu das Gefühl der Derealisation. Sagen dir diese Begriffe etwas?

Dein Schwindel ist kein Drehschwindel, habe ich das richtig verstanden?


Derealisation / Depersonalisation sagt mir was, ja. Kann ich aber definitiv ausschließen. Durch diese ständige Benommenheit habe ich natürlich eine andere "Wahrnehmung", aber weder ich, wenn ich mich in den Spiegel schaue, noch meine Umwelt kommen mir fremd vor.

Genau, definitv kein Drehschwindel. Ich beschreibe das Gefühl den Ärzten immer so, wie wenn man leicht angetrunken ist. Betrunkene schwanken ja quasi auch. Nur schwankt mein Körper kein bisschen, sondern ich hab lediglich das Gefühl in meinem Kopf.
"Gesunde" können das Gefühl ganz gut imitieren, indem sie sich hinsetzen oder hinstellen, sich vorstellen der Kopf sei sehr schwer und ihn dann ganz locker und leicht nach hinten und vorne bzw. links und rechts schwenken, ohne den Hals dabei zu drehen. Richtig schlimmes Gefühl auf Dauer. Hoffe das ist halbwegs verständlich formuliert.

Lg



2116
103
Ruhrgebiet
1202
  03.12.2017 23:44  
Ja. Kenne ich sehr gut. Auch dauerhaft über Monate. Google mal phobischen Schwankschwindel. Diese Seite beschreibt es ganz gut:
http://www.drhschaaf.de/Psychogener Schwindel fuer Betroffene.htm

Bei mir tritt es übrigens auch völlig ohne Angst oder Panik auf, also als einziges Symptom.

Edit: links funzt nicht richtig. Google wird dir aber helfen :)





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  04.12.2017 00:05  
hazyhue hat geschrieben:
Ja. Kenne ich sehr gut. Auch dauerhaft über Monate. Google mal phobischen Schwankschwindel. Diese Seite beschreibt es ganz gut:
http://www.drhschaaf.de/Psychogener Schwindel fuer Betroffene.htm

Bei mir tritt es übrigens auch völlig ohne Angst oder Panik auf, also als einziges Symptom.

Edit: links funzt nicht richtig. Google wird dir aber helfen :)


Danke. Ja, phobischen Schwankschwindel kenne ich natürlich, deshalb auch das Trittico bzw. das Cipralex genommen.

Wie hast du den Schwindel letztendlich "besiegt"? Oder hast du ihn immer noch? :o



2116
103
Ruhrgebiet
1202
  04.12.2017 00:15  
Ich bekomme ihn, wenn es mir psychisch schlecht geht. Das beeindruckt mich aber mittlerweile nicht mehr sonderlich, ich habe ihn als Teil meiner Angsterkrankung akzeptiert.
Ansonsten ist er aber abwesend :)

Damals ist er übrigens erst verschwunden, als ich begonnen habe, ihn hinzunehmen. Vor allem die Tatsache hinzunehmen, dass er tatsächlich psychischer Natur ist. Das hat allerdings etliche Wochen gedauert. Am Anfang hatte ich immer Angst, dass ich nen Tumor oder sowas habe. Das hat sich dann aber gelegt.



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  04.12.2017 07:28  
Hast du Nacken oder Rücken schmerzen? Verspürst du Druck im Kopf oder Kopfschmerzen?
Ist dir manchmal leicht übel?

Hast du deine Weisheitszähne noch?





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  04.12.2017 10:35  
Infobob hat geschrieben:
Hast du Nacken oder Rücken schmerzen? Verspürst du Druck im Kopf oder Kopfschmerzen?
Ist dir manchmal leicht übel?

Hast du deine Weisheitszähne noch?


Seit ich mir täglich Zeit für die Übungen nehme und so viel Bewegung wie möglich mache, geht es mit den Nacken- und Rückenschmerzen. Habe bzw. hatte einen Bürojob, immer ohne körperlichen Ausgleich vollzogen.
Druck im Kopf bzw. Kopfschmerzen habe ich schon ein paar mal in der Woche, auch dafür wurde keine gravierende organische Ursache gefunden. Kommt vielleicht eher vom verspannten Nacken.
Leicht übel ist mir, ja - aber wie oben geschrieben, habe ich seit einiger Zeit eine chronische Gastritis.

Nein, die Weisheitszähne sind bereits draußen.



  04.12.2017 11:21  
Falco hat geschrieben:

Derealisation / Depersonalisation sagt mir was, ja. Kann ich aber definitiv ausschließen. Durch diese ständige Benommenheit habe ich natürlich eine andere "Wahrnehmung", aber weder ich, wenn ich mich in den Spiegel schaue, noch meine Umwelt kommen mir fremd vor.

Lg


Hallo.

Das ist ja echt eine Odyssee bei dir!

Sind die beiden Gründe die einzigen aufgrund derer du die Dissos ausschließt?





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  04.12.2017 12:43  
Flocke37 hat geschrieben:
Hallo.

Das ist ja echt eine Odyssee bei dir!

Sind die beiden Gründe die einzigen aufgrund derer du die Dissos ausschließt?


Hallo,

nein ich war auch bei einer Psychotherapeutin zur umfassenden, psychologischen Diagnostik und sie meinte, Dereal./Depersonal. könnte sie bei mir ausschließen.
Ob der Schwindel eine rein psychische Komponente hat, ist in ihren Augen mittlerweile schwer zu sagen, da ich mich in den letzten Monaten mit fast nichts anderem beschäftigt habe und eigentlich jeder Mensch nach so langer Zeit Ängste verschiedenster Art entwickle... :(
Trotz allem hat sie mir zu einer medikamentösen Therapie geraten.

Danke1xDanke

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