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Piglet 66
Hallo,

ich bin noch relativ neu hier und traue mich noch nicht so richtig Beiträge zu schreiben, lese eher still mit. Aber eine Frage liegt mir auf dem Herzen und ich hoffe, dass diese hier richtig plaziert ist

Ich habe meine Mutter verloren als ich 9 Jahre alt war, plötzlich und unerwartet, wie es in den Todesanzeigen immer so treffend heißt. Das hat mein Leben natürlich brutal verändert, in dem Moment starb eigentlich auch unsere Familie, nichts war mehr so wie es sein sollte. Meine Mutter starb nachts, Herzanfall, wir wurden sozusagen aus dem Schlaf gerissen. Ich war dann leider ziemlich alleine mit diesem ungeheuerlichen Erlebnis, meiner tiefen Angst und diesem eigentlich nicht auszuhaltenden Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit. Mein Vater und meine Oma waren natürlich auch völlig überfordert mit der Situation, meine beiden älteren Geschwister ebenfalls, der Notarzt kam, der Pastor (bin in einer sehr ländlichen und katholischen Gegend aufgewachsen), der Bestattungsunternehmer, später Nachbarn und Verwandte...und ich durfte nicht in das Schlafzimmer meiner Eltern, wo meine Mutter lag, sondern musste mich in das Bett meiner Oma legen, es kam immer wieder jemand nach mir schauen, aber es war für die damals 9-jährige wahrscheinlich der blanke Horror, all' die Geräusche zu hören, das Nichtverstehen ( wie kann ein kleines Mädchen sowas auch verstehen...) und kaum jemand war da, der in den Arm nahm und tröstete.

Ich erzähle meine Geschichte hier etwas ausführlicher, damit ihr versteht, warum ich auch heute, fast 40 Jahre nach diesem Ereignis, immer noch die Nachwirkungen spüre, das Trauma war danach nicht zu Ende. es folgte eine besch... Kindheit und Jugend mit einer Stiefmutter im wahrsten Sinne des Wortes, ständigen Spannungen und Streitigkeiten zu Hause, einem hilflosen Vater der Trost im Alk. suchte und später auch starb, meiner Meinung nach an gebrochenem Herzen.

Mit 20 hatte ich dann meine erste ausgewachsene Panikattacke und ich denke, ich muss hier nicht weiter beschreiben, wie der Weg weiter ging, weitere Attacken folgten, Angst vor der Angst, Medikamente, Therapien etc. etc.

Erst jetzt habe ich eine Therapeutin , mit der ich wohl den Schlüssel gefunden habe, an den Traumata zu arbeiten, körperorientierte Therapie, Arbeit mit dem inneren Kind usw. Und erst jetzt wird mir bewusst, welche Auswirkungen dieser frühe Tod der Mutter, der Verlust jeglichen Vertrauens, die brutale Erkenntnis, dass nichts sicher ist, auf meine Entwicklung und mein Leben hatte und noch hat.

Und daher möchte ich hier im Forum fragen, ob es noch mehr Betroffene gibt, die ein früher Verlust in der Kindheit aus der Bahn geworfen hat und wie sich dieses Ereignis auf deren Leben ausgewirkt hat. Ich würde mich sehr über Rückmeldungen und einen Austausch freuen, auch von Menschen, die aus anderen Gründen an tiefen Verlustängsten leiden.

Jetzt habe ich ganz viel geschrieben, danke allen fürs Lesen und muss mich jetzt nur noch trauen, auf den "Absenden"-Button zu klicken...

14.03.2014 10:03 • 29.09.2017 #1


11 Antworten ↓


Hallo...
meine Mutter ist zwar nicht gestorben aber psychisch krank seitdem ich klein war sie erzählte mir das sie jetzt stirbt und als Engel immer auf mich aufpasst usw. das war einen Tag vor Muttertag . Meine Mutter kam in eine Klinik und ich zu Verwandten ... 1 Jahr lang es folgten immer wieder Klinikaufenthalte und ich besuchte sie

Heute habe ich eine generalisierte Angststörung und Panikattacken .Ich bin heute selber Mutter und wenn ich mit meiner Tochter alleine bin kommen mir diese Bilder hoch .. ich habe Angst genauso vor ihr zu liegen wie meine Mutter damals dann eingewiesen zu werden und mein Kind im Stich zu lassen (ist zwar noch nie passiert aber die Panik ist da)

14.03.2014 12:59 • #2



Angsterkrankung durch frühen Tod der Mutter

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Piglet 66
Hallo Ina,

ich kann das sehr gut verstehen! Im Grunde genommen hast Du deine Mutter ja auch irgendwie "verloren" und das ist wohl für jedes Kind der Super-Gau. Mir fällt gerade ein türkisches Sprichwort ein, dass ich in dem Buch "Septembertee" von Renan Demirkan gelesen habe.

Stirbt eine Mutter, stirbt eine Welt

Ich bin wohl bewusst oder unbewusst kinderlos geblieben und finde es umso bemerkenswerter, dass Du eine gute Mutter sein kannst...auch wenn es bestimmt für Dich oft mit schmerzlichen Erinnerungen verbunden ist.

ganz liebe Grüße

14.03.2014 18:44 • x 3 #3


Ich habe auch meine Mutter "verloren", als ich 18 war. Damit war ich zwar schon erwachsen, wie man so schön sagt, aber die Mutter braucht man immer, egal, wie alt man ist.
Sie hatte einen schweren Schlaganfall, ist seitdem Pflegestufe 3 (Höchststufe) und nicht mehr der Mensch, der sie einmal war. Rollstuhl, nicht mehr sprechen können usw.
Ich habe auch Ängste, dass es mir auch passiert, meine Kinder (3 und 6) mit ansehen müssen, wie schlecht es mir geht, ich nicht mehr für sie da sein kann. Meine Mutter war 36, als das passiert ist. Ich werde bald 34. Dreimal könnt ihr raten... genau, ich habe Angst vor dem 36. Geburtstag. Ich bin froh, wenn ich dann 37 bin .
Für mich ist einfach das schlimmste Gefühl, dass meine Kinder mich verlieren könnten und dann auch solche Dinge wie ich und mein Bruder durchmachen müssen.
Ich kann Euch also gut verstehen...

15.03.2014 22:43 • #4


Piglet 66
Hallo Purple,
das stelle ich mir auch ganz schlimm vor, seine Mutter so zu sehen und nichts tun zu können. Und ich glaube auch, dass man mit 18 noch ganz viel mütterliche Fürsorge braucht. Du hast recht wenn Du sagst, dass man die Mutter immer braucht, egal wie alt man ist.
Mein Mutter ist gestorben als Sie 45 Jahre alt war. Meinen 45. Geburtstag habe ich da gar nicht so bewusst in Bezug auf den Tod meiner Mutter wahrgenommen. Der 46. jedoch war der blanke Horror, bzw. der Tag davor. Ich hatte eine Panikattacke nach der anderen und war so froh, als endlich Mitternacht war und ich mein 45. Lebensjahr überlebt hatte! Ganz schön verrückt, oder?

16.03.2014 15:50 • #5


HALLO DU,

ich habe erstmal geweint und mich angemeldet. Es erging mir genauso, meine Ma ist gestorben da war ich 5 Jahre alt, ich habe vor 4 Jahre eine angstörung entwickelt mit Panikattaken u alles was dazu gehört, ich nehme auch Opipramol dagegen habe 1 verhaltenstherapie hinter mir und hatte heute eine sitzung bei einem sehr guter Psychoanalytiker, da ich wärend der Verhaltenstherapie mich stabilisiert habe u bestimmte klopftechniken atemtechnicken bei gebracht bekommen habe jedoch keine tiefgehende gespräche bezüglich meine mutter geführt wurde habe ich mich auf der suche nach einem Analytiker gemacht.
Ich war also heute da , seine Bedingung für eine Therapie ist dass ich mit den Tabletten aufhöre, es ist wohl der einzige weg für mich zur genesung ich habe aber extreme Angst vor der Angst.
na ja das wird wohl der Kampf meines Lebens werden falls ich denn Mut finde mich darauf einzulassen.

21.03.2014 16:12 • #6


Hallo mamamia,

Es ist total gut das du es jetzt auch von der anderen Seite angehst...

Habe auch letztes Jahr ständig Angst vor der Angst gehabt aber es wird besser bzw. Fast weg.
Wenn ihr den Ansatz findet und gut daran ansetzt und duscheinst es ja zu wissen wirst du bestimmt noch mehr Erfolg haben.

Übe fleissig weiter und denk dran das du die Medis langsam ausschleichst in Absprache mit deinem Arzt.

GLG Bleeny

21.03.2014 16:28 • x 1 #7


Danke dir Bleeny, aber ich muss mich noch entscheiden , ich studiere ich habe Angst dass wenn ich die Tabletten nicht mehr nehme die selbe Angst wieder kommt wie die die ich vor 4 Jahren etlebt habe, es ist nicht zu ertragen gewesen wollte lieber sterben, weisst es fühlte sich so an alswenn dich jemanden erschrekt, aber dieser Angstzustand ist permanent.
habe vor der Angst Angst wie gesagt und auch mein Leben wieder nicht auf der Reihe zu kriegen.
ps wie öffne ich selber ein Thema

danke lg

21.03.2014 16:38 • #8


Piglet 66
Hallo mamamia,

danke für Deine Rückmeldung. Ich finde es immer sehr hilfreich, wenn ich höre, dass es Menschen gibt, die durch den frühen Tod der Mutter eine Angsterkrankung entwickelt habe. Deine Ängste in Bezug auf die Therapie und das Absetzen der Medis kann ich sehr gut nachvollziehen. Meine "Angst-Karriere" dauert nun schon sehr lange, fast 28 Jahre, mal mehr mal weniger stark. Aber eines kann ich Dir versprechen: Man lernt nach und nach mit der Angst umzugehen, entwickelt eigene Strategien. Und, zumindest ist das meine Erfahrung, es ist sehr hilfreich, sich mit dem schlimmen Ereignis auseinanderzusetzen, aber nicht ohne Vorbereitung, erst wenn eigene Ressourcen entwickelt wurden, eigene Rettungsanker, damit man nicht in der Trauer versinkt.

Ich habe nach einigen, langfristig nicht erfolgreichen Therapien nun eine ganz achtsame und liebe Therapeutin gefunden, die sich auf Traumaarbeit und Arbeit mit dem inneren Kind spezialisiert hat und der Knoten ist endlich geplatzt! es ist zwar eine oftmals anstrengende und auch tränenreiche Therapie, aber auch gleichzeitig eine befreiende und heilende!
Ich persönlich finde es nicht so gut, wenn Dein Therapeut verlangt, dass Du erst mit den Medis aufhörst, ehe die Therapie beginnt. Es wäre doch besser, wenn Du während der Therapie nach und nach die Dosis reduzieren kannst. das ist aber mein Gefühl, wichtig ist, dass Du ein gutes Gefühl bei Deinem Therapeuten hast und die "Chemie" stimmt.

ganz liebe Grüße für Dich!

21.03.2014 19:58 • #9


Hallo, ich habe mein Mutter ebenfalls verloren als ich 5 Jahre alt war und habe vor ein paar Jahre ebenfalls eine Angstörung entwickelt, nun nehme ich seitdem opipramol. Ich kenne niemanden der diese Efahrung gemacht hat. Über dieses Ereigniss spreche ich in meine Psychoanalyse. Dein Beitrag hat mich sehr angesprochen da ich sehr viele parallele sehe. Ich bin 36 Jahre alt und leide immer noch sehr über diesen Verlust. Meine Mutter von der ich fast keine Erinnerung habe fehlt mir sehr verscheinlich ist es weil mir mein lebenslang was gefehlt hat. Ich würde gern mich mit dir darüber austauschen. Ich bin verheiratet und mein Mann möchte unbedingt Kinder, dass möchte ich auch aber ich habe sehr viel Angst davor weil ich nicht weiß wie es Ist eine Mutter zu haben u so weiß ich nicht wie ich eine Mutter sein kann. Naja vielleicht meldest du dich.
Viele Grüße

20.06.2017 21:37 • #10


Zitat von Piglet 66:
Hallo,

ich bin noch relativ neu hier und traue mich noch nicht so richtig Beiträge zu schreiben, lese eher still mit. Aber eine Frage liegt mir auf dem Herzen und ich hoffe, dass diese hier richtig plaziert ist

Ich habe meine Mutter verloren als ich 9 Jahre alt war, plötzlich und unerwartet, wie es in den Todesanzeigen immer so treffend heißt. Das hat mein Leben natürlich brutal verändert, in dem Moment starb eigentlich auch unsere Familie, nichts war mehr so wie es sein sollte. Meine Mutter starb nachts, Herzanfall, wir wurden sozusagen aus dem Schlaf gerissen. Ich war dann leider ziemlich alleine mit diesem ungeheuerlichen Erlebnis, meiner tiefen Angst und diesem eigentlich nicht auszuhaltenden Gefühl der Einsamkeit und Hilflosigkeit. Mein Vater und meine Oma waren natürlich auch völlig überfordert mit der Situation, meine beiden älteren Geschwister ebenfalls, der Notarzt kam, der Pastor (bin in einer sehr ländlichen und katholischen Gegend aufgewachsen), der Bestattungsunternehmer, später Nachbarn und Verwandte...und ich durfte nicht in das Schlafzimmer meiner Eltern, wo meine Mutter lag, sondern musste mich in das Bett meiner Oma legen, es kam immer wieder jemand nach mir schauen, aber es war für die damals 9-jährige wahrscheinlich der blanke Horror, all' die Geräusche zu hören, das Nichtverstehen ( wie kann ein kleines Mädchen sowas auch verstehen...) und kaum jemand war da, der in den Arm nahm und tröstete.

Ich erzähle meine Geschichte hier etwas ausführlicher, damit ihr versteht, warum ich auch heute, fast 40 Jahre nach diesem Ereignis, immer noch die Nachwirkungen spüre, das Trauma war danach nicht zu Ende. es folgte eine besch... Kindheit und Jugend mit einer Stiefmutter im wahrsten Sinne des Wortes, ständigen Spannungen und Streitigkeiten zu Hause, einem hilflosen Vater der Trost im Alk. suchte und später auch starb, meiner Meinung nach an gebrochenem Herzen.

Mit 20 hatte ich dann meine erste ausgewachsene Panikattacke und ich denke, ich muss hier nicht weiter beschreiben, wie der Weg weiter ging, weitere Attacken folgten, Angst vor der Angst, Medikamente, Therapien etc. etc.

Erst jetzt habe ich eine Therapeutin , mit der ich wohl den Schlüssel gefunden habe, an den Traumata zu arbeiten, körperorientierte Therapie, Arbeit mit dem inneren Kind usw. Und erst jetzt wird mir bewusst, welche Auswirkungen dieser frühe Tod der Mutter, der Verlust jeglichen Vertrauens, die brutale Erkenntnis, dass nichts sicher ist, auf meine Entwicklung und mein Leben hatte und noch hat.

Und daher möchte ich hier im Forum fragen, ob es noch mehr Betroffene gibt, die ein früher Verlust in der Kindheit aus der Bahn geworfen hat und wie sich dieses Ereignis auf deren Leben ausgewirkt hat. Ich würde mich sehr über Rückmeldungen und einen Austausch freuen, auch von Menschen, die aus anderen Gründen an tiefen Verlustängsten leiden.

Jetzt habe ich ganz viel geschrieben, danke allen fürs Lesen und muss mich jetzt nur noch trauen, auf den "Absenden"-Button zu klicken...


Gut das du auf den Absenden - Button gedrückt hast.

Jetzt bist du hier im Forum und kannst dir alles von der Seele schreiben. Wie du schon gesehen hast, triffst du hier viele Menschen, die ähnliches erlebt haben.

Ich habe mit 10 Jahren meine Mutter verloren. Sie hat sich das Leben genommen. Eine lange Geschichte.

Ich bin jetzt 62 Jahre alt und dieses Ereignis beschäftigt mich bis heute, aber ich glaube, es belastet mich nicht mehr.

Ich muss jetzt schlafen, muss morgen früh um 3:30 aufstehen, arbeiten.

Wenn du möchtest, schreib ich dir ausführlicher. Und - ganz wichtig - ich hab ganz gut gelernt mit meiner Geschichte zu leben - sie zu akzeptieren.

Das schaffst du auch.

Das Leben hat nicht nur Schattenseiten, sondern auch wunderbare sonnige Seiten.

Du musst sie nur suchen, dann findest du sie auch.

Gute Nacht.

20.06.2017 22:03 • #11


Dein Beitrag hat mich berührt und war der Grund mich anzumelden.

Ich war ebenfalls 9 Jahre als meine Mutter mit 49 Jahren an Krebs gestorben ist. Ich kenne deine Gedanken sehr gut.
Obwohl ich einen überfordern - aber verlässlichen- Vater hatte und mich oft alleine gefühlt habe, hat meine Psyche keine Ängste entwickelt. Allerdings habe ich im Alltag gerne Sicherheit und Verlässlichkeit. Und Kinder habe ich keine und das Thema war mein Leben lang auch ein sehr schwieriges. Will ich, will ich nicht......

Gerne können wir uns austauschen
Ich empfehle das Buch Töchter ohne Mütter von Hope Edelmann. Leider ausverkauft aber manchmal hat man Glück. Es lohnt sich. ... es beschreibt unsere Situation so klar und eindeutig. Mir hat es sehr geholfen mich zu verstehen in meinen Reaktionen.

Alles liebe in die Runde ihr Töchter ohne Mütter. Übrigens. ..dieses Erlebnis macht nicht wenige Frauen aber extrem Selbstständig.
Um auch mal etwas Gutes dem abzugewinnen. .....

29.09.2017 13:20 • #12



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Mira Weyer