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Tjorg
Hi,

da ich meine Probleme schon in meiner Vorstellung geschildert habe, werde ich den Teil hier einfach mal reinkopieren.

Meine Geschichte beginnt schon in früher Kindheit (ADHS). 2005 habe ich dann Borderline diagnostiziert bekommen, allerdings glaube ich ehrlich gesagt nicht mehr, dass ich wirklich Borderline hatte/habe. Ängste beschäftigen mich eigentlich schon mein ganzes Leben, wobei die meisten durchaus angebracht waren (Angst vor der Schule, da ich Angst hatte von meinen Mitschülern wieder verprügelt zu werden, Angst vor meinem eigenen Vater, welcher mich schlug wenn ich nur einen Apfel nahm ohne zu fragen usw.). Doch in letzter Zeit werden die Ängste immer stärker und drehen sich momentan Hauptsächlich um die Angst zu Versagen.

Ich bin jetzt seit knapp 2 Jahren mit meiner Ausbildung durch und habe danach sofort arbeit gefunden. Leider wurde ich dann überraschen im Mai diesen Jahres gekündigt. Danach folgten 3 Monate Arbeitslosigkeit bis ich was neues fand. Da liefs den ersten Monat auch sehr gut bis zum ersten Personalgespräch, wo ich einiges an Kritik zu hören bekam. Seitdem geht es bei mir irgendwie bergab. Es geht inzwischen so weit das ich solche Angst davor habe meine Arbeit schon wieder zu verlieren, das ich schon Angst davor habe überhaupt zur Arbeit zu gehen. Dies führte schließlich dazu das ich mich Vorgestern habe bis ende der Woche wegen Kopfschmerzen habe Krankschreiben lassen, da ich Homeoffice hatte (wegen Bahnstreik) und überhaupt nichts auf die Reihe bekam und einfach Panik hatte dass dies Negativ auf mich zurückfallen könnte.

Ich weiß ja nicht ob ich einfach nur Paranoid bin aber momentan gehts mir wirklich nicht gut. Hat vielleicht irgendjemand eine Ahnung wie ich da wieder raus komme? Mit meinem Chef möchte ich darüber eigentlich nicht reden, da er mich dann wahrscheinlich erst recht kündigt, weil was will er mit jemandem der nicht 100% geben kann.

Ich danke euch schon mal im Vorraus für eure Hilfe.

Lg
Tjorg

09.11.2014 00:37 • 13.11.2014 #1


11 Antworten ↓


Samisdat
Hallo Tjorg
ich hatte schon unzählige Gespräche mit meinem Psychologen bezüglich meiner Versagensängste. Ich will es auch immer allen recht machen und setze mich selbst unter Druck. Zunächst einmal solltest du dich akzeptieren. Du bist ein Mensch... Menschen sind nicht perfekt. Dein Chef macht auch Fehler!
Du hast dich doch in deinem ersten Monat ganz gut gefühlt oder? Mach einfach so weiter wie bisher... auch wenn dein Chef mehr verlangt. Die Leute wollen immer nur mehr, mehr, mehr! Aber du bist doch nicht Gott! Kein Mensch ist unfehlbar und der Tag hat bei dir auch nur 24 Stunden.
Versagensängste werden häufig davon ausgelöst/verstärkt, dass man zu viele Dinge in zu wenig Zeit erledigen möchte. Mach einfach weiter wie bisher und bleib wer du bist. Du machst das schon ganz gut
Einen Tipp habe ich noch für dich. Ich konnte deinem Text nicht entnehmen, ob du zur Zeit in psychologischer Betreuung bist. Falls nicht, empfehle ich dir einen Psychologen aufzusuchen. Du hast ja geschrieben das du auch Probleme mit deinem Vater hattest etc. Solche Ereignisse müssen professionell psychologisch aufgearbeitet werden. Dies könnte auch deine Versagensängste lindern.

Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute und einen erholsamen Sonntag
Mit freundlichen Grüßen
Samisdat

09.11.2014 01:58 • x 1 #2



(Versagensangst - Angst arbeiten zu gehen

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Hotin
Hallo Tjorg,

Auch ich denke Du solltest unbedingt einen Psychologen anprechen. Der kann Dir bestimmt gut helfen.

Was du beschreibst ist bestimmt nicht paranoid. Irgendwie hört sich das ziemlich normal an.
Du kannst natürlich mit Deinen Ängsten mal verssuchen komplett anders umzugehen.
Dafür müsstest Du einiges neu lernen und ausprobieren. Falls Du Interesse daran hast, melde Dich mal bei mir.

Viele Grüße
Hotin

09.11.2014 02:55 • x 1 #3


Tjorg
Hallo Samisdat, Hallo Hotin,

vielen Dank schon einmal für eure Posts. Zum Thema Psychologe. Ich befinde mich derzeit nicht in Therapeutischer Behandlung. Um genau zu sein schon seit Mitte 2009 nicht mehr, nachdem mein damaliger Psychiater mich vor die Wahl gestellt hatte entweder die Medikamente zu nehmen oder er könne nicht mehr mit mir weiter arbeiten. Daraufhin habe ich von mir aus die Therapie abgebrochen.

Um der Frage vorzugreifen warum ich keine Medikamente nehmen möchte, wobei ich doch in meiner Vergangenheit sehr viele genommen habe liegt um 2008 rum wo ich eine Depression hatte und mir der Arzt ein Benzo verschrieb. Nachdem ich das herausgefunden habe, habe ich mir geschworen keine Medikamente mehr nehmen zu wollen.

Einen Therapeuten zu finden ist nicht einfach, da die meisten Therapeuten scheinbar eine Wartezeit von mehr als 6 Monaten haben. Und Psychiatern vertraue ich ehrlich gesagt nach der Aktion mit meinem letzten nicht mehr.

Mein Problem ist momentan, dass ich nicht weiß wie lange ich es noch aushalte. Ich muss morgen wieder zur Arbeit und habe jetzt schon angst davor.

09.11.2014 11:56 • #4


Hotin
Hallo Tjorg,

Du hast ja sehr hohe (vielleicht sogar zu hohe) Ansprüche an Dich.
Was kannst Du denn an Deiner jetzigen Arbeit nicht?
Glaubst Du, Du kannst Dein Verhalten so verändern, dass Du lernst Deine Ängste zu akzeptieren und
zu beeinflussen?
Die Angst ist das Gefühl, welches Dich durch Dein Leben steuert. Fang an Neues über dich zu lernen.

Und sage Dir. Ich werde das morgen schaffen, weil ich meine Arbeit kann und jeder mal was falsch macht.
Die meisten Fehler kann man schließlich korrigieren.

Viele Grüße
Hotin

09.11.2014 13:19 • x 1 #5


Samisdat
Moin Tjorg
Also erstmal muss ich sagen das es richtig von dir war die Therapie abzubrechen. Ich kenne es eigentlich nicht das ein Psychiater verlangt das man Tabletten nehmen muss. Gut das du standhaft geblieben bist und deine Prinzipien nicht aufgegeben hast.
Ich weiß das es schwierig ist einen guten Therapeuten zu finden(Wartezeit etc.). Trotzdem würde ich dir unbedingt empfehlen dich bei einem Psychotherapeuten anzumelden. Ich glaube da führt kein Weg dran vorbei.
Für dein akutes Problem kann ich dir nur sagen, versuch den Sonntag zu genießen, mach z.B. einen Spaziergang und erhole dich. Solltest du dich morgen vor der Arbeit nicht wohl fühlen, dann würde ich dir empfehlen zu deinem Hausarzt zu gehen und ihm deine momentane Situation schildern. Viele Ärzte können dich für ein paar Tage krankschreiben. Dann hast du Zeit für dich und kannst in Ruhe überlegen.
Ich will hier auf kein Fall für "krankfeiern" oder wie manche Leute das nennen plädieren, aber ich finde das deine Gesundheit und deine Seelenheil vor deinem Chef kommt.
Ich hoffe das es dir bald wieder besser geht und wünsche dir ganz viel Kraft!

Samisdat

09.11.2014 13:37 • x 1 #6


Schlaflose
Zitat von Tjorg:
Einen Therapeuten zu finden ist nicht einfach, da die meisten Therapeuten scheinbar eine Wartezeit von mehr als 6 Monaten haben. Und Psychiatern vertraue ich ehrlich gesagt nach der Aktion mit meinem letzten nicht mehr.


Um eine Therapie zu machen, geht man in der Regel auch nicht zum Psychiater. Nur wenige bieten das überhaupt an. Zum Psychiater geht in erster Linie, UM sich ein Medikament verschreibe zu lassen. Wegen einer Therapie geht man im Normalfall zu einem psychologischen Psychotherapeuten. Das sind keine Ärzte und dürfen auch keine Medikamente verschreiben.

09.11.2014 15:19 • x 1 #7


Tjorg
Hallo Schlaflose,

ich weiß das Psychotherapeuten keine Ärzte sind. Der Psychiater damals war auch gleichzeitig mein Therapeut (Vormittags hatte er Sprechstunde als Psychiater und Nachmittags hatte er Therapiesitzungen angeboten). Darum war ich damals bei ihm. Und das Problem mit den 6 Monaten Wartezeit würde das auch nicht beheben.

@Samisdat: Ganz sicher werde ich meinen Hausarzt da nicht noch einmal drauf ansprechen. Den Fehler habe ich einmal gemacht. Er ist zwar ein hervorragender Internist, allerdings ist er auch strenggläubiger Katholik und sagte Sinnbildlich zu mir, Psychische Krankheiten gibt es nicht, man müsse nur fest genug an Gott glauben und Beten, dann hätte man auch keine Probleme.

@Hotin: Ich wüsste nicht wie. Ich versuche ja schon es meinem Chef so recht wie möglich zu machen. Meine Kollegen sagen zwar auch immer ich soll mich nicht verrückt machen, aber die können alle so viel mehr wie ich. Und dazu kommt das ich mich momentan in eine neue Materie einarbeite und es einfach so überhaupt nicht voran gehen will.

09.11.2014 20:48 • #8


Luna70
Hallo Tjorg,

wahrscheinlich bist du ja jetzt auf der Arbeit, hoffentlich läuft es heute besser. Mein Mann hat auch ADHS und deshalb schon immer Probleme im Beruf. Allerdings wurde es bei ihm auch erst im mittleren Alter diagnostiziert, früher wusste man davon ja gar nichts. Zeitweise wurde er auch depressiv, was direkt zusammenhing. Ich kann also ein bisschen verstehen, wie es dir geht, auch wenn ich nicht selbst betroffen bin.

Du bist ja sehr noch sehr jung und kannst noch jede Menge dazulernen. Ganz sicher auch, wie du im Job besser bestehen kannst. Hast du schon einmal an Coaching gedacht? Mein Mann hatte mal einen Coach, das hat ihm sehr geholfen. Die helfen dabei, im Alltag besser klar zu kommen. Leider muss man das wohl selbst zahlen, zumindest war das bei uns so.

Du schleppst mit deiner Vorschichte eine Riesen-Hypothek mit dir rum, dafür ist es doch toll dass du eine Ausbildung geschafft hast und arbeitest. Das schaffen nicht alle, also hast du ganz sicher eine Menge Kraft in dir.

Welches Problem hast du auf der Arbeit denn genau?

LG Luna

10.11.2014 10:01 • #9


Tjorg
Hei Luna,

danke für die netten Worte. Ja auf der Arbeit selbst lief es heute besser, allerdings auch nur, da mir mein Chef mir nicht über den Weg gelaufen ist und ich so viel zu tun hatte, das ich keine Zeit dazu hatte mir sorgen zu machen.

Die ADHS-Geschichte ist übrigens bei mir schon lange Schnee von gestern. Ich bin zwar immer noch recht ungeduldig, aber der sprichwörtliche "Zappelphillipp" bin ich schon seit gut 15 Jahren nicht mehr. Bei mir hat sich das irgendwann in der Pubertät ausgeschlichen. Und an die Zeit davor hab ich nicht sehr viele Erinnerungen (90% von dem was ich aus der Zeit weiß wurde mir erzählt). Meine Detailierten Erinnerungen beginnen erst mit dem Rausschmiss und den Umzug ins Heim.

Von einem Coaching habe ich bisher noch nie etwas gehört. Kannst du da vielleicht mehr drüber erzählen? Gerne auch per PM.

Das ich die Ausbildung geschafft habe hat auch lange genug gedauert. Insgesamt 3 Anläufe habe ich benötigt. Die erste Ausbildung habe ich nach einem Jahr geschmissen, die zweite musste ich wegen einer Identitätskriese abbrechen. Erst beim Dritten Anlauf (und auch drittem Beruf) hat es dann geklappt. Das ist eigentlich etwas worauf man meiner Meinung nach nicht stolz sein sollte.

Meine Probleme auf der Arbeit sind hauptsächlich, das ich das Gefühl habe, nicht das leisten zu können, was von mir erwartet wird (auch wenn mir meine Kollegen mir heute erst wieder gesagt haben dass das Schwachsinn ist und ich gefälligst aufhören soll mir so nen Kopp zu machen).

10.11.2014 20:17 • #10


Luna70
Prima, dass es heute gut gelaufen ist. Ich finde schon, dass du stolz auf dich sein kannst. Gerade, weil du nicht aufgegeben hast und es am Ende geschafft hast. Das wäre mit deiner Vorgeschichte nicht jedem gelungen.

Ich drücke die Daumen für morgen. Hoffentlich kannst du dann die nächste "Erfolgsmeldung" mitbringen. Bei Chefs gehört das einfach dazu, dass die manchmal meckern. Nimm dir das nicht so zu Herzen. Wenn deine Kollegen sagen, dass du einen guten Job machst, würde ich das einfach mal glauben.

Zum Coaching schreibe ich dir noch. Hatte schon einen langen Text geschrieben, nun hat mein blöder Computer den irgendwie verschluckt. Jetzt muss ich wirklich schlafen gehen, ich hole das aber nach.

10.11.2014 23:46 • #11


Hallo Tjorg,

ich bin neu hier und hab einfach mal das Forum durchstöbert. Als ich auf deine Geschichte gestoßen bin, konnte ich mich sofort damit identifizieren. Ich selbst leide seit ca 3 Jahren, seit dem Beginn eine Ausbildung, unter der Ansgt zur Arbeit zu gehen. Eigentlich ohne Grund, denn an Tagen an denen ich die morgendliche Panik in den Griff bekomme und zur Arbeit gehe, fühle ich mich wohl und habe Spaß an meiner Arbeit. Dann komme ich abends nach Hause und dann gehts los mit den Gedanken "morgen wieder früh aufstehen, jetzt noch den Haushalt machen...."

Dann liege ich die ganze Nacht im Bett und wälze mich hin und her mit dem festen Willen zur Arbeit zz gehen am nächsten Tag, denn es macht mir ja Spaß. Aber am Morgen schaffe ich es dann einfach nicht, gehe zum Arzt und lasse mich krankschreiben. Und dann komme ich einfach nicht mehr raus aus der Spirale.

Diese Versagensängste und auch Zukunftsänsgte sind einfach schlimm. Ich bin erst 23 und will natürlich noch alles aufbauen und mir jetzt nicht alles verbauen in dem ich die Arbeit verliere.

Aber wie Luna70 schon geschrieben hat, kannst du extrem stolz auf dich sein, dass du es geschafft es hinzugehen und den Tag zu überstehen!

13.11.2014 10:38 • #12



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Mira Weyer