Da Angststörung als solche mit Verhaltenstherapie recht gute Behandlungserfolge haben soll, staune ich schon das es 7 Jahre bei Dir dauert.
Vielleicht änderst Du Deine Meinung zur Reha, wenn Du Dich mit Leuten austauscht, die selber schonmal in einer Reha waren.
Ich hab letztes Jahr selber 6 Wochen in einer Reha-Klinik verbracht. Diese Zeit hat mir dort sehr geholfen und auch viel gebracht. Ich hab aber dort auch Patienten erlebt, die an allem und jedem etwas auszusetzen hatten. Ob berechtigt oder nicht spielt keine Rolle. Da waren viele Leute dabei, die mit sich nicht im reinen waren.
Es gab aber auch viele tolle Mitpatienten. Und wir haben uns garantiert nicht ständig bemitleidet oder uns gegenseitig unser Leid geklagt.
Der Tagesablauf war immer unterschiedlich. Es gab feste Programmpunkte und immer auch genügend Freiraum für einen selber.
Im Aufnahmegespräch mit der Bezugsärztin wurde neu und unvoreingeommen die Krankheitsgeschichte aufgenommen und meine Ärztin, die auch zugleich dann meine Bezugstherapeutin wurde, hat sich ein eigenes Bild gemacht. Anschließend wird gemeinsam (!) der Behandlungsplan erarbeitet. Ich konnte mit auswählen, welche Therapieangebote mir zusagen. Malen, Töpfer, Tanzen waren meine No Go's. Aber es gab auch Werkstätten (Holz, Papier, etc.) und ich war in den sechs Wochen vielleicht 5-6 mal in der Werkstatt. Mehr nicht.
Typische Elemente im Tagesablauf:
- Frühstück, Mittag, Abendessen ... Buffetform im großen Speisessal, leckeres Essen und immer Auswahl
- Medikamentenausgabe
- Teamtreff - morgens wird die Vollzähligkeit geprüft und erste Gelegenheit sich bei Gesundheitsproblemen zu melden
(alle Patienten sind auf einzelne Teams aufgeteilt)
- Sportprogramm
- Rückenschule
- Ergotherapie
- Gruppengespräche (Problemlösegruppen)
- Kleingruppen (hier wurden dann die Vortragsthemen aus der Woche in kleinerer Runde vertieft)
- Einzelgespräch beim Therapeuten
- Vorträge zu verschiedenen psychosomatischen Themen
- Mass., Krankengymnastik (bei Bedarf)
- Wassergymnastik
- Entspannungsübungen (in Anlehnung an Qi Gong, aber auch progressive Muskelentspannung)
Wenn man wollte konnte man i.d.R. ungezwungen mit anderen Patienten in Kontakt kommen und in den vielen Freiräumen, die es auch gab, etwas gemeinsam unternehmen.
Wenn man seine Ruhe haben wollte, war das auch überhaupt kein Problem.
Jeder Tag war unterschiedlich gut ausgefüllt, aber Du hast da keinen "Arbeitstag" vor Dir, sondern sollst Dich (aktiv) erholen. Du kommst raus aus deinem gewohnten sozialen Umfeld, brauchst Dich um alltägliche Dinge wie Essen und Wohnung sauber halten nicht kümmern und kannst diese Zeit für Dich nutzen.
Es waren auch immer Co-Therapeuten zur Stelle, wenn mal ein Patient "zwischendurch" ein Gespräch brauchte.
Schau vielleicht auch einfach mal auf
www.ahg.de wie die letztlich ihren Alltag dort beschreiben. Von der Atmosphäre her war das eher wie auf Klassenfahrt in der Jugendherberge und nicht wie in einem typischen Kreiskrankenhaus.
Damit das Ganze aber auch was bringt, solltest Du als Patient aber auch bereit dafür sein.
Ich will Dir beileibe keine Reha aufquatschen. Aber ich denke wenn eine ambulante Therapie sieben Jahre dauert, dann darf man auch gern mal darüber nachdenken ob man nicht mal etwas verändert.
Du wirst ja deine Gründe haben, warum Du nach so vielen Jahren immer noch einen Therapeuten aufsuchst.
Alles Gute und versuch Dich einfach mal darauf einzulassen.