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Ich habe mich dazu entschlossen, eine Therapie bei einer Verhaltenstherapeutin zu machen (sehr wahrscheinlich habe ich eine Angststörung) .

Was macht man da eigentlich so (Erfahrungen etc….) und muss/kann ich machen?

Ist die Verhaltenstherapie eigentlich NUR auf die aktuellen Themen bzw. Problematiken gerichtet, oder wird auch z.B. die Ursache gesucht?

Habt ihr sonst noch Tipps?

15.05.2022 21:16 • 16.05.2022 x 1 #1


8 Antworten ↓


-IchBins-
Meine letzte Verhaltenstherapie beinhaltete fast nur Gespräche über Probleme.
Ich habe wenig Tipps bekommen. Meistens machte er sich Notizen und stellte Fragen über die vergangene Woche, z. B. wie ich mit was umgegangen bin.
Manchmal wurde auch die Kindheit angesprochen, es wurden Fragen darüber gestellt, wie ich aufwuchs, wie mein Vater war und wie meine Mutter war.
Manchmal hatten wir Übungen gemacht (Körperwahrnehmung), aber so richtig was gebracht hatte es mir nichts. Traumata wurden nur kurz angesprochen, aber nicht weiter bearbeitet in einer Verhaltenstherapie. Dafür müsste man dann wohl eine Traumatherapie machen (wahrscheinlich war es für mich die falsche Form, keine Ahnung). Das heißt aber nicht, dass sie anderen oder dir nicht hilft.

15.05.2022 21:23 • x 2 #2



Was macht man bei einer Therapie?

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Grübelkatze
Hallo!

Ich bin inzwischen sehr lang in Therapie und das Wichtigste erstmal ist, dass das Vertrauen und die Sympathie stimmt.

Das Folgende ist nur meine Erfahrung und muss nicht immer und nicht auf Jeden zutreffen:

Du hast die Möglichkeit alles, wirklich alles was dich belastet, was die Angststörung angeht, auch davon unabhängige Dinge, loszuwerden.
Die Therapeutin geht im Normalfall drauf ein und erklärt ihre Arbeitstechnik. Die haben ja verschiedene Techniken, um für jeden Patienten den richtigen Therapeuten zu finden. Kurze Info am Rande: ich bin auch in einer Verhaltenstherapie.
Es wird nach Ursachen gesucht, es wird aktiv gearbeitet - das macht Jeder anders. Bei mir läuft viel übers Malen. Das bildliche Darstellen hilft mir ganz gut. Aber das kann bei dir ganz anders sein.
Du bekommst Denkanstöße und Strategien, wie du mit deiner Angststörung gut umgehen lernst.

Ich selbst empfinde die Therapie als extrem hilfreich. Allein das Gefühl zu wissen, in zb einer Woche, in ein paar Tagen, ist da wieder jemand, der meine Ängste und Sorgen verstehen kann.

Jemand der mit Angststörungen nix zu tun hat, kann das meist schwerer nachvollziehen, hab ich festgestellt.

Ich kann jedem Betroffenen eine Therapie nur empfehlen und hoffe, dass sie die hilft.

15.05.2022 21:29 • x 4 #3


portugal
Bei der Verhaltenstherapie wird eher besprochen, wie Du Dich derzeit mit Deiner Angst verhaeltst und dann bekommst Du Skills, wie Du damit besser umgehst (Vermeidung bei Angst, Haus nicht verlassen etc)

In der ''gaengigen'' (nenne wir es mal so) Therapie ist mehr der Schwerpunkt auf dein bisheriges Leben.

Du faengst an, ueber Vater, Mutter und Geschwister zu reden, dann Deine Schule und berufliche Laufbahn und es werden viel Fragen gestellt.

15.05.2022 21:39 • x 2 #4


silverleaf
Hallo Max,

es gibt ja drei offizielle Therapieformen, nach denen alle zugelassenen Psychotherapeuten arbeiten:
Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Therapie und Analyse.

Alle 3 Therapieformen sind nur Dächer, unter denen dann alles Mögliche gemacht werden kann. Auch wenn es offiziell alles Gesprächstherapien sind, können alle möglichen Elemente einfließen. Du kannst auch im Rahmen einer Verhaltenstherapie eine Traumatherapie machen. Welche Methoden zum Einsatz kommen, liegt ein bisschen an den individuellen Schwerpunkten und Zusatzausbildungen der Therapeuten.

Die Verhaltenstherapie hat ihren Schwerpunkt im Hier und Jetzt, was aber nicht heißt, dass die Vergangenheit nicht angeschaut wird. Es wird auch hier eine ganz normale Anamnese gemacht, die Deine Biographie mit einschließt.
Man kann sagen, dass am Anfang der Therapie wenig Unterschiede zwischen einer Verhaltenstherapie (VT) und einer tiefenpsychologisch fundierten Therapie (TP) sind (Analyse lasse ich mal kurz beiseite),
beide beschäftigen sich zunächst mit den Problemen, die Dich in die Therapie gebracht haben und schauen dann Deine Biographie an. Es wird eine Anamnese gemacht und ein Störungsmodell erstellt.

Der Unterschied entsteht zumeist danach: Während die TP ihren Fokus ganz stark auf der Vergangenheit hat und sich anschaut, welche Muster damals wie entstanden sein könnten, orientiert sich die VT dann mehr an der Gegenwart: Was kannst Du heute ganz konkret machen, damit Deine Symptome sich verbessern?

Es kommt also in beiden Therapieformen beides vor, Gegenwart und Vergangenheit, nur der Schwerpunkt unterscheidet sich. Und unter beiden Therapieformen können verschiedenste Therapiemethoden zum Einsatz kommen.

Wenn man jetzt mal beide Therapieformen etwas kritisch gegenüberstellt,
dann wird der VT oftmals vorgeworfen, etwas zu oberflächlich zu sein, weil die Vergangenheit vielleicht nicht genug beachtet wird (und VT-Therapeuten oftmals auch recht zackig in ihren Ansagen sind und ihren Patienten gegenüber manchmal etwas fordernd auftreten),
und der TP wird häufig vorgeworfen, einfach zu lange in der Vergangenheit zu verweilen, ohne dass sich in der Gegenwart irgendetwas ändert (also keine Antwort auf die Frage Und was machen wir jetzt mit diesen Erkenntnissen hat).

Aber im Endeffekt hängt es sehr von der individuellen Persönlichkeit des Therapeuten ab, ob die Therapie funktioniert oder nicht. Und viele Therapeuten verbinden in der Praxis die beiden Therapieformen auch durchaus miteinander (natürlich inoffiziell, da aus Abrechnungsgründen natürlich getrennt werden muss).

Die persönliche Chemie zwischen Patient und Therapeut ist zumeist der entscheidende Faktor, ob der Patient von der Therapie profitieren und Fortschritte machen kann oder nicht.

LG Silver

15.05.2022 23:54 • x 4 #5


@portugal bei mir ist es nicht die Angst, das Haus zu verlassen (so schlimm ist es noch nicht) aber ich hab z.B. Angst davor Sport zu machen, Angst vor Krankheiten und auch Schlafprobleme.
Dazu kommen ungefähr 10 weitere Ängste.
Muss es denn so schlimm sein, um in Therapie zu gehen zu können?

16.05.2022 07:00 • #6


Schlaflose
Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie wird nur geredet. Man bekommt allenfalls als Hausaufgabe, etwas zu tun, wovor man Angst hat. Bei einer echten Verhaltenstherapie geht der Therqpeut mit einem z.B. raus zum Busfahren, Einkaufen bzw, andere Dinge tun, wovor man Angst hat.

16.05.2022 07:24 • x 1 #7


Lina60
Danke @silverleaf für Deinen Beitrag, ich möchte speziell nachdoppeln was die Chemie zwischen Therapeut und Klient betrifft. Meine vielen Erfahrungen mit verschiedenen Therapierichtungen zeigten immer wieder, wie zentral es ist, dass ich mich von einem Therapeuten/in wirklich und emphatisch verstanden fühlte. Und auch mit Respekt behandelt. Denn nur in so einem Klima kann sich ein Klient nach und nach öffnen und anvertrauen. Und Essentielles kann zutage kommen, was die Voraussetzung für Heilung ist.

16.05.2022 07:47 • x 5 #8


Zitat von Max85:
Ich habe mich dazu entschlossen, eine Therapie bei einer Verhaltenstherapeutin zu machen (sehr wahrscheinlich habe ich eine Angststörung) . Was macht man da eigentlich so (Erfahrungen etc….) und muss/kann ich machen? Ist die Verhaltenstherapie eigentlich NUR auf die aktuellen Themen bzw. Problematiken gerichtet, ...


Ich finde diese beiden Videos super, vielleicht beantwortet das ein paar Fragen. Wie hier schon gesagt wurde, ist die Chemie zwischen Patient und Therapeut entscheidend. Nur wenn ich ihm vertraue, kann ich mich öffnen.

Und ein ganz zentraler Punkt für mich: Der Therapeut ist niemand, der die Symptome einfach wegmacht. Änderung kann nur durch mich selbst geschehen, daher ist die Mitarbeit und der Willen des Patienten unerlässlich.



16.05.2022 08:07 • x 4 #9




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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf