Zitat von Natascha40:Hier wird etwas durcheinandergebracht. Es ist ja keineswegs üblich, dass Patienten die sich in Therapie begeben bei Mitarbeit und Vertrauen "ein dauerhaft gutes Leben" versprochen wird.
Da hast du Recht, so direkt versprochen wird das normalerweise nicht. Außer in der kommerziellen Psychoszene. Aber so unter der Hand wird schon oft "damit geworben" dass man durch Therapie ein gutes Leben erreichen kann und wer würde das nicht wollen? Wer würde viele Jahre anstrengende Therapie machen mit der Aussicht dass sich nur marginal und kurzfristig etwas ändert?
Ich würde sagen dass wenn man "die Würde des Menschen" ernst nimmt und die Grundrechte, dann ist ein dauerhaft gutes Leben - zumindest in unserem Kulturkreis - überhaupt nichts besonderes, im Gegenteil. Ich würde sagen es ist der Mindest-Standard. Das Gegenteil davon wäre ja ein dauerhaft schlechtes Leben. Ein Alptraum.
Wir Erfahrenen Therapie Klienten wissen, dass man oft für kleine Schritte viel kämpfen muss. Aber im allgemeinen wird man davon ausgehen dass eine erfolgreiche Therapie die Probleme ein für alle mal löst oder zumindest ein Umgang damit etabliert wird, der dem im Grunde gleichkommt. Und dann kann man endlich frei und erfolgreich leben, ein gutes Leben führen. Das ist für mich kein Luxus, sondern im Grunde Minimal Anforderung an das Leben, wenn du mal einen 0815 Menschen danach befragst. Darüber hinaus wollen die Menschen ja aber noch mehr, Erfolg, Wohlstand, Glück, gleichauf mit den anderen mithalten können (weil man sonst "draußen" ist) usw. Man hat Ehrgeiz und will "hoch hinaus". Nicht nur "überleben".
Ich war (2) mal in München in einer Angst Selbsthilfegruppe, 1998 und 2003. Dort habe ich für mich entschieden "dass ich nicht so enden will". So, wie die meisten Teilnehmer, die weder Hoffnung noch Aussicht auf ein normales Leben hatten, sondern "Patienten für immer" geworden waren. Mit der Aussicht auf weitere Jahrzehnte mit Symptomen und Verzicht auf ein normales Leben mit allem was dazu gehört. Das hat mich richtig abgestoßen und auch aufgerüttelt und das war gut so.
Also, ich erwarte letztlich von Jahren bis Jahrzehnten der Therapien schon am Ende ein für mich individuell dauerhaft gutes Leben, im Rahmen des Möglichen. Diesen Rahmen aber will ich voll ausschöpfen und wenn möglich erweitern, ich glaube dass dieser Rahmen keine feststehen Mauer ist. Und selbst Mauern kann man einreißen.