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einnutzer

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Hi,
mich hats vor 9 Monaten aus dem Leben geworfen. Über einen Zeitraum von ~2 Wochen hatten sich bei mir Panikattacken eingeschlichen (Gefühl Ohnmächtig zu werden) und sich immer weiter gesteigert. Das ganze ging über in Schwindel und schließlich nach ca. 6 Wochen war ich in dem Zustand in dem ich jetzt auch bin, ich habe eine Art "Druck" im Kopf hinter den Augen. Tritt vor allem (aber nicht nur) bei mentaler und physischer Anstrengung auf. Ich hatte über Jahre sehr viel Stress, sowohl in der Familie, alsauch im Beruf - Burnout liegt quasi auf der Hand, aber niemand hat das so jemals ausgesprochen. Depressiv bin ich nicht.

Ich war beim Psychiater, dieser meinte mir nicht helfen zu können. Nach vielen, vielen Ärzten, bin ich schließlich in die Psychotherapie gekommen. Morgen ist mein 6. Termin und die Therapeutin hat letztes Mal durchscheinen lassen, dass sie mir nicht helfen kann, weil mir Ihrer Meinung nach "nichts fehlt". Da mir die Therapie tatsächlich null geholfen hat, ist mir ein Abbruch recht. Ich bin nun seit 9 Monaten krankgeschrieben und würde wirklich gerne zurück ins normale Leben. Natürlich habe ich meinen Lebenswandel umgestellt, viel Sport, viele Aktivitäten - nix hilft.

Jetzt die Frage, kann ich nun ohne fachliche Diagnose einen Antrag auf Reha stellen? Ich würde gerne in einer psychiosomatische Reha kommen, um dieses Problem endlich mal in den Griff zu bekommen.

Danke und viele Grüße

05.05.2019 21:40 • 06.05.2019 #1


6 Antworten ↓


Safira

Safira


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Also mich wundert das deine Krankenkasse das noch nicht gewollt hat. Bei 9 Monaten AU? Welchen Hausarzt hast du? Ohne Diagnose seit neun Monaten AU?
Hast du deinen Therapeuten nicht gesagt dass du Panikattacken hast? Wie kommen die denn da drauf dass die die nicht helfen können? Verstehe ich nicht so ganz

05.05.2019 21:54 • #2


einnutzer


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Hi, Danke für deine schnelle Antwort

Zitat von Safira:
Also mich wundert das deine Krankenkasse das noch nicht gewollt hat. Bei 9 Monaten AU?

In Ruhe lassen sie mich nicht, ich war nach den ersten 9 Wochen beim MDK, hatte im Anschluss für 2 Monate im Rahmen des hamburger Modells wieder gearbeitet, aber war nicht in der Lage wieder auf 100% zu kommen. Wurde dann abgebrochen, bzw eine Verlängerung mit reduzierter Stundenzahl wurde mir nicht genehmigt. Vor vier Wochen war ich dann wieder beim MDK. Bisher hat sich niemand bei mir gemeldet. Bei meinem letzten Telefonat mit meiner Sachbearbeiterin (im Januar) meinte ich bloß noch auf einen Therapieplatz zu warten und das wars.

Zitat von Safira:
Welchen Hausarzt hast du?

Ist das rhetorisch oder willst du den Namen wissen? Normale Allgemeinärztin.

Zitat von Safira:
Ohne Diagnose seit neun Monaten AU?

Also auf meiner AU stehen natürlich Diagnosen: I99G (Sonstige und nicht näher bezeichnete Krankheiten des Kreislaufsystems), F48.0G (Ermüdungssyndrom), G47.0G (Ein- und Durchschlafstörungen). Aber das tatsächlich alles von meiner Hausärztin, welche mir bei jedem Besuch wünscht, dass mit jemand helfen kann. Sie selbst hat keine Ahnung was mir wirklich fehlt.

Zitat von Safira:
Hast du deinen Therapeuten nicht gesagt dass du Panikattacken hast?

Doch, sie hat mich überhaupt erst darauf gebracht, dass es Panikattacken waren. Ich hatte damit noch nie was zu tun und hätte mir Panikattacken anders vorgestellt. Jedenfalls hatte ich diese anfänglichen Attacken selbst in den Griff bekommen und die verbleibenden Symptome: teilweise ganztägiger, auch anlassloser "Druck im Kopf" - hinter den Augen, wenn sich das dann weiter verstärkt Probleme bei der optischen Wahrnehmung (Augen sind OK), das ganze wird begleitet von Konzentrations- und Wortfindungsproblemen.

Zitat von Safira:
Wie kommen die denn da drauf dass die die nicht helfen können? Verstehe ich nicht so ganz

Das frage ich mich auch. Ich hatte fünf Therapiesitzungen, habe die Hosen runtergelassen, alle Probleme, Sorgen und Beschwerden offenbart. Zuletzt meinte sie, ich solle einfach wieder arbeiten gehen und mich mit diesem Zustand abfinden, das ist jetzt halt "Normalzustand" (sic!). Dabei kann ich im Moment schon den Tag nicht "normal" verbringen, wobei ich sehr gerne wieder arbeiten gehen würde.

Ich komme mir auch zunehmend bescheuert vor, mir fehlt gefühlt nicht wirklich etwas - bloß mein Gehirn macht nicht mit wie es soll. Der Psychiater sagte, er sehe bei mir keine psychiatrisch relevante Krankheit, welche mit Medikamenten behandelbar wäre. Die Therapeutin hatte mich zuletzt nochmal über alle Probleme befragt und im Moment ist meine einzige Sorge dieser Zustand. Ich habe Monate auf diesen Therapieplatz gewartet und habe sonst auch keine Erfahrungen damit, sodass ich die Therapeutin nicht einschätzen kann.

Ich habe das Gefühl, dass ich schnelle Besserung erfahren könnte, wenn ich den richtigen Ansatz dafür finde. Dafür brauche ich allerdings - offenbar - professionelle Hilfe.

Danke nochmal

05.05.2019 22:29 • #3


Safira

Safira


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Oh mein Gott, was ist das für eine Therapeutin aber immerhin weißt du das es panikattacken sind. Das hat meine damalige in 9 Monaten nicht geschaft das Wort Angst mal genauer unter die Lupe zu nehmen oder mal anzusprechen.
Ich rate dir schleunigst einen Therapeuten wechsel. Habe ich auch gemacht. Mein Psychiater damals wollte mir auch keine Medikamente geben (Gott sei Dank) wollte ja auch nur von ihm hören dass ich nicht verrückt bin.

Mir ging es ungefähr ähnlich wie dir. Hatte auch innerhalb kürzester Zeit solche Zustände. Und ich bin die ganze Zeit ohne Diagnose rumgelaufen. Ich hatte keine Ahnung was mit mir los gewesen ist. Das kam so nach und nach. Ich habe mich einfach in eine psychosomatische Klinik auf eine Warteliste gesetzt. Ohne Diagnose. Such dir diese Klinik aber ganz gut aus. Ich hatte nicht so viel Glück und habe mich da nicht so wohl gefühlt. Danach hatte ich meinen ambulanten Therapeutenwechsel in die Wege geleitet und hatte dann mal Glück. Diese Therapeut hat mit mir eine komplette Diagnostik gemacht. Obwohl er hätte auch noch umfangreicher sein können meiner Meinung nach aber okay.

In psychosomatische Klinik kommst du per Einweisung rein. Das nennt sich dann akut. Was aber nicht bedeutet dass du übermorgen Aufnahme hast. Dann gibt es noch den Weg der Reha. Über den Rentenversicherungsträger. Das ist etwas umfangreicher der Antrag. Ich habe das über akut gemacht. Ging einfach schneller und ich konnte mir die Kliniken aussuchen. Was dann ja auch nicht so dolle gewesen ist.

Gut dass du so eine Hausärztin hast. Meine wollte mich noch nicht mal krankschreiben.
Welche körperlichen Untersuchung hast du denn bis jetzt schon durchgenommen?

05.05.2019 23:15 • x 1 #4


einnutzer


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Die Therapeutin habe ich tatsächlich auch recht fix in Frage gestellt, ich dachte erstmal sie will mich "triggern" und bestimmte Reaktionen auslösen, aber mittlerweile weiß ich, dass sie einfach keine Hilfe ist. Die Panikattacken sind tatsächlich vorbei, ich hatte noch eine irgendwann vor 6 Monaten. Bei dem jetzigen Zustand haben mir mehrere Ärzte gesagt, das sei keine Panik weil es mitunter über Stunden oder den ganzen Tag anhält. Ich versuche gerade in einer psychiosomatischen Ambulanz unter zu kommen, eine neue Therapie werde ich auch angehen, allerdings befürchte ich wieder 2-3 Monate Wartezeit. Medikamente wollte/will ich auch tatsächlich nicht, da mir eine Symptombehandlung nicht hilft.

Woher hattest du die Einweisung? Ich wollte in der nächsten Woche den Weg über die Rentenkasse starten, ich hatte schon gelesen, dass das alles ewig dauert - mittlerweile erwarte ich nix anderes mehr...

Meine Hausärztin ist mir da ne große Hilfe gewesen, sie hat mich überall hin geschickt. Ich kann mittlerweile sagen, dass es in jedem Fall nix körperliches ist. Ich hatte 2x MRT, 1xCT, Ortophäde + Physio, HNO, Augenambulanz im Krankenhaus (12h, alles gecheckt), Neurologie + Sonographie der Halsadern, Pneumologe + Gerät zur Schlafüberprüfung. Ich habe bestimmt noch was vergessen, in den letzten 9 Monaten war ich häufiger bei Ärzten als in den 10 Jahren zuvor haha

Gott sei Dank geht es mir im Grunde gut, ich habe mich damit abgefunden eine wie auch immer geartete psychische Erkrankung zu haben (was bestimmt 3-4 Monate gebraucht hat), welche offenbar nicht sehr stark ausgeprägt und in den Griff zu bekommen ist. Natürlich hat mein Sozialleben etwas darunter gelitten, weil ich im Moment nicht viel unternehme und das auf 15 Monate begrenzte Krankengeld und die Frage ob ich vorher wieder arbeitsfähig bin beschäftigt mich, aber all das ist nichts was mir Angst macht.

06.05.2019 00:34 • #5


Safira

Safira


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Panikattacken/Zustände können schon mehere Stunden bis Tage über Wochen anhalten. Kann auch durchaus unterschwellige Angst sein vom Unterbewusstsein aus die man gar nicht so wahrnimmt. Hatte ich auch Jahrelang ohne zu wissen das es Angst war. Immer durch Belastende Umstände begleitet aber nicht als Auslöser zu erkennen.

Deine Vordergründigen Symptome sind der Schwindel und der Druck im Kopf? Hast Du denn irgend eine Richtung was es sein könnte? Hast Dich doch bestimmt schon beschäftigt damit oder? Wie sieht es mit Deinen Gefühlen aus? Dir macht die ungewisse Prognose der Beruflichen Wiedereingliederung wirklich keine Sorgen?

Mit Wartezeit muss man immer rechnen. Meine Einweisung bekam ich von meinem Psychiater incl Verdachtsdiagnose.

06.05.2019 12:04 • #6


Schlaflose

Schlaflose


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Zitat von Safira:
Meine Einweisung bekam ich von meinem Psychiater incl Verdachtsdiagnose.


Vom Hauarzt geht aber auch.

Ich hatte vor 11 Jahren einen Rehaantrag gestellt, ohne vorher in psychologischer Behndlung gewesen zu sein. Wurde erstmal abgelehnt. Habe dann Widerspruch eingelegt, wurde daraufhin zu einem Gutachter von der Rentenversicherung bestellt und aufgrund dessen Bericht habe ich die Reha dann doch bekommen.

06.05.2019 15:35 • #7



Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf


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