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Ich wollte mal nachfragen, wer schon in einer psychosomatischen Klinik war. Ich habe nächste Woche einen Termin in der Rheinklinik in Bad Honnef und bin ganz schön aufgeregt. Ich habe große Angst, dass sie mich nicht aufnehmen möchten, obwohl ich das sehr wichtig für mich finden würde.
Wenn ihr mal in einer solchen Klinik wart, mit welchen Diagnosen und Symptomen seid ihr angereist. Was wurde besser, was war nicht so gut?
@Tobimobi Hallo, ich war schon mal mit einer Angststörung und Depressionen in einer psychosomatischen Klinik für acht Wochen, das ist einige Jahre her und derzeit stehe ich wieder auf der Warteliste und hoffe dass es im März oder April losgeht. Mir hat es damals sehr gut gefallen und gut getan. Man hat viele Anwendungen und Gespräche
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Psychosomatische Klinik - Erfahrungen
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Darkshadow Mitglied
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Hallo Tobi,
ich war schon mehrfach in psychosomatischen Kliniken.
Dass du aufgeregt bist, ist völlig normal, das geht fast allen Patienten so. Mit deinen Sorgen bist du also absolut nicht alleine und die Therapeuten kennen das auch und werden dir diese Sorgen bestimmt schnell nehmen können.
Diese Termine zum Aufnahmegespräch verlaufen meistens sehr freundlich. Das Behandlungskonzept der Klinik scheint auf deine Symptome zu passen, sonst hättest du die Klinik ja nicht gewählt. Und darum geht es im Wesentlichen (neben einer anderen Sache) bei diesen Gesprächen: Die Klinik möchte abschätzen, ob dein Symptombild in deren Behandlungskonzept passt. Und zweitens geht es darum, zu sehen, wie stabil du bist. Das ist so ein bisschen die Krux bei psychosomatischen Kliniken: Die Symtome müssen so ausgeprägt sein, dass sie eine vollstationäre Behandlung rechtfertigen. Gleichzeitig darf der Patient aber auch nicht zu instabil sein, denn psychosomatische Kliniken sind eben keine Psychiatrien: Die Ärzte und Therapeuten müssen davon ausgehen können, dass du in den Zeiten, in denen keine Therapie ist, alleine zurechtkommst. Oft gibt es auf den Stationen kein Pflegepersonal, die Ärzte und Therapeuten gehen spätestens am frühen Abend nach Hause und am Wochenende ist auch kaum jemand da. Es gibt zumeist einen Notdienst, aber dieser besteht meistens aus nur einer oder zwei Personen für die ganze Klinik. Es gibt zwar zusätzlich auch Pflegepersonal, aber das ist halt eben oftmals nicht auf den Stationen, sondern an einem zentralen Punkt und ebenfalls für die ganze Klinik zuständig. Darum nehmen viele psychosomatische Kliniken keine Patienten auf, die akut sui.zidal sind, die akut psychotisch sind oder ähnliches. Sie haben dafür nicht das notwendige Personal, um Patienten rund um die Uhr im Auge behalten zu können.
Außerdem liegt bei psychosomatischen Kliniken der Schwerpunkt mehr auf Therapie als auf reiner Stabilisierung. An einem durchschnittlichen Therapietag hat man oft mehrere Therapien, oft eine Mischung aus verschiedenen Gruppentherapien, Sport- und Kunsttherapien. Dazu noch Einzeltherapie, aber die ist nicht selten nur 1x pro Woche. Um dieses Programm mitmachen zu können, braucht man eine gewisse Stabilität. Die ersten zwei Wochen sind meistens noch „Schonprogramm“ mit weniger Anwendungen, aber danach kann der Therapieplan auch mal recht umfangreich werden. Und dafür braucht man eine gewisse Grund-Stabilität.
Lange Rede, kurzer Sinn: Das wollen die meisten Kliniken bei diesem Termin herausfinden: Ob man als Patient in dieses „Fenster“ passt.
Das klingt jetzt vielleicht schwieriger als es ist, denn dieses Fenster ist seeehr groß und nicht allzu schwer zu treffen. Die Symptome sind fast immer schwer genug und man darf natürlich auch eine gewisse Labilität haben, sonst würde man ja nicht in eine Klinik wollen. (Diese darf halt nur nicht zu extrem sein).
Und das Gute ist, dass es seit ein paar Jahren sehr viel einfacher geworden ist, aufgenommen zu werden, da in den meisten Fällen der Kampf mit der Krankenkasse entfällt. Viele Kliniken kooperieren mit vielen Krankenkassen, und bei diesen Kooperationsverträgen muss die Klinik zwar trotzdem begründen, warum der Patient aufgenommen wird, aber die Krankenkasse überlässt weitgehend der Klinik die medizinische Einschätzung der Notwendigkeit. (Vor diesen Kooperationsverträgen war die Genehmigung der Krankenkasse immer ein ziemlicher Kampf, der auch mal mehrere Monate dauern konnte, bevor danach erst die eigentliche Wartezeit begann.)
Darum kannst du mit einiger Zuversicht in diesen Termin gehen, das wird schon passen.
Ich wünsche dir viel Erfolg und schonmal einen hilfreichen Aufenthalt 🍀! LG
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Tobimobi Mitglied
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@darkshadow
Danke dir , das war sehr ausführlich. Das gibt mir ein wenig mehr Sicherheit.
Mein Problem ist, dass ich zuhause aktuell nicht viel Struktur aufbauen kann. Ich fühle mich mit vielen Dingen sehr überfordert und die meiste Zeit bin ich zuhause. Meinst du, dass ich deshalb zu instabil eingeschätzt werde?
Suizidgedanken habe ich keine. Ebensowenig wie eine Psychose.
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Darkshadow Mitglied
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Hallo Tobi,
nein, mit zu ausgeprägter Instabilität meine ich tatsächlich akute Sui.zidalität, akute psychotische Schübe u.ä., komplette Unfähigkeit, sich zu versorgen (Körperpfklege, Mahlzeiten,...), also Zustände, die ganz konkret entweder dein oder das Leben von Mitpatienten gefährden würden oder die die körperliche Unversehrtheit von dir oder Mitpatienten gefährden würden. Damit ist nicht einmal selbstverletzendes Verhalten gemeint (das ist relativ normal in Kliniken). Es geht im Endeffekt um die Verantwortung für dein Leben. Eine typische Anforderung von Therapeuten wäre :“ Wenn ich jetzt heute nach Hause gehe, muss ich mich darauf verlassen können, dass sie morgen noch am Leben sind.“ Um solche Dinge geht es.
Es gibt in Kliniken ganz viele Patienten, die ihren Tagesrhythmus nicht regeln können. Das gilt als eher „normales“ Problem (also „normal“ nur in Bezug auf die Frage, ob man dich aufnehmen kann). Wenn du in der Klinik wochenlang nie morgens/vormittags aufstehst, dir nie deine Medikamente holst, du an keiner Therapie teilnimmst, weil du nur im Bett liegst und du zu fast keiner Mahlzeit gehst, dann wird man die Therapie irgendwann abbrechen, weil du dann in diesem aktuellen Zustand nicht therapiefähig wärst. Abgebrochen wird auch mal, wenn ein Patient keine Therapie-Bereitschaft hat, keine Verantwortung für sich übernimmt, mehrfach täglich Notfallkontakte einfordert (außerhalb des regulären Therapieplans), ohne irgendeine Bereitschaft zu zeigen, selber an sich zu arbeiten und die nötige Eigenverantwortung zu übernehmen (also das Prinzip „Therapie ist Hilfe zur Selbsthilfe“ durchweg nicht umsetzt).
Also, was ich sagen möchte: Für einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik solltest du in der Lage sein, dich zu versorgen (Waschen, Mahlzeiten, Medikamente nehmen), im Wesentlichen deinem Therapieplan folgen zu können und eine gewisse Bereitschaft für die Therapie mitzubringen. Und weder dein Leben/ deine körperliche Unversehrtheit noch das/die deiner Mitpatienten zu gefährden. Mehr verlangt die Klinik eigentlich nicht.
Tatsächlich geht es der Klinik wirklich eher darum, dass nichts konkret Lebensgefährliches passiert, eben weil die Patienten dort viel Zeit selbstständig ohne Therapeuten verbringen und eben nicht unter permanenter Beobachtung stehen.
Du darfst alle deine Probleme mitbringen, die mit deinen Diagnosen zusammenhängen, dafür gehst du ja in eine Klinik. Du musst dort nicht „funktionieren“ können, nur die ganz grundlegende körperliche Selbstversorgung solltest du hinbekommen können, und auch dabei wirst du unterstützt.
Also keine Sorge, nichts von dem, was du schreibst, ist in irgendeiner Form bedenklich für den Aufenthalt. Mit den beschriebenen Problemen wird man dich bestimmt gerne aufnehmen, auch weil das alles Sachen sind, an denen man wirklich gut arbeiten kann.
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Rogue Mitglied
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Hallo Tobi,
ich habe ähnliche Erfahrungen wie @Nicky78 und @darkshadow gemacht.
Wie bei Nicky haben mir auch die vielen verschiedenen Anwendungen und Gespräche gut gefallen und geholfen. Klar gibt es auch immer mal Probleme, für mich waren die Mitpatienten manchmal stressig, es gab auch mal Probleme mit Therapeuten oder mit dem Therapieplan, aber im Großen und Ganzen war es trotzdem eine gute Erfahrung. Mir hat das, was ich da gelernt habe, auch noch lange nach der Klinik geholfen.
Ich möchte dir auch Mut machen für dein Gespräch. Ich habe es so erlebt, wie @darkshadow es beschrieben hat. Bei mir lief es auch so ab, es wurde geschaut, ob meine Diagnosen zur Klinik passen, ob ich die Therapie dort hinkriegen kann und ob ich es auch schaffe, Wochenenden und Abende ohne therapeutische Hilfe hinzukriegen. Und es wurde nach meinen Symptomen gefragt, um zu sehen, dass die auch schwer genug sind, um einen vollstationären Aufenthalt genehmigen zu können.
Ich habe meinen Alltag auch null Komma null auf die Reihe gekriegt, bevor ich angereist bin, das war kein Problem, ganz vielen Patienten ging es auch so und die Klinik-Struktur hat geholfen, das wieder besser in den Griff zu kriegen.
Es waren ganz viele unterschiedliche Patienten da, einige waren noch berufstätig, andere schon in Rente aus gesundheitlichen Gründen, andere waren immer wieder kurz davor, in die Psychiatrie verlegt zu werden, weil sie heftigere Symptome hatten. Ein bunter Strauss an unterschiedlichsten Menschen.
Viel Erfolg für dein Gespräch!
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Tobimobi Mitglied
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@Rogue @darkshadow
Danke euch beiden. In drei Tagen ist der Termin. Ihr habt mir Mut gemacht
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Grummel72 Mitglied
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Hi, ich bin 2007 das erste Mal gewesen wegen Depressionen und Burnout für 8 Wochen und das hat mir sehr gut getan und auch geholfen. Das zweite Mal war ich 2022 und das hab ich nach 2 Wochen abgebrochen weil es mir nichts gebracht hat und wegen Corona alles sehr schwierig gewesen ist.
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#8
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Tobimobi Mitglied
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@Grummel72
Danke dir
Hast du nach dem ersten Mal das Gefühl gehabt, dass du nach dem Aufenthalt wieder besser zurecht gekommen bist?
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Grummel72 Mitglied
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@Tobimobi auf jeden Fall! Hab sehr viel dort gelernt und mich dort auch super erholt in den 8 Wochen. Ich würde es jederzeit wieder machen.
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Tobimobi Mitglied
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@Grummel72 mit welchen Symptomen bist du dort angereist?
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#11
Grummel72 Mitglied
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@Tobimobi 2007 Burnout und Depressionen 2022 Angst vor Kontrollverlust
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Tobimobi Mitglied
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Die Klinik hat den Termin eine Stunde vor Beginn abgesagt. Ich kann nachvollziehen, dass der Andrang sehr groß ist, aber ich hatte so große Hoffnungen. Bin sogar extra früh aufgestanden, obwohl es super anstrengend war. Jetzt muss ich weitere Wochen auf einen Termin warten 😢
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#13
Wildrose Mitglied
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Zitat von Tobimobi:
Die Klinik hat den Termin eine Stunde vor Beginn abgesagt. Ich kann nachvollziehen, dass der Andrang sehr groß ist, aber ich hatte so große ...
Das tut mir sehr leid, mir ging es im Januar ähnlich, Ersttermin wurde am Nachmittag vorher abgesagt wegen Krankheit der Mitarbeiter, zweiter Termin versank im Schneechaos und dritter Versuch scheitert nun an Handwerkerchaos seitens der Vermieter. Ich war da vor einigen Jahren stationär und es hat mir so gut getan. Bin regelrecht aufgeblüht. Müsste eigentlich lieber heute als morgen da aufgenommen werden, aber muss durchhalten, bis der Mist hier geregelt ist. Wünsche dir alles Gute 🍀 Hoffentlich bekommst du bald einen neuen Termin.