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Tobimobi
Mitglied

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Guten Tag ihr Lieben,

Ich wollte mal nachfragen, wer schon in einer psychosomatischen Klinik war. Ich habe nächste Woche einen Termin in der Rheinklinik in Bad Honnef und bin ganz schön aufgeregt. Ich habe große Angst, dass sie mich nicht aufnehmen möchten, obwohl ich das sehr wichtig für mich finden würde.

Wenn ihr mal in einer solchen Klinik wart, mit welchen Diagnosen und Symptomen seid ihr angereist. Was wurde besser, was war nicht so gut?

Freue mich über einen guten Austausch.

Liebe Grüße
Tobi

21.02.2026 #1


2 Antworten ↓


N
@Tobimobi Hallo, ich war schon mal mit einer Angststörung und Depressionen in einer psychosomatischen Klinik für acht Wochen, das ist einige Jahre her und derzeit stehe ich wieder auf der Warteliste und hoffe dass es im März oder April losgeht. Mir hat es damals sehr gut gefallen und gut getan. Man hat viele Anwendungen und Gespräche

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Darkshadow
Hallo Tobi,

ich war schon mehrfach in psychosomatischen Kliniken.

Dass du aufgeregt bist, ist völlig normal, das geht fast allen Patienten so. Mit deinen Sorgen bist du also absolut nicht alleine und die Therapeuten kennen das auch und werden dir diese Sorgen bestimmt schnell nehmen können.

Diese Termine zum Aufnahmegespräch verlaufen meistens sehr freundlich.
Das Behandlungskonzept der Klinik scheint auf deine Symptome zu passen, sonst hättest du die Klinik ja nicht gewählt. Und darum geht es im Wesentlichen (neben einer anderen Sache) bei diesen Gesprächen:
Die Klinik möchte abschätzen, ob dein Symptombild in deren Behandlungskonzept passt.
Und zweitens geht es darum, zu sehen, wie stabil du bist. Das ist so ein bisschen die Krux bei psychosomatischen Kliniken:
Die Symtome müssen so ausgeprägt sein, dass sie eine vollstationäre Behandlung rechtfertigen. Gleichzeitig darf der Patient aber auch nicht zu instabil sein, denn psychosomatische Kliniken sind eben keine Psychiatrien: Die Ärzte und Therapeuten müssen davon ausgehen können, dass du in den Zeiten, in denen keine Therapie ist, alleine zurechtkommst. Oft gibt es auf den Stationen kein Pflegepersonal, die Ärzte und Therapeuten gehen spätestens am frühen Abend nach Hause und am Wochenende ist auch kaum jemand da. Es gibt zumeist einen Notdienst, aber dieser besteht meistens aus nur einer oder zwei Personen für die ganze Klinik.
Es gibt zwar zusätzlich auch Pflegepersonal, aber das ist halt eben oftmals nicht auf den Stationen, sondern an einem zentralen Punkt und ebenfalls für die ganze Klinik zuständig.
Darum nehmen viele psychosomatische Kliniken keine Patienten auf, die akut sui.zidal sind, die akut psychotisch sind oder ähnliches. Sie haben dafür nicht das notwendige Personal, um Patienten rund um die Uhr im Auge behalten zu können.

Außerdem liegt bei psychosomatischen Kliniken der Schwerpunkt mehr auf Therapie als auf reiner Stabilisierung. An einem durchschnittlichen Therapietag hat man oft mehrere Therapien, oft eine Mischung aus verschiedenen Gruppentherapien, Sport- und Kunsttherapien. Dazu noch Einzeltherapie, aber die ist nicht selten nur 1x pro Woche. Um dieses Programm mitmachen zu können, braucht man eine gewisse Stabilität. Die ersten zwei Wochen sind meistens noch „Schonprogramm“ mit weniger Anwendungen, aber danach kann der Therapieplan auch mal recht umfangreich werden. Und dafür braucht man eine gewisse Grund-Stabilität.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das wollen die meisten Kliniken bei diesem Termin herausfinden: Ob man als Patient in dieses „Fenster“ passt.

Das klingt jetzt vielleicht schwieriger als es ist, denn dieses Fenster ist seeehr groß und nicht allzu schwer zu treffen.
Die Symptome sind fast immer schwer genug und man darf natürlich auch eine gewisse Labilität haben, sonst würde man ja nicht in eine Klinik wollen. (Diese darf halt nur nicht zu extrem sein).

Und das Gute ist, dass es seit ein paar Jahren sehr viel einfacher geworden ist, aufgenommen zu werden, da in den meisten Fällen der Kampf mit der Krankenkasse entfällt. Viele Kliniken kooperieren mit vielen Krankenkassen, und bei diesen Kooperationsverträgen muss die Klinik zwar trotzdem begründen, warum der Patient aufgenommen wird, aber die Krankenkasse überlässt weitgehend der Klinik die medizinische Einschätzung der Notwendigkeit.
(Vor diesen Kooperationsverträgen war die Genehmigung der Krankenkasse immer ein ziemlicher Kampf, der auch mal mehrere Monate dauern konnte, bevor danach erst die eigentliche Wartezeit begann.)

Darum kannst du mit einiger Zuversicht in diesen Termin gehen, das wird schon passen.

Ich wünsche dir viel Erfolg und schonmal einen hilfreichen Aufenthalt 🍀! LG

#3






Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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