Ich habe das bislang immer recht unterschiedlich gehandhabt.
Jede therapeutische Beziehung ist anders und jeder Therapeut hat auch individuelle Einstellungen zu dem Thema.
Ich schreibe zuerst etwas über meine persönlichen Erfahrungen und dann noch etwas darüber, was mir Therapeuten ganz konkret zu dem Thema gesagt haben.
Ich hatte Therapeuten, denen ich Kleinigkeiten geschenkt habe, manchmal auch etwas mehr, und ich hatte Therapeuten, denen ich nichts geschenkt habe.
Ich hatte Therapeuten, die sich gefreut haben, und ich hatte auch Therapeuten, die ganz explizit gesagt haben, dass sie keine Geschenke haben wollen und denen das eher unangenehm war.
Grundsätzlich sollte man im Hinterkopf haben, dass man es nicht übertreiben sollte. Bei Therapeuten ist es oftmals ganz ähnlich wie bei Lehrern, ein bestimmter materieller Wert sollte nicht überschritten werden.
Was mir Therapeuten explizit gesagt haben:
- Geschenke sind absolut nicht notwendig, ein verbales Dankeschön oder eine kleine Postkarte sind Dank genug, wenn man etwas geben möchte
- Wenn man etwas schenken möchte, sind Dinge, die man „verbrauchen“ (also essen, trinken u.ä.) kann, eher willkommen als Gegenstände, weil die sich über die Jahre anhäufen. Therapeuten haben ja über die Jahre sehr viele Patienten, und wenn jeder etwas „zum Hinstellen“ schenkt, wird das irgendwann einfach zu viel
- Auf die Frage, worüber sie sich freuen würden, haben 95% mit „Kaffee“ oder „Tee“ geantwortet
- Irgendeine Kleinigkeit, die die Pausen zwischen den Therapiestunden versüßt, wie z.B. Schokolade, Kekse, Kaffee, Tee,... ist oftmals willkommen
- In der Klinik gab es mal die Situation, dass eine Patientin am Wochenende Kekse für die Therapeuten gebacken hatte. Das hat zu Problemen geführt, die Therapeuten haben sich zwar bedankt, aber auch gesagt, dass sie zum Verzehr nur verpackte / gekaufte Lebensmittel annehmen dürfen, weil nur so die hygienische Sicherheit des Lebensmittels gewährleistet ist. Das gilt aber bestimmt nicht für alle Therapeuten.
Ich habe auch schon Kekse gebacken und an Therapeuten verschenkt, da kam diese Reaktion nicht, aber seit ich diese Geschichte mitbekommen habe, bin ich da zurückhaltender mit geworden. Ich habe auch Lehrer im Freundeskreis, vielen von denen mögen auch nichts Selbstgebackenes annehmen.
- Es ist ok, beim Therapeuten zu fragen, worüber er/sie sich freuen würde. Nicht jeder Therapeut mag Schokolade, nicht jeder Therapeut trinkt Kaffee/Tee.
- Das Geschenk sollte die nötige professionelle Distanz wahren. Auch wenn man sich gut versteht, ist es trotzdem eine professionelle Beziehung. Also nicht übertreiben. Weniger ist mehr.
Das ist jetzt nur das, was ich so erlebt habe und was ich so gehört habe. Wie gesagt, jede therapeutische Beziehung ist individuell.
Im Zweifel würde ich eher nichts oder nur etwas sehr Kleines schenken, gerade was Weihnachten usw. angeht.
Zur Verabschiedung bei Therapie-Ende ist die Situation noch mal etwas anders als wenn man sich mitten in der Therapie befindet.
Wie gesagt, auch wenn man sich gut versteht, ist es trotzdem eine professionelle Beziehung, auch wenn sich das für den Patienten manchmal vielleicht anders anfühlt.
Darum finde ich den Vergleich zu anderen Ärzten usw., der hier schon gemacht wurde, gar nicht schlecht. Ein Geschenk sollte sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen wie bei anderen Personen, zu denen man eine professionelle Beziehung hat.
Dann kann man einigermaßen sicher sein, dass sich der Therapeut auch tatsächlich freut und nicht das Gefühl bekommt, dass ein Patient hier die professionelle Distanz unterschreitet.