@kadisha ich schließe mich mal an, auch wenn ich eher Mitleserin sein werde, weil ich nicht so viel dazu sagen kann, glaube ich. Spannend und informiert ist es auf jeden Fall.
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x 1#201
freely Mitglied
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Ich habe jetzt wirklich alles gelesen und 1000 Gedanken dazu.
Bisher hatte ich nur einmal ein AD genommen. Ohne Therapie und ohne Kontrolle ob es förderlich ist. Es war aber hilfreich in dem Moment, weil es eine Gedankenschleife schnell beendete. Die erste Wirkung war antriebssteigernd, aber ohne Ziel führte das eher zur Unruhe.
Ich hatte es nur ein Jahr genommen und mir eigentlich gedacht, es gibt zwar Antrieb aber ändert am grundsätzlichen Denken nichts. Der Antrieb hatte mich sogar eher kopflos Handeln lassen und als ich ungeplant schwanger war, setzte ich es ab. Diese Situation war dann sowieso chaotisch, weiß nicht wie stark die Absetzungserscheinungen waren.
Was mich bis heute von Ad's abhält ist, dass ich klar im Kopf bleiben möchte, bewusst sein möchte. Klar man könnte meinen die dunklen Gedanken benebeln mich ja noch mehr. Aber ich möchte diese Gedanken eben bewusst erfahren, nur dann kann ich doch daran etwas ändern?
Dieses Vorgehen kann ich mir erlauben, ich sehe ein, dass dies nicht jeder kann. Auch denke ich, bin ich das Leiden von klein auf schon gewohnt. Und erfahren habe ich auch, daß alles auch irgendwann einmal vorbei geht.
Ich denke im Grunde bin ich nur wie eine Projektionsfläche. Ich denke auch das wir eine kranke Gesellschaft haben in der es derzeit nur schwer eine Heilung zu finden gibt. Würden alle ihre Psychopharmaka absetzen, würde allen das Problem erst mal richtig bewusst werden wie krank unsere Gesellschaft ist. Vielleicht wäre dann eine gesellschaftliche Heilung möglich.
Ich bin zum Teil bei meinen Großeltern groß geworden die den Krieg erlebt hatten. Deren Trauma hat mich ebenso beeinflusst, oder nicht? Das Trauma meiner Mutter über deren Vergewaltigung als junges Mädchen und zusätzlicher Verachtung durch die Dorfbewohner. Es hieß nämlich sie sei selbst Schuld und solle ihren Vergewaltiger heiraten.
Das sind alles so kranke Sachen, da habe ich selbst noch gar nichts erlebt und dennoch die Folgen davon erfahren.
In einer Gesellschaft in der man nicht weiß wie man ein gebrochenes Bein heilt, laufen sie auch alle mit Krücken herum und sagen eine Heilung gibt es nicht und sie sind froh dass sie überhaupt noch laufen können. Ja man macht das beste aus dem was einem geboten wird. Aber eine universelle Wahrheit ist es halt nicht.
Ich male mir oft aus, was mir wahrscheinlich helfen könnte. Nur dann wird mir auch bewusst, daß dadurch eine Abhängigkeit von Umständen entsteht. Wenn alles tiptop ist, geht es einem natürlich besser. Oder doch nicht? Manche mögen alles haben und ihnen geht's trotzdem schlecht.
Und damit komme ich dann wieder zur Bewusstheit, zur Wahrnehmung. Mir ist auch der Begriff Krankheitsgewinn bekannt, ebenso wie hinderlich die Identifikation mit der Krankheit sein kann, bei der die Krankheit schon ins Selbstbild implementiert ist.
Wie geht denn gesund sein? Ich kannte nur kranke Menschen. Opa nahm morgens schon eine handvoll Tabletten. Meine Oma erzählte von ihren Selbstmordversuchen mit denen sie allen beweisen wollte, wie schlecht ihr Mann doch zu ihr war. Meine Mutter Alk., mein Vater Selbstmord begangen. Meine Schwester Bulimie. Freunde überwiegend auch aus solch kranken Elternhäusern. Partner, Alk. oder/und sonstwie emotional instabil. Chefs und Kollegen auch meist nicht ganz normal.
Vielleicht gab es irgendwo mal paar gesunde Leute in meinem näheren Umfeld. Die sich dann aber die nähere Befassung mit den Auswirkungen meiner Probleme nicht geben wollten.
Wie geht also gesund sein. Wo schaue ich mir das ab, in welches Umfeld begibt man sich am besten? Welches Umfeld meidet man, bzw kann man sich davor nicht durch mentale Stärke schützen? Ich kann das manchmal mehr, manchmal weniger gut. Aber letztendlich wünsche ich mir ein übetwiegend gesundes Umfeld.
Das Thema mit der Ernährung finde ich auch interessant, hatte mich dazu auch mal belesen. Aber ich will aus meiner Ernährung dann keine Wissenschaft machen. Im Grunde finde ich die Gedanken sind dann eh erst mal viel stärker und können gewaltige chemische Prozesse in Gang setzen. Da würden dann wirklich nur starke Betäubungsmittel helfen.
Nur die kurze Annahme, ich habe meinen Geldbeutel mit Euro500 irgendwo liegen lassen, sorgt für einen wahnsinnig starken Chemiecocktail der unseren ganzen Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Und dann kommt die Gewissheit dass der Geldbeutel verloren wurde, - chemisch gesehen der Horror und selbst erzeugt. Das ist schon faszinierend welch Prozesse wir in unsere Körper alleine durch unsere Gedanken in Gang setzen können. Die Frage ist da nicht weit, warum wir nicht die Prozesse für ein angenehmes Innere in Gang bringen.
Ich hatte mich bisher nie direkt mit Meditation befasst. Mich aber mit der Definition beschäftigt. Es soll wohl nicht das Meditieren geben, eher ist es eine Eigenschaft, man ist meditativ. Dabei geht es darum sein Ich vom Körper und Geist zu lösen. Also einen kleinen Abstand dazwischen zu bringen. Damit jegliche Identifikation damit enden kann. Die Identifikation mit seinen Gedanken und seinem Körper. Wir haben Gedanken und haben einen Körper, aber wir sind diese nicht. Durch diesen Abstand fällt sowohl Bewusstheit wie Achtsamkeit viel leichter. Denn wir hören zwar das Geplapper unseres Verstandes, aber können dennoch bewusst im Jetzt sein, weil wir nicht mehr meinen, das wir dieses Geplapper sind.
... Roman ende 🙃
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Heilung allein durch Psychopharmaka?
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silberauge Mitglied
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Zitat von freely:
Denn wir hören zwar das Geplapper unseres Verstandes, aber können dennoch bewusst im Jetzt sein, weil wir nicht mehr meinen, das wir dieses Geplapper sind.
Genauso ist es. Wenn ich morgens aufwache habe ich meist immer die selben, eher negativ gefärbten Gedanken im Kopf. Aber ich identifiziere mich nicht mehr so mit ihnen wie früher. Lasse das Geplapper einfach durch meine Kopf ziehen, während ich z.B. eine viertel Stunde Atemmeditation mache. Versuche auch nicht mehr jeden dieser Gedanken ins positive umzuwandeln. Hat bei mir eh nie wirklich funktioniert, vielleicht mal für den Moment und dann war der negative Gedanke auch schon wieder da. Ich habe durch Meditation viel über mich gelernt, über das was in meinem Kopf so abgeht. Und über vieles kann ich heute auch einfach lachen, weil ich es nicht mehr besonders ernst nehme, wenn mein Kopf mal wieder Katastrophen Alarm "spielt".
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Raffa1974 Mitglied
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Heilung? Ein großes Wort.. Ich weiß nicht mehr, ob ich noch an Heilung glauben kann. Erst recht nicht durch Psychopharmaka. Das hat sich für mich als Irrweg erwiesen. Nur für mich. Gleichzeitig hat es mir geholfen, bisher zu überleben. Nicht mehr, und nicht weniger.
Hat mich vorhin angesprochen: wie soll man gesundes lernen, wenn man nur Dreck Gewalt und Leid erlebt hat? Ich weiß nicht, wie "gesundes" Leben funktioniert. Was immer das auch sein mag.
Vielleicht geht es ums Lernen. Leben heißt für mich lernen. Ein Leben lang. Bis zum Schluss. Wer zu mir sagt, er wüsste Bescheid, wie das Leben funktioniert, und meint, er müsste mir predigen, hat schon verloren. Je älter ich werde, desto weniger weiß ich Bescheid.
Was ist denn Heilung? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass der Schmerz mein treuer Begleiter ist. Schon sehr lange.
Die Stoiker sagten : Wünsche nicht, dass alles so geschieht, wie du es willst, sondern wünsche, dass alles so geschieht, wie es geschieht, und du wirst Frieden finden. Wer weiß?
Ich weiß nicht mehr, ob ich noch an Heilung glauben kann. Erst recht nicht durch Psychopharmaka. Das hat sich für mich als Irrweg erwiesen. Nur für mich. Gleichzeitig hat es mir geholfen, bisher zu überleben. Nicht mehr, und nicht weniger.
Psychopharmaka sind Schmerzmittel für die Seele, so sehe ich es inzwischen und gut das es die Pillen gibt. Heilung wohl eher nicht, aber sie können zur Heilung beitragen, indem sie z.B. wieder etwas Ordnung im Kopf herstellen.