Hallo Sonnengeflecht,
was deine Frage zu den Mitpatienten betrifft:
Ich fand, dass die Klinik da einen ganz guten Weg eingeschlagen hat, es den Patienten leichter zu machen, die Diagnosen anzunehmen.
Es wurde immer deutlich darauf hingewiesen, dass es sich mit Diagnosen eben genau so verhält, wie du selber schon geschrieben hast:
Es ist eine Zusammenfassung von Symptomen unter einem „Dach“, und darum kommt es auch immer mal zu abweichenden Diagnosen, wenn verschiedene Therapeuten die Symptome eines Patienten unterschiedlich zusammenfassen und unter einem anderen „Dach“ gruppieren.
Eine Diagnose definiert nicht, wer wir sind, sie ist eher ein Behandlungsplan, der dem Patienten helfen soll, in seinem Leben besser zurechtzukommen.
Und auch, wenn Symptome den Patienten heute oft das Leben schwer machen, hatten sie immer mal einen Grund. Sie haben dem Patienten geholfen, in einem schwierigen und oftmals feindseligen Umfeld zu überleben.
Und wenn man den Patienten erklärt, dass ihre Verhaltensweisen früher durchaus sehr viel Sinn gemacht haben, hilft das, eine Diagnose zu akzeptieren. Die Verhaltensweisen waren früher mal durchaus funktional, sie sind nur mit der Zeit dysfunktional geworden, weil sich die Lebensumstände geändert haben, die Verhaltensweisen aber geblieben sind.
Darum fand ich den Ansatz auch hilfreich, sich bei einer Diagnose zu fragen:
Hilft mir der Behandlungsplan, der sich aus der Diagnose ergibt, im Leben besser klarzukommen?
Eine Diagnose definiert nicht, wer wir sind, sie ist ein Behandlungsplan.
Und wenn der Patient lernt, dass seine heutigen Symptome darüber Zeugnis ablegen, wie schwer er/sie es mal im Leben hatte, hilft das, mit diesen einen anderen/freundlicheren Umgang zu finden.
Darum würde ich auf deine Frage antworten: Die Reaktion der Mitpatienten war unterschiedlich. Einige fühlten sich schon fehldiagnostiziert, andere hatten aber eher Schwierigkeiten, damit zurechtzukommen, dass die Diagnose tatsächlich zutraf.
Und du bist ja bereits auch auf einem guten Weg: Du erkennst, wie weit du trotz widriger Umstände im Leben gekommen bist. Und dein Umfeld (Freunde, Familie, etc.) spiegelt dir genau diesen Erfolg auch. Das ist doch super!
Und es ist doch auch immer eine gute Idee, sich zu fragen, wie man sich noch weiterentwickeln kann. Und du sagst ja schon selber, dass es dir sehr schwer fällt, Dinge mal auf sich beruhen zu lassen. Das wäre doch ein schönes Übungsfeld für dich!
Du hast den GdB, weil du es im Leben sehr schwer hattest. Auf welcher Diagnose der GdB im Endeffekt beruht, ist ja in deinem Fall eigentlich nebensächlich. Wie du ja auch selber schon geschrieben hast: Symptome werden unterschiedlich zu Diagnosen zusammengefasst, abhängig vom jeweiligen Therapeuten/Arzt.
Vor 20 Jahren hat mal irgendein Arzt/Therapeut da eine Diagnose gestellt, die wohl unzutreffend war, aber du hattest ja trotzdem Probleme, die auf deine schwierige Vergangenheit zurückzuführen sind.
Die schwierige Vergangenheit ist ja da, darum „lügst“ du auch nicht, wenn du den GdB behältst. Du hattest es schwer im Leben, und mit dem GdB gibt man dir jetzt die Möglichkeit, diese Schwierigkeiten vielleicht ein kleines bisschen ausgleichen zu können.
Und das Gute ist: Du stehst ja unter keinerlei Zeitdruck, es besteht keinerlei Handlungszwang. Du kannst auch erstmal alles so lassen, wie es ist, und dir in aller Ruhe überlegen, wie es weitergehen soll.
Aktuell verzichtest du freiwillig auf Erleichterungen am Arbeitsplatz.
Vielleicht ist ja der Jahreswechsel ein guter Anlass, dass du dich nochmal genau fragst, warum du das tust.
Du hast eine schwierige Vergangenheit, du hast dein Leben trotzdem gemeistert und bist weit gekommen. Der GdB ist eine Anerkennung dieser Schwierigkeiten, die du gemeistert hast. Du hast jedes Recht, deinen GdB auch zu nutzen. Du brauchst da keinerlei schlechtes Gewissen zu haben.
Und wie gesagt: Du hast alle Zeit der Welt, dir in Ruhe zu überlegen, wie es weitergehen soll.
Viele liebe Grüße und alles Liebe!