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Tobi2703
Mitglied

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Hallo,

ich (m30) schreibe hier, weil ich gerade ziemlich feststecke und hoffe, Erfahrungen von Menschen zu lesen, die Ähnliches durchgemacht haben.

Ich bin aktuell krankgeschrieben wegen starker psychischer Belastung (Angst, Erschöpfung, Schlafprobleme, Panikattacken, Überforderung uvm.). Der Hauptauslöser ist meine Arbeit – allein der Gedanke daran triggert massive Angst. Ich habe das Gefühl, dass mein Körper und Kopf einfach nicht mehr können.

Ich hatte bereits ein Erstgespräch beim Psychologen, mit Verdacht auf mittelschwere Depression und ADHS, Empfehlung zur ambulanten Behandlung. Ein Psychiatertermin steht noch aus. Bis jetzt hat sich innerlich noch nicht viel gebessert, eher im Gegenteil: Die Ungewissheit macht mir extrem zu schaffen.

Was mir aktuell am meisten Angst macht, ist die Zeit bis zum nächsten Hausarzttermin. Ich habe große Angst, nicht ernst genommen zu werden oder „allein gelassen“ zu werden – obwohl objektiv eigentlich nichts dagegen spricht. Gleichzeitig merke ich, dass mir Abstand zur Arbeit im Moment Sicherheit gibt. Der Gedanke, bald wieder funktionieren zu müssen, versetzt mich regelrecht in Alarmzustand.

Ich frage mich ständig:

Hattet ihr auch diese Angst vor der Verlängerung der Krankschreibung?

Wurde es bei euch ruhiger, nachdem klar war, dass ihr erstmal weiter raus seid?

Wie seid ihr mit dieser Ungewissheit umgegangen?

Und wie ging es für euch perspektivisch weiter (ambulant, stationär, Jobwechsel etc.)?

Ich weiß rational, dass ich gerade Zeit brauche – aber emotional fühlt es sich sehr instabil an. Mir würde es sehr helfen zu hören, wie andere diese Phase erlebt haben.

Danke fürs Lesen.

08.02.2026 #1


11 Antworten ↓


B
Bei mir war es so, dass ich sehr lange Zeit noch arbeiten war, weil es mir gefiel. Ich hatte durchgehalten. Zu der Zeit hatte ich auch schon Therapie. Dann wurde ich wegen etwas anderem mehrere Wochen krankgeschrieben und da hat es mich dann rausgehauen. Als ich den ersten Tag wieder arbeiten war, war bei mir nichts mehr wie vorher. Mir wurde alles zu viel. Ich hatte mich den nächsten Tag gleich wieder krankschreiben lassen, kam dann in die Psychiatrie, wurde medikamentös eingestellt, begann eine neue Therapie und ging wieder arbeiten. Aber ich wurde versetzt und musste was anderes machen. Nach ein paar Monaten wurde ich entlassen. ...

Bei mir war es so, dass ich bereits zu der Zeit, als ich noch arbeiten war, einen Reha-Antrag gestellt hatte, der aber abgelehnt wurde. Der hätte eventuell etwas retten können.

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A


Angst vor den nächsten Wochen / Monaten

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Schlaflose
Ich war 2011 fast das ganze Jahr krank geschrieben. Bei mir war auch die Arbeit in meinem Beruf als angestellte Lehrerin die Ursache. Am Anfang hatte ich auch große Gewissensbisse, mich krank schreiben zu lassen, aber je längere die Sache dauerte, umso weniger machte ich mir darum Gedanken. Ich wurde immer von meinem Hausarzt für 4 Wochen krank geschrieben. Er verhalf mir auch zu einem schnellen Therapieplatz und von daher fühlte ich mich "sicher". Allerdings schaltete die Krankenkasse nach ca. 6 Monaten den MDK ein und da hatte ich Angst, dass die meine weitere Krankschreibung nicht akzeptieren. Es wurde aber nach Aktenlage geurteilt, dass ich weiterhin krank geschrieben werden konnte. 4 Monate später rief die Krankenkasse an und schlug vor, dass ich eine Wiedereingliederung machen soll. Das war aber dann nicht mehr nötig, denn mit Hilfe meines Therapeuten, der ein Gutachten schrieb, dass ich im Schuldienst nicht mehr arbeiten kann und riet mir eine Ersatztätigkeit im Ministerium zu geben sowie mit Hilfe meines ehemaligen Schulleiters konnte ich Ende November 2011 tatsächlich im Ministerium in der Verwaltung anfangen. Das habe ich bis vor einem Jahr gemacht und bin mit 63 in Rente gegangen. In all der Zeit hatte ich nur 4 Kankheitstage.

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B
Das Gewissen ...
Hier Infos zu: 6 Wochen krank, 1 Tag arbeiten, wieder krank
https://www.meine-krankenkasse.de/ratge...eder-krank

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Luce1
Zitat von Tobi2703:
Hattet ihr auch diese Angst vor der Verlängerung der Krankschreibung?

Nein. Ich kam nicht mehr aus dem Bett. Keine Kraft zu gar nichts.

Depressionen, Burnout usw es gibt so viele Betroffene.

Du brauchst überhaupt keine Angst zu haben, was die Krankschreibung betrifft.
Manchmal musste ich auch einen Bogen ausfüllen, wie oft ich dunkle Gedanken habe usw.

Google mal Achtsamkeit.
Und auf YT gibt es auch gute Doku’s.

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T
Schon einmal danke für eure Antworten. Ich strebe auch eine berufliche Neuorientierung an, aber diese Ungewissheit verbessert aktuell nicht meine Lage. Am Freitag muss ich wieder hin zum HA und ich hab echt Angst.. 4-6 Wochen nochmal krankschreiben wäre hilfreich und ich überlege auch schon stationär Hilfe zu beanspruchen..

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T
@Tobi2703 Ich stecke aktuell in der selben Situation. Meld dich gerne, wenn du spezielle Fragen hast

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Luce1
@Tobi2703

Kennst Du Tageskliniken?

Du schläfst dann zuhause u TK ist so von 8 bis 15.30 Uhr.

Das wär was für Dich denke ich. Man hat Gruppentherapie und 1-2 x Einzel-Therapie, und der ganze Tag ist strukturiert, kochen, Sport usw -
Ansprechpartner ist der Hausarzt, bei mir ging das innerhalb einer Woche

x 1 #8


T
@Luce1 Darüber habe ich tatsächlich auch schon nachgedacht. Wäre ja auch erstmal ein Anfang und wäre dagegen nicht abgeneigt. Haben hier auch relativ nah welche in der Nähe lachen

#9


S
Hey Tobias...Du sprichst ja schon sehr reflektiert über deine Situation. Das ist super... Ich selbst wollte jede Form von "Schwäche" bei mir nicht wahrhaben (Schwäche aus damaliger - nicht aus heutiger Sicht)

Ich war letztes Jahr ca 6 Monate krankgeschrieben, 4 Monate davon war ich in einer (unglaublich guten und guttuenden) Tagesklinik... Wie Luce1 schon schrieb... das kann wirklich eine sehr gute Sache sein. Jeden Morgen gruppentherapie in einer halbwegs festen Gruppe, mehrere therapeutische Angebote über den Tag verteilt (Kunsttherapie, Körpertherapie, Sporttherapie, Entspannung, Meditation, AT, PMR)
Dieser Ort hat meine schweren Depressionen nicht weggezaubert aber mir sehr für meine zukünftige Zeit geholfen...

Und du schriebst von der Angst nicht ernst genommen zu werden, die hatte ich zwar nie und die Reaktionen aus allen meinen Umfeldern (außer Elternhaus) waren sensationell und unglaublich hilfreich

Ich wünsche dir alles Gute für die nächste Zeit

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T

Burn
Bei mir war es so, dass ich das ganze Thema Arbeit und dort zu bleiben wahrscheinlich zu lange rausgezögert habe… Ich hatte einige Jahre Mobbing und bossing hinter mir. Hinzu noch extrem viel Druck. Ich hatte immer mal wieder versucht mich woanders zu bewerben aber es hat nicht geklappt.
Dann kam Corona und wer konnte da schon kündigen… der Markt war schwierig. Ich habe mich im Homeoffice total eingekapselt, das hat vieles nicht besser gemacht. Wie auch immer 2024 kam der Zusammenbruch. Ich war dann nach 10 Wochen krankschreibung in der Tagesklinik für 8 Wochen. Danach habe ich mich zwar wieder etwas besser gefühlt aber meine Hilflosigkeit ist geblieben. Ich hatte extreme Angst wieder zurück zu kehren. Tja ich hab versucht mich in Krankheit woanders zu bewerben hat natürlich wieder nicht geklappt. Tja dann bin ich erst richtig abgestürzt trotz Psychiater und Therapie. Ich bin erst dann so richtig in die panikstörung gekommen. Weil ich total aus dem Rhythmus gekommen bin. Von 180 auf 0. keinen Halt mehr, keine Struktur. In der Klinik war das ja noch da. Tja und dann ging die Schlammschlacht erst richtig los. Nach 9,5 Monaten Hölle wollte ich wieder zurück zur Arbeit. Ich war noch nicht einmal mehr krankgeschrieben und wollte zurück kehren. Ich hatte BEM Gespräch gesucht aber man hat mir gekündigt. Tja und mich sofort frei gestellt ohne Gehalt. Tja dann stand ich ganz ohne Geld d. Kein Krankengeld und Freistellung ohne Gehalt. Es hat weitere 5 Monate inklusive Anwalt und Arbeitsgericht gedauert, dass ich zu meinem Recht kam. Mir musste man Gehalt zahlen und ich habe mich dann endgültig entschieden zu gehen. Hab auf Abfindung geklagt und viel bekommen. Aber es war einfach nur schrecklich. Mich hat das Jahr fast noch fertiger gemacht als ich davor war. Man kommt in Mühlen die man sich gar nicht vorstellen kann. Nunja das Jahr war die Hölle und ich hoffe die Wunden heilen. Aber ich habe sehr viel Vertrauen zu Arbeitgebern und auch zum System verloren. Es kann auch in einem Sozialsystem Zack nach unten gehen. Ich hatte Glück dass ich noch Erspartes hatte und einen Partner. Gemeinsam konnten wir das überbrücken.
Jetzt habe ich mich da selbst rausgezogen. Keine Ahnung irgendwoher kam mein Kampfgeist, dass ich nicht weiter die Spirale nach unten wollte. Jetzt habe ich einen neuen Arbeitgeber und akklimatisiere mich gerade. Erholt habe ich mich nicht. Aber wenn ich Glück habe, hab ich daraus gelernt früher Dinge loszulassen die mir nicht gut tun. Der Preis war aber sehr hoch.

Nutze deine Auszeit und sobald du dich besser fühlst, fange an zu handeln! Jede Entscheidung die du nicht triffst, treffen irgendwann andere für dich! Es ist wichtig die Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen

#12


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Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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