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Muqq

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Hallo,

wie im Titel schon erwähnt, geht es bei mir um die Angst, in die Psychiatrie zu müssen.
Trigger

Ich habe mich letzte Woche stark selbst verletzt und musste darauf ins Krankenhaus zum nähen.



Morgen muss ich noch einmal zur Wundkontrolle.
Jetzt habe ich große Angst davor, dass mich meine Hausärztin einweisen lässt.
Kann sie das so einfach?

Ich danke Euch im voraus für die Antworten

08.09.2021 #1


28 Antworten ↓
silverleaf

silverleaf
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Hallo Muqq,

absolut nicht, da musst Du Dir keine Sorgen machen.
Eine SVV-Wunde wird versorgt und damit ist es gut. Deswegen wird niemand eingewiesen, schon gar nicht gegen den eigenen Willen. Bei einigen psychischen Erkrankungen gehört es leider zum "Alltag", das so etwas immer wieder vorkommt, es ist deswegen nicht schön, aber auch nicht dramatisch.

Es ist ja so, dass es bei einer Zwangseinweisung darum geht, eine akute Gefährdungssituation abzuwenden,
Trigger

zumeist geht es dabei um akute Suizidalität oder psychotische Zustände,


und bei den meisten SVVlern ist es ja so, dass sie nach dem SVV meist recht "ruhig" sind, da der "Druck" ja abgebaut wurde.
Und die meisten SVV-Verletzungen sehen erstmal schlimm aus, aber in den meisten Fällen sind sie nicht lebensbedrohlich.

Darum sind Behandler, die erfahren im Umgang mit SVV sind, auch sehr ruhig und "entspannt", was dieses Verhalten angeht, weil sie die Mechanismen dahinter begreifen.

Eine versorgte SVV-Wunde ist absolut kein Notfall.

Du könntest Dir natürlich überlegen, ob eine dementsprechende stationäre Therapie für Dich in Frage käme, es gibt in psychosomatischen Kliniken Stationen, die speziell solche Verhaltensweisen angehen, zumeist DBT-Stationen,
aber das würdest Du in Ruhe mit Deinem Behandler besprechen, Dir eine Überweisung holen, Dich anmelden,...das dauert alles ein bisschen und wäre keine Zwangseinweisung.
Aber eine einfache SVV-Wunde rechtfertigt niemals eine Zwangseinweisung.

LG Silver

05.09.2021 15:47 • x 8 #9


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Angst in die Psychiatrie zu müssen

x 3


silverleaf

silverleaf
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Hallo Muqq,

Zitat von Muqq:
Vielen Dank für Deine Hilfe

Sehr gerne Freunde !

Zitat von Muqq:
Was genau macht man denn bei der DBT-Behandlung? Lernt man dort auch so genannte Skills?


Vorweg: Ja, Skills sind ein ganz wesentlicher Teil.

Im Prinzip fußt die Behandlung therapeutisch auf 3 Säulen (ganz kurz umrissen):
- Stresstoleranz (Skill-Training, manchmal auch Fertigkeiten-Training genannt; innere Anspannung beobachten und einschätzen lernen, um diese dann regulieren zu können (und gar nicht erst so hochschießen lassen, unter Anspannung werden überschießende emotionale Reaktionen schlimmer); verschiedene Skills für verschiedene Anspannungbereiche finden, Skill-Ketten aufbauen, dysfunktionales Verhalten jedweder Art durch einen Skill "ersetzen"), und hierzu gehört auch Achtsamkeits-Training, also lernen, sich selbst zu beobachten, präsenter im Hier und jetzt zu sein, nicht zu bewerten, sondern einfach nur spüren, was gerade "da ist".
- Emotionsregulation (Gefühle verstehen lernen: Warum reagiere ich in bestimmten Situationen so, wie ich es tue; warum sind die Emotionen manchmal so heftig, auch wenn der Anlass eigentlich gar nicht so "groß" war, wurde vielleicht etwas aus der Vergangenheit getriggert (also quasi ein "altes" Gefühl aktiviert); liegt "unter" dem Gefühl vielleicht ein anderes Gefühl (reagiere ich z.B. wütend, wenn ich eigentlich traurig bin), emotional schwierige Situationen analysieren lernen (wenn ich "zu stark" reagiert habe: wie kam es dazu? Anfälligkeitsfaktoren dafür identifizieren und reduzieren lernen (hatte ich Stress, schlecht geschlafen, nicht ausreichend gegessen/getrunken, vorher Streit mit jemand anderem.....)
- Interaktionstraining (Wie rede ich zielführend mit anderen Menschen, ohne mich in Probleme zu bringen, wie sieht "gute"/eindeutige Kommunikation aus (z.B. Bedürfnisse klar kommunizieren, persönliche Grenzen kommunizieren/Abgrenzung lernen, Nein sagen lernen, eine Position zielführend und fest vertreten können, ohne dabei unhöflich oder unterwürfig zu werden,...)

Dazu kommt dann noch ein sehr spezifisches Therapeuten-Verhalten, klare Regeln und Strukturen, Konsequenzen bei Nichtbeachtung dieser Regeln, aber auch Unterstützung beim Aufbau von positivem Alternativ-Verhalten
und eine sehr genaue Eigenbeobachtung (man führt recht viele Protokolle, Listen und Tabellen).
Zum Teil wirkt es wie eine durchaus "strenge" Therapieform, aber dabei muss man den Ursprung dieser Therapieform verstehen:
Trigger

Sie wurde ursprünglich entwickelt, um sehr suizidale und sich stark selbstverletzende Patienten aus dem "Schlimmsten" herauszuholen.


Dazu gehört dann z.B. auch, dass es Konsequenzen für dysfunktionales Verhalten gibt.
Trigger

Kliniken regeln das unterschiedlich, aber es ist z.B. nicht ungewöhnlich, dass einem Patienten, der sich selbst verletzt, die nächste Therapiestunde gestrichen wird.


Es geht darum, das dysfunktionale Verhalten erstmal zu stoppen, um dann ein positiveres, also langfristig nicht schädliches Alternativ-Verhalten aufzubauen.

Es gehört noch sehr viel mehr dazu, aber so ganz grob sind das die wesentlichen Dinge, die mir einfallen.

Ich hoffe, dass diese kurze Zusammenfassung halbwegs verständlich war und Dir einen ersten Eindruck vermitteln konnte.

LG Silver

07.09.2021 20:15 • x 5 #24


Zum Beitrag im Thema ↓


S
Letzteres weiß ich nicht (einweisen). Bist Du denn in ambulanter psychologischer Behandlung?

#2


Muqq
@portugal Nein, bin ich aktuell leider nicht. Ich habe/hatte eine Psychiaterin, mit der komme ich allerdings nicht klar.

x 1 #3


Lottaluft
Ich habe mich auch viele Jahre selbst verletzt und war Stammgast in der NA zum nähen und auch mein Hausarzt wusste natürlich Bescheid
Eingewiesen wurde ich deswegen nie
Auch nicht als ich minderjährig war

x 4 #4


S
Zitat von Muqq:
@portugal Nein, bin ich aktuell leider nicht. Ich habe/hatte eine Psychiaterin, mit der komme ich allerdings nicht klar.


Wenn Du mit Deiner Psychiaterin nicht zurecht kommst und die Chemie nicht stimmt, dann such Dir eine Neue. Besser heute als morgen, weil die Wartelisten auch lang sind. Ok?

x 3 #5


Muqq
@Lottaluft
Danke für deine Antwort.
Das nimmt mir meine Angst schon mal. 🤗

x 2 #6


Muqq
@portugal
Ja, ich bin aktuell auch auf der Suche nach jemanden neuen. Ist leider nicht so einfach, wegen der langen Wartezeiten und auch die Erreichbarkeit ist bei vielen sehr schwer Sad

x 1 #7


S
Zitat von Muqq:
@portugal Ja, ich bin aktuell auch auf der Suche nach jemanden neuen. Ist leider nicht so einfach, wegen der langen Wartezeiten und auch die ...


Geht uns allen so Smile

#8


silverleaf
Hallo Muqq,

absolut nicht, da musst Du Dir keine Sorgen machen.
Eine SVV-Wunde wird versorgt und damit ist es gut. Deswegen wird niemand eingewiesen, schon gar nicht gegen den eigenen Willen. Bei einigen psychischen Erkrankungen gehört es leider zum "Alltag", das so etwas immer wieder vorkommt, es ist deswegen nicht schön, aber auch nicht dramatisch.

Es ist ja so, dass es bei einer Zwangseinweisung darum geht, eine akute Gefährdungssituation abzuwenden,
Trigger

zumeist geht es dabei um akute Suizidalität oder psychotische Zustände,


und bei den meisten SVVlern ist es ja so, dass sie nach dem SVV meist recht "ruhig" sind, da der "Druck" ja abgebaut wurde.
Und die meisten SVV-Verletzungen sehen erstmal schlimm aus, aber in den meisten Fällen sind sie nicht lebensbedrohlich.

Darum sind Behandler, die erfahren im Umgang mit SVV sind, auch sehr ruhig und "entspannt", was dieses Verhalten angeht, weil sie die Mechanismen dahinter begreifen.

Eine versorgte SVV-Wunde ist absolut kein Notfall.

Du könntest Dir natürlich überlegen, ob eine dementsprechende stationäre Therapie für Dich in Frage käme, es gibt in psychosomatischen Kliniken Stationen, die speziell solche Verhaltensweisen angehen, zumeist DBT-Stationen,
aber das würdest Du in Ruhe mit Deinem Behandler besprechen, Dir eine Überweisung holen, Dich anmelden,...das dauert alles ein bisschen und wäre keine Zwangseinweisung.
Aber eine einfache SVV-Wunde rechtfertigt niemals eine Zwangseinweisung.

LG Silver

x 8 #9


silverleaf
P.S.:

Vielleicht wäre es bei Dir wirklich an der Zeit, dass Du Dich mit dem Thema "möglicher Klinikaufenthalt" auseinandersetzt, da das SVV Dich ja schon länger begleitet, ich erinnere mich, dass wir uns schonmal darüber unterhalten haben:

kummerforum-f31/selbstverletzung-darueber-sprechen-t108317-40.html#p2183217

Ich kann Dir nur raten, den Gedanken daran in Deinem Herzen zu bewegen.

Ambulant kann es wirklich sehr lange dauern, bis Du einen Therapeuten für dieses spezifische "Problem" findest.

Eine Akuteinweisung in eine psychosomatische Klinik auf eine entsprechende DBT-Station (dialektisch-behaviorale Therapie, zumeist eingesetzt bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, also z.B. emotional-instabile PS Typ Borderline) erspart Dir diese lange Wartezeit. Klar, so eine Überweisung dorthin geht auch nicht von heute auf morgen, da hat man schon durchaus Wartezeiten,
aber da würde Dir geholfen werden.

Gerade wenn das Thema in diesem Jahr bei Dir so präsent ist, wäre es vielleicht eine Überlegung, diesen Schritt zu wagen.

So eine DBT-Station einer psychosomatischen Klinik ist überhaupt nicht "schlimm", da triffst Du auf "ganz normale" Menschen mit Problemen, und es ist dort nicht so, wie man es sich vielleicht in Schreck-Versionen von geschlossenen psychiatrischen Stationen ausmalt, überhaupt nicht.
Man bewegt sich dort frei und selbstbestimmt, es gibt ein paar Regeln, aber die sind überschaubar, und dort wird Alternativverhalten zu SVV aufgebaut und trainiert.
DBT ist nicht jedermanns Sache, das kann ich auch sagen, aber es ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Wenn man wirklich ernsthaft vom SVV wegkommen möchte, ist es ein sehr erfolgreiches Therapieverfahren.

Viele liebe Grüße
Silver

x 6 #10


Muqq
@silverleaf
Erstmal vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!
Genau, vor ein paar Monaten hatte ich das Problem schon einmal, aber nicht so schlimm. Letzte Woche ist es leider sehr eskaliert Sad
Genäht musste bei mir bis dato auch nie...

Kannst du eine Klinik empfehlen, die dieses Behandlungsspektrum anbietet?
Ich komme aus der Nähe von Hannover und möchte eigentlich nicht allzu weit weg von meiner Familie.

x 1 #11


Habo
Bielefeld wäre nicht ganz soweit weg von dir. Ich war dort Mal zur Krisenintervention auf einer Station mit SVV-Patienten. Die boten auch das DBT-Programm an.

x 2 #12


silverleaf
Hallo Muqq,

lieben Dank für Deine Antwort!

Ich tue mich immer etwas schwer mit Klinikempfehlungen, weil die Erfahrungen, die Menschen in Kliniken machen, einfach so individuell sind, dass es schwer ist, zu beurteilen, welche Klinik auf wen passt.

Ich erzähle also einfach mal so ganz allgemein, was ich "so gehört habe", es ist also keine direkte Empfehlung zwinkern :

Ich habe sehr viel Gutes von der Burghof-Klinik gehört, die ist 31731 Rinteln. Aber wie gesagt: ohne Gewähr zwinkern .

LG Silver

x 6 #13


I
Soweit ich das weiß, braucht man für eine Zwangseinweisung einen richterlichen Beschluss.
Also mache dir da mal keine Sorgen.
Ich denke allerdings auch, du solltest freiwillig in eine Klinik gehen.

x 2 #14


silverleaf
P.S.:

In Hannover gibt es wohl auch eine Selbsthilfegruppe, die eine Einführung in DBT sowie Skill-Gruppen anzubieten scheint, habe ich eben durch Zufall entdeckt, auch dieser Link ohne Gewähr:
http://borderline-hannover.de/borderlin...ilfegruppe

Vielleicht wäre das etwas für die Übergangszeit bis zur Klinik?
(P.S.: Bitte lass' Dich nicht vom Wort "Borderline" abschrecken, falls Du diese Diagnose nicht hast, SVV ist unabhängig von dieser Diagnose, die DBT-Behandlung hilft trotzdem,
die schreiben auf ihrer Homepage auch explizit, dass die Gruppen für verschiedene Diagnosen geeignet ist.)

LG Silver

x 5 #15


silverleaf
P.P.S.:
Die MHH (Medizinische Hochschule Hannover) hat wohl auch eine DBT-Station, die Station 52, wenn ich das richtig verstanden habe.
Ich kann nur nichts dazu sagen, ob diese Station gut oder weniger gut ist, ich habe nur gesehen, dass es sie gibt, kenne aber niemanden persönlich, der dort war. Und bei Klinikbewertungen habe ich nur Bewertungen zu anderen Stationen gefunden.

LG Silver

x 5 #16


Muqq
@silverleaf
Danke dir nochmals!
Ich war heute bei meiner Hausärztin.
Habe eine Einweisung in die Burghof Klinik in Rinteln bekommen.
🙏

x 3 #17

Mitglied werden - kostenlos & anonym

S
das ist gut und siehst Du, sie haben Dich nicht festgehalten Smile

x 1 #18


silverleaf
Sehr gut Daumen hoch !

Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für Deine Therapie dort Freunde !

LG Silver

x 7 #19


Muqq
@portugal
Ja, Gott sei Dank 😄

#20


A


x 4


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Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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