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Jonas123

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Hallo, ich habe das Problem, wenn ich mit mehreren Leuten in einer Gruppe im Gespräch bin, dass ich schnell den Faden verliere und mich das Gespräch dann nicht mehr interessiert. Ich schalte dann innerlich ab in eine Art Zombiemodus wo ich nichts mehr sage und auch nicht mehr richtig zuhöre, emotionsleer bin und es sehr anstrengend wird.

Zum Beispiel war ich heute mit ein paar Leuten essen und die erste halbe Stunde war ich recht aktiv und habe mich unterhalten. Danach saß ich eine weitere halbe Stunde schlapp und still da und habe vor mich hin geschaut.

Ich kann mir vorstellen, das dies eine Art Hochsensibilität ist und mich Gespräche mit mehreren Menschen in einer Gruppe dann überfordern. Oder auch eine Art der sozialen Phobie oder Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Während andere sich also auch 4 Stunden lang verquatschen können, ist bei mir nach einer halben Stunde schon schluss.

Es könnte aber auch eine körperliche Ursache haben, vielleicht ein Mangel. Ich konnte meine Aktivitätsdauer und Gespräche und emotionale Wahrnehmung und Ausdruch verbessern durch Johanniskraut, Vitamin D sowie Kreatin. Leider bekomme ich von allen Dreien eine gewisse Anspannung und teilweise einen roten Kopf.

Mich würde interessieren ob sich in meinem Beispiel jemand wiederfindet und weiß wie meine Störung heißt und was man dagegen tun könnte?

27.04.2018 21:56 • 05.05.2018 #1


14 Antworten ↓


Hermina04


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Was Du hier beschreibst, kenne ich auch sehr gut von mir.
Ich bin in Gruppen anfangs auch immer noch munter und kann gut mithalten, merke aber nach eine gewissen Zeit, dass meine Kraft stark nachlässt und ich einfach nicht mehr kann.
Dieser innere Leere, von der Du schreibst und das Gefühl, mich nicht mehr richtig zu spüren, empfinde ich dann auch und ich möchte am liebsten wieder alleine sein.
Oft versuche ich mich dann aber zu zwingen, weiterhin interessiert und lebhaft zu wirken, was aber dazu führt, dass es mir am nächten Tag meist ziemlich schlecht geht. Ich fühle mich dann wie ausgelaugt.

Den genauen Grund dafür kenne ich nicht. Vielleicht liegt eine Ursache darin, dass ich eigentlich introvertiert bin und eher unsicher unter Menschen (besonders, wenn ich sie nicht gut kenne) und es mich sehr viel Kraft kostet, dies zu verbergen.
Als Kind war ich sehr schüchtern und still und ich habe mich oft dafür geschämt. Kann sein, dass ich mich deshalb unbewusst noch bemühe, einen anderen Eindruck zu machen.
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An Hochsensibilität und damit verbunden Reizüberflutung habe ich auch schon gedacht. Ich bin generell nicht sehr belastbar und nervlich schnell überreizt.

28.04.2018 01:08 • x 1 #2


Jan_

Jan_


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Bei deiner Beschreibung musste ich auch zunächst an Hochsensibilität denken.
Ein beschriebenes Merkmal ist eine Art Überlastung wie du sie beschreibst. Zu viele Eindrücke können dann zu einem plötzlichen Stimmungswechsel und Befinden führen.
Dies muss aber auch nicht auf Hochsensibilität beschränkt sein. Wenn man seine eigenen Bedürfnisse nicht frühzeitig erkennt und befriedigt kann es schon sein dass man sich selbst 'überlastet' - mit oder ohne Hochsensibilität (letzteres kann eine Erklärung dafür sein warum dies früher als bei anderen eintritt).
Mit der Zeit kannst du vielleicht Frühwarnzeichen eher erkennen und dir eine Pause gönnen, und kannst Erfahrung sammeln wie viel 'zu viel' ist. Das hängt natürlich auch immer mit der sonstigen Belastung und Befinden zusammen, wie anfällig/verwundbar man gerade ist.

28.04.2018 12:45 • #3


Jonas123


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Danke für eure Antworten. Nehmen wir mal die Hochsensibilität an. Rechtzeitig Frühwarnzeichen erkennen und Pause gönnen klingt erstmal gut. Habt ihr schon Erfahrungen wie man sich verbessern kann? Welche Gedanken könnten in der Überlast Situation hilfreich sein? Gibt es Medikamente oder Nahrungsergänzungen (oder Kaffee) die helfen können?

28.04.2018 12:54 • #4


Jan_

Jan_


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Mittelchen die helfen? Nein. So pauschal sicher nicht.
Das kannst du aber gerne selbst ausprobieren und experimentieren.

Bei dem Konzept der Hochsensibilität geht es darum dass man Sinneswahrnehmungen weniger ausgefiltert wahrnimmt.
Das ist oft schon physiologisch begründet, also deine grundlegende Genetische Auslegung; in dem Fall kannst du zumindest diese grundlegende Ursache nicht abändern.
Andererseits kann es vielleicht auch psychologische und erlernte Ursachen haben, die man sehr wohl abschwächen kann.

Als Folge des 'Mehr' an Sinneswahrnehmungen nimmt man mehr wahr als solche die mehr ausfiltern - ein positiver Effekt.
Andererseits belastet die Verarbeitung des 'Mehr' an Sinneswahrnehmungen auch mehr. Man ist schneller ausgelaugt oder überlastet.

Wenn der Körper merkt dass es zu viel war und er Erholung braucht kann es sein dass er 'abschaltet' - sie sich holt; die Sinneswahrnehmungen großflächig ausfiltert/abschwächt, die Konzentration sinkt, etc.
Das wäre das was du geschildert hast.

Für einen Umgang damit gilt es
1. Sich selbst besser kennen zu lernen; eigene Zustände zu erkennen, Verwundbarkeiten und Belastbarkeiten besser einschätzen zu können, und die dann auftretenden Belastungen zu erkennen und einordnen zu können
2. Frühwarnzeichen überhaupt und eher zu erkennen, um gegensteuern zu können, oder zumindest die möglichen Folgen erwarten zu können statt als überraschende ungewollte Einschränkungen wahrzunehmen
Um gegensteuern zu können muss man auch erst experimentieren; sich vielleicht mal zurück ziehen für eine kleine Sinneswahrnehmungs- und Belastungspause; mal kurz raus oder aufs Klo gehen, mal gezielt separat ein Zwiegespräch suchen statt in einem Gruppengespräch zu verharren

Zitat von Jonas123:
Welche Gedanken könnten in der Überlast Situation hilfreich sein?

Es so zu akzeptieren wie es ist. Das ist ein Teil von dir. Verhindern kannst du es nicht mehr.
Und dann ist die Frage wie du damit umgehen möchtest. Da du nicht mehr Teilhaben kannst dich aus der Situation zu lösen? Erholung und Ruhe zu suchen?
Einfach abzuwarten bis du wieder Energie hast oder diese gezielt abseits suchen um schneller zu erholen? Dich komplett zu verabschieden weil du dich vielleicht oder wahrscheinlich nicht mehr "fängst"/Energie und Konzentration bekommen wirst so dass du teilhaben kannst?

Du kannst zunehmend lernen diese vorab eher zu erkennen und zu erwarten.
Wenn es aber so weit ist, dann kannst du es für den Moment nur so akzeptieren wie es ist, und dich fragen was du dir [gutes] tun kannst; ggf. aus der Situation befreien, oder (kurze oder mittellange) Ruhe/Erholung suchen.

Zitat von Jonas123:
Habt ihr schon Erfahrungen wie man sich verbessern kann?


Da geht es um Selbstbeobachtung, Achtsamkeit, und ansonsten Exerimentieren und einfach Erfahrung sammeln.

Zitat von Jonas123:
Kaffee


Koffein ist ja eine Art Aufputschmittel. Da kann man sich sicher fragen ob das vorab die Sinneswahrnehmung nicht noch stärker beansprucht und schneller zur Überlastung führt.
Bereits in der Überlastung angekommen würde ich nicht erwarten dass es hilft. Unruhe während der Körper sich Erholung holt weil er sie braucht führt auch eher zu einem Konflikt.

Einfach Ruhe suchen.

28.04.2018 13:22 • x 1 #5


Jonas123


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Aktuell habe ich gute Erfahrungen mit Venlaflaxin gemacht. Damit konnte ich jetzt draußen in der Sonne auch durch den Park gehen, wenn viele Leute unterwegs sind, die Kinder schreien und Hunde bellen und dann noch Insekten und Grill Rauch überall ist, da halte ich schon ne Stunde lang aus. Also ich suche da schon eine gewisse Abschirmung nach außen.

Gleichzeitig will ich dann in Gruppensituation natürlich nicht nur abgeschirmt sein, sondern auch aktiv mit den anderen Leuten reden. Da hat es nach einer halben Stunde dann versagt.

28.04.2018 13:37 • #6


Jonas123


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Falls das mit der Hypersensibilität stimmt, dann würde es vielleicht auch erklären warum ich so gut hören kann. Mir sind Geräusche zwar oft zu laut und wenn Leute laut reden oder lachen, da erschreck ich mich fast. Aber wenn sich Menschen weiter weg unterhalten, dann kann ich da gut zuhören während die das nicht bemerken oder es ist ihnen egal. Aber wenn die weiter weg sind und flüstern, dann versteh ich sie auch nicht mehr, aber merke wie ich angestrengt die Ohren spitze. Wahrscheinlich weil ich höre wie die flüstern, aber den Inhalt nicht mehr verstehe.

Ich glaube auch das ich wenn mal überlastet bin dann da nicht mehr rauskomme in dem Moment. Mein Ziel wäre als Verbesserung die Dauer bis zur Überlast zu verlängern.

Hat da schon einer von euch mal versucht rechtzeitig rauszugehen um Ruhe zu suchen und dann aktiv sowas wie Meditation zu versuchen? Um dann nach z.B. 20min zurückzukommen und wieder eine weitere halbe Stunde in der Gruppe zu verbringen?

28.04.2018 16:48 • #7


Jan_

Jan_


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Ich habe nicht viele Situationen in denen ich mich diesbezüglich ausprobieren könnte.

Generell habe ich eher weniger Probleme mit Überlastung durch Sinneseindrücke. Wobei ich nicht sagen kann ob ich nur die Situationen so nicht habe oder meide.
Wobei wenn ich durch die Stadt gehe ich auch häufig alles/viel um mich herum ausblende. Generell kann ich in der Regel gut Störfaktoren ausblenden; auch bei der Arbeit.

Da kommen auch viele Dinge zusammen, und Wechselwirkungen, so dass ich diesbezüglich nichts konkretes aus eigenen Erfahrungen berichten kann.

28.04.2018 17:44 • #8


Peppolino


Also wenn mir das so gehen würde, geh ich aus der Situation. Fertig. Geht geschäftlich natürlich nicht immer.

Therapie wird schwierig werden, weil... Du kriegst ja nix mit.. Zombiemodus.

Deshalb halte ich es auch kurz.

01.05.2018 16:47 • #9


EsIstIch

EsIstIch


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Zur Abschirmung wenn ich draußen unterwegs bin nutze ich Kopfhörer mit lauter Musik, geht natürlich nur wenn du allein bist.
Und aufpassen im Straßenverkehr

01.05.2018 20:35 • #10


balarama


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Hallo ihr lieben,
ich kenne das sehr gut. ich schätze mich mitlerweile auch so ein, dass ich zur gruppe der hypersensiblen Menschen gehöre. Mir geht es wirklich ganz genau so und es immer gleich. In Gruppengesprächen von mehr als 4 Personen kann ich nicht dauerthaft mithalten. Länger wie eine Stunde ist meinstens nicht drinne. Stören tut mich das nicht mehr, weil ich mich inzwischen einfach kenne und viele Bücher üeber das Thema gelesen habe.
Ich für mich versuche einfach in meiner Freizeit mit max. 3-4 Leuten was zu unternehmen, aber hauptsächlich eben mit 1-2 Personen. Alles andere ist für mich schnell stressig bspw. auch Geburtstage. Da gehe ich gerne zwischendrin mal spazieren. Was mich auch gut ablenkt sind Gesellschaftsspiele, weil ich das einfach gerne mache. Da bin ich dann auch länger aktiv dabei. Bei Gesprächen bin ich oft schnell überfordert, besonders wenn nebendran noch andere ein anderes Gespräch führen, das macht mich manchmal fast wahnsinnig.
Was zur hypersensibilität auch gehört ist bspw. schreckhaftigkeit, temp. und lichtempfindlichkeit, unverträglichkeiten/allergien, hohe empathiefähigkeit, auch emotionalität und ein hohes harmoniebedürfnis. usw
Alles das trifft auch auf mich zu.
ich hab zusätzlich noch eine farbsynästhesie, das ist auch ein Bereich der bei vielen da oft im zusammenhang steht.
Wir sind halt schon was besonderes

04.05.2018 21:52 • #11


balarama


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für mich war das aber auch nicht immer so einfach wie heute,
in der pupertät vor allem ahtte ich viel zu kämpfen.
dadruch habe ich so glaube ich, eine soziale angst entwickelt.
ich kann sehr gut mit fremden menschen, aber menschen die mir näher stehen
bpsw. freunde und familei (auser mama und papa
die sind für mich iwie distanziert. es fühlt sich ganz unpersönlich an.
ich weiß auch nicht genau vor was ich da angst habe.

ich wurde in meiner schulzeit und auch früher am arbeitsplatz zeitweise
gemobbt, das war für mich ne schlimme erfahrung. evtl. hängt es damit auch
zusammen. Zudem kam dass ich mich immer schon anders gefühlt habe und
nicht den eindruck hatte, dass mich wer versteht. habe mich oft einfach
zurückgezogen.

04.05.2018 22:06 • #12


Beermacht

Beermacht


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Hallo Jonas,

"Ich schalte dann innerlich ab in eine Art Zombiemodus wo ich nichts mehr sage und auch nicht mehr richtig zuhöre, emotionsleer bin und es sehr anstrengend wird." Ich kenne das zu gut...gut das wir Menschen sind und alle unsere Fehler haben

04.05.2018 22:27 • #13


Jonas123


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Hat einer von euch schonmal Nahrungsergänzungsmittel probiert um im Gespräch länger durchzuhalten?

05.05.2018 21:47 • #14


balarama


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Nein, ich find aber dass man nicht für alles gleich irgendwas schlucken muss. Unsere Körper sind schon genug belastet finde ich. Ich denke eher dass man seine Bedürfnisse kennenlernen und wahrnehmen lernen sollte und ausprobieren was einem gut tut. Dann geht man halt mal kurz spazieren oder an die frisch Luft oder spricht drueber dass es einem grade zu viel ist.

05.05.2018 23:56 • #15



Dr. Reinhard Pichler


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