Ma28

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Hallo, ich bin neu hier und nicht besonders glücklich, dass ich hier schreiben muss.
Dennoch schön, dass es so eine Plattform gibt.

Ich habe die sogenannte Soziale Phobie "Angst vorm Zittern" und ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie die konkret entstanden ist.
Vlt. habe ich mich mal früher - vermutlich beim Essen - schusselig verhalten und dafür einen "Anpfiff" kassiert. Alles Spekulation..

Am Anfang hatte ich dies nur in speziellen Situationen.
Bei meiner Verabschiedung im letzten Job sollte ich z.B. meinen Arbeitskolleginnen mal einen Sekt ausschenken. (Anweisung von der Chefin)
Ich bin daraufhin schnell auf die Toilette verschwunden und habe gehofft, dass es inzwischen jemand anderes für mich erledigt hat.
Und tatsächlich ich hatte Glück..

Daraufhin kamen bei der neuen Stelle mir auch hin und wieder solche Ängste. Anfangs hatte ich Angst zu zittern, wenn ich dem Chef ein Blatt oder Stift überreichen sollte.
In einer Besprechung mit allen Führungskräften stand die Kanne Kaffee vor mir. Ich habe mich mit meinem Stuhl so weit davon (u. auch vom Tisch) weggedreht, dass ja keiner auf die Idee kommen könnte, mich zu bitten, ihm was einzuschenken.
Ich meide Sektempfänge, da ich schon beim Entgegennehmen des Glases zittere.

Mittlerweile beeinträchtigt es mich immer mehr im Leben und ich bin mehr als verzweifelt. Ich bin grundsätzlich ein geselliger Mensch u. auch ehrenamtlich aktiv. Ich habe z.B. überhaupt keine Problem vor 200 Menschen sprechen zu müssen. Ich bin für meinen Humor bekannt und bisher wurde ich auch von den meisten - denke ich - als selbstbewusst wahrgenommen. Nun habe ich jedoch das Gefühl, dass alles wie ein Kartenhaus zusammenbricht.
Ich sehe mich sozial und beruflich wg. der Phobie in großer Gefahr.

Wer hat auch Probleme mit Zittern in der Öffentlichkeit und was habt ihr dagegen unternommen. Wer das auch hat, weiß das Appelle
an den Verstand nichts nützen, da die Angst viel stärker ist und den Verstand aushebelt.

Leider bekomme ich bei einem Psychotherapeuten noch nicht einmal einen Platz auf der Warteliste. Es ist schon traurig...

15.08.2016 19:53 • 16.04.2019 #1


5 Antworten ↓


Tiberias


Hi,

Na das sind schon besondere Drucksituationen wenn man mit den Chefs oder Kollegen etwas darreichen soll. Es ist im Normalfall eine Ausnahmesituation und vielleicht deswegen so schwer und Druckerfüllt. Haste es schonmal mit einem anderen Therapeuten versucht? Wie klappt es bei Freunden oder Familie ist es da auch so das du Zittern musst?

Was könnte schlimmstenfalls passieren falls du zittern musst? Ist es am ganzen Körper oder nur an den Händen?

Entschuldige die vielen Fragen ich will es nur besser verstehen und einordnen können

Willkommen im Forum

Gruß Tiberias

16.08.2016 00:52 • #2


Ma28


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Hallo, danke für deine Antwort.

Also das Zittern ist dann eher nur an den Händen. Dahin werden v.a. die elektrischen Impulse vom Gehirn geschickt
Momentan habe ich es auch abseits der Arbeit. Neulich an einem Polterabend habe ich es komplett gemieden, bei den Schnapsrunden nach dem kleinen Schnapsglas zu greifen. Entsprechend habe ich nur B. getrunken bis die Angst - Alk. - verflogen war, dann hätte ich der ganzen Welt am liebsten einen Schnap. ausgeschenkt und angereicht..
Ich wünschte es gäbe den Zustand so dauerhaft. Es muss doch möglich sein, nur die unnötige Angst auszuschalten. Also so, dass man nicht gleich vors nächste Auto läuft

Also ich merke halt, wie es zusehends auch in meinen privaten Alltag kommt und mich damit beeinträchtigt. Wenn ich z.B. einen Dienst am Zapfhahn machen muss, weiß ich jetzt schon, dass ich vorher mit 2-3 B. meine Angst aushebeln muss. Das dies keine Dauerlösung ist, weiß ich selbst. Ich war vor 2 Wochen zur Hypnose bei einer Heilpraktikerin gewesen. Das war das erste mal, dass ich mit jemanden darüber gesprochen habe. Leider glaube ich nicht so ganz, dass mir das etwas bringt.

16.08.2016 07:58 • #3


domi777


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Hallo Ma

Ich stehe an der gleichen Stelle wie du bereits warst. Darf ich dich fragen, wie sich das ganze entwickelt hat und was dir geholfen hat?

Vielen Dank für deine Unterstützung.

Liebe Grüsse
Domi

16.04.2019 19:57 • #4


Ma28


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Hallo,

per E-Mail wurde ich über deine Frage benachrichtigt. Du hast Glück, dass ich gerade Zeit habe

Ich hatte ca. 20 Sitzungen bei einer Psychotherapeutin. Hier ging es um kognitive Verhaltenstherapie.
Meist war es so, dass ich geschildert habe, in welchen Situationen die Angst aufgetreten ist, was ich gefühlt habe
und dagegen unternommen habe. Dabei wurde klar, dass ich Meister darin geworden bin, solche Situationen zu
umschiffen bzw. tlw. auch mit Alk. abzuschwächen.

Diese Vermeidungsstrategie abzuschalten war das Hauptziel dieser Therapie.

Insgesamt gab es jedoch auch keine Zauberformel dort. Die Therapeutin sagte mir, dass das nun mal meine Achillesferse sei
und ich akzeptieren soll, dass die Angst nie völlig vergehen wird. Wenn ich jedoch nicht vermeide und regelmäßig "trainiere",
wird die Angst überschaubar sein.

So bin ich es dann auch angegangen. So hole ich mir regelmäßig z.B. morgens einen Kaffee in einem gut besuchten Cafe und laufe
mit dem Unterteller und der Tasse dort ein wenig umher.

Darüber hinaus habe ich mich ein wenig mit NLP befasst und behelfe mir mit sog. "State-Management". ICh versuche regelmäßig mir gute Worte
in den Kopf zu bringen ala "Ich bin ein gelassener, zufriedener....Mensch...."

Auch dies hat mir gut geholfen die Angstgedanken zu vertreiben.

Insgesamt muss ich sagen, ich bin nicht vollständig geheilt, ich weiß, dass es hin und wieder auch Rückschläge geben wird.
Doch kann ich mittlerweile ganz gut damit leben. Zumindest deutlich besser als vor 3 Jahren.

Wie macht es sich bei dir bemerkbar?

16.04.2019 20:56 • #5


domi777


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Hallo Ma,

danke für deine Antwort... ja das mit der vermeidungsstrategie und dem Alk. kenne ich nur zu gute. aber ich weiss auch dass das nicht die lösung sein kann.

Ich denke auch, dass man am besten lernt wie damit umzugehen und wie du bereits geschrieben hast, immer wieder ein wenig trainiert. Auf jeden Fall ist es bei mir so, falls ich wieder in eine Situation komme, in der ich zittere, dann jeweils wieder gleich sozusagen von vorne beginnen kann, und das training umsonst war.

Am meisten macht es sich bei mir bei Frauen und bei meinen Eltern bemerkbar. Sei das beim Anheben eines Glases oder auch zum Teil beim Essen mit Besteck. Ist wohl so, dass ich mich dort am meisten Druck setze. Auf jeden fall macht es mir zu schaffen, da ich schon seit einiger Zeit Single bin und das ganze es nicht wirklich einfacher macht, jemanden kennen zu lernen.

Was mir hilft, ist sicher Entspannung, Sport, Magnesium (ist gut für die Nerven) und halt ein gesunder Schlaf.. Aber wie du sagst, gibt es keine Zauberformel.. und falls doch und ich diese finde, werde ich sie dir natürlich mitteilen..

liebe grüsse

16.04.2019 21:19 • #6



Dr. Reinhard Pichler


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