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Hallo alle miteinander,
ich frage mich wie häufig es eigentlich vorkommt, dass Psychiater,Psychotherapeuten etc. falsche Diagnosen stellen.

Ich formuliere die Fragen möglichst allgemein (auf meinen Fall gehe ich erst später, wenn andere ihre Meinung geäußert haben):
Habt ihr die Erfahrung gemacht, dass man euch falsche Diagnosen gestellt habt (und wie hat ihr es gemerkt?).
Gibt es wissenschaftliche Studien über den Anteil von Fehldiagnosen?
Habt ihr den Arzt gewechselt oder was soll man tun , wenn man das Gefühl hat, dass man von dem Arzt nicht verstanden wird?

Mit freundlichen Grüßen
Andreas

09.01.2008 20:33 • 18.02.2008 #1


4 Antworten ↓


Hallo,

ich habe in den letzten Jahren von verschiedenen Therapeuten unterschiedliche Diagnosen bekommen. Mir hat das gezeigt, dass ich ein großes Stück Selbstverantwortung tragen muss und nicht alles glauben kann, was sie mir erzählen. Es kommt vielleicht auch bei der Diagnosestellung darauf an, nach welchem Ansatz der Therapeut arbeitet und welche Qualifikation er hat. Ich glaube so weit gehen zu können und zu behaupten, dass es sogar an der grundsätzlichen "Lebenseinstellung" oder wie immer ich es benennen soll, liegt, die der Thera vertritt.

Ob eine genaue Diagnose in jedem Falle überhaupt wichtig ist, wage ich zu bezweifeln, denn die Behandlung bleibt sowieso oft die Gleiche.

Das sind Erfahrungen aus mehreren Therapien. Mir persönlich ist es im Grunde jetzt (fast) egal, wie die Diagnose genau lautet. Aber ich kann ja nur für mich sprechen.

Wenn Du das Gefühl hast, dass Du nicht richtig "behandelt" wirst und der Thera Deine Bedenken nicht ernst nimmt (ansprechen ist notwendig!), würde ich wechseln. Höre auf Deine innere Stimme, Dein Bauchgefühl.

Was ich aber auch zu bedenken geben möchte, ist, dass es nicht immer einfach ist, eine Diagnose zu akzeptieren. Und manchmal baut unser Unterbewußtsein Blockaden auf, weil wir die Therapie eigentlich fürchten und sie zu große Veränderungen und Umstellungen bedeuten würde.

Magst nicht doch mal mehr erzählen?

09.01.2008 22:12 • #2



Wie häufig sind falsche Diagnosen?

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Zitat von Andreas_NRW:
Hallo alle miteinander,
ich frage mich wie häufig es eigentlich vorkommt, dass Psychiater,Psychotherapeuten etc. falsche Diagnosen stellen.


Hallo Andreas,

diese Frage wird dir niemand beantworten können, da wohl kaum ein Arzt zugeben wird, sich in der Diagnose geirrt zu haben, bzw. ihm dies auch schwer nachgewiesen werden kann. Das Wort des Patienten gilt ja viel weniger als die Meinung des Fachmannes.

Dass falsche Diagnosen vorkommen, ist allein schon durch die Tatsache bewiesen, dass manche Patienten von mehreren Experten unterschiedliche Diagnosen gestellt bekommen, die einander oft noch völlig ausschließen oder widersprechen.

Zitat von Andreas_NRW:
Ich formuliere die Fragen möglichst allgemein (auf meinen Fall gehe ich erst später, wenn andere ihre Meinung geäußert haben):
Habt ihr die Erfahrung gemacht, dass man euch falsche Diagnosen gestellt habt (und wie hat ihr es gemerkt?).


Ja, mir wurde einmal eine falsche (diskriminierende) Diagnose gestellt. Gemerkt habe ich es, als ich mir selbst Informationen über das Krankheitsbild beschaffte und sah, dass es nicht nur den bisherigen Diagnosen widersprach und keiner der angeführten Punkte auf mich zutraf, sondern das Krankheitsbild sogar das völlige Gegenteil meiner tatsächlichen Beschwerden und Symptome darstellt.

Zitat von Andreas_NRW:
Gibt es wissenschaftliche Studien über den Anteil von Fehldiagnosen?


Wohl kaum. Ärzte pinkeln einander nicht gerne ans Bein. Eher fließt die Donau aufwärts, als dass ein "Experte" einen Fehler zugibt. Und es ist ziemlich schwierig, eine Fehldiagnose nachzuweisen (wenn auch nicht unmöglich, zum Beispiel durch Einholung weiterer Diagnosen und Gutachten von Fachärzten).

Zitat von Andreas_NRW:
Habt ihr den Arzt gewechselt oder was soll man tun , wenn man das Gefühl hat, dass man von dem Arzt nicht verstanden wird?


Arzt wechseln! Ärzte sind auch nur Menschen und können irren. Einige davon dürften das offenbar vergessen haben, und bedenklich auch, dass Gutachter eine derartige Macht haben, dass sie anderen Menschen einen "Stempel" aufdrücken können, der im Extremfall sogar ihr Leben zerstören kann (Stichworte: Einweisung bei Selbst- oder Fremdgefährdung, Diskriminierung und gesellschaftliche/berufliche Nachteile durch Fehldiagnosen, Entmündigung, Wegnehmen der Kinder etc.)

In Wien ist übrigens derzeit ein Verfahren gegen eine Gutachterin, die eine Fehldiagnose gestellt hat, im Laufen. Gegenwehr von Patienten ist also möglich, wenn auch schwierig, weil die Macht in diesen Fällen sehr ungleich verteilt ist.

Sehr interessantes und wichtiges Thema - danke für deinen Beitrag!
Vielleicht möchtest du doch noch etwas mehr über deinen speziellen Fall erzählen?

Zitat von Andreas_NRW:
Mit freundlichen Grüßen
Andreas


LG, regenblume

17.02.2008 10:01 • #3


also bei mir wurde auch eine falsche diagnose gestellt mir wurde gesagt dass ich schulangst hätte... habe ich aber nicht... ich hab eine soziale phobie und wo ich in therapie war stationär hat mir auch nie wirklich zugehört und mcih nur sozusagen abgestempelt dass ich shcluangst hätte... natürlich kann ich shclehct mit meiner sozialen phobie in die schule gehen...

man merkt es ja auch selber was man hat wenn man sich damit bechäftigt und vllt auch mal ein bsichen darüber liest

17.02.2008 23:00 • #4


s90, klar, eine Sozialphobie kann auch dazu führen, dass jemand Angst hat, die Schule (den Arzt, den Supermarkt, die Uni, den Arbeitsplatz usw.) zu besuchen. "Schulangst" ist dann nur eine Auswirkung des Grundproblems Sozialphobie.

Und ja, wir Kranke sind in gewissem Sinn sicher auch Experten auf unserem ureigenen "Fachgebiet".

18.02.2008 08:23 • #5




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