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Hi,

ich gehe jetzt mal nur auf deine eingangs geschilderte Einkaufssituation ein. Ich hatte ein ähnliches Problem, das meine Therapeutin mir so erklärt hat:

Warum funktioniert das nicht?

Innere Vermeidung / Absicherung / Flucht:

Du konfrontierst zwar, aber eigentlich flüchtest du ja aus der Situation. Du gehst rein, gut und richtig, du hältst es aus, auch richtig, aber eigentlich willst du (und du weißt ja auch), dass es gleich wieder vorbei ist. Und das ist der Punkt, an dem du die Konfrontation unterläufst, denn du rettest dich über die Zeit.

Dein Hirn merkt sich "Es geht schnell weg, wenn ich den Laden wieder verlasse". Gewünscht ist aber, das es sich merkt "Es geht weg, wenn ich lange genug hier bleibe". Damit heizt du die Symptome an, anstatt sie auslaufen zu lassen. An sich müsstest du jedesmal so lange im Laden bleiben, bis die Angst von selbst deutlich nachgelassen hat. Und auch reingehen mit der Gewissheit, das es egal ist, wie lange es dauert.

Deine Vorgehensweise taugt am Anfang zwar, um überhaupt erstmal in Situationen zu gehen und zu wissen: "Ich trau mich, konfrontieren zu gehen, ich weiß, ich komme lebend zurück". Das ist schon ein großer Erfolg. Aber um weiter zu kommen musst du nun eine Schippe drauflegen, insofern gebe ich meinen Vorschreibern absolut recht.

Also entweder Freitag nachmittags oder Samstag morgens an die vollste Kasse und das auch mehrmals hintereinander. Wenn du beim 5. Mal der hübschen Kassiererin sagst, das du deinen Einkaufzettel verloren hast und dir immer erst am Ausgang einfällt, was du eigentlich noch hättest kaufen wollen, hast du gleich noch eine richtige Shame-Attack-Übung mitgemacht.

CU, Amyg.

18.09.2013 15:36 • x 2 #61


@ Amyg.Dala

100 % Zustimmung.
NUR DAS ist "Konfrontation" im Sinne der Verhaltenstherapie.


P.S. Ich bin immer wieder verblüfft und begeistert über den Erfindungsreichtum viele User bezüglich ihrer Nicknamen.
"Amyg.Dala": klasse!

18.09.2013 16:11 • #62



Warum funktioniert Konfrontation hier nicht?

x 3


Ok, da hast du mit Sicherheit nicht Unrecht. Ein paar Gedanken in der Richtung hab ich mir auch selbst schon gemacht.
In den Situationen mit den Bahnvierern ist es aber wieder anders. Da muss ich nämlich meistens noch eine halbe Stunde und länger in der Situation ausharren. Es wird dann auch irgendwann besser. Das ist ja immer nur so ein anfänglicher Schock, der sich dann über ein paar Minuten hinzieht, dann aber auch wieder nachlässt. Trotzdem bin ich noch heilfroh, wenn ich dann aussteigen darf und den Leuten nie wieder begegnen muss. Auch in der Kassensituation ist der Peak schon an der Kasse selbst überschritten, aber das reicht in Sachen Frequenz und Dauer wahrscheinlich immer noch nicht.

Was Shame-Attacks angeht, ist das so ne Sache. Mein Therapeut und auch ich haben davon nicht viel gehalten, weil man sich gewissermaßen ne Clownshülle anlegt, die dann möglicherweise tatsächlich von der Außenwelt abgelehnt wird (man tut ja, etwas wirklich Blamables). Das ist dann aber nicht so schlimm, denn die streift man hinterher ja wieder ab und wirft sie weg. Ich müsste aber eher erfahren, dass ich dann nicht abgelehnt werde, wenn ich wirklich ich selbst bin.
Wenn ich tatsächlich mal etwas beim Einkaufen vergessen habe und ne Extrarunde drehe, ist das über das bisherige Maß auch kein bisschen schwerer. Gestern war ich z.B. alleine im Kino, bin erst mal alleine zu früh in den Saal gerannt und hab mich vom Türsteher wieder verscheuchen lassen, nach der Vorstellung musste ich dann noch mal durch alle Leute zurück, weil ich meinen Schirm stehen gelassen hab und danach noch mal, weil mir mein MP3-Player noch aus der Tasche gerutscht ist und auf dem Boden lag. Dabei bin ich dann wieder auf den Türsteher getroffen, der schon leicht angesäuert war, weil er gerade schließen wollte. Eigentlich wars also echt maximal verpeilt und bescheuert, aber ich fands überhaupt nicht schlimm, hab sogar zwischendrin mal gesagt, dass ich heute wohl der komplizierteste Besucher wäre. Das hat er dann auch locker genommen und ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, mich da blamiert zu haben.
Zugegeben, wenn ich solche Sachen unter Vorsatz oder gleich 5x hintereinander machen würde, ist es wieder was anderes, aber dann verlasse ich die Spur eines normalen Verhaltens ja wieder um Welten. Und mir geht es erst mal nur darum, in ebendieser geradeaus fahren zu können.

PS: Amygdala hab ich auch irgendwo schon mal gehört, aber in nem anderen Kontext, als den, den ich gerade ergoogelt hab. Hmmm....

18.09.2013 16:31 • #63


Zitat von silkySmooth:
Mein Ironometer schlägt aus...


Zitat:
Keine vollständige Missachtung meiner Schwächen
Okay: Ich verneige mich hochachtungsvoll vor deinen Schwächen.
Zitat:
sondern Ideen, wie ich mit ihnen auskommen kann

Okay:
1. Idee: So viel wie möglich zu Hause bleiben.
2. Idee: Maximal 1x in der Woche einkaufen, Großeinkauf.
3. Idee: Wenn eine Frau an der Kasse hinter dir steht: Dich einmal umdrehen und ihr die Zunge herausstrecken.
4. Idee: gleichgeschlechtlich werden und Frauen von nun an links stehen lassen.
5. Idee: In ein Kloster gehen.
6. Idee: WENN du zu einer Frau etwas sagen willst, dann nur etwas über deine Angst vor ihr. Z.B. "Entschuldigen Sie, dass ich etwas zu Ihnen zu sagen wage, aber ich habe Angst vor Ihnen." Auf keinen Fall so etwas wie: "Wir brauchen hier eine zweite Kasse. Ich hole mal jemanden." Das könnte die Frau zu der Annahme verleiten, du seist überdurchschnittlich aktiv, und das wäre fatal, denn sie könnte daraufhin selber etwas zu dir sagen.


Zitat:
Mir begegnen meine Schwächen in dieser alles dominierenden Weise nämlich wirklich, z.B. wenn ich mich einer Frau gegenüber wirklich megaunsicher verhalte oder von jemandem gefragt werde, was ich am Wochenende gemacht hab und nicht weiß, was ich darauf antworten soll
Also echt. Du bist nicht bereit, ehrlich du selbst zu sein, willst anderen ständig nur Sand in die Augen streuen? Du bist offenbar nicht bereit, genau das zu sagen, was du wirklich gemacht hast. Denn es gibt kein "nichts gemacht". Selbst "habe auf dem Balkon gesessen und die Sonne und Ruhe genossen" ist eine Tätigkeit.

Zitat:
oder wenn andere Leute von den Partys und Erlebnissen ihrer letzten Tage erzählen und ich nicht weiß, wie ich mich einbringen kann
MUSST du dich denn da "einbringen"? Warum fängst du nicht einfach mit einem anderen, DEINEM Thema an? Und sei es ein politischer Artikel oder ein Verkehrsunfall, den du im Internet gelesen hast?

18.09.2013 16:36 • #64


Hi,

zum Nick (danke, GastB): small-talk-plauderecke-f74/hat-euer-nickname-eine-bedeutung-t33109-120.html#p519851

Zu Deinem Post, smooth:

Länger ist nicht lang genug. Es geht nicht um die absolute Zeit in der Situation. Du kannst auch den ganzen Tag lang "nachlegen", dann wird sich nichts entscheindes tun. Es geht um die innere Einstellung beim Konfrontieren loslassen zu wollen, sich ergeben zu wollen, es dir egal sein zu lassen, wie rot die Birne ist.

Und ich wollte eigtl. außer zur Vermeidung noch einen zweiten Punkt schreiben:

Es wirkt, aber du merkst es noch nicht.

Und dafür spricht deine Kino-Erfahrung. Und in deinem Eingangspost der Satz, das die Angst nach dem EInkauf nun schneller wieder weg ist. Das ist doch schon ein Erfolg. Irgendwann ist vlt. auch die Erwartungsangst kleiner, das wäre der nächste Schritt.

War bei mir auch so (Herzphobie, Angst beim Sport). Immer und immer ging es mir trotz Konfrontation Shice, irgendwann aber dachte ich, tja, es wird sein wie immer, ich werde Schiss haben, ich werde Herzstolpern haben, ich werde nach Hause wollen, also was rege ich mich auf.

CU, Amyg.

18.09.2013 16:50 • #65


Zum einen gebe ich dir wieder vollumfänglich recht, sehr gut beschrieben.

(Früher hatten wir hier immer Christina, die dies richtiggestellt hat -wo ist sie jetzt? Oder bist du's? )

Zitat von Amyg.Dala:

Das Witzig-Kreative ist aber der Punkt, der daraus Vor- und Nachname macht.

18.09.2013 16:54 • #66


Mein Letzter für heute:

Zitat:
Zugegeben, wenn ich solche Sachen unter Vorsatz oder gleich 5x hintereinander machen würde, ist es wieder was anderes, aber dann verlasse ich die Spur eines normalen Verhaltens ja wieder um Welten. Und mir geht es erst mal nur darum, in ebendieser geradeaus fahren zu können.

Naja, aber es geht doch darum, das es dir besser geht. Beim Konfrontieren geht man halt über den Alltag hinaus, oder besser: Verlässt bewusst die Spur des normalen Verhaltens eine Weile, um hinterher umso ruhiger wieder geradeaus fahren zu können.

- Spinnenphobiker gehen in die Zoologie und lassen Vogelspinnen über sich krabbeln - kein normales Verhalten.
- Fahrstuhlphobiker fahren den ganzen Tag Fahrstuhl - kein normales Verhalten.
- Müllphobiker sortieren ihren Verbundstoff-Sack nochmal neu - kein normales Verhalten.
- Waschzwangskranke waschen sich den ganzen Tag nicht die Hände - kein normales Verhalten.

Wenn man denen nur sagen würde: "Benimm dich mal wie ein Gesunder im Alltag und halt das aus", das reicht halt nicht.

CU, Amyg.

18.09.2013 17:09 • #67


Zitat von GastB:
Okay: Ich verneige mich hochachtungsvoll vor deinen Schwächen.


Sie lassen ausrichten, dass sie sich geschmeichelt fühlen und dir Audienz gewähren, um dein Anliegen vorzutragen.

Zitat von GastB:
Also echt. Du bist nicht bereit, ehrlich du selbst zu sein, willst anderen ständig nur Sand in die Augen streuen? Du bist offenbar nicht bereit, genau das zu sagen, was du wirklich gemacht hast. Denn es gibt kein "nichts gemacht". Selbst "habe auf dem Balkon gesessen und die Sonne und Ruhe genossen" ist eine Tätigkeit.


Nein, das bin ich dann wohl tatsächlich nicht. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich diese Frage auch ein-, zweimal ehrlich beantworten könnte, aber sobald es für jemand anderen ersichtlich wird, dass ich anscheinend jedes WE zu Hause vergammelle, weiche ich der Frage aus oder beantworte sie nicht mehr eindeutig.
Die Verwunderung der anderen ist aber teilweise schon beim ersten Mal vorhanden und richtig Angst hab ich davor, dass ich das mal (vor vielen Leuten) begründen müsste, denn ich verbinge meine Zeit ja keineswegs aus tiefster innerer Überzeugung so, sondern weil ich Angst habe, mich draußen irgendwelchen Leuten anzuschließen und Dinge zu erleben. Wie soll ich das also erklären? In solchen Situationen reagiere ich deshalb in Sachen Unsicherheit und Schweißbildung übrigens exakt genauso stark wie bei der Frauengeschichte, was mir die Motivation zur Ehrlichkeit noch mehr nimmt.

Zitat von GastB:
MUSST du dich denn da "einbringen"? Warum fängst du nicht einfach mit einem anderen, DEINEM Thema an? Und sei es ein politischer Artikel oder ein Verkehrsunfall, den du im Internet gelesen hast?


Ich muss nicht und tue es selbstverständlich auch nicht. Aber es stresst ungemein, ständig solche Höhen und Tiefen in Gesprächen zu haben, ständig hochaufmerksam zu verfolgen, wohin das Gespräch driftet, um mich möglicherweise wieder innerhalb von Sekunden daraus zu verabschieden etc. Außerdem ist das bei mir ein noch offenes und ungelöstes Kapitel. Wenn ich aus reiner Selbstbestimmtheit sagen könnte, dass mich solche Themen nicht reizen und ich mich deshalb nicht einbringe, das auch Nachfragen gegenüber so vertreten könnte, dann wäre es auch überhaupt kein Problem. So ist es aber nicht! Es sind eigentlich alleine Ängste, die meine Haltung festlegen, und das kann ich halt nicht erklären, ohne komplett wacklig zu werden oder gleich mein allumfassendes Outing hinzulegen, was ich abseits Therapie und Usertreffen wohlgemerkt bisher noch nie geschafft habe.
Dementsprechend kommt es öfters vor, dass ein Gespräch mal von vorne bis hinten entspannt läuft und ich mich super einbringen kann, ich weiß aber auch, dass die Schattenwelt nie weiter als einen Themenwechsel weit weg ist.

18.09.2013 18:38 • #68


Zitat von Amyg.Dala:
Länger ist nicht lang genug. Es geht nicht um die absolute Zeit in der Situation. Du kannst auch den ganzen Tag lang "nachlegen", dann wird sich nichts entscheindes tun. Es geht um die innere Einstellung beim Konfrontieren loslassen zu wollen, sich ergeben zu wollen, es dir egal sein zu lassen, wie rot die Birne ist.


So langsam merke ich tatsächlich, wie es mir minimal zu blöd wird, mich wegen solcher Aktionen noch groß stressen zu lassen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es mir jemals im Leben egal sein wird, dass ich bei 10°C in der Bahn ner Frau gegenübersitze und dabei so schwitze, als würde ich gerade einen Marathon laufen.
Bei Rotwerden alleine wäre das glaub ich anders. Das alleine stört mich mittlerweile gar nicht mehr groß, aber ein Schweißausbruch nimmt mich halt so dermßen ein, weil ich mich ja auch die ganze Zeit lang abtrocknen muss, dass es unmöglich ist, das zu ignorieren oder dabei ruhig zu bleiben.

Zitat von Amyg.Dala:
Es wirkt, aber du merkst es noch nicht.


Doch, in Sachen Intensität und Länge der Ausbrüche tut sich schon was, nur ist es mir halt zu wenig. Oder es gibt immer mal wieder Situationen, die den Rahmen etwas sprengen und jeden Fortschritt wieder lächerlich klein aussehen lassen...

Zitat von Amyg.Dala:
Naja, aber es geht doch darum, das es dir besser geht. Beim Konfrontieren geht man halt über den Alltag hinaus, oder besser: Verlässt bewusst die Spur des normalen Verhaltens eine Weile, um hinterher umso ruhiger wieder geradeaus fahren zu können.


Ja, da ist was dran. Die meisten Shame-Attacks wären mir aber auch so dermaßen peinlich, dass ich keine Ahnung hab, wie ich mich dazu überwinden sollte.

18.09.2013 18:51 • #69


Also,

ich halte mal fest:

Es wirkt ansatzweise, aber du willst mehr/schnellere Erfolge.

Deine Frustration ist verständlich, Rückschritte nerven und stellen den Weg in Frage. Aber er ist trotzdem der Richtige. Du ahnst, das du mehr Übung beim Konfrontieren brauchst, hast aber Angst vor Misserfolg dabei, weil du den Erfolg unvorstellbar findest.

Wenn man philosophisch werden möchte, müsste man jetzt nochmal Dein Frauenbild unter die Lupe nehmen und was es bedeutet, dass du Frauen in die Kategorien attraktiv und unattraktiv einteilst und was für Kriterien du dabei anlegst. Aber das Fass will ich hier nicht aufmachen.

Vorschläge: (natürlich am Besten alles mit deinem Therapeuten besprechen)

Übung I (aus meinem eigenen Fundus):
Lass doch den unvorstellbaren Gedanken mal zu, (z. B. abends vor dem Enschlafen), anfangs nur mal 3 Minuten, dann nochmal 5, irgendwann länger, das du tatsächlich irgendwann einer Frau gegenüber sitzt und so bist, wie du willst. Du hast nix zu verlieren, du stellst es dir nur mal vor.

Übung II:
Erste Idee für den Anschluss an eine Gruppe: Yogakurs. Warum das? (Meine persönliche Einschätzung, aber ich habe keine Sozialphobie)

    Yoga ist gut für alles: Kräftigung, Dehnung, Ausgleich von Dysbalancen, mentales Zur-Ruhe-Kommen ... Kannst du also sicherlich sowieso alles gebrauchen.

    Vom Konfrontationsaspekt ist es m. E. eine gute Anfängerübung:

    Es sind zwar mehrere Leute in einem Raum, aber außer dem Lehrer will eigentlich keiner was von dir. Du hast Deine Matte, also dein Revier, das du nicht verlässt. Jeder konzentriert sich maximal auf die Ausführung seiner Übungen, es geht nicht um den Vergleich miteinander.

    Je nach Yoga-Stil (ich mach Ashtanga, das ist sehr dynamisch) ist das anstrengend, alle schwitzen also auch mehr oder weniger, du fällst da nicht auf.

    In Yogakursen sind traditionell viel mehr Frauen als Männer, das erhöht das Konfrontationspotential ein wenig.

    Normalerweise bezahlt die Krankenkasse 80 Prozent des ersten Kurses.

    Wenn der Kurs ein bißchen fortgeschritten ist, kannst du, wenn du willst und dich traust, vorher/hinterher ein bißchen Smalltalk halten. Thema: Yoga! Habt ihr auch Muskelkater, merkt ihr was im Alltag davon? Sitzt Ihr im Alltag auch so viel wie ich? Kommste auch nicht so weit runter bei Übung xy? ein Fass ohne Boden. Solange du das nicht willst, kommst du 1 Minute vor dem Kurs und gehst 30 Sekunden danach.

Und: Meiner Meinung nach kannst du ruhig ein bißchen mutiger reingehen. So wie du hier schreibst, erscheinst du mir ziemlich intelligent, hast Witz, Ironie und Tiefgang, kannst gut formulieren, das wird im Real Life nicht plötzlich unauffindbar verschüttet sein.

CU, Amyg.

19.09.2013 11:12 • #70


Zitat von Amyg.Dala:
Und: Meiner Meinung nach kannst du ruhig ein bißchen mutiger reingehen. So wie du hier schreibst, erscheinst du mir ziemlich intelligent, hast Witz, Ironie und Tiefgang, kannst gut formulieren, das wird im Real Life nicht plötzlich unauffindbar verschüttet sein.
Genau meine Meinung. Deswegen regt es mich schon fast auf, dass er sich als ein so kleines smoothiesoftes Würmchen geriert.

Welche weiblichen Mitglieder hat deine Familie eigentlich, Herr Samtweich?

19.09.2013 12:48 • #71


@Amyg

Ach, es gibt ehrlich gesagt schon konkrete Gruppenanschluss-Pläne. Im Oktober fängt bei mir wieder Unisport an und ich will wieder Badminton spielen (das wird verhältnismäßig einfach, weil ich das schon mal gemacht hab - behaupte ich jedenfalls jetzt noch ) und Hallenfußball (das wird extrem schwer, weil ich es letztes Semester mehrmals erfolglos versucht hab, das Publikum dort viel selbstbewusster und angsttriggernder ist, weil es ne Mannschaftssportart ist und ich im Prinzip gleich bei allen auf einmal und nicht nur einzelnen Spielpartnern Anschluss finden muss und weil die ganze Situation dementsprechend komplett neu für mich ist).

Wenn das geklappt hat, lege ich die Latte bestimmt höher, z.B. mit Fechten oder einem zumindest Yoga-ähnlichen Fitness-Kurs, wo dann auch mal mehr Frauen drin wären als in Badminton oder Fußball. Yoga selbst wäre mir so direkt aber wieder mehrere Nummern zu groß, denn der Frauenanteil würde mich nahezu erschlagen, Yoga selbst erinnert mich zu sehr ans Tanzen, Darstellen, akrobatische Gestalten oder wie ich es auch nennen soll, ich habe mich noch nie auch nur ansatzweise damit oder etwas Vergleichbarem auseinandergesetzt und bin dort völlig fremd und unerfahren und ich tue das nicht, weil ich aus innerer Überzeugung heraus Yoga machen will, sondern in erster Linie meiner sozialen Schwierigkeiten wegen (kann sich mal ändern, aber mit Sicherheit nicht vor/in der ersten Stunde, und bei der liegt die mit Abstand größte Hürde).
Es sind also gleich mehrere Probleme, die teilweise in sehr hoher Intensität auf einmal auf mich zukommen und mein Therapeut hat mir immer dazu geraten, die dann möglichst isoliert anzugehen.

Als absolute SP-Killer gelten übrigens immer noch Kampfsport, Theater und Tanzen, aber dementsprechend wäre das noch schlimmer.

Zitat:
Und: Meiner Meinung nach kannst du ruhig ein bißchen mutiger reingehen. So wie du hier schreibst, erscheinst du mir ziemlich intelligent, hast Witz, Ironie und Tiefgang, kannst gut formulieren, das wird im Real Life nicht plötzlich unauffindbar verschüttet sein.


Schönen Dank für die mittlerweile Flut an Komplimenten.
Und nein, die aufgezählten Eigenschaften gehören zu meinem Abwehrmechanismus, komplett verloren sind die mit Sicherheit nicht alle auf einmal. Trotzdem bin ich relativ sicher, dass sich mein Online-Abbild nicht 1:1 ins echte Leben übertragen lässt, und es wirkt so, als ob ihr das auch manchmal vergesst. Ich weiß das ja auch, dass ich auch positive Seiten habe. Die nicht zu sehen, ist doch gar nicht mein Problem.
Mein Problem ist es, dass ich meine Schwächen für unaufwiegbar halte, weil sie sich mittlerweile durch mein gesamtes (Sozial)leben ziehen und unmöglich zu verstecken sind. Ich habe prinzipiell große Probleme damit, Schwäche zu zeigen - haben wir auch als Grundüberzeugung in meiner Therapie festgehalten. Dementsprechend will ich mich garantiert nicht von allen anderen dabei beobachten lassen, wie ich in so ziemlich jeder sozialen Interaktion mit mir nicht selbst klarkomme und das mittlerweile auch für alle anderen sichtbar ausstrahle.
Darüber hinaus fehlt mir auch das Gefühl, überhaupt eine Chance zu haben. Wie sollen denn andere jetzt noch Gemeinsamkeiten oder Anknüpfungspunkte mit mir finden? Das sind doch die Dinge, die wirklich Sympathien entstehen lassen und in nächster Konsequenz darüber entscheiden, ob da mal ne dicke Freundschaft oder sogar Partnerschaft draus wird. Das erscheint mir trotz all meiner potentiellen Stärken momentan von vorneherein schon unmöglich. Wieso soll ich jetzt also noch das Risiko eingehen, dass mir tatsächlich Ablehnung entgegenschlägt? Ich weiß, dass sich nichts ändern und die Situation nur noch dramatischer wird, wenn ich mich schon von vorneherein vom Spielbrett nehme, aber das sind eben die Gedanken, die mich dabei blockieren - genauso wie wenn ich mir jetzt nen Arm abhacken müsste, um nicht in drei Tagen zu verhungen. Jeder wüsste, dass es das einzig richtige ist, aber wieviele würden sich leicht damit tun?

@GastB

Ich habe noch eine 12 Jahre alte Schwester, aber die kann ja dementsprechend keinen großen Einfluss mehr auf meine SP-Karriere gehabt haben.
Eher hilft sie mir noch dabei, meine weiblichen Berührungsängste wieder etwas abzubauen...

PS: Wenn ich gewusst hätte, wie folgenschwer mein Nick mal auf mich zurückfallen würde, hätte ich mir natürlich was gaaaanz anderes ausgesucht

19.09.2013 16:17 • #72


Was ich noch vergessen habe: (kann man hier nicht editieren?)

Ich stelle mich mir öfters in genau den Situationen vor, die mir panische Angst bereiten, aber das dabei entstehende Bild ist natürlich verzerrt. Oft komme ich mir also 10x selbstbewusster und cooler vor (was in sich dann noch mehr Selbstsicherheit induziert), als ich in Wirklichkeit wäre. Den Abriss an meinen Reizthemen oder Lebenslücken gibt es aber auch in meinen kühnsten Träumen und Vorstellungen - vor allen Dingen in dem Date-Szenario, wo man sein Gegenüber ja auch etwas tiefgründiger kennenlernen will.
Es ist also so, dass es mir für diese Situationen und Fragen völlig an einem Rezept fehlt und das würde zu so einer peinlichen Sackgasse führen, dass ich Szenarien völlig vermeide, in denen ich an dieser Stelle nur landen könnte, aber noch lange nicht zwingend werde.

19.09.2013 17:04 • #73


Zitat von silkySmooth:
Ich habe noch eine 12 Jahre alte Schwester, aber die kann ja dementsprechend keinen großen Einfluss mehr auf meine SP-Karriere gehabt haben.
NEIIIIIIIN, das KANN ja GAR NICHT sein ...

Du wimmelst wirklich alles ab! So schnell kann kein Mensch wissen, ob und welchen Einfluss etwas oder jemand auf ihn gehabt hat!

Außerdem: Hast du wirklich nur diese Schwester? Die Frage war gewesen: "Welche weiblichen Mitglieder hat deine Familie eigentlich, Herr Samtweich?" Und hast du noch Tanten, Großmütter usw.? Und hast du eigentlich auch Brüder?
Zitat von silkySmooth:
Wenn ich gewusst hätte, wie folgenschwer mein Nick mal auf mich zurückfallen würde, hätte ich mir natürlich was gaaaanz anderes ausgesucht

Nun steh doch mal dazu, dass du ihn dir selber zugelegt hast und dass er daher eine Bedeutung hat.
Die aber zumindest gemäß der Art, wie du schreibst, überhaupt nicht zu dir passt. Wenn das kein Thema ist ...

19.09.2013 20:23 • #74


Zitat von GastB:
NEIIIIIIIN, das KANN ja GAR NICHT sein ...

Du wimmelst wirklich alles ab! So schnell kann kein Mensch wissen, ob und welchen Einfluss etwas oder jemand auf ihn gehabt hat!

Außerdem: Hast du wirklich nur diese Schwester? Die Frage war gewesen: "Welche weiblichen Mitglieder hat deine Familie eigentlich, Herr Samtweich?" Und hast du noch Tanten, Großmütter usw.? Und hast du eigentlich auch Brüder?


Warum nimmst du eigentlich jeden Satz von mir von vorne bis hinten wörtlich? Ich bin mit guten Argumenten durchaus vom Gegenteil zu überzeugen. Ich hab jetzt nur mal aus rein logischer und psychologisch-laienhafter Sicht gewagt zu vermuten, dass ich schon viel zu alt war, als dass sie bzw. das Dreieck mit meinen Eltern da auch solche Kindheitstraumata hätte auslösen können wie das bei meiner älteren Schwester noch möglich gewesen wäre.

Wenn ab jetzt alles gegen mich verwendet wird, will ich auf keinen Fall die Beziehung zu meinen beiden Zwerghamstern oder meiner fleischfressenden (Schlauch)pflanze wegbagatellisieren. Vor allen Dingen zu letzterer hatte ich nämlich ein sehr angespanntes Verhältnis, das mich auf sozialer Eben schwer mitgenommen haben muss! Ich war nämlich immer so besorgt, dass sie verhungert, weil sie nie was gefangen hatte. Also hab ich ihr irgendwann mit einer fette, toten Motte nachhelfen wollen, was ihr dann anscheinend aber zu viel war und sie mir mit ihrem Eingang quittiert hat. Seitdem bekomme ich ganz extreme Schweißausbrüche, wenn mich die Fliegenfallen im Blumenladen so anstarren.

Und ja, ich hab schon noch mehr weibliche Familienmitglieder, aber sobald es über den engsten Kreis hinausgeht, sehe ich diese i.d.R. nur zu wenigen Terminen im Jahr. Nur bei meinen Großeltern (insgesamt 3x2 inkl. 2x Ur-) bin ich als Kind noch ein- und ausmarschiert, weil meine Eltern noch Mitten im Studium waren und dann zwei Kinder an der Backe hatten. Aber auch da bis heute immer ein super Verhältnis und kaum Konflikte gehabt.

Zitat von GastB:
Nun steh doch mal dazu, dass du ihn dir selber zugelegt hast und dass er daher eine Bedeutung hat.
Die aber zumindest gemäß der Art, wie du schreibst, überhaupt nicht zu dir passt. Wenn das kein Thema ist ...


Jetzt glaub mir doch bitte mal, dass der Nick keine tiefere Bedeutung hatte. Ich bin mittlerweile bestimmt locker in über 50 Foren registriert (natürlich gleichzeitig nie mehr als in 5 aktiv). Meine Kreativität in Sachen Nickwahl ist mittlerweile also erschöpft, und wenn ich mir jedes mal 10 Minuten Zeit nehmen würde, um mir so tiefgründige und kreative Nicks wie... GastB einfallen zu lassen, dann komme ich sonst zu nicht mehr zu viel. Zugegeben, rückwirkend ist er vielleicht nicht so daneben, dass man von Thema verfehlt sprechen würde, aber so viel männliches Ego hab ich dann doch noch, um mich in zwei Worten nicht als seidig weich zu beschreiben.
Ich glaube, als ich die Wörter entdeckt habe, wusste ich nicht mal, was silky auf Deutsch heißt. Aber so wars dann auch ein Überraschungsei, was am Ende draus wird.
Hätte ich doch nur vorher reingesehen...

19.09.2013 21:46 • #75


Ich geb's auf und gebe dir von vornherein in allem Recht. Zufrieden?

20.09.2013 02:35 • #76


Mir würds reichen, wenn du nicht in all meinen Aussagen irgendein durchtriebenes und vor allen Dingen bewusstes Kalkül sehen würdest. Mag sein, dass meine Selbstwahrnehmung verzerrt ist, aber das ist sie mit Sicherheit nicht, weils mir Spaß machen würde, mein Leben so und in nächster Konsequenz sozial isoliert zu verbingen...

Die Voraussetzung dafür, dass sich das mal ändert, ist, dass ich vollständig vom Gegenteil überzeugt bin. Ich gebe zu, dass das nicht eure Aufgabe ist, zumal es wahrscheinlich ziemlich mühsam wird und viel Zeit in Anspruch nimmt, aber dass ich auch nicht alles bedingungslos schlucke, was man mir vorsetzt, kann so dermaßen unverständlich doch auch nicht sein?! Wie nachhaltig wäre das denn dann auch? Du wirst ja dein Weltbild auch kaum alle drei Tage umwälzen, weil dir jemand erzählt, dass es falsch ist?!

20.09.2013 09:18 • #77

Sponsor-Mitgliedschaft

Hi,

ich gebe zu, es fällt mir etwas schwer, nun noch was dazu zu sagen.

Du hast eine Sozialphobie und dabei insbesondere Angst vor dir attraktiv erscheinenden Frauen.

Es gibt einen Weg, der dort wieder hinausführt. Das ist Verhaltenstherapie mit Konfrontation genau dieser Situation. (Vielleicht gibts auch noch andere, aber das ist der, den ich kenne).

Wenn das nicht wirkt, gibt es Günde dafür, die muss man suchen. Wenn man sie findet, kann man sie einen nach dem anderen ausschalten, dann wirken auch die Konfrontationen.

Der Weg dorthin kann lang sein. Er ist trotzdem aussichtsreich. Ich habe damit eine 20 Jahre währende Angsterkrankung so weit verbessert, dass ich nicht mehr darunter leide.

Ich will dich motivieren, das zu versuchen.

Ich merke, dass du für unvorstellbar hältst, eine Verbesserung zu erreichen. Ich glaube, dass du in einer weiteren Therapie zunächst genau daran arbeiten würdest, das "Gedankenkorsett" zu erstellen und zu trainieren. (Das kann aber nur ein Therapeut beantworten).

Vielleicht ist dann der nächste Schritt, Teilziele zu fokussieren, zur Zeit habe ich das Gefühl, das du bei jedem Einkauf erwartest, sofort eine Auswirkung auf deine Gesamtsituation zu spüren. Aber - es ist nur ein Einkauf. Ein Sporttermin ist ein Sporttermin und eine Bahnfahrt eine Bahnfahrt. Dabei Schweißausbrüche zu haben heißt nicht, dass du niemals eine Freundschaft wirst schließen können. Andersrum heißt das nächste Lächeln der Kassiererin ohne Schweißausbrauch bei Dir auch nicht, dass du nächste Woche mit ihr vorm Traualtar stehst.

Die Macht der Gedanken kennst du ja aus der Negativspirale. Die geht aber auch andersherum. Wenn man als Ängstler irgendwas genau weiß, dann, das man anfällig dafür ist, wie sehr gelenkte Gedanken die Gefühle und das Verhalten beeinflussen können. Während der Erkrankung leider falschrum. Während der Heilung dann richtig rum.

Zitat:
Die Voraussetzung dafür, dass sich das mal ändert, ist, dass ich vollständig vom Gegenteil überzeugt bin.

Genau das scheint mir einer deiner falschen Gedanken zu sein zu sein. Du könntest anfangen die Lage zu verbessern, auch ohne das du vollständig überzeugt bist, die Überzeugung wächst mit der Zeit. Dich dazu zu bringen, damit anzufangen halte ich auch für eine Aufgabe deines Therapeuten.

Alles Gute, Amyg.

20.09.2013 10:09 • #78


Zitat von Amyg.Dala:
ich gebe zu, es fällt mir etwas schwer, nun noch was dazu zu sagen.


Doch hoffentlich nicht auch, weil ich so stur wirke?

Zitat von Amyg.Dala:
Du hast eine Sozialphobie und dabei insbesondere Angst vor dir attraktiv erscheinenden Frauen.


Die Frauengeschichte muss ich jetzt doch mal etwas ausführen. Wen das nicht interessiert, der darf den folgenden Absatz mit ausdrücklicher Erlaubnis überspringen.

Es ist nämlich nicht ganz so simpel, dass ne Frau für mich attraktiv sein muss und bäm, schon hab ich diese Ängste. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist erst mal, dass noch andere Leute drum herum sind, die meine Unsicherheiten mitbekommen könnten und diese ganze Spirale quasi ununterbrechbar anheizen. Bahn, Café, einfach nur Innenstadt, alles furchtbar, zumal ich im absoluten Katastrophenfall dann auch nicht so ohne weiteres weg, fliehen könnte. Alleine zu zweit im Wald wäre das mit Sicherheit viel weniger ein Problem, auch wenn die Vorstellung jetzt wieder ziemlich creepy klingt.
Und auch ansonsten reicht rein 'attraktiv' nicht aus. Es gibt auch (für mich) attraktivere Frauen, bei denen die Reaktionen weniger dramatisch wären als bei (für mich) weniger attraktiven Frauen. Richtige Probleme gibts immer dann, wenn die Frauen so selbstbewusst und/oder allgemein männeranziehend wirken (was aber nicht mit meinen Attraktivitätsvorstellungen übereinstimmen muss), dass ich ihnen dadurch einen gewissen Mindestanspruch an männliches Selbstbewusstsein unterstelle. Dadurch habe ich diesen Frauen gegenüber dann viel größere Angst vor Unverständnis und ablehnenden Reaktionen als bei einer, die ich richtig süß finde, und wo dementsprechend der Druck durch das Beziehungspotential viel höher ist. Wahrscheinlich macht das jetzt keinen Riesenunterschied, heißt aber doch zumindest, dass es nicht in erster Linie Beziehungsgedanken und -druck triggern, wie man wahrscheinlich (z.B. auch mein Ex-Therapeut) erwarten würde?!

Zitat von Amyg.Dala:
Ich habe damit eine 20 Jahre währende Angsterkrankung so weit verbessert, dass ich nicht mehr darunter leide.


Gratulation! Finde ich momentan ziemlich beeindruckend und das kann, nachdem sich die Welt 8 Seiten lang nur um mich gedreht hat, ja auch mal hervorgehoben werden!

Zitat von Amyg.Dala:
Vielleicht ist dann der nächste Schritt, Teilziele zu fokussieren, zur Zeit habe ich das Gefühl, das du bei jedem Einkauf erwartest, sofort eine Auswirkung auf deine Gesamtsituation zu spüren. Aber - es ist nur ein Einkauf. Ein Sporttermin ist ein Sporttermin und eine Bahnfahrt eine Bahnfahrt. Dabei Schweißausbrüche zu haben heißt nicht, dass du niemals eine Freundschaft wirst schließen können. Andersrum heißt das nächste Lächeln der Kassiererin ohne Schweißausbrauch bei Dir auch nicht, dass du nächste Woche mit ihr vorm Traualtar stehst.


Najaa, ganz so überzogene Anforderungen stelle ich dann auch nicht. Eigentlich kommt die Idee auch von meinem Therapeuten, solche Situationen abzuarbeiten (alleine unter Menschen zu gehen, egal ob Hallenbad, Kino, Café oder was auch immer), ohne direkt auf Tuchfühlung mit anderen zu gehen. Und solange das Niveau gleichbleibend schwer bleibt oder nicht sprunghaft ansteigt, fallen mir diese Dinge mittlerweile auch fast gar nicht mehr schwer und ich versuche die Latte langsam immer höher zu legen. Alles schön und gut, nur wirkt es sich ja anscheinend doch nicht im geringsten auf die direkte Kontaktangst aus, da wo wirklich meine Einschränkungen und Verbesserungsbedarf liegen. Sobald ich diese magische Grenze auch nur mit dem kleinen Zeh übertrete, stehe ich wieder bei gefühlt 0. Da macht sich also schon langsam so etwas wie Verzweiflung breit, weil das dann ja nur heißen kann, dass bald nur noch die Ar. ins ganz kalte Wasser übrig bleibt, und ich weiß nicht, wie ich die schaffen soll...
Dass die Schweißausbrüche mal aufhören, ist deshalb mein größtes Anliegen, denn solange ich in all diesen Situationen überhaupt nicht erst davon loskomme, mich zu 150% nur mit mir selbst zu beschäftigen und die Panik selbst anzuheizen, werde ich da auch nie vorwärts kommen. Das ist aber bei etwas so dermaßen Offensichtlichem und Unangenehmem (ich mag Schwitzen prinzipiell überhaupt nicht) einfach völlig unmöglich...

Zitat von Amyg.Dala:
Genau das scheint mir einer deiner falschen Gedanken zu sein zu sein. Du könntest anfangen die Lage zu verbessern, auch ohne das du vollständig überzeugt bist, die Überzeugung wächst mit der Zeit. Dich dazu zu bringen, damit anzufangen halte ich auch für eine Aufgabe deines Therapeuten.


Da ist zugegeben was dran. Ich bin aber, glaube ich, auch nicht so bedingungslos wie da jetzt aufgeschrieben. Ich hab z.B. auch meinem Therapeuten vertraut, als er mir vorgeschlagen hat, alleine ins Café o.Ä. zu gehen, denn ich war zu dem Zeitpunkt felsenfest davon überzeugt, dass ich das auch angstfrei nicht tun würde, weils für mich ein klassisches Gesellschaftsevent und alleine einfach langweilig ist (und weil die überwältigende Mehrheit auch nie alleine ins Café oder Kino geht). Trotzdem, der große Unterschied war da aber, dass ich mir zumindest halbwegs vorstellen konnte, das noch zu überstehen. Sobald der Gedanke also erst mal gepflanzt ist, mach ich das dann auch alleine, aus meiner inneren Überzeugung heraus, nicht unbedingt, was die Aktion selbst angeht, aber zumindest, dass sie was bewirkt.
Das Gefühl brauche ich vorher auf jeden Fall und es gibt noch viele, viele Konfrontationen, bei denen es sich ums Verrecken nicht einstellen will. Deshalb diskutier ich ja auch so angestrengt gegen euch an und schreib immer solche Romane. Damit vielleicht irgendjemand mal den entscheidenen Pfeiler ins Wanken bringt und ich dann zu genau dieser nötigen Einstellung komme.
Es tut mir ja Leid, wenn das selten bis nie auf Anhieb passiert. Zu gerne würde ich eure rührende Hilfe damit belohnen, aber ganz so unkompliziert bin ich dann leider doch nicht...

20.09.2013 13:24 • #79


Hi silkySmooth!
Ich weiß nicht,ob Dir der Begriff "Psychasthenie" etwas sagt.
Er wurde vor rund hundert Jahren von dem französischen Psychologischen Pierre Janet geprägt und bezeichnet eine krankhafte Grübelneigung.
Ich selber bin Psychastheniker und für mich war die Diagnose von entscheidender Bedeutung.

Janet führt den Begriff der "seelischen Spannkraft" ein,der so etwas wie einen Energievorrat meint.Ersagt weiter:
-unterschiedliche kognitive Prozesse kosten unterschiedlich viel Energie.

-Grübeln kostet am wenigsten Energie.

-Entscheidungen kosten mehr Energie.

-komplexe Handlungen kosten am meisten Energie.

Entscheidungen und Handlungen führen aber wieder Energie zurück,z.B. in Form von Erfolgserlebnissen.
Grübeln allerdings verpulvert permanent Energie,die dem Grübler fehlt wenn es gilt sich Problemen und Stresssituationen zu stellen.

Wie schon gesagt war für mich die Diagnosestellung sehr wichtig,denn ich wußte nun,wo ich "hebeln" mußte.Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ich erfolglos im Rahmen einer kognitiven und konfrontativen Verhaltenstherapie behandelt.Mit demselben Therapeuten,der sich inszwischen weitergebildet hatte,entwickelte ich Strategien,die auf mich als Psychastheniker zugeschnittenn waren.
Und-siehe da:
-keine Konfrontationsübungen mehr,
-keine Übungen mehr,
-kein Verbleiben in Angstsituationen,bis die Angst nachläßt usw...
und auch keine Fragen mehr:wie groß ist die Angst?Habe ich schon Fortschritte gemacht?usw.
All das verstärkt beim Psychastheniker die Grübelneigung und macht alles noch schlimmer.

Stattdessen ist für einen Psychatheniker jede Situation der Ernstfall und keinen Habituationsübung.
Es gilt,jeden Tag mit der Frage zu beginnen:"Was möchte ich heute erreichen?Wie komme ich am schnellsten zum Zug?Wie komme ich auf meine Kosten?"
Also Denken nur noch als handlungs-und lösungsorientiertes Denken.

Das verscheucht die Angst nicht,sie wird nicht mal geringer.Aber sie spielt nicht mehr die erste Geige.

Falls ich falsch liege,silkySmooth,einfach diesen Beitrag vergessen.Aber ich hatte so den Eindruck,daß dieses Thema für Dich auch aktuell sein könnte.

Ach ja,die Störung,wegen der ich ursprünglich in Behandlung war,war natürlich eine soziale Phobie.Ich vergaß das zu erwähnen.

20.09.2013 13:34 • x 1 #80



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