Zitat von GastB:Wenn dein Therapeut mit allem Recht gehabt hätte, müsstest du m.E. Fortschritte oder Heilung erlebt haben. Du sagst aber, dass es nicht so ist.
In meiner Therapie haben wir uns eher auf andere Aspekte meiner Sozialangst konzentriert, und zumindest darin kann ich auch kleine Fortschritte erkennen. Ich finde aber, dass ich zumindest überhaupt erst mal wieder mit anderen in Kontakt kommen und Leute näher kennenlernen kann, irgendwo auch ne wesentliche Grundvoraussetzung dafür, dieses Frauen-, Beziehungs- und Sexualitätsproblem anzugehen. Vorher erscheint mir das einfach zu weit vorgegriffen.
Zitat von GastB:Ich empfinde da einen gewaltigen Widerspruch zwischen deiner als Kind draufgängerischen Art (nein, das bezieht sich nicht nur auf die Weiblichkeit) und deiner extremen Hemmung Frauen gegenüber.
Ja, den Widerspruch hab ich auch schon bemerkt. Ich hatte sogar oft das Gefühl, eine Art Doppelleben zu führen, weil ich z.B. auf dem Schulhof immer unter den lautesten war, dann aber wieder plötzlich von gewissen Situationen so eingeschüchtert worden bin, dass ich wie jemand anderes war.
Aber das beschränkt sich auch nicht nur auf dieses Frauenproblem. Referate, Auftritte, Bühnen, Singen, Tanzen, Musizieren, Schauspielen, selbst Verkleiden waren alles Dinge, die mir vor anderen schon immer irgendwie peinlich und unangenehm waren - im Prinzip alles, was die eigene Persönlichkeit und Gefühlswelt in zu großen Teilen offengelegt hätte. Ich glaube also eher, dass auch die Frauenproblematik Teil etwas Größeren ist und sich das darin nur offensichtlicher zeigt, weil die Kontaktfläche mit diesem speziellen Problem im Alltag eines erwachsenen Mannes am größten ist.
Zitat von GastB:Ich vermute da eine Verbindung, ein bisher unerkanntes Bindeglied zwischen diesen beiden einander widersprechenden Verhaltensweisen. Wohl ein Schockerlebnis, z.B. eine Bestrafung, eine Drohung, eine gedankenlose schlimme Prophezeihung (z.B. "Wenn du so weitermachst, wird dich niemand mögen!" oder "Mädchen mögen keine bösen Jungs!" oder sonst etwas - das musst du dir selber ausphantasieren, was für deine Gefühlslage passt) oder eine gehässige Zurückweisung von einem Mädchen, die du vergessen hast oder eine gemeinsame Aktion mehrerer Mädchen, die sich irgendwie über dich lustig gemacht haben, oder oder.
Nunja, seitdem ich angefangen habe mich für Mädchen zu interessieren war ich schon verkrampft, wenn auch nicht in dem Ausmaß von heute. Und ich weiß nicht, ob man früher, also bevor diese zwischengeschlechtliche Anziehung überhaupt da ist, so traumatisierend zurückgewiesen werden kann. Ich kann nicht ausschließen, dass irgendwann in der Vorkindergartenzeit mal ein Mädchen oder gleich ne ganze Gruppe nix von mir wissen wollte, wahrscheinlich weil ich als Junge auch zu doof für sie war. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass ich mir in dem Alter viel aus Mädchen gemacht habe. Die waren mir wahrscheinlich viel zu ruhig. Können also diese prägenden Versagensgefühle und Zurückweisungsängste überhaupt entstehen, wenn dieses sexuelle Anliegen (bzw. in dem Alter eher eine Vorstufe davon) schon von meiner Seite aus gar nicht da ist? Ich bezweifel das irgendwie.
Das einzige zwischengeschlechtliche Verhältnis, das u.U. leicht gestört war, war das zu meiner 2,5 Jahre jüngeren Schwester - wahrscheinlich klassisches Konkurrenzdenken. Zwischen uns gab es nämlich bis auf wenige und kurze friedvolle Phasen eigentlich immer nur Stress und Krieg. Da ich älter und stärker war, hab ich jeden handgreiflichen Konflikt prinzipiell gewonnen und bin dann dementsprechend (zu Recht, wusste ich auch) von meinen Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten zusammengestaucht worden, wenn ich ihr wehgetan hab. Das wars aber auch, sonst fällt mir absolut nichts in der Richtung ein.
Zitat von GastB:Meine Empfehlung: Male dir alles aus, was Mädchen und Frauen dir an Schlimmem antun könnten, was dir enorm peinlich wäre. Dann kommt möglicherweise eine Erinnerung hoch. Und selbst wenn nicht, so etwas hilft bei der Bewältigung von Angst, wenn man sich die worst cases möglichst gründlich ausmalt.
Der Worst-Case ist, glaube ich, nicht mal direkte Ablehnung, sondern eher, dass sich wirklich mal jemand auf mich einlässt, ich ab da mit allem hoffnungslos überfordert bin und mit mir selbst nicht klarkomme und dann irgendwann vielleicht noch die Ablehnung kommt, nachdem sie also rausgefunden hat, wer ich wirklich und nicht nur oberflächlich bin. Passiert ist mir das noch nie. Ich hab außer einem nicht beantworteten Liebesbrief in der 6. Klasse nicht mal einen einzigen Korb bekommen, mir aber trotzdem in den Kopf gesetzt, dass die Frauenwelt bestimmt nichts von mir wissen will, weil ich schon da merklich zu verklemmt war, biologisch 2-3 Jahre hinterherhing und mich auch für alles andere als hübsch, interessant oder sonstwie anziehend gehalten habe. Und dass mit einer Ausnahme in der Mittelstufe auch aus der Damenwelt nie Interessensanzeichen kamen, schien meine Gedanken noch zu bestätigen.
Seitdem hab ich mich also dem natürlichen Erfahrungs- und Lernrpozess verschlossen und verweigert, womit dann auch mit jedem weitern Tag die Angst gewachsen ist, mit Anfängerfehlern negativ aufzufallen. Rückwirkend ein endlos bescheuerter Werdegang und ich würde die erste Zeitmaschine direkt nutzen, um mir damals spektakulär in den Hintern zu treten, aber so ist es jetzt leider gelaufen.
Wie kommst du eigentlich auf diesen Gedanken, dass es da unbedingt ein Trauma in meiner Frühgeschichte geben muss? War das bei dir so oder jemandem, den du kennst?