31

Hallo,
ich leide wegen meiner Vergangenheit etwas unter Ängsten und mir fällt es schwer Menschen bzw ihre Nähe an mich heranzulassen. Ich bin auch schon in Behandlung. Dabei geht es nicht darum dass ich zu schüchtern bin, sondern es geht eher darum sobald sie fragen über mich stellen, was ich mag, was ich tue, will ich mich sofort verschließen und alles schreiht in mir, lauf. Ich habe unglaublich Probleme vertrauen zu fassen.
Bei sachlichen Themen ist alles ok.

Mein Problem ist, dass ich mit den Verhaltensmethoden, die ich in Therapie lernte, nun auf viel Widerstand stoße - auch aus den engsten kreisen und ich frage mich, ob mein Innen nicht mit dem Außen übereinstimmt. Also so, wie ich denke, dass ich wirke, es nach außen anders ankommt. Und ich evtl Verhaltensweisen anpassen müsste.

Da ich wenig Kontakte hatte im Leben, fehlt mir da direktes Feedback.
Aber anhand den Reaktionen meiner Mitmenschen merke ich oft, dass ich irgendwas provoziere in ihnen. Manchmal habe ich den Eindruck, sie möchten mich klein machen, sagen durch die Blume oft verletzende Sachen. Und manchmal wenn ich kn dem Moment weder ein noch aus weiß und noch überlege, wie sie das meinten, sehe ich ein grinsen und gehe dann davon aus, dass es wohl doch in der Ansicht mich zu verletzen war.

ZB: mein enges Umfeld hat mich schon immer als stark, mutig und zurückhaltend wahrgenommen. Als würde mir alles leicht fallen. Ich bekomme selten Hilfe angeboten. Die Menschen fragen mich oft nach meiner Meinung, bitten um gefallen, sprechen mit mir über ihre Probleme, aber sobald ich versuche etwas über mich zu sagen, was nicht nur mit erfolgen verbunden ist. werden sie perplex. ich werde oft mitten im Satz unterbrochen.

Aber innerlich muss ich viele Ängsten und Unsicherheiten überwinden.

Und das interessante ist, mich nimmt meine Familie, die Familie meines Mannes und mein Mann ganz anders war als zb meine Mitmenschen auf Arbeit etc.

So stoße ich bei meinen Schwiegereltern auf viel Ablehnung. Meine Schwiegermutter hält mich für unglaublich selbstbewusst. Ich versuche freundlich zu sein und weil sie oft sticheln Habe ich mich zurückgezogen weil ich nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich versuche sachlich zu sein. Jetzt fahren sie mir ständig über den Mund. Kürzlich begrüßte ich meinen Schwiegervater und er drückte mir Gläser in die Hand und meinte, Trag sie rein. Kein bitte / Danke. Mich stößt so etwa immer ein wenig vor den Kopf, aber ich weiß nicht wie ich darauf reagieren soll.
Vieles was ich sage, wird oft missverstanden und die schlimmste Auslegung zugrunde gelegt.

Am Wochenende war ich auf einem Geburtstag meiner Schwägerin, da waren wir mitten in einer politischen Diskussion. Plötzlich kommt mein Schwiegervater dazu, unterbricht mich mitten in meinem Satz (ich war noch nicht einmal ansatzweise fertig) meint ich habe nicht recht. In dem Moment hatte ich Blickkontakt mit meiner Schwägerin, sie grinst.
So als würde ihnen gefallen, wenn sie mich runter machen können.

Meine Eltern halten mich für sehr eloquent und haben mich nie in Schutz genommen: auch heute muss ich immer für sie einstehen, ihnen viel helfen.
Wenn ich sachlich etwas sage, wird das oft als Kritik verstanden.

Das hat dazu geführt dass ich bei fremden noch vorsichtiger geworden bin.
Meine Arbeitskollegen meinen, ich soll selbstbewusster sein, ich solle mich nicht verstecken.

Und genau diese Diskrepanz bereitet mir Schwierigkeiten.
Einerseits bin ich zu sehr und andererseits zu wenig. Das macht mich wahnsinnig. Ich weiß nicht, wie ich meine Gedanken formulieren soll dass sich menschen nicht angegriffen fühlen oder denken ich würde sie angreifen, denn das ist das letzte was ich will.
Hat jemand damit auch Probleme und hat Tipps?

19.09.2019 19:01 • 22.09.2019 #1


17 Antworten ↓


Safira
Zitat von Procuratrix:
Und das interessante ist, mich nimmt meine Familie, die Familie meines Mannes und mein Mann ganz anders war als zb meine Mitmenschen auf Arbeit etc.

Über dieses Thema habe ich mir auch schon sehr oft Gedanken gemacht. Eine wirkliche Patentlösung habe ich aber nicht. Die Menschen sind alle unterschiedlich. Jeder hat eigene Erwartungen, Ansichten und Wertevorstellungen.
Wie Du schon woanders geschrieben hast bist Du mit Deinem Mann auch nicht glücklich, warum sollte es dann mit seiner Familie besser laufen? Es heisst doch so schön: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Menschen sind alle anders. Du bist ja auch nicht zu jedem gleich. Je sicherer und angenommener Du Dich fühlst, desto entspannter und vertrauter ist das miteinander. So erkläre ich mir den unterschied im Umgang mit Famile und Arbeitskollegen.
Bei Deiner Familie höre ich keinerlei Vertrauen raus.

Es ist gut für uns, uns mit Menschen zu umgeben die uns gut tun und es auch gut meinen

19.09.2019 19:44 • x 1 #2


Daisho
Guten Morgen @Procuratrix ,
es macht den Eindruck, als wären deine Herausforderungen auf einen "Verlust des Urvertrauens" - wie es ein Therapeut wohl formulieren würde - zurück zu führen. Vielleicht verbunden mit einer gewissen "Sozialphobie". Ein Therapeut würde wahrscheinlich auch Begriffe wie "Hochsensibilität" verwenden. Wenn du noch in Therapie bist, sprich deinen Thera mal darauf an.

Die Ursachen hierzu sind oft in der Kindheit zu suchen, in (oft wiederholt) als traumatisch empfundenen Situationen, bei denen der Betroffene früh "feststellen musste" allein da zu stehen. Überfordernde Erwartungen von Eltern oder ähnlichen Bezugspersonen können ebenfalls eine Rolle spielen. Das Gefühl zu haben, dabei allein zu stehen.

"Traumatische" Situationen sind für Kinder jedoch etwas völlig anderes wie für einen Erwachsenen. Deshalb ist es auch für Erwachsene recht schwierig, ohne Unterstützung derlei zu erkennen. Nicht nur, weil es im Laufe der Zeit auch vergessen wurde.

Zitat von Procuratrix:
Mein Problem ist, dass ich mit den Verhaltensmethoden, die ich in Therapie lernte, nun auf viel Widerstand stoße - auch aus den engsten kreisen und ich frage mich, ob mein Innen nicht mit dem Außen übereinstimmt. Also so, wie ich denke, dass ich wirke, es nach außen anders ankommt. Und ich evtl Verhaltensweisen anpassen müsste.


Lasse mich dazu ein wenig ausholen:
Du hast sicher schon von Körpersprache gehört. Sie ermöglich uns z. B. zu erkennen, das es einem Freund heute 'sehr schlecht' geht, obwohl dieser noch 100 Meter weit weg ist. Sie sorgt aber auch für das "komische Gefühl" im Bauch, wenn zum Beispiel ein Vertreter uns etwas erzählt, welches sich zwar gut anhört, aber....

So findet unsere Kommunikation nur etwa zu 20 % über Laute statt, der Rest ist Körpersprache. (Schau mal bei Youtube nach "Sami Molcho". Anschauliche Beispiele) Körpersprache wird aber zu 100 % von unseren Emotionen gesteuert. Wenn du also eine (z. B. in der Therapie) frisch gelernte und kaum trainierte Verhaltensweise verwendest, wird bei dir in der Körpersprache eine gewisse Unsicherheit mitschwingen. Diese spürt ein Anderer unterschwellig. Auch wenn er nicht weiß, woher diese Unsicherheit kommt, werden sehr viele Menschen versuchen dich dabei zu packen und gegen dich zu verwenden.

Zudem, sensible Menschen bauen gerne zum Selbstschutz recht massive Schutzschilder um sich herum auf. So lange sich diese Menschen in Bereichen bewegen, mit denen sie vertraut sind, in denen oft geübte Verhaltensweisen erfolgreich verwenden (z. B. Arbeit), funktionieren diese auch. Im Privaten - mit größerer Nähe - werden die Risse in den Schutzschilder aber oft erspürt. DIes führt dann nur zu oft zu solchen Verhaltensweisen, wie von dir beschrieben.

Zitat von Procuratrix:
Meine Arbeitskollegen meinen, ich soll selbstbewusster sein, ich solle mich nicht verstecken.


Ja. Allerdings wirst du dich fragen wie, nicht wahr?

20.09.2019 07:00 • x 3 #3


@Daisho
ich habe hier ein wenig von mir erzählt: liebeskummer-trennung-scheidung-f86/fuer-trennung-fehlt-kraft-selbstsicherheit-t98461-10.html#p1717991. will nicht alle zutexten.

Danke für deine Erklärungen. Ja, ich weiß, dass ich besonders sensibel bin. Dass das Urvertrauen fehlt hat meine Psychologin mir gesagt, dies sei aber nicht nachholbar. Man müsse jetzt Vertrauen "in sich selbst" dadurch aufbauen, in dem man auf die eigenen Erfolge blickt - aber sie bedeuten mir nichts.
Wenn ich auf meine Leistungen schaue, werde ich aus welchen Gründen auch immer nur traurig. Denn nach was ich mich sehne, sind Mitmenschen. Gleichzeitig habe ich eine derartige Angst, mich lächerlich zu machen, zu bedürftig zu erscheinen oder dass sie merken, dass mit mir etwas nicht stimmt. Es ist eine tiefsitzende Scham da.
Es ist irgendwie schwer zu beschreiben. Andere Menschen haben so eine Leichtigkeit an sich, so ganz andere Leben als ich, die mir komplett fehlt, weil ich nie gelernt habe, wie es ist, mich in Gruppen zu bewegen, mehr oder weniger Small-Talk zu führen. Ich verstehe nicht, warumd ie gemeinheiten, die sie austauschen, lustig sein sollen, warum ihnen das Spaß macht. Versteh mich nicht falsch, das letzte was ich will, ist andere mit meinen Problemen zu belasten. Ich kann lachen, liebe Humor, Aktivitäten, etc. Ich versuche auch eine gewisse Oberflächlichkeit an den Tag zu legen, gebe mich stark, leicht, unternehmenslustig und auch "gesellig". Ich höre immer, wie viel ich mache und wie "toll" ich bin und gleichzeitig distanziert sich innerlich dann etwas. Ich kann es schlecht beschreiben. Es ist als würde ich eine Lüge aufrechterhalten und als hätte ich eine wahnsinnige Angst davor, dass wenn jemand dahinter kommt, wenn jemand dieses "schwarze /hässliche" in mir entdeckt, die Menschen sich abwenden. Alle haben genug Ballast, jeder muss was tragen. Und ich habe das Gefühl, alle wollen nur "abladen". Ich spüre die Bedürfnisse der Menschen so stark und es fällt mir dann so schwer mich davon abzugrenzen. Wenn ich mit vielen Menschen zusammen bin, fühle ich mich danach ausgebrannt. Auf mich stürzen so viele Gefühle der anderen ein, ich kann mich nicht wehren. Ich gebe und gebe und gebe. Und ich weiß nicht, wie ich "nehmen" könnte. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mir selbst mehr geben müsste und weiß einfach nicht wie.

ich wende bestimmte Übungen an. So habe ich mir einen täglichen Serientermin kurz vor der Mittagspause eingerichtet. dann leuchtet für 5 Minuten "du bist wertvoll" auf (das klingt für mich bescheuert) dennoch mache ich es. Gestern habe ich mir eine Suppe gekocht. Aber während ich sie alleine esse, ist alles taub.
Heute habe ich mir Blumen gekauft. Sie stehen da und ich fühle keine Freude.
Ich spüre Freude wenn ich lese, Sport mache oder Klavier spiele. Meine Arbeit macht mir Spaß, ich stehe dort für Menschen ein und kann ihnen oft helfen. Toll, fühlt es sich nur an, wenn ich anderen Blumen schenke, eine Freude mache, etwas backe. Beim Sport neige ich dann aber wieder dazu, mich derart zu verausgaben, dass es wieder an Selbstbestrafung grenzt. jedes meiner Hobbies wird irgendwann zu exzessiv betrieben, ich neige zur Übertreibung und Überanstrengung. Ich glaube das schreckt viele Menschen irgendwie ab. (was ich verstehen kann) Sie haben ein anderes "Bild" von mir. und dann kommt wieder diese Angst. ich habe das Bedürfnis das kleiner machen zu müssen und dann sind sie wieder so merkwürdig. Gleichzeitig möchte ich nicht von Menschen verletzt werden und die Art wie ich ihnen Grenzen setze (darum geht es mir eigentlich) ist glaub ich irgendwie falsch.
hat da jemand Tipps?
nd ja, während ich die Schutzschilder bei oberflächlichen Bekanntschaften aufrecht erhalten kann (dies mich gleichzeitig aber wie ausbrennt), bröckelt sie im privaten. und gerade dort sind mir die Menschen nicht alle unbedingt wohlgesonnen. Da bräuchte ich sie fast am meisten. ich weiß nicht, wie ich lernen könnte, mich von anderen abzugrenzen, nicht so viel "fühlen" zu müssen
und gleichzeitig weiß ich nicht, wie ich mir eine dickere Haut zulegen könnte, dass mich nicht alles so trifft, wenn andere nachlässiger sind. Ich möchte ihnen ja nicht unbedingt Bosheit unterstellen.

Mir kam einfach der Gedanke, dass sich so viele doch nicht irren können und ich einfach mal meine Verhaltensweisen besser reflektieren sollte.
das mit der Körpersprache ist gut zu wissen. ich muss daran arbeiten.

Die einzige Person, mit der ich wirklich über all das sprechen kann, ist meine kleine Schwester. Ich habe sie früher wie eine wahnsinnige beschützt und hab ihr versucht das zu geben, was meine Eltern uns verwehrten. Ich wollte nicht, dass ihr Schaden zu groß ist und versuchte ihr das Gefühl zu geben, bedingungslos geliebt zu sein, ein Teil von mir zu sein.
Gleichzeitig aber ist auch sie eine sehr fordernde Person. Sie will sehr viel von mir, bei allem was sie tut, jedem Problem das sie hat, braucht sie meinen Rat und meine Hilfe und manchmal, insbesondere dann, wenn es mir nicht so gut geht, ist mir das zu viel. Sie will ich nicht ständig belasten und über diese Dinge sprechen, weil ich niemandem eine Last sein will und dann ziehe ich mich noch weiter zurück.

Meine Psychologin meint dazu, ich müsse mich eben entscheiden, ob ich mit Menschen zu tun haben will oder nicht. Ich dachte nur, toll, danke. Hat jemand Tipps, welche Übungen ich machten könnte, wo ich noch an mir arbeiten könnte?

Warum haben Menschen das Bedürfnis Unsicherheiten gegen einen zu verwenden? Mir war noch nie nachvollziehbar, wie Menschen Freude daran haben können, andere durcheinander zu bringen.

20.09.2019 15:07 • #4


Zitat von Daisho:
Ja. Allerdings wirst du dich fragen wie, nicht wahr?

ja, hast du dazu auch einen Tipp? Samy Molcho höre ich morgen rein.

20.09.2019 15:36 • #5


Icefalki
Nochmals, du steckst viel zu sehr im aussen. Warum Menschen Menschen verletzen oder auch nicht, ist ein neverendig Thema. Änderungen, andere Sichtweisen usw. Kann man nur bei selbst entwickeln.

Und was wichtig ist, eine gehörige Portion Selbstkritik sollte man auch üben. Und mein geliebtes Thema Selbstbewusstsein, ohne das, wird alles nix. Sich seiner selbst bewusst werden hat nichts mit der üblichen Meinung, von, ich mach nur noch, was ich will, oder nur meine Meinung zählt.

Nee, Selbstbewusstsein ist das Erkennen, wie man auf sein Umfeld reagiert und warum man es tut. Sowohl positiv als auch negativ. Wenn ich mir wirklich bewusst werde, wer ich bin, kann ich Vertrauen in mich bekommen und bin nimmer so auf das aussen angewiesen.

Ist aber richtige Arbeit, diese relative Gelassenheit zu bekommen und wird auch immer ein Thema sein.

Mich wundert, dass das in deinen Therapien noch nicht Thema war. Oder eben so ein Trigger, der dich noch unfähig macht, daran zu arbeiten. Manches, das man sich eingestehen muss, ist erstmals extremst schmerzhaft und entzieht sich dadurch gerne dem Verständnis.

Allerdings ist dieses Thema genau das, an dem hier jeder arbeiten sollte.


Zitat von Procuratrix:
Dass das Urvertrauen fehlt hat meine Psychologin mir gesagt, dies sei aber nicht nachholbar. Man müsse jetzt Vertrauen "in sich selbst" dadurch aufbauen, in dem man auf die eigenen Erfolge blickt - aber sie bedeuten mir nichts.


Siehst du, und die Frage wäre an dich: Warum Ist das so?

20.09.2019 15:41 • x 1 #6


Daisho
Hallo Procuratrix,
leider kann ich dir aus beruflichen Gründen im Moment nicht die Zeit widmen, wie ich sollte. Verzeih, wenn ich dir also nur ein paar Zeilen schreibe und später genauer auf sie eingehe. Kann aber auch Sonntag werden.

Zunächst: Vieles von dem, was du berichtest schien mir einen Spiegel vorzuhalten. Es ähnelt zu sehr meinen Grundlagen in meinen Burn Out. Auch deshalb sollte ich deinen Text noch mal lesen, nicht das ich zu sehr eigenes hinein interpretiere.
Aber mal von hinten aufgerollt:
Zitat von Procuratrix:
Warum haben Menschen das Bedürfnis Unsicherheiten gegen einen zu verwenden? Mir war noch nie nachvollziehbar, wie Menschen Freude daran haben können, andere durcheinander zu bringen.

Erlaube mir ein Zitat anzubringen:
Zitat:
Halte dich fern von Menschen, die deine Träume klein reden wollen. Kleine Menschen tun das immer. Große Menschen geben dir das Gefühl, dass auch du groß werden kannst. Mark Twain

Innerlich "kleine Menschen" brauchen es offenbar, wenn sie andere unter die eigene Selbstsicht drücken können. Wohl auch um sich selber "groß" fühlen zu können. Leider laufen in unserer Welt überwiegend "Kleine Menschen" herum. Warum dies? Nun, das wäre Grundlage einer langen Diskussion.
Die Anderen sind jetzt aber nicht wichtig. "Andere" kannst du oder ich nicht ändern. Wir können nur Verhaltensweisen suchen und finden, um damit anders und besser umgehen zu können.
Zitat von Procuratrix:
ja, hast du dazu auch einen Tipp?

Ja, mehrere.
Zitat von Procuratrix:
So habe ich mir einen täglichen Serientermin kurz vor der Mittagspause eingerichtet. dann leuchtet für 5 Minuten "du bist wertvoll" auf (das klingt für mich bescheuert) dennoch mache ich es.

Dies wäre auch von mir einer gewesen. Allerdings holt dich diese Affirmation (https://de.wikipedia.org/wiki/Affirmation) nach Emile Coue (https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89mile_Cou%C3%A9) offenbar nicht dort ab, wo du psychisch stehst. Ich sollte also mit dir schauen, "wo du gerade bist".
Ich weiß jetzt nicht, wie viel du über Affirmationen, Coue, Positives Denken, (https://de.wikipedia.org/wiki/Positives_Denken) Aufmerksamkeitslenkung (dazu später mehr) schon erfahren hast, daher habe ich dir einige Links angefügt. Ist aber nur als Gesprächsgrundlage zu verstehen. Also überfordere dich nicht gleich.

Da ich jetzt los muss, um meine Termine wahr zu nehmen; Icefalki ist eine sehr erfahrene und geschätzte Freundin. Ich freue mich sehr, dass sie dir hier zur Seite steht. Sobald ich mir Luft geschafft habe, melde ich mich wieder.
Okay?

20.09.2019 16:02 • x 3 #7


Liebe @Icefalki

Danke für deine nochmalige Erläuterung. Ich weiß *seufz*. Selbstbewusstsein. Deine Erläuterung der Bedeutung ist übrigens sehr gut.
Natürlich sagte mir meine Therapeutin, dass ich kein Selbstbewusstsein habe. Aber ihre Tipps helfen nicht so sehr, obwohl ich sie weiter anwende.
Dass ich mich nicht gut dabei fühle, wenn ich mir selber etwas an sich "gutes" tue, habe ich oft thematisiert. ich komme da alleine nicht weiter und sie schweigt dazu. Sie meint eben, man soll auf seine Erfolge im Leben blicken. Ich blicke und *schulterzucken*.

Wir haben viel an meinem "inneren Kritiker" gearbeitet. Gott, meine arme Therapeutin. Ich gehe längst nicht mehr so ungnädig mit mir um wie noch vor drei Jahren. Dennoch weiß ich nicht was ich noch tun könnte. Es ist nicht immer so schlimm wie derzeit.

Ich weiß, dass ich zu sehr im Außen bin. Es ist wirklich schwierig das abzulegen. Vor allem: wie gibt man sich denn selbst Anerkennung?

20.09.2019 17:32 • #8


@daisho:
Also mal im Ernst, das ist so nett von dir, ich kann es gar nicht fassen, wie sehr du und @Icefalki euch bemüht und eure Zeit opfert. Das ist absolut nicht selbstverständlich und ich danke euch ehrlich von ganzem Herzen dafür.

Fühle dich ja nicht verpflichtet, antworten zu müssen und ja - das ist ziemlich viel "Futter", ich bin also beschäftigt

20.09.2019 17:45 • x 1 #9


Icefalki
Bei mir hat es mit Logik funktioniert, allerdings hab ich damals Antidepressiva genommen, vorher war ich nur am Durchdrehen. Allerdings hatte ich beruflich viel mit Psychologen zu tun, von daher weiss ich, wie die Denkweisen ablaufen können.


Als ich also ruhig war, klar denken konnte, wurde mir der Zusammenhang zur Erziehung und den daraus resultierenden Folgen bewusst. Wenn Prägung darauf ausgerichtet ist, dass nur Leistung Anerkennung findet, bei Versagen restriktive Folgen drohen, körperliche Züchtigung und Verspottung normal sind, wenn man einen Vater hat, der narzisstisch ist und eine Mutter, die praktisch nicht existent ist, wenn man weder Umarmung bekommt, noch Liebe spürt, ist es kein Wunder, dass man sich irgendwie durchmogeln will.

Passiert vollkommen unbewusst, man muss sich quasi eine Rüstung von "mir egal, oder " ich bin taff" oder " ich schaffe das, bin stark" umlegen. Gleichzeitig entwickelt man u.U. auch ein Helfersyndrom, sei es, weil man nur durch Empathie, Beobachtung usw. lernen musste, wie die Stimmung der Autoritäten gerade so sind, und weil man ganz tief drinnen diese Ungerechtigkeit sehr wohl spürt, was man dann bei anderen natürlich deutlichst wahrnimmt und mit dieser Fähigkeit im aussen durchaus positive Beachtung findet. Siehe oben: gute Leistung bringt Anerkennung.

Ungeachtet allem liegt aber eine Last zugrunde, die eigentlich schon immer vorhanden war, und nix anderes ist, als die Angst, nicht zu genügen, keine innere Sicherheit zu haben, man fürchtet, dass jederzeit etwas Schlimmes passieren könnte.

Mit diesem Stress kann man auf Dauer nicht umgehen, weil das Leben immer irgendwelche Stressoren bereithält, und wir keine Sicherheit in uns spüren.

Weiss jetzt nicht, ob das bei dir auch so zutrifft, aber da du auch zu Extremen neigst, sprich, wenn, dann aber 180%ig, aus Angst, nicht zu genügen.

Deshalb sind wir im Sport, bei der Arbeit, etc. und nach aussen hin so extrem. Kein Mensch kommt auf die Idee, dass innen drin ein ganz kleines Kind nach Liebe schreit.

Wenn man das mal wirklich begreift, dass zwischen Schein und Sein eine riessen Lücke herrscht, hat man endlich mal eine Erklärung für alles.

Mir hat das gut getan, eine logische Begründung zu finden, denn in meinen damaligen Selbstbild hat Angst keine Rolle gespielt, dabei war mein ganzes Leben total angstbesetzt.

Was dann kam war ein langer Weg zwischen Erkennen und der Umsetzung. Und das Wissen, dass ich immer diese Problematik haben werde, weil sie extremst tief sitzt. Und durch meinen langen Kampf gegen mich, auch in eine Depression gerutscht bin, die sich bei extremer Belastung auch wieder zeigt.

Darf sie. Denn alles darf sein. Ich kämpfe nimmer gegen etwas an, das ich bin. Ob das jemand passt, oder nicht, ist mir egal. Ich gebe, wenn ich geben will, ohne Erwartungen und sage auch Nein, wenn ich nicht möchte. Und verzeihe mir meine Fehler und die der anderen. Ich trete leidenschaftlich dafür ein, dass Selbstkritik und vernünftiges Miteinander für mich das A und O sind und behalte mir auch das Recht vor, bei extremen negativen Verhalten anderer, den Rückzug anzutreten.

Man braucht sich nicht dafür zu geißeln, wenn neg. Erfahrungen Mängel in der Psyche verursacht haben, allerdings schadet es nicht, diese Mängel zu kennen.

20.09.2019 18:21 • x 3 #10


Das was du hier schreibst, weiß ich an sich bereits. Ich weiß, dass meine Kindheit einen großen Anteil daran hat. ich weiß, dass die Angst nicht zu genügen da ist. Ich versuche mir selbst gut zuzureden, ich versuche mir bewusst zu werden, dass ich mich nicht mehr an diesem Ort befinde und sicher bin, dass ich doch für mich einstehen kann, dass es doch einfach reicht, da zu sein und man nichts weiter tun muss (weil ich da bin, bin ich schon genug) keine Ahnung, vlt. ist es noch nicht vorgedrungen bis zu "meinem Kind".
Es fühlt sich zur Zeit so an, als hätte ich genug von all dem. Ich habe keine Lust mehr darauf, dies alles zu spüren. Ich möchte leichter durchs Leben gehen können und bin ja auch bereit, dafür an und mit mir selbst zu arbeiten. Nur komme ich nicht weiter. Seit über einem halben Jahr trete ich auf der Stelle.

Lücke zwischen Sein und Scheinen. ja, das trifft es ganz gut.
Es geht also nicht weg...

Das was du von dir schreibst, muss ein sehr mühsamer Weg gewesen sein... Das bewundere ich sehr.

21.09.2019 07:21 • #11


Daisho
Zitat von Procuratrix:
Fühle dich ja nicht verpflichtet, antworten zu müssen und ja - das ist ziemlich viel "Futter", ich bin also beschäftigt

Habe dir eben noch etwas "Futter" in den anderen Napf (Thread) gefüllt. Bon Appetit!

21.09.2019 07:47 • x 1 #12


Icefalki
Zitat von Procuratrix:
Es fühlt sich zur Zeit so an, als hätte ich genug von all dem. Ich habe keine Lust mehr darauf, dies alles zu spüren. Ich möchte leichter durchs Leben gehen können und bin ja auch bereit, dafür an und mit mir selbst zu arbeiten. Nur komme ich nicht weiter. Seit über einem halben Jahr trete ich auf der Stelle.


Das ist ja die Krux an der ganzen Geschichte. Wir wollen nix spüren, sind ungeduldig, haben keine Lust auf den ganzen Mist, sind ohnmächtig wütend und der ganze Dreck soll endlich aufhören.
Und dieser ganze Käse von Therapie, wo es um Nabelbeschau und die Suche zum inneren Kind (bääääh) geht, um Eigenliebe (würg) , lassen einen die Fussnägel aufrollen.

Dieses Gefühle passen nicht zu der Fassade, die man sich errichtet hat, um irgendwie klar zu kommen.

Mein Vorteil ist, dass ich 20 Jahre mit Psychologen verbracht habe, und deren Arbeit zumindest theoretisch miterlebt habe. Hat mir erst etwas gebracht, als bei mir gar nichts mehr ging und ich mir gezwungenermassen helfen lassen musste.

Glaube bloss nicht, dass ich anders gewesen wäre, als du oder viele hier. Zur Erkenntnis und Veränderung braucht es ewig, da man sich nicht verändern möchte. Und wenn man sich verändert, dann reagiert das Umfeld und nicht gerade positiv. Was dann wiederum zur eigenen Unsicherheit führt, usw.. Im Prinzip ist es auch ein Ausprobieren, und natürlich auch fehlerbehaftet, und Fehler mag man nicht.

Eine solche Zerissenheit ist sehr belastend. Wie schon gesagt, ohne Medis hätte ich es nicht geschafft. Bei mir musste erstmals Ruhe rein. Ich hatte Glück, dass die AD angeschlagen haben. Dann ging es aufwärts.

Allerdings, da ich viel zu lange nichts dagegen getan habe, wird mich dieses Thema bis an mein Lebensende begleiten. Sprich, ich bin deutlich weniger belastbar, als ich gerne wäre. Und ich habe das verstanden und akzeptiert. Weisst du, wenn man das mal geschafft hat, diese echte Akzeptanz seiner Einschränkungen, dann verursachen Symtome keinen Weltuntergang mehr.

Dieses Jahr hatte ich nach vielen Jahren einen Rückfall und musste wieder Medis nehmen. Nun, dann eben die chemische Keule, um mich wieder zu sammeln. Hab das auch nicht als Niederlage angesehen, war sogar stolz auf mich, sofort Gegenmassnahmen ergriffen zu haben, was früher undenkbar war.

Alles hängt damit zusammen, das Prinzip von Ursache - Wirkung zu verstehen und damit verbunden auch dann Entscheidungen zu treffen und mögliche Konsequenzen daraus zu tragen. Viel mehr ist das eigentlich nicht.

21.09.2019 10:06 • x 4 #13


Hallo procuratrix. Vielleicht würde es dir helfen bei deiner Psychiaterin falls das möglich wäre. Weiß das leider nicht weil ich noch nie bei einem Psychiater war, sondern nur beim Therapeuten. Deine Verhaltensweisen und Körpersprache in Bezug auf deine Familie und Arbeitskollegen mal nach zuspielen und aufzunehmen. Ich habe das mit meinem Therapeuten auch gemacht. Und es hat mir sehr geholfen. Zu sehen auf der Aufnahme wie ich nach aussen hin wirke und mich gebe. Und meistens ist die eigene Wahrnehmung anders .so war es zumindest bei mir ich war sehr erstaunt wie ich auf der Aufnahme nach aussen hin wirke. Ich fühle mich nämlich auch oft missverstanden von meinem Mitmenschen. Das wollte ich mal loswerden um hauptsächlich mal auf deine Überschrift des Themas hier einzugehen. Bist bestimmt ein toller Mensch. Der sich wenigstens mal hinterfragt und versucht an sich zu arbeiten. Das können nicht viele. Also ich Wünsche dir alles gute.

21.09.2019 12:03 • x 3 #14


Daisho
Zitat von Procuratrix:
Vor allem: wie gibt man sich denn selbst Anerkennung?


In dem man sich erlaubt, sich auch mal selber auf die Schulter zu klopfen.
In dem man manchmal innehält und stolz ist (sein darf) auf das was man schaffte.
In dem man Leuten - die einen runter machen wollen - den aufgerichteten Mittelfinger (oder auch Beide) zeigt. Zur Not geistig

Im Deutschen heißt es zwar, "Eigenlob stinkt". Aber - ganz ehrlich - ich lobe mich durchaus öfter selbst und habe auch noch nie etwas g'roche. Zudem, nachdem es nicht nur im Süden heißt " net g'schimpft ischt g'nuag g'lobet"; Wenn du dich nicht selber lobst, tut es auch - fast - keiner!

Zitat von Icefalki:
Und was wichtig ist, eine gehörige Portion Selbstkritik sollte man auch üben. Und mein geliebtes Thema Selbstbewusstsein, ohne das, wird alles nix. Sich seiner selbst bewusst werden hat nichts mit der üblichen Meinung, von, ich mach nur noch, was ich will, oder nur meine Meinung zählt. Nee, Selbstbewusstsein ist das Erkennen, wie man auf sein Umfeld reagiert und warum man es tut. Sowohl positiv als auch negativ.


(Icefalki, ick könnt' dir - wieder mal - knutschen! )
Der Begriff "Selbstkritik" oder auch "Kritik" wird leider nur zu oft und gerne missverstanden. Bzw. falsch verwendet. Kritik bedeutet eindeutig NICHT, sich selber oder Andere runter zu machen, sollte auch nicht so empfunden werden.
Kritik - oder Selbstkritik - bedeuten einfach nur, da ist etwas nicht - oder nicht so - gelaufen ist, wie es hätte können. Man noch mal nachschauen sollte, wo denn nun der "Sand im Getriebe" steckt. Um beim Beispiel zu bleiben; ein Autotechniker wird wohl auch nicht gleich in schwere Depression oder Selbstkasteiung verfallen, sollte die Reparatur nicht auf Anhieb klappen. Vielleicht ein kraftvolles Wort und dann mit neuem Fleiße an die gleiche alte (Äh? ) schöne Sache....
(ist auch etwas das man lernen kann. )

Zitat von Procuratrix:
Es fühlt sich zur Zeit so an, als hätte ich genug von all dem. Ich habe keine Lust mehr darauf, dies alles zu spüren. Ich möchte leichter durchs Leben gehen können und bin ja auch bereit, dafür an und mit mir selbst zu arbeiten. Nur komme ich nicht weiter. Seit über einem halben Jahr trete ich auf der Stelle.


Lass uns "mal kurz" ein "Spielchen" machen:
Erinnere dich bitte mal an zwei Situationen aus deinem Leben. Eine, die dich geärgert oder runter gezogen hat und eine, die dir Glück, Freude oder sonst etwas Positives bescherte.
Schließe nun folgend die Augen und stelle dir die ärgerliche Situation vor. Erinnere dich an das was du erlebtest, fühltest. Und achte genau darauf, wie du dich fühlst, wenn die Augen wieder öffnest.
Nun das gleiche Vorgehen mit dem positiven Erleben. Erinnere dich an das was du erlebtest, fühltest. Achte auch hier genau darauf, wie du dich fühlst, wenn die Augen wieder öffnest. UND, vergleiche die Gefühle nach dem ersten und zweiten Versuch.

Ich denke, dir wird auffallen, dass du dich nach dem ersten Versuch dich relativ schlecht fühltest, der Zweite dich dann wieder heraus holte. Dies hängt damit zusammen, dass unser Geist/Körper nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden kann. Das Erlebte wird mit den damaligen Emotionen abgespeichert und ebenso wieder aufgerufen.

Dies bedeutet aber auch, dass die Arbeit am Negativen der Vergangenheit auf die Zeiten der Therapie und vielleicht gezielter Hausaufgaben beschränkt bleiben sollte. Das du weiter die verbleibende (den größeren Anteil deiner) Zeit gezielt den Dingen widmen solltest, die du in dein Leben holen wirst. Nachdem ich davon ausgehe, du willst Positives reinholen....?
Dies klingt aber leichter als getan. Wir sind "dahin erzogen" zuerst das Negative, die vermeintliche Gefahr zu sehen. Unsere Gedanken bewusst auf das Positive zu richten ist ein ziemlicher Lernprozess...

Um auf das Thema "zerrissen" zurück zu kommen, auch meinem Eindruck der zu vielen Fronten: Wenn ich merke, ich beginne mich zu verzetteln, greife ich mir einfach einen Zettel und schreibe die Baustellen oder Fronten auf. Einfach ungeordnet wie sie mir in den Sinn kommen. Der Zettel bleibt in meiner Nähe, weil mir zumeist lange nicht alles auf Anhieb einfällt.
Im zweiten Schritt greife ich mir die 10 leichtesten oder am schnellsten zu erledigenden Punkte heraus. Ordne sie nach Leichtigkeit oder am Schnellsten zu erledigen. Der einfachste Punkt wird oben auf ein frisches Blatt geschrieben, danach der zweitleichteste.... Grund? Damit habe ich mir einen Arbeitsplan erstellt an dem ich mich weiter hangeln kann.
3. Nehme ich mir wieder einen frischen Zettel (lohnt sich natürlich nicht bei Sachen, welche in Minuten erledigt wären) schreibe den 1. Punkt oben drüber und beschreibe, wie ich ihn erledigt wissen will. Dabei formuliere ich nach Art einer Affirmation. Vorteil; ich habe einmal eine Art Richtlinie wie gut diese Arbeit werden soll, die Affirmationen wirken direkt positiv auf mein U-Bewusstsein.

Gerade las ich den Beitrag von Stephan1983. Ich finde seinen Vorschlag sehr gut. Derlei kenne ich zwar nicht von Psychologen, sondern von Uni und verschiedenen Seminaren, aber ich war über die Ergebnisse sehr positiv überrascht. (Auch wenn ich - zugegeben - anfänglich eher widerwillig mit machte.... )

P.S.: Wenn du von meinen Vorschlägen etwas versuchst, würde mich ein Feedback freuen....

21.09.2019 13:22 • x 4 #15


Zitat von Icefalki:
Und wenn man sich verändert, dann reagiert das Umfeld und nicht gerade positiv.


ja, das habe ich festgestellt. Du beschreibst im Grunde mein Problem. Diese Ablehnung, meine daraus entstehende Unsicherheit. Dann frage ich mich eben, ob ich womöglich zu hart vorgegangen bin. Andererseits merke ich langsam, dass ich wirklich nicht sehr viel auf die Reaktionen und Meinungen meiner Familie / der Familie meines Mannes geben sollte, denn im Prinzip sind das alles unreflektierte erwachsene Kinder, die es neben mir sehr bequem hatten und jetzt natürlich den Status quo erhalten wollen (natürlich werde ich das nicht so pauschaliert anwenden, sondern weiterhin behutsam und achtsam bleiben)
Ich höre bei dir heraus, dass ich geduldig sein soll. Einfach weiter machen und aus jedem "Fehler" lernen soll ohne es erzwingen zu wollen.

Zitat von Icefalki:
Weisst du, wenn man das mal geschafft hat, diese echte Akzeptanz seiner Einschränkungen, dann verursachen Symtome keinen Weltuntergang mehr.

das ist ja ein Ziel, das wiederum hilft durchzuhalten. Danke.

Zitat von Stephan1983:
Deine Verhaltensweisen und Körpersprache in Bezug auf deine Familie und Arbeitskollegen mal nach zuspielen und aufzunehmen. Ich habe das mit meinem Therapeuten auch gemacht. Und es hat mir sehr geholfen. Zu sehen auf der Aufnahme wie ich nach aussen hin wirke und mich gebe.


Danke, das halte ich für einen wirklich guten Tipp. Meine Therapeutin wendet die Psychoanalyse nach Freud an... ich glaube, das geht nicht, aber ich kann ja fragen und wenn nicht, werde ich mich mal auf die Suche nach einen Workshop machen. Wird bestimmt helfen.

Zitat von Daisho:
Der Begriff "Selbstkritik" oder auch "Kritik" wird leider nur zu oft und gerne missverstanden. Bzw. falsch verwendet. Kritik bedeutet eindeutig NICHT, sich selber oder Andere runter zu machen, sollte auch nicht so empfunden werden.
Kritik - oder Selbstkritik - bedeuten einfach nur, da ist etwas nicht - oder nicht so - gelaufen ist, wie es hätte können.


Das habe ich schon bei icefalki nicht ganz verstanden. Ich meine nicht, dass ich nicht wüsste was Selbstkritik ist und frage mich, warum ihr dies im Zusammenhang mit mir erwähnt. Seid ihr der Auffassung, ich erscheine nicht selbstkritisch genug? Ich habe eher den Eindruck, manchmal zu selbstkritisch zu sein und lernen zu müssen, mich nicht komplett in meine Höhle zurückzukritisieren, um eben handlungsfähig zu bleiben

Zitat von Daisho:
Dies bedeutet aber auch, dass die Arbeit am Negativen der Vergangenheit auf die Zeiten der Therapie und vielleicht gezielter Hausaufgaben beschränkt bleiben sollte. Das du weiter die verbleibende (den größeren Anteil deiner Zeit gezielt den Dingen widmen solltest, die du in dein Leben holen wirst. Nachdem ich davon ausgehe, du willst Positives reinholen....?
Dies klingt aber leichter als getan. Wir sind "dahin erzogen" zuerst das Negative, die vermeintliche Gefahr zu sehen. Unsere Gedanken bewusst auf das Positive zu richten ist ein ziemlicher Lernprozess...


Ja, ich weiß was du meinst. Es ist wirklich schwer die Gedanken in die Schranken zu weisen. Ich versuche es. Du meinst, ich soll mich an positive Situationen erinnern um eine positive Grundstimmung zu erzeugen, sodass es leichter wird, die Gedanken auf positives zu lenken. Das werde ich mir als morgendliche Übung mal vornehmen. Der Tag beginnt bei mir idR mit dem Gedanken an die Leere in meiner Ehe, die ich dann mit dem Gedanken "reiss dich zusammen" wegschiebe und meinen Pflichtenkatalog vor mir abspiele - keine gute Startbedingung. Jetzt werde ich mich bewusst an eine schöne Situation erinnern.

Zitat von Daisho:
Wenn ich merke, ich beginne mich zu verzetteln, greife ich mir einfach einen Zettel und schreibe die Baustellen oder Fronten auf. Einfach ungeordnet wie sie mir in den Sinn kommen. Der Zettel bleibt in meiner Nähe, weil mir zumeist lange nicht alles auf Anhieb einfällt.
Im zweiten Schritt greife ich mir die 10 leichtesten oder am schnellsten zu erledigenden Punkte heraus. Ordne sie nach Leichtigkeit oder am Schnellsten zu erledigen. Der einfachste Punkt wird oben auf ein frisches Blatt geschrieben, danach der zweitleichteste.... Grund? Damit habe ich mir einen Arbeitsplan erstellt an dem ich mich weiter hangeln kann.
3. Nehme ich mir wieder einen frischen Zettel (lohnt sich natürlich nicht bei Sachen, welche in Minuten erledigt wären) schreibe den 1. Punkt oben drüber und beschreibe, wie ich ihn erledigt wissen will. Dabei formuliere ich nach Art einer Affirmation. Vorteil; ich habe einmal eine Art Richtlinie wie gut diese Arbeit werden soll, die Affirmationen wirken direkt positiv auf mein U-Bewusstsein.

das ist ein wirklich toller Tipp! ich glaube, mir wird das sehr helfen. Daran werde ich mich gleich versuchen.

Ich bin diese und nächste Woche beruflich ziemlich eingespannt und muss verreisen. Ich werde versuchen eure Tipps umzusetzen und werde immer mal wieder berichten.

22.09.2019 09:00 • x 1 #16


Daisho
Hallo Procuratrix
Zitat von Procuratrix:
Ich habe eher den Eindruck, manchmal zu selbstkritisch zu sein und lernen zu müssen, mich nicht komplett in meine Höhle zurückzukritisieren, um eben handlungsfähig zu bleiben

Genau das - "zu selbstkritisch" - war meine Befürchtung. Ich denke auch die von Icefalki.
Kritik - egal aus welcher Richtung - sollte nur bedeuten, da hat etwas nicht geklappt, da muss man noch mal nach schauen, warum. Auch der Begriff "Fehler" sollte nicht schrecken. Fehler sind natürlich und NOTWENDIG. Eher als positive Herausforderung anzusehen. Nichts, von dem man sich niederschmettern lassen muss. Im Gegenteil sind sie ein Teil unseres Lernprozesses. Und so neutral, besser noch positiv sollten wir sie auch betrachten. (Ende der 80er habe ich finanztechnische Programme geschrieben. Mit der Zeit wurde es immer langweiliger. Es sei denn, es unterlief mir ein Fehler. Dann habe ich oft Nächte an diesem gesessen und war ganz enttäuscht, wenn die Sonne aufging... Aus Fehlern habe ich letztlich mehr gelernt als aus den ganzen Fachbüchern)

Kritik wird aber nur zu oft von "kleinen Menschen" dazu genutzt um andere Menschen noch kleiner zu drücken. Da heißt es dann nicht, "das hat noch nicht geklappt, wie es könnte", sondern "du kannst das nicht!" " Du bist unfähig" und mehr. Das kenne ich auch aus meiner eigenen Jugend. Habe auch damit zu kämpfen gehabt. Kennst du sicher, wenn man als Kind gesagt bekommt, du bist zu klein, du kannst das nicht etc....

Schlimm wird es allerdings erst wirklich, wenn man selber so von sich zu denken beginnt. Vielleicht von anderen kleinen Menschen zu oft gehört hat, wie klein man doch selber sein soll.

Zitat von Procuratrix:
Ja, ich weiß was du meinst. Es ist wirklich schwer die Gedanken in die Schranken zu weisen. Ich versuche es.

Die Gedanke in die Schranken zu weisen, brauchst du nicht mal. Es reicht sie zu lenken, bzw. um zu lenken! Grundlagen in der Physik kennst du doch? Was braucht mehr Energie, eine bewegte Masse zu stoppen, oder sie ab zu lenken?
Auch, was dein "Ich versuche es" betrifft: Ein kleines Spielchen?
Du hast doch sicher einen Wunsch, ein Ziel, welches du schon länger mit dir herum trägst, nicht war? Nun schließe mal die Augen, stelle dir deinen Wunsch vor und sage dir innerlich "Ich hoffe, ich erreiche es!" Spüre der Kraft der Worte hinterher.

Nun schließe noch mal die Augen, stelle dir deinen Wunsch vor und sage dir innerlich "Ich weiß, ich erreiche es!" Spüre auch hier der Kraft der Worte hinterher. Spürst du einen Unterschied?

Zitat von Procuratrix:
Du meinst, ich soll mich an positive Situationen erinnern um eine positive Grundstimmung zu erzeugen, sodass es leichter wird, die Gedanken auf positives zu lenken.

Das ist der Anfang. Besser wird es, wenn du bei Tagesbeginn schon etwas hast, auf das du dich freust.
Zitat von Procuratrix:
Vorteil; ich habe einmal eine Art Richtlinie wie gut diese Arbeit werden soll, die Affirmationen wirken direkt positiv auf mein U-Bewusstsein.


Die "drei Zettel" sind übrigens nur der Beginn einer sehr erfolgreichen Technik. Ich verwende inzwischen ein DIN A 6 Notizbuch, welches ich immer dabei habe. Wenn du mit diesem Teil zurecht kommst, können wir durchaus erweitern.

Viel Erfolg

22.09.2019 10:11 • x 2 #17


Icefalki
Zitat von Procuratrix:
ja, das habe ich festgestellt. Du beschreibst im Grunde mein Problem. Diese Ablehnung, meine daraus entstehende Unsicherheit. Dann frage ich mich eben, ob ich womöglich zu hart vorgegangen bin. Andererseits merke ich langsam, dass ich wirklich nicht sehr viel auf die Reaktionen und Meinungen meiner Familie / der Familie meines Mannes geben sollte, denn im Prinzip sind das alles unreflektierte erwachsene Kinder, die es neben mir sehr bequem hatten und jetzt natürlich den Status quo erhalten wollen (natürlich werde ich das nicht so pauschaliert anwenden, sondern weiterhin behutsam und achtsam bleiben)
Ich höre bei dir heraus, dass ich geduldig sein soll. Einfach weiter machen und aus jedem "Fehler" lernen soll ohne es erzwingen zu wollen.


Was du beschreibst, kenne ich auch sehr gut. Hat auch damit zu tun, dass Familie nochmals auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt ist, die viel persönlicher ist, als jetzt mal leger gesagt, der Rest der Welt.

Und jetzt das Thema Selbstkritik. Wenn man sich weiter entwickelt, verändert man sich. Jetzt zu erwarten, dass das verstanden wird, dass jeder damit umgehen kann, ist nicht möglich. Deshalb hängst du jetzt fest. Selbstkritik heisst, dass du erkennst, dass es an dir liegt, jetzt diese Schwierigkeiten zu haben, kann man auch ganz gelassen auf sich wirken lassen. Das ist der 1. Schritt.

Der 2. Schritt ist, dir erstmals Zeit zu lassen (Geduld) , um wirklich in aller Ruhe alles zu bedenken. Und vergiss auch nicht, dass Emotionen dich hin- und herreissen werden. Deshalb, hab Geduld, lass Emotionen zu, suche das Gespräch, bemühe dich um Lösungen, such die Auseinandersetzung.

3. Dieser Weg bringt dich dann zu einer Erkenntnis, die du dann auch vor dir vertreten kannst.

Ich erlebe das auch bei mir. Und erlebe, dass ich ziemlich hart sein kann, wenn ich erkenne, dass mich Situationen überfordern, triggern, mich herabsetzen. Allerdings erkenne ich auch, dass andere unmöglich wissen, warum das bei mir so ist. Also erkläre ich mich. Ich tu dann wirklich alles, um anderen die Möglichkeit zu geben, meine Verletzlichkeit zu verstehen, bzw. akzeptiere dann auch deren Sicht. Im Idealfall kommen wir zu einem gegenseitigen Konsens.

Geschieht das nicht, überlege ich mir den zukünftigen Umgang mit diesen Personen. Selbstkritisch natürlich und wissend, dass ich damit die Entscheidung treffe. Also auch die Konsequenz daraus zu tragen habe. Ergo, was ist mir mein Seelenheil oder meine hochkomplizierte Psyche wert?

Gell, nicht einfach. Kein Wunder, dass andere manchmal überfordert mit uns sind. (Selbstkritik). Und wir selbst natürlich auch. Grins.

Drum, hab Geduld mit dir und anderen, bis sich eine Lösung abzeichnet. Die kommt immer, und zwar deshalb, weil wir uns damit auseinandersetzen.

22.09.2019 10:31 • x 4 #18




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler