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1000miles

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Hallo liebes Forum,

ich Versuch schon seit Monaten rauszufinden was mit mir los ist. Von den Psychiatern/Therapeuten hab ich mich bis jetzt nie richtig verstanden gefühlt erst als ich bei meiner Eigenrecherche über Sozialphobie gelesen hab dachte ich das ist es und war erstmal erleichtert dass es vielen ähnlich geht (sorry, ich wünsch es euch nicht).
Nun ist es bei mir so dass ich bei meiner engen Familie und etwa 3 guten Freundinnen ganz normal sein kann. Offen, witzig, nicht viel nachdenken. Bei allen anderen, auch jahrelangen Klassenkameraden, Cousins, Arbeitskollegen ist das nicht so. Mal gibts bessere Phasen, mal ganz schlechte wo ich nur still bin und hoffe nicht wahrgenommen zu werden. Ich hab das fast zu gut im Griff - unterdrücke Niesen, schaffs lange nicht aufs Klo gehen zu müssen (man könnte mich ja ansehen wenn ich aufstehe) usw usw.

Fakt ist niemand kennt mich wirklich, die Leute denken ich bin hald einfach schüchtern und halten mich für seltsam. Ich schaffs nicht Freundschaften aufzubauen bei denen ich über alles reden kann, nur oberflächlich (zusammen ausgehen und dank Alk. lockerer sein).
Und das macht mich immer einsamer und ich hasse mich dafür dass ich mir selbst alles verbaue.
Nun da ich einen Namen für dieses Phänomen habe würde ich es irgendwie gerne loswerden, ich möchte dass die Leute wissen warum ich so drauf bin - aber gleichzeitig will ich kein Mitleid und schon gar nicht im Mittelpunkt stehen! Ich denk auch dass es wahrscheinlich auch gar niemand wirklich interessieren würde. Ich hab zwar oft gehört du redest ja nie was oder hab gar nicht bemerkt dass du auch da bist (ich weiß ist nicht böse gemeint aber tut weh. ) aber richtig gefragt warum ich so bin/was los ist wurde ich nur von einer Person - und was hab ich gemacht? Nicht mehr rausgebracht als ich weiß nicht. Die Tatsache dass sich jemand Gedanken über mich macht und sich offensichtlich für mich interessiert hat das ganze tausendmal verschlimmert (hatte nie eine Beziehung, nichtmal ein Date oder irgendwas) und mittlerweile hält er mich für arrogant und will wahrscheinlich nichts mehr von mir wissen.

Ich bin echt am Verzweifeln. nur noch daheim, richtig depressiv. habt ihr vielleicht irgendwelche Tips? Erfahrungen damit , offen zu sein und darüber zu reden? Auch wenns ne Riesen Überwindung ist weil es ja wieder ganz falsch rüberkommen könnte.

Danke schonmal fürs durchlesen!

24.06.2019 22:22 • 08.10.2019 #1


8 Antworten ↓


Karl Hoffmeiste.


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Es ist von Dir aus ein Schutz wie Du bist. Du nimmst vielleicht auch nicht wahr das die anderen Dich akzeptieren in deiner Art dich ihnen zu zeigen. Eine Sozialphobie ist vielleicht in deiner Situation auszudrücken ein Schutz deiner Persönlichkeit.
Man kann es auch so ausdrücken - wenn Du nicht besser sein kannst als die anderen bist Du eben anders in deiner persönlichen Art und das ist vielleicht auch gut so.

Karl

24.06.2019 22:46 • #2


-Leeloo-

-Leeloo-


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Hallo 1000miles, es geht bestimmt anderen auch ähnlich. Wenn sich jemand wirklich für dich interessiert, ist es doch toll, wenn er fragt, was mit dir los ist. Andererseits hast du vielleicht Angst, es zu erklären, weil du befürchtest, dass sich diese eine Person vielleicht auch von dir distanzieren würde? Im Prinzip interessiert es die meisten Menschen nicht wirklich, wie es dir geht, wenn man mal gefragt wird, wie es einem geht. Ich habe mal einen Test gemacht und festgestellt, dass die, denen es "gut" geht, einen Ausweg suchen, um nicht weiter darauf eingehen zu müssen/wollen.
Denen es "schlecht" geht, sind eher bereit, zu reden und vielleicht erleichtert, dass sie nicht allein sind.

Zu deinem Abschnitt: "Auch wenns ne Riesen Überwindung ist weil es ja wieder ganz falsch rüberkommen könnte."
Kenn ich sehr gut. Ich habe oft Schwierigkeiten, es genau so zu erklären, wie ich was empfinde. Du kannst der Person genau das sagen, dass es dir schwer fällt, es so zu erklären, dass es richtig verstanden wird. Dann ist es sicher leichter und die Person nimmt es positiv auf, wenn echtes Interesse besteht. Oder aber, du schreibst es auf, dann hast du mehr Zeit zu überlegen, wie du dein Befinden erklären möchtest und es fällt dir vielleicht leichter. Das Geschriebene kannst du dir dann verinnerlichen und dann im Gespräch erläutern oder der Person das Geschriebene als Brief geben und sagen, dass du es aufgeschrieben hast, weil es dir schwer fällt, dich auszudrücken im Gespräch.

25.06.2019 07:30 • x 1 #3


1000miles


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Hallo Leeloo, danke für die Antwort.

Ja es ist auf jeden Fall die Angst abgelehnt zu werden die mich davon abgehalten hat offen zu sein. Ich Versuch immer quasi alles an mir zu verheimlichen, nichts persönliches Erzählen, keine Meinung und Überzeugung äußern aus Angst dass es jemand nicht gut findet. Somit hab ich so vieles kaputt gemacht und bin einfach depressiv und hasse mich dafür.
Das jetzt im Nachhinein zu erklären scheint unmöglich aber etwas anderes fällt mir nicht ein also richtig aussichtslos das ganze...
Das mit dem Aufschreiben klingt immer so easy, hier zb anonym find ichs auch viel leichter zu schreiben wies mir geht als es auszusprechen aber ich hab bereits versucht einen Brief zu verfassen/ die Gedanken aufschreiben die ich loswerden will und es ist mir schon beim Schreiben so peinlich dass ich es gleich danach wieder vernichtet hab. :/

25.06.2019 21:33 • #4


Dontknowwhat


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Hey 1000miles,
ich verstehe dich zu 100% bin genau wie du ich denke das einzige was da helfen kann ist vielleicht eine Therapie, die meisten sind sogar erfolgreich..
Man muss sich aber auch erst mal dazu bringen, ich persönlich kann mir nicht vorstellen das ich mich dem Therapeuten öffne und er mir helfen kann
Was es aber auch gibt sind Selbsthilfegruppen wo andere die selben Probleme haben wie du und ich.. vielleicht ist es dort einfacher mal aus sich raus zu kommen.
Wie alt bist du denn? Melde dich gern mal bei mir!

Lg

27.06.2019 13:50 • x 1 #5


KoAL


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Du sprichst mir zu 100% aus der Seele mir geht es überhaupt nicht anders. Ich bin jetzt 18 Jahre und habe "nur" 3 enge Freunde worüber ich auch eher froh bin. Den Großteil meiner Freizeit sitze ich in meinem Zimmer (von meine Eltern auch genannt "Bunker") vorm PC.

In der Arbeit rede ich nur mit Kollegen denen ich auch vertraue über private Dinge. Mit den anderen nur wenn es wirklich notwendig ist z.B wenn ich etwas benötige, die sehen mich dann auch immer so verwundert an und denke sich wahrscheinlich: "OMG es spricht!" Ein Kollege fragt mich einmal warum ich so sensibel bin, und ich dachte mir nur so: "Was labberst du" bis ich mich mit dem Thema Sensibilität mehr auseinandersetzte und ich zum Entschluss gekommen bin das ich wirklich sensibel bin.

Genau wie du hatte ich ebenfalls noch nie eine Beziehung oder ein Date. Mit Frauen sprechen ist für mich die absolute Horrorvorstellung. Wenn ich auf einer Party bin, bin ich nicht im stande zu einer Frau hinzugehen und mit ihr zu reden. Über Social Media trau ich mich auch nicht mit Frauen zu schreiben.

Es ist die Angst das falsche zu sagen und die Angst vor Ablehnung die mich daran hindert mit den Großteil der Menschen zu Interagieren.

Sorry für den langen Text!

Lg

28.06.2019 21:55 • x 1 #6


1000miles


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Freu mich über jeden Kommentar!

Es ist echt zum verzweifeln, einerseits gehts mir am besten wenn ich einfach allein bin und nicht mehr unter Leute gehe, dann bleiben die Ängste und Unruhen aus aber das verzweifelt mich total und meine Familie dreht durch mit mir. Das tut mir auch wieder leid, und man wird einfach einsam und sieht keinen Sinn mehr am Leben....
ich weiß echt nicht wie das weitergehen soll, wurde die letzten Jahre immer schlimmer

30.06.2019 10:54 • x 1 #7


SozioDepp


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Zitat von 1000miles:
Freu mich über jeden Kommentar!Es ist echt zum verzweifeln, einerseits gehts mir am besten wenn ich einfach allein bin und nicht mehr unter Leute gehe, dann bleiben die Ängste und Unruhen aus aber das verzweifelt mich total und meine Familie dreht durch mit mir. Das tut mir auch wieder leid, und man wird einfach einsam und sieht keinen Sinn mehr am Leben.... ich weiß echt nicht wie das weitergehen soll, wurde die letzten Jahre immer schlimmer


Der Satz hätte auch von mir stammen können! Vor allem das mit den Eltern, die nicht wissen wie sie mir noch helfen können. Das lässt Sie dann auch verzweifeln. Aber ich gehe jetzt Dinge auch allein an, egal ob ich einsam bin oder nicht. Dann gehe ich eben gleich schwimmen, ja genau allein mit mir selbst. Hauptsache raus gehen und nicht zuhause gammeln,denn dann geht das Grübeln wieder los.

30.06.2019 11:18 • #8


gastgast


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Bin generell für Offenheit , aber es laufen doch viele Idioten rum.
Aber gerade gegenüber engen Kontakten es bitte einfach aussprechen, auch wenn man sich wiederholt.
Ein Freund von mir ist starker Sozialphobiker, oft weiss ich nicht was los ist bzw komme
leider erst hinterher drauf , was das Problem war. Kommunikation erleichtert das Leben ungemein!
Lange Zeit wusste ich nicht, dass er so krasse Ängste hat, dachte halt dann,
er ist schüchtern und interessiert sich nicht für meine Freunde und ist manchmal ziemlich unhöflich.
Ich war kurz davor den Kontakt sein zu lassen.
3 Monate später komme ich durch Andeutungen seinerseits drauf, was Sache ist und
dass ich für eine einzige Herausforderung bin. Das hätte man auch viel eher klären können!

So idiotisch: Warum sich deswegen schämen?
Klar , es passt nicht in unsere Leistungsgesellschaft, aber Sozialphobie ist so verbreitet.

Und: Je weniger man drüber spricht und das Problem in der Gesellschaft sichtbar macht, desto weniger
wird auch in die Forschung investiert!

Gerade eben • #9



Dr. Reinhard Pichler


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