Hallo Ihr Lieben "Mitkämpfer",

ich (23) habe mal eine (zugegeben dumme) Frage;

ich habe gute 1,5 Jahre Seroxat (Dosis 20mg/Tag) gegen meine Panikattacken bekommen. Lief auch sehr gut. Dann war meine Therapie zu Ende und die Krankenkasse hat mir weder neue Sitzungen (war bis dato auch kein "Erstbesucher" sondern schon 3x in Therapien) noch das Seroxat bezahlt, welches ich daraufhin auch bald schleichend abgesetzt hatte. (OHNE ENTZUGSERSCHEINUNGEN,WOHLGEMERKT!!) Aber es war auf Privatrezept einfach zu teuer.

Das ist jetzt ca. 7-8 Monate her. Aufgrund einer kleinen Verschlechterung meines Zustandes wollte ich vor ca. 1 Monat wieder mit Seroxat anfangen. Ein Neurologe hat mir daraufhin das (anscheinend günstigere) Paroxetin mit offensichtlich gleichem Inhalt verschrieben.

Schön und gut, aber nach 4 Tagen ging es mir so dermassen be**ssen, dass ich nun seit ca. 3 Wochen den üblesten Rückfall meines Lebens hatte.
So, endlich die Frage; kann es denn sein dass ich SEROXAT vertrage und PAROXETIN nicht? Obwohl das gleiche "drin ist"? Ist doch irgendwie komisch, oder? Kann natürlich auch andere Gründe für die arge Verschlechterung geben, aber ich dachte vielleicht liegt es ja doch am Medikament. (Ich habe es nach den 4 Tagen übrigens erst mal wieder abgesetzt)
Im Voraus schon mal vielen Dank für Eure Hilfe -
Gruss und "Kopf hoch" an alle -
JESSICA

10.03.2004 20:14 • 17.03.2004 #1


3 Antworten ↓


Liebe Jessica,
ich glaube nicht, dass es zusammenhänge der Wirksamkeit bei verschiedenen Herstellern gibt, habe selbst Seroxat ( Paroxetin) über fast 6 Jahre genommen, in denen es mir recht gut ging. Es ging mir glaube ich zu gut, denn die restlichen Nebenwirkungen, die bis zum Schluß blieben, veranlassten mich das Medikament abzusetzen, heute bin ich schlauer oder auch nicht, denn ich wechselte nach Rückkehren meiner Ängste und Depressionen, (ca 3 Monate nach absetzen von Seroxat) auf Citalopram, soll angeblich weniger Nebenwirkungen haben, auch das setzte ich wieder ab und fing es wieder an, genau wie du und ich musste leider erfahren, dass sämtliche Eingangssymptome die ersten 3- 4 Wochen wieder da waren, kann nur raten halte durch und stell dich drauf ein es am Besten ewig zu nehmen.

Gruß Rene´

16.03.2004 22:55 • #2


HI Rene,

danke für Deine mail.
Was ist denn Citalopram für ein Medikament? Ist das auch für den "serotonin-fluss" im Hirn ausgelegt?
Ich find das echt ne elendige Sache mit den Nebenwirkungen, da ich - wie gesagt - bei der ersten "Kur" nie welche hatte!

Ich kann mir kaum vorstellen, mein Leben lang mit blöden Medikamenten zu leben. Aber scheinbar muss es ja so.

Kannst Du mit Deiner Angst/Depressionen eigentlich einen Beruf ausüben?

Liebe Grüsse
Jessica

17.03.2004 23:19 • #3


Liebe Jessica,

mit dem Serotonin mußt du dir das so vorestellen, es wird gebildet über über Aminosäuren, die du auch in deiner täglichen Nahrung finden kannst, Bananen, Nüsse , Schokolade, u.s.w. sind hervorragende Vorstufen hierfür, es wird Tryptophan gebildet, welches weiter in deinen Gehirnstoffwechsel eingreifen kann, das allgemeine Zusammenspiel ist aber sehr kompliziert und selbst die Wissenschaft ist noch nicht soweit, es persönlich bezogen auseinanderhalten zu können. Das Noradrenalin bis hin zum Melatonin sind auch Stufen die da mitspielen sollen. Es ist wie ein feines Uhrwerk was laufen soll. Wenn du z.B. durch Depressionen oder Angst ständig irgendwelchen Gedanken ausgesetzt sein solltest, wird dieses Zusammenspiel schon geschmälert, da viel Serotonin verbraucht wird. Ein Serotoninwideraufnahmehemmer, wie z.B. Seroxat oder Citalopram, Zoloft, u.s.w. soll dafür sorgen dort ein Türchen aufzustellen, damit nicht mehr soviel von z.B. Serotonin verbraucht wird, du hast dann wieder mehr dieses Glückshormons zur Verfügung um deinen Tag zu erleben und zu gestalten. Ist diese Harmonie der Hormone aus dem Gleichgewicht gelangt, kann es passieren, dass sämtliche Gehirnsteuerungen ein klein wenig verrückt spielen, man wird depressiv, unerklärlich ängstlich, Herzrasen, Schwindel, schwitzen, Hungergefühle obwohl man gerade gegessen hat, Kloß im Hals, einfach daneben u.s.w. kennt man das nicht kann es einen schon arg beunruhigen und man fühlt sich noch schlechter als es einem schon geht.
Es liegt aber an den Ärzten, zu probieren, welche Konzentration eines Medikamentes dich wieder in ein gehirnstoffwechseltypisches Gleichgewicht bringen kann, es ist auf jeden Fall möglich, denn wie ich schon erlebte ging es mir 6 Jahre mit Seroxat super, das Folgemedikament Citalopram ist auch nicht schlecht, aber man hat diesem Medikament einige Hirnstoffwechsel wichtige Komponenten entzogen, damit weniger Nebenwirkungen auftreten, also es werden im Grunde immer breitbandwirkende Medikamente verordnet, bei Citalopram hab ich das Gefühl, dass einige der wichtigen Bestandteile die mir beim Seroxat geholfen haben, fehlen. Aber wir sind alle so verschieden, es kann sein dass du mit einem anderen Medikament ähnlicher Form sehr zufrieden sein kannst und wieder vollkommen ins Gleichgewicht kommst.

Wünsch dir alles Liebe und gute Genesung,
darfst mich auch gerne mal persönlich an Mailen,

Gruß Rene´

18.03.2004 00:31 • #4





Dr. Reinhard Pichler