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Liebes Forum,

ich wusste nicht, wo ich mein Anliegen hin packen soll und die bestehenden Fragen zu diesem Thema schienen mir alle sehr spezifisch. Falls das zu einem bestehenden Thema gepasst hätte, verzeiht mir das bitte.

Mein Selbstwertgefühl ist sehr gering und ich weiß nicht, wie ich das steigern kann. Selbstbewusstsein habe ich hingegen schon und bin mir über meine Stärken und Schwächen, was ich bereits erreicht habe etc. im Klaren. Allerdings fühle ich mich als Person dennoch wertlos. Unabhängig von meinen Erfolgen, was ich gut kann usw. bin ich irgendwie davon überzeugt, nicht gut genug zu sein. Das ist nicht nur aufgrund der Minderwertigkeitsgefühle als solche belastend, sondern auch, da sich das im Alltag und im Umgang miteinander niederschlägt.

Ich würde mich über Anregungen und den Austausch mit euch freuen.

Viele Grüße
Sonnenmädchen

11.08.2020 10:11 • 12.10.2020 #1


15 Antworten ↓


Lottaluft


Selbstwertgefühl - ich fühle mich als Person wertlos

x 3


Hallo Sonnenmädchen,

zunächst einmal: kein Mensch ist wertlos! Hierbei geht es nicht um Erfolge, Stärken oder Schwächen, sondern um die Person als solche. Und jeder Mensch ist auf seine ganz eigene Art wertvoll und liebenswert.

Hast du eine Idee wieso du selbst so von dir denkst? Wie äußert sich das denn im Umgang mit anderen?

Liebe Grüße

11.08.2020 11:05 • #3


Calima
Zitat von Sonnenmädchen:
bin ich irgendwie davon überzeugt, nicht gut genug zu sein.


Nicht gut genug worin?

11.08.2020 11:24 • #4


Hallo ihr,

danke für eure Antworten.

Zitat von Miezekätzchen:
Hast du eine Idee wieso du selbst so von dir denkst? Wie äußert sich das denn im Umgang mit anderen?


Warum ich so von mir denke, weiß ich nicht. In meiner Jugend hatte ich kaum Schwierigkeiten mit meinen Mitschülern und Gleichaltrigen. Es gab natürlich blöde Ereignisse, Zickereien usw., aber nichts wirklich dramatisches und ich wusste mich auch immer zu Wehren, wenn ich ungerecht behandelt wurde. Aber zu dieser Zeit war es auch noch nicht so schlimm wie heute. Damals war ich aufgeschlossener und habe für mich eingestanden. Es wurde eine Zeit lang mal übel über mich gesprochen und daraufhin habe ich mit vielen den Kontakt abgebrochen.

Im Umgang mit anderen bin ich sehr zurückhaltend. Was weiters nicht schlimm ist. Aber ich denke sofort schlecht von anderen Personen, bin misstrauisch und gebe ihnen kaum eine Chance mich vom Gegenteil zu überzeugen. Meinem Freund gegenüber bin ich auch misstrauisch und zweifle daran, dass er ehrlich zu mir ist. Sogar meinen Eltern gegenüber bin ich misstrauisch und denke oft, dass das sowieso nur Gerede ist. Irgendwie kann ich niemanden glauben, dass er es gut mit mir meint und aufrichtig ist.

Außerdem traue ich mich oft nicht nein zu sagen und mache deshalb Dinge, die ich eigentlich nicht möchte.

Zitat von Calima:
Nicht gut genug worin?


Es geht nicht um das worin. Viele Sachen kann ich gut und viele Sachen kann ich nur schlecht und manche Sachen kann ich gar nicht. Das finde ich auch gar nicht schlimm, denn ich muss nicht in allem gut sein - keiner ist in allem gut. Ich bin nicht gut genug, als Mensch. Unabhängig von dem was ich kann oder nicht kann oder erreicht habe. Ich bin mir nicht sicher wie ich das beschreiben soll, sodass es verständlich ist. Aber dieses Gefühl hat nichts mit meinen Fähigkeiten zu tun.

Viele Grüße
Sonnenmädchen

11.08.2020 12:02 • x 1 #5


Calima
Zitat von Sonnenmädchen:
Aber dieses Gefühl hat nichts mit meinen Fähigkeiten zu tun.


Du beschreibst es als Gefühl - aber ist es das tatsächlich? In meinen Augen ist es ein Urteil, eine Bewertung - und damit etwas, was in deinem Kopf stattfindet. Du bewertest dich - warum auch immer - als nicht wertvoll genug, um Liebe zu verdienen.

Und hier greift das nächste Denkmuster: Das, welches besagt, dass man Liebe irgendwie "verdienen" müsse. Wenn man von dieser Prämisse ausgeht, entscheidet der eigene "Wert" darüber, ob man geliebt werden kann und darf. Solche Muster entstehen meist in frühester Kindheit dadurch, dass das Urvertrauen in die Liebe der Eltern und sonstigen Bezugspersonen sich nicht ausbilden kann.

Das ist nur bedingt nachzuholen, aber nicht unmöglich.

Du hast schon einen großen Schritt getan, indem du erkennen kannst, was du leisten kannst - oder auch nicht - und damit gut zurecht kommst. Auf das, was du leistest, hast du Einfluss, demzufolge klappt das auch in Sachen Selbstbewusstsein. Auf das, was andere von dir denken, kannst du nur bedingt Einfluss nehmen. Du kannst bestimmte Verhaltensweisen zeigen, von denen du weißt, dass sie grundsätzlich gut ankommen, aber du hat keine Kontrolle darüber, was in den Köpfen anderer Menschen passiert.

Das verunsichert dich. Und um Enttäuschung zu verhindern, bleibst du vorsichtshalber misstrauisch. Das Problem dabei ist, dass du dir nicht wirklich Enttäuschung ersparst. Du nimmst sie nur scheibchenweise vorweg, indem du erst gar nicht vertraust. Dadurch bist du quasi dauerenttäuscht.

Wenn du das ändern willst, musst du über deinen Schatten springen. Nach meiner Erfahrung kostet es weit weniger, Menschen ein Stück Vertrauen entgegenzubringen und manchmal hinzunehmen, dass es enttäuscht wird, als jedem mit Misstrauen zu begegnen. Daraus kann sich nichts wirklich Gutes entwickeln.

Selbst wenn dich von 10 Leuten 9 enttäuschen, gäbe es immer noch einen, der dein Vertrauter wäre. Wenn 10 Leute niemals eine Chance kriegen, bleiben es 10 Enttäuschungen.

11.08.2020 12:58 • x 3 #6


Calima, danke für deine Worte. Das was du schreibst, bewegt mich gerade sehr.

Zitat von Calima:
Das ist nur bedingt nachzuholen, aber nicht unmöglich.


Weißt du denn, wie man das nachholen kann bzw. was ich selbst dazu beitragen kann?

Zitat von Calima:
Wenn du das ändern willst, musst du über deinen Schatten springen.


In dieser Hinsicht bin ich bei dir - auch in deinem Vergleich, mit den zehn bzw. neun Enttäuschungen (das hast du toll dargestellt). Aber wie geht das mit dem Vertrauen? Wenn ich einer fremden Person, meinem Freund oder meiner Mutter gegenüber stehe und beschließe, dass ich jetzt vertraue, habe ich das Gefühl des Misstrauens ja immer noch. Wie kann man denn dagegen vorgehen?

Viele Grüße
Sonnenmädchen

11.08.2020 15:08 • #7


TomTomson
Hallo, es gibt hier ein paar Dinge die du tun kannst.

Erstens kann es sehr hilfreich sein herauszufinden, woher das ganze kommt. Gab es Ereignisse in deiner Kindheit, welche ein niedriges Selbstwertgefühl begünstigt haben, etwas das dir suggeriert hat du bist nicht gut genug oder nur bedingt gut genug?

Zweitens mach dir klar, dass du als Mensch genug und liebenswert bist, auch wenn du überhaupt nicht machst, mache dir das zuerst auf intellektueller Ebene klar, dass jeder Mensch und besonders auch du nichts leisten muss um gut genug zu sein, du bist bereits gut genug, einfach so wie du bist. Danach mache dir das ganze immer und immer wieder klar, das geht dann allmählich ins Unterbewusstsein über. Und benutze dabei keine Verneinungen, wenn du das täglich für dich wiederholst, unser Gehirn arbeitet leider nicht so gut mit Verneinungen.

Drittens lerne zu entspannen und die "falschen" Gedanken einfach loszulassen. Meditation ist hierbei so ziemlich das beste was du tun kannst. Setze dich irgendwo hin und versuche an nichts zu denken, und sobald ein Gedanke kommt, lasse diesen einfach ziehen ohne an ihm weiter rum zu denken. Es werden dabei immer wieder Gedanken hochkommen und je länger du das übst, desto einfacher wird es die Gedanken einfach ziehen zu lassen. Die Anspannung und das Misstrauen gegenüber anderen lässt dann auf Dauer allmählich nach und du wirst immer entspannter und zufriedener.

Liebe Grüsse und viel Erfolg

12.08.2020 08:13 • x 3 #8


Danke für deine Antwort, @TomTomson

Zitat von TomTomson:
Erstens kann es sehr hilfreich sein herauszufinden, woher das ganze kommt. Gab es Ereignisse in deiner Kindheit, welche ein niedriges Selbstwertgefühl begünstigt haben, etwas das dir suggeriert hat du bist nicht gut genug oder nur bedingt gut genug?


Nun, meine Eltern waren beide den ganzen Tag arbeiten und seitdem ich auf der Welt war, hat sich zumeist meine Großmutter um mich gekümmert. Erst am Abend war ich bei meinen Eltern und auch an den Wochenenden war ich meistens bei meiner Großmutter. Sie war nicht sehr zuverlässig. Meiner Großmutter ging es damals psychisch nicht sehr gut, wie ich heute weiß, und vermutlich war sie mit mir überfordert. Zu meinem Vater hatte ich nie so den Draht und als ich älter wurde hatte ich Schwierigkeiten mit meiner Mutter. Aber ob das miteinander zusammenhängt?

Zitat von TomTomson:
Zweitens mach dir klar, dass du als Mensch genug und liebenswert bist, auch wenn du überhaupt nicht machst, mache dir das zuerst auf intellektueller Ebene klar, dass jeder Mensch und besonders auch du nichts leisten muss um gut genug zu sein, du bist bereits gut genug, einfach so wie du bist.


Im Grunde genommen bin ich ja auch davon überzeugt, dass jeder Mensch wertvoll ist. Nur scheint das in meinem Geist für jeden zu gelten, außer mich selbst und alle scheinen mir liebenswerter zu sein, als ich es bin. Meinst du, ich soll mit Affirmationen arbeiten?

Zitat:
Drittens lerne zu entspannen und die "falschen" Gedanken einfach loszulassen. Meditation ist hierbei so ziemlich das beste was du tun kannst. Setze dich irgendwo hin und versuche an nichts zu denken, und sobald ein Gedanke kommt, lasse diesen einfach ziehen ohne an ihm weiter rum zu denken. Es werden dabei immer wieder Gedanken hochkommen und je länger du das übst, desto einfacher wird es die Gedanken einfach ziehen zu lassen. Die Anspannung und das Misstrauen gegenüber anderen lässt dann auf Dauer allmählich nach und du wirst immer entspannter und zufriedener.


Gibt es denn auch eine Technik, die man im Alltag anwenden kann, sobald die Anspannung bzw. das Misstrauen aufkommen? Eine Art Notfall-Sofort-Loslass-Maßnahme?

Viele Grüße
Sonnenmädchen

13.08.2020 08:18 • #9


Zitat von Sonnenmädchen:
Liebes Forum,ich wusste nicht, wo ich mein Anliegen hin packen soll und die bestehenden Fragen zu diesem Thema schienen mir alle sehr spezifisch. Falls das zu einem bestehenden Thema gepasst hätte, verzeiht mir das bitte.Mein Selbstwertgefühl ist sehr gering und ich weiß nicht, wie ich das steigern kann. Selbstbewusstsein habe ich hingegen schon und bin mir über meine Stärken und Schwächen, was ich bereits erreicht habe etc. im Klaren. Allerdings fühle ich mich als Person dennoch wertlos. Unabhängig von meinen Erfolgen, was ich gut kann usw. bin ich irgendwie davon überzeugt, nicht gut genug zu sein. Das ist nicht nur aufgrund der Minderwertigkeitsgefühle als solche belastend, sondern auch, da sich das im Alltag und im Umgang miteinander niederschlägt.Ich würde mich über Anregungen und den Austausch mit euch freuen.Viele Grüße Sonnenmädchen


Ich habe mit etwas ganz einfachem angefangen.
Jeden Abend vor dem Zubettgehen mindestens 3 Dinge aufschreiben, für die man an dem Tag dankbar war.
Das kann ein leckeres Frühstück oder ein Spaziergang im Wald sein, die Tatsache, dass die 5 Sinne funktionieren oder auch z.B. der nette Nachbar, der immer die Pakete für einen annimmt

So wird die Liste irgendwann immer länger und das Gefühl von Dankbarkeit tritt immer häufiger in Dein Leben und nach und nach fängt dann an, das Gute zu überwiegen und Du wirst gelassener, selbstreflektierter und baust Selbstachtung und Selbstrespekt auf

Zudem solltest Du wissen, dass nichts, ABSOLUT NICHTS, was jemand anderes zu Dir oder über Dich sagt, etwas mit Dir selbst zu tun hat, sondern immer nur mit der anderen Person.
Diese Person hat ein Problem mit sich selbst und lässt es - bewusst oder unbewusst - an Dir aus.
Ich kenne das von mir selbst, wenn ich gemein zu anderen werde.
Ich weiß danach, dass ich das Problem bin und nicht die andere Person.
Die andere Person triggert nur etwas, was längst in mir drin ist

Affirmationen sind übrigens auch was Tolles, helfen aber nur bedingt.
Wenn Du z.B. vor dem Spiegel stehst, 150kg wiegst und affirmierst: "Ich bin schlank und anziehend!", Dich aber genau wie das Gegenteil fühlst, bringt das nichts.
Deshalb würde ich Dir raten, nur Affirmationen auszusprechen, die für Dich authentisch klingen, z.B. "Ich bin genau so viel wert wie jeder andere Mensch auf dieser Welt" oder "Ich bin ein liebenswerter Mensch, denn (hier kannst Du Gründe aufzählen etc.)

Also eher Glaubenssätze erneuern...

13.08.2020 11:24 • x 3 #10


TomTomson
Ja Affirmationen sind nicht ganz so einfach, wenn es die richtigen Sätze sind, können sie sehr hilfreich sein, wenn es die falschen sind, können sie sogar schaden.

Zitat von Sonnenmädchen:
Gibt es denn auch eine Technik, die man im Alltag anwenden kann, sobald die Anspannung bzw. das Misstrauen aufkommen? Eine Art Notfall-Sofort-Loslass-Maßnahme?


Ich hätte jetzt gesagt, dass dies primär Übungssache ist, beim Meditieren geht es ja darum, alle Gedanken und Gefühle anzunehmen ohne sie zu bewerten, man beobachtet sie nur und genau dadurch verschwinden sie wieder. Also wenn du Angespannt bist und dir dann noch Vorwürfe machst oder es unbedingt weghaben willst, erreichst du genau das Gegenteil. Stattdessen solltest du das Gefühl einfach hinnehmen, so unangenehm es auch ist, ohne dir irgendwelche Vorwürfe zu machen, so wird es automatisch verschwinden. Oder anders ausgedrückt, hör auf es kontrollieren zu wollen, denn du kannst es nicht erzwingen, also kannst du dich genau so gut zurücklehnen und das Gefühl vorbeiziehen lassen.

Noch eine weitere Frage, was magst du denn nicht an dir? Was findest du an dir nicht liebenswert? Gefällst du dir optisch nicht? Passt dir deine Art nicht wie du mit deinen Mitmenschen umgehst? Findest du dich langweilig? Was müsstest du denn an dir verändern damit du in deinen Augen liebenswert bist?

13.08.2020 12:51 • x 1 #11


Danke schön für eure Antworten und Ratschläge.

Zitat von stefanieb:
So wird die Liste irgendwann immer länger und das Gefühl von Dankbarkeit tritt immer häufiger in Dein Leben und nach und nach fängt dann an, das Gute zu überwiegen und Du wirst gelassener, selbstreflektierter und baust Selbstachtung und Selbstrespekt auf


Das ist eine tolle Idee. Was machst du mit deiner Liste? Schaust du sie dir regelmäßig an?

Zitat von stefanieb:
Zudem solltest Du wissen, dass nichts, ABSOLUT NICHTS, was jemand anderes zu Dir oder über Dich sagt, etwas mit Dir selbst zu tun hat, sondern immer nur mit der anderen Person.


Wie gehst du denn mit Situationen um, in denen du dich vor den Kopf gestoßen oder angegriffen fühlst? Bleibst du dann gelassen und denkst dir, dass das Verhalten der anderen Person nur deren Schwierigkeiten widerspiegelt und nichts mit dir zu tun hat?

Zitat von stefanieb:
Deshalb würde ich Dir raten, nur Affirmationen auszusprechen, die für Dich authentisch klingen, z.B. "Ich bin genau so viel wert wie jeder andere Mensch auf dieser Welt" oder "Ich bin ein liebenswerter Mensch, denn (hier kannst Du Gründe aufzählen etc.)

Also eher Glaubenssätze erneuern...


Wie läufts das ab? Kann man die Affirmationen auch im Stillen sagen? Wie häufig sollte man sich damit beschäftigen?

Zitat von TomTomson:
Oder anders ausgedrückt, hör auf es kontrollieren zu wollen, denn du kannst es nicht erzwingen, also kannst du dich genau so gut zurücklehnen und das Gefühl vorbeiziehen lassen


Bedeutet das, dass man den Gedanken/das Gefühl akzeptieren und nich weiter darauf eingehen soll? Also so ähnlich wie ignorieren? Ich stelle mir das schwierig vor, denn die Gedanken/Gefühle bauen sich in Windeseile auf. Oder wird das mit etwas Übung einfacher?

Zitat von TomTomson:
Noch eine weitere Frage, was magst du denn nicht an dir? Was findest du an dir nicht liebenswert? Gefällst du dir optisch nicht? Passt dir deine Art nicht wie du mit deinen Mitmenschen umgehst? Findest du dich langweilig? Was müsstest du denn an dir verändern damit du in deinen Augen liebenswert bist?


Generell bin ich optisch schon mit mir zufrieden. Es gibt immer etwas, das einem an sich selbst nicht so gut gefällt, aber ich finde mich nicht unattraktiv. Aber es gibt Situationen, in denen ich mich dennoch unattraktiv fühle, z.B. wenn ich mich zurückgewiesen fühle. Das bezieht sich dann nicht auf ein bestimmtes Merkmal, sondern ist ganz allgemein. Obwohl ich in solchen Momenten genau so aussehe, wie sonst auch... Hoffentlich ist das verständlich.

An der Art, wie ich mit anderen umgehe, stört mich, dass ich sehr verschlossen und zurückhaltend und sehr voreingenommen bin. Häufig nehme ich auch vieles persönlich - nicht als Angriff auf meine Person, sondern eher als Bestätigung für das, was ich von mir selbst denke und bin dann insgeheim gekränkt.

Außerdem sehe ich vieles gleich negativ.

Langweilig finde ich mich nicht unbedingt und ich bin aktiv und abenteuerlustig. Unter der Woche ist aber kaum Zeit, etwas zu unternehmen und außer mit meinem Freund und meiner Schwester unternehme ich mit niemanden etwas.

Nun, wie ich gelernt habe, bin ich ja schon liebenswert so wie ich bin. Also muss ich an meiner Einstellung zu mir arbeiten Aber generell wäre ich gerne unvoreingenommener, aufgeschlossener und vor allem weniger misstrauisch.

Viele Grüße

13.08.2020 15:38 • #12


TomTomson
Zitat von Sonnenmädchen:
Bedeutet das, dass man den Gedanken/das Gefühl akzeptieren und nich weiter darauf eingehen soll? Also so ähnlich wie ignorieren? Ich stelle mir das schwierig vor, denn die Gedanken/Gefühle bauen sich in Windeseile auf. Oder wird das mit etwas Übung einfacher?


Also man hat ja quasi 3 Möglichkeiten mit seinen Gefühlen umzugehen. 1. Man lebt die Emotion aus, dies ist eigentlich das natürlichste nur leider funktioniert das erstens nicht immer und zweitens macht es häufig auch keinen Sinn. Vor allem Emotionen wie Wut oder Angst haben da häufig negative Folgen. Denn man kann ja nicht einfach immer davonrennen wenn einem eine Situation Angst macht oder bei einer Provokation den anderen beleidigen oder sogar körperlich gewalttätig werden macht in der Regel die Situation auch nur schlimmer als sie schon ist.
2. Man kann das Gefühl unterdrücken. Das ist leider das gängigste in der heutigen Gesellschaft, dass Gefühle die gerade als störend empfunden werden einfach beiseite geschoben und unterdrückt werden. Denn man will ja gegen außen hin funktionieren. Leider verschwindet das Gefühl dadurch nicht und es belastet einen ständig weiter.
3. Man akzeptiert das Gefühl und fühlt es aktiv. Man will das Gefühl nicht weghaben und akzeptiert, dass man sich nunmal in der Situation einfach so fühlt. Die Angst oder Wut ist da, man lebt das Gefühl nicht aus aber man versucht auch nicht das Gefühl beiseite zu schieben und so zu tun als wäre nichts.

Es ist ein schmaler Grad zwischen 2. und 3. aber du kannst es dir so vorstellen wenn du z.B. in einer Situation angespannt bist reagierst du momentan vielleicht so: Du fühlst dich ängstlich und verkrampft, dann denkst du dir, du darfst bzw. willst nicht verkrampft sein und strengst dich vielleicht umso mehr an damit man es dir nicht anmerkt. Dadurch setzt du dich dann unter noch mehr Stress weil du erstens das Gefühl unterdrückst und zweitens von dir noch verlangst zu "schauspielern".
Das Gefühl annehmen würde hingegen so aussehen. Du fühlst dich ängstlich und verkrampft, dann merkst du, oh ich bin gerade völlig angespannt. Aber du versuchst es nicht zu verstecken bzw. zu überspielen, du lässt es einfach zu und erlaubst dir ängstlich und verspannt zu sein, denn das vergeht schliesslich irgendwann. Du versuchst natürlich weiterhin in der Situation zu machen was für dich möglich ist aber nicht mit dem Gefühl unbedingt funktionieren zu müssen bzw. dir nichts anmerken zu lassen.

Fühlst du dich primär in Situationen unattraktiv bzw. nicht liebenswert wo diese negativen Gefühle aktiv sind, also wenn du dich z.B. angespannt fühlst? Fühlst du dich z.B. besser wenn du in Ruhe zuhause bist? Weil das ist etwas sehr natürliches, dass wir uns attraktiver bzw. liebenswerter fühlen und auch wahrnehmen, wenn wir uns wohl fühlen. So wäre es nicht verwunderlich, wenn dies bei dir einfach die Folge von den ängstlichen Gefühlen wäre. Und so wie du schreibst ist dies ja auch etwas das du gerne an dir ändern möchtest, dass du aufgeschlossener und offener bist. Ich denke du solltest dich primär darauf konzentrieren und ich vermute stark, dass dein Selbstwertgefühl als Folge davon automatisch ansteigen wird.

13.08.2020 16:49 • #13


Danke für deine Antwort @TomTomson

Zitat von TomTomson:
Das Gefühl annehmen würde hingegen so aussehen. Du fühlst dich ängstlich und verkrampft, dann merkst du, oh ich bin gerade völlig angespannt. Aber du versuchst es nicht zu verstecken bzw. zu überspielen, du lässt es einfach zu und erlaubst dir ängstlich und verspannt zu sein, denn das vergeht schliesslich irgendwann. Du versuchst natürlich weiterhin in der Situation zu machen was für dich möglich ist aber nicht mit dem Gefühl unbedingt funktionieren zu müssen bzw. dir nichts anmerken zu lassen.


Werden die Gefühle mit der Zeit weniger stark ausgeprägt, wenn ich sie zulasse? Wie verhalte ich mich, wenn man mir die Anspannung anmerkt? Beispielsweise, wenn ich meinem Freund gegenüber misstrauisch bin und er merkt, dass etwas nicht stimmt und nachfragt? Soll ich ihm dann sagen, dass ich mich im Moment misstrauisch fühle? Bzw. wie sollte man sich in solchen Situationen gegenüber Personen verhalten, mit denen man nicht nahe steht?

Zitat von TomTomson:
Fühlst du dich primär in Situationen unattraktiv bzw. nicht liebenswert wo diese negativen Gefühle aktiv sind, also wenn du dich z.B. angespannt fühlst? Fühlst du dich z.B. besser wenn du in Ruhe zuhause bist?


Wenn ich entspannt bin oder ich etwas unternehme und Spaß habe, mache ich mir darüber weniger Gedanken. Dann fühle ich mich einfach gut. Aber es beschleicht mich häufig ein negatives Gefühl, manchmal auch in ruhigen und schönen Momenten und dann fühle ich mich wieder nicht liebenswert, unattraktiv etc. Als wäre ich ein Problem. Dann kommt das aber seltener vor, als in stressigen Zeiten oder wenn es einen Auslöser gab. Aber wirklich los lässt mich das nie und leider kann schon eine Kleinigkeit als Auslöser dienen.

Viele Grüße und danke schön

14.08.2020 07:40 • #14


TomTomson
Zitat von Sonnenmädchen:
Werden die Gefühle mit der Zeit weniger stark ausgeprägt, wenn ich sie zulasse? Wie verhalte ich mich, wenn man mir die Anspannung anmerkt? Beispielsweise, wenn ich meinem Freund gegenüber misstrauisch bin und er merkt, dass etwas nicht stimmt und nachfragt? Soll ich ihm dann sagen, dass ich mich im Moment misstrauisch fühle? Bzw. wie sollte man sich in solchen Situationen gegenüber Personen verhalten, mit denen man nicht nahe steht?


Also vorweg möchte ich sagen, dass Misstrauen nicht zwangsläufig unangebracht ist, ich hatte z.B. früher auch einige "Freunde" denen ich nicht ganz getraut habe, aber das Gefühl war komplett gerechtfertigt, denn es waren entweder keine richtigen Freunde oder sie waren generell sehr unzuverlässig oder etwas zwielichtig. Selbst in der Familie können durchaus einige Personen sein, denen man zurecht nicht trauen sollte.

Es ist deshalb schwer eine generelle Antwort zu geben, wenn du merkst dein Gefühl des Misstrauens ist angebracht bzw. du hast einen guten rationalen Grund dazu Misstrauisch zu sein kannst du es, besonders deinem Freund gegenüber bestimmt ansprechen. Merkst du aber, dass dein Gefühl des Misstrauens nicht wirklich rational erklärbar ist und eher aus deiner eigenen Unsicherheit entspringt, dann ist das ganze schon schwieriger. Da hängt es stark von der anderen Person ab, ob es Sinn macht das ganze anzusprechen oder nicht. Ich denke bei deinem Freund könntest du es sicher mal aussprechen z.B. dass du etwas Mühe mit dem Vertrauen anderen gegenüber hast, denn es schadet in der Regel nicht wenn deine Mitmenschen wissen, was in dir vorgeht, ausser natürlich sie wollen dich manipulieren, aber ich denke das würdest du merken, wenn einer z.B. bewusst deine Schwächen ausnutzt. Doch die meisten Menschen freuen sich eher darüber und sind hilfsbereit.

Auf Dauer ist es natürlich etwas, das du mit dir selbst ausmachen musst. Denn die Gefühle werden ja von dir selbst ausgelöst. Die Gefühle lassen nach mit der Zeit, weil du lernst mit ihnen umzugehen. Daher wirken sie immer weniger überwältigend auf dich und verlieren dadurch auf Dauer an Intensität. Wenn du negative Gefühle verspürst ist die oberste Priorität immer, dass du mit dir selbst im Reinen bist, dass du dir selbst erlaubst dich jetzt so zu fühlen und du dich nicht verstellen musst.

14.08.2020 11:16 • #15


Zitat von Sonnenmädchen:
Das ist eine tolle Idee. Was machst du mit deiner Liste? Schaust du sie dir regelmäßig an?


Ja, wenn es mir mal nicht gut geht und am Jahresende so oder so, um mir rückblickend klar zu machen, wie schön mein leben eigentlich ist.


Zitat von Sonnenmädchen:
Wie gehst du denn mit Situationen um, in denen du dich vor den Kopf gestoßen oder angegriffen fühlst? Bleibst du dann gelassen und denkst dir, dass das Verhalten der anderen Person nur deren Schwierigkeiten widerspiegelt und nichts mit dir zu tun hat?


Ich fühle mich weder angegriffen, noch vor den Kopf gestoßen.
Ich beobachte nur achtsam mein Gegenüber und finde es allerhöchstens interessant, wie unterschiedlich Menschen doch sein können.
Oft habe ich Mitgefühl für die andere Person, da sie wirklich arg verletzt sein muss, wenn sie es nötig hat, einer andere Person zu verletzen.


Zitat von Sonnenmädchen:
Wie läufts das ab? Kann man die Affirmationen auch im Stillen sagen? Wie häufig sollte man sich damit beschäftigen?]


Nach Gefühl.
Ich sage mir ganz oft, wenn mal was nicht so läuft wie gewünscht, dass so oder so am Ende wieder mal alles gut wird.
Alles wird gut!


Zitat von Sonnenmädchen:
Werden die Gefühle mit der Zeit weniger stark ausgeprägt, wenn ich sie zulasse?]


Sie sind wie weinende Kinder, die Du immer ignoriert hast und jetzt langsam beginnst, ernst zu nehmen.
Sie werden mit der Zeit nicht mehr so lange und laut weinen, sondern sich - wenn Du Dich ihnen bewusst widmest - schnell beruhigen und Kompromisse mit Dir eingehen.
Du lernst, mit ihnen umzugehen und weißt irgendwann, was gut für sie ist.

12.10.2020 19:07 • #16



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