Hallo ihr Lieben,
lange habe ich überlegt mich hier anzumelden. letztlich habe ich es nun doch getan, da ich hoffe meinen Leidensdruck im Austausch mit eventuellen Leidensgenossen, zu minimieren.
Es kostet mich trotzdem extreme Überwindung und ich hofffe die richtigen Worte zu finden.
Ich bin zwanzig Jahre alt und im Oktober für den Beginn eines Studiums 300 km von meiner Heimat aus in eine andere Stadt gezogen.
Als ich in der Pubertät war fingen die Probleme mit dem rot werden das erste Mal so richtig an.
Anfangs wurde ich immer nur dann rot, wenn ich von Lehrern unerwartet angesprochen wurde. Irgendwann fiel das auch meinen Mitschülern auf und es kam der ein oder andere Kommentar dazu. dadurch ist das Ganze dann zu einem größeren Problem eskaliert.
Ich bekam vor lauter Angst rot zu werden, hektische Flecken im Gesicht bevor der Unterricht überhaupt richtig anfing. Diese Flecken blieben oftmals dann die ganze Stunde lang.
Da so zu sitzen und für alle sichtbar vor mich hinzuglühen, hat mich unfassbar doll belastet. Ich war damals noch sehr jung und wusste nicht damit umzugehen.
Irgendwann hatte ich dann mitten im Unterrricht zusätzlich eine super beängstigende Panikattacke. und alles wurde schlimmer. Ich wurde depressiv, habe mich selbst verletzt, mich jeden Abend in den Schlaf geweint und wollte nie wieder zur Schule gehen.
Immer öfter verließ ich den Unterricht frühzeitig unter dem Vorwand, dass es mir schlecht ginge.
Schließlich rief dann eines Tages, aus dem eben genannten Grund, meine Klassenlehrerin bei uns an und ich vertraute mich daraufhin meinen Eltern an.
Ich erzählte Ihnen damals aber nur, dass ich Panikattacken in der Schule bekommen würde, nicht aber die Problematik mit dem rot werden. Genau wie heute verspüre ich bei dem Thema einfach eine so unglaubliche Scham, es weiß absolut niemand davon.
Die Lehrer konnten meine Situation nie verstehen, da ich gleichzeitig auch sehr selbsbewusst und glücklich auftreten konnte, besonders wenn ich mich im Kreise meiner Freunde wohl fühlte. Sie warfen mir vor das ganze erfunden zu haben um dem Unterricht zu entkommen.
Meine Eltern sahen wie schlecht es mir ging und waren sehr besorgt, so kam ich dann kurzzeitig zu einer Therapeutin, bei der ich aber auch nie das eigentliche Problem, nämlich die Angst vor dem rot werden thematisiert habe.
Desto älter ich wurde, desto besser konnte ich mich einigermaßen alleine aus diesem Problem rausboxen- ich habe, als selbstbewusste junge Frau mein Abi bestanden, habe gejobbt, meinen ersten Freund gefunden und bin glücklich für ein halbes Jahr durch die Gegend gereist, ohne Probleme zu haben.
Nun sitze ich hier aber und schreibe diesen Text, da es mir wirklich sehr schlecht geht.
So komplett aus meinem gewohnten Umfeld gerissen und in einer Wohngemeinschaft, die beschissener nicht sein könnte, kommen plötzlich wieder meine Dämonen von früher hoch. Ich habe super liebe Leute kennengelernt, bei denen ich mich auch wohlfühle, jedoch werde ich wieder bei jeder banalen Sache rot und kriege in großen Stresssituationen wieder diese extrem Flecken im Gesicht, die nicht weggehen wollen. Ich fange wieder an mich abzukapseln, meide viele Situationen im normalen Alltag und schmiere mir eine dicke Schicht Make-up ins Gesicht, wenn ich das Haus verlasse.
Das Unwohlsein und die damit verbundene Panik bleiben trotzdem.
Ich habe Angst es diesmal alleine nicht zu schaffen, denn es ist leicht wenn man alleine wohnt und studiert, das Haus einfach gar nicht erst zu verlassen.
Meine Angst ist, dass meine Beziehung darunter leiden könnte, mein Studium, generell mein sozial Leben und noch größere Angst habe ich davor in ein Loch zu fallen, aus dem ich nicht alleine klettern kann. Eigentlich bin ich jemand der sehr offen und selbsbewusst ist aber es fühlt sich grade an, als würde mich ständig ein dunkler Schatten verfolgen, den ich nicht abschütteln kann.
Nichts macht so mehr Spaß, alles wird dadurch schwieriger- jede Hürde die man im Leben nunmal so hat, scheint unüberwindbar.
So soll es nicht weitergehen, ich hoffe es hat jemand Rat für mich oder kann mir etwas Mut für die Zukunft schenken!
Vielen Dank fürs lesen und ich würde mich sehr freuen von euch zu hören

Liebe Grüße