2

Hallo,

ich schreibe das erste Mal hierrein und hoffe, dass ihr nachempfinden könnt, was ich meine.

Ich bin jetzt schon 25 und habe noch keine Ausbildung.

Ich gehe seit ewigen Zeiten zur Schule, habe die Höhere Handelsschule abgebrochen und mache jetzt eine Vollzeitschulische Ausbildung.

Und ich bin jetzt schon in der 4. neuen Klasse, weil ich es einfach nach einer Weile vor Angst nicht mehr aushalte.

Es fängt immer einigermaßen gut an: Ich gehe zur Schule, bin hochmotiviert. Dann läuft irgendwas nicht so gut, eine Arbeit wird angesagt, ich verstehe etwas nicht oder so, dann bleibe ich zuhause aus Angst vor dem Lehrer.

Mir wird immer alles zuviel. Ich kriege dann Krach mit meinem Partner, weil ich nicht mehr so auf ihn eingehen kann, wenn ich total gerädert bin (mein normaler Schultag dauert von 7:50 bis 16:30).

Ich lerne gerne, es macht mir sogar Spaß, solange ich nicht geprüft werde.

Aber oft kann ich mich aus Angst auch nicht mehr auf den Lernstoff konzentrieren.

Jetzt habe ich einen Lehrer, der mich offensichtlich nicht ausstehen kann. Sogar dem Rest der Klasse ist es aufgefallen.

Heute hätte ich ihm etwas abgeben müssen, eine Aufgabe. Und ich bin aus Angst nicht hingegangen. Montag habe ich diesen Kerl wieder und ich weiß jetzt schon, dass ich nicht hingehen werde. Einfach, weil ich mich kenne.

Ich bin so scheußlich feige. Es macht alles kaputt. Ich kann mich auch nur gegen Leute, die mich angreifen, wehren, wenn ich sie gut kenne (zum Beispiel Familie).

Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich war sogar beim Psychologen, aber der hat mir nur Antidepressiva verschrieben. Aber das ist bestimmt nicht die Lösung.

Die Angst bleibt.

Ich habe es schon mal geschafft, die Angst zu unterdrücken, und ein Jahr durchgezogen. Aber darüber bin ich halb wahnsinnig geworden und habe mich nur noch gestritten mit meinem Partner.

Kennt jemand eine Lösung für mein Problem?

Ich habe einfach keine Energie.

MfG

Gina

12.10.2001 09:12 • 21.11.2001 x 1 #1


8 Antworten ↓


hallo Gina,

eine lösung habe ich leider auch nicht.
wie ist es denn am letzten montag gelaufen? wie läßt der lehrer es dich denn spüren, dass er dich nicht ausstehen kann?

feige sein ist nicht scheußlich. ich bin auch feige und versuche es zu akzeptieren. es muss auch ruhige pole im leben geben.

wie hast du es denn geschafft, die angst für ein jahr zu unterdrücken und welches antidepressivum hat der arzt dir verschrieben?

du erwähnst zwei mal deinen freund? bist du glücklich in der beziehung? toleriert er deine ängste und zeigt verständnis? klingt leider nicht so, wenn es gleich krach gibt, wenn DU mal nicht auf ihn eingehen kannst. ER sollte auf DICH eingehen und dir beistehen.

sorry, für die vielen fragen. wollte nicht nerven.

alles gute & liebe grüße,

Sven

22.10.2001 20:16 • #2


Also einen "Ausweg" für diese Situation gibt es sehr wohl. Tele-Kolleg zB. Da bekommst du dein Lernmaterial nach Hause geschickt und kannst in Ruhe alles durcharbeiten. Ohne Stress, ohne Klasse, ohne Angst. Ich denke, es wäre die beste Lösung für dich! So macht das keinen Sinn.

Chris

23.10.2001 07:35 • #3


Hallo Chris,

findest Du, dass dieser "Ausweg" wirklich ein Ausweg ist? Für Gina kann es sicherlich eine große Entlastung sein und ihr verhelfen, eine Ausbildung abzuschließen. Ich denke auch, dass das sehr wichtig ist, auch für Ginas Selbstbewußtsein. Andererseits: Das Vermeidungsverhalten wird dadurch voll aufrecht erhalten. Gina, vielleicht suchst Du Dir noch einmal Hilfe bei einem Psychologen, der Dich versteht?

Alles Gute,
Christina

14.11.2001 10:34 • #4


Für mich sieht es so aus, als hätte sie Angst vor der "Prüfung" oder was auch immer. Wäre gut möglich, das die Angst geht, wenn sie es einmal schafft und sieht, das es geht, das es nicht so schlimm ist. Im Endeffekt umgeht sie das Problem, ja. Aber das Ergebnis könnte ihr ein gewisses Erfolgserlebnis geben und damit wäre auf die Angst vor dem Versagen nicht so groß. Auf jeden Fall würde ich es probieren. Den Psychologen kann sie ja trotzdem machn. Aber sie ist schon 25. Lange warten ist nicht so gut.

15.11.2001 14:29 • #5


Hi Gina, ich kenne bzw. kannte das Problem auch, bist du ein Einzelkind??
Setzt du vielleicht einfach deine Masstäbe zu hoch?? Du bist einfach genaus konfliktscheu wie ich es bin, so nach dem Motto ich geh nicht hin und hab dann auch keine Auseinandersetzung - nur das Problem ist ja, dass du sie zwar in dem Moment nicht hast, aber sie holt dich ein... es sei denn du bist ständig auf der Flucht. Ich habe mir damit geholfen, dass ich es mir eingestehe Angst zu haben und habe dann ein Stück Papier genommen und die Situation (die ich gern vermeiden will, in dem ich nicht hingeh) einfach aufgeschrieben, was wird mir schlimmstenfalls passieren, wenn ich eine Aufgabe nicht abgebe - werde ich angemotzt, werde ich vor allen unsachlich angebrüllt - fragt er mich vielleicht, warum ich sie nicht abgebe -- ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, einfach die Situation in allen Varianten aufschreiben, mir dann für jeden Fall eine Antwort und ein Reaktionsmuster überlegen und dann war ich ganz gespannt, welches meiner Modelle eigentlich zum Tragen kam (und ich war immer überrascht, dass es NIE das schlimmste Modell war, im Gegenteil... sich stellen ist gar nicht so schwer. Wenn du das so nicht packst, kann ich dir nur raten, versuche es schriftlich. Steh zu deinen Ängsten und schreibe deinem Lehrer einfach mal einen Brief, dann hat er Zeit, sich damit zu befassen und du musst nicht sofort antworten. Ziehe ihn einfach mit in dein Boot, steh zu deiner Hilflosigkeit und hab einfach ein bischen Mut in deine Persönlichkeit. Noch was, ich bin auch in einer Gesprächstherapie, aber ich habe 3 Psychologen "verbraucht" bis ich einen hatte, der mir zuhört... nimm bloss keine Pillen, du bist nicht krank, du bist nur unsicher. Und nochmal nochwas, ich kannte mal eine Frau, die hat aus eben dieser Angst heraus angefangen, eine Kampfsportart zu machen, das hat ihr extrem geholfen (sie boxt jetzt )... ich wünsche dir viel Kraft, kannst mich auch gern mal anrufen, manchmal hilft es ja auch , mit jemanden nur mal so zu quatschen (06173 / 67044, meist läuft AB, aber am späten Abend bin ich eigentlich oft zuhause)... viel Glück und liebe Grüsse von Elvira

16.11.2001 12:48 • x 1 #6


Hi Gina, ich nochmal, mir hatte noch was vergessen. Versuche es mal mit einem homöopatischen Mittel aus der Apotheke: Psystabil von PEKANA Naturheilmittel GmbH. Die Inhaltsstoffe sind so abgestimmt, dass eine heitere Gelassenheit bei klarem Gedankenfluss auftritt... hat mir sehr geholfen... chiao nochmal Elvira

16.11.2001 12:53 • #7


Hi Gina,

Helfen kann ich Dir leider nicht aber vielleicht Dir durch meine Zeilen zeigen, das Du mit diesem Problem nicht allein bist.
Ich habe auch eine Soziale Phobie. Die Angst begleitet einem die ganze Zeit. Bei mir ist das vor allem bei größeren Menschenansammlungen, wie z.B. im Zug der Fall.
Ich fühle mich die ganze Zeit beobachtet, vermeide Blickkontakt. Ich weiß auch absolut nicht mehr weiter....
Hinzu kommt noch das ich von Beruf Zeitsoldat bin und eigentlich zum Unteroffizier ausgebildet werden sollte. Auf dem Lehrgang muss ein angehender Unteroffizier lernen Menschen zu führen, auszubilden etc.
Ich bereitete mich wirklich gut auf meine Ausbildungen vor aber es war jedesmal eine Katastrophe.... Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, stammelte nur noch sinnlose Sätze und es wahr eine Unruhe in mir, die man nicht beschreiben kann. Mein Ausbilder brach meistens nach
ca. 10 min ab und machte sich dann auch noch lustig darüber.
Und irgendwann war es dann soweit, das ich noch bevor ich eine Ausbildung halten sollte, einen Nervenzusammenbruch erlitt. Ich ging zu meinem Klassenleiter (nennt sich so, ist aber nur ein Hauptfeldwebel )
sagte zu Ihm, das ich das nicht machen kann und fing an zu flennen wie ein kleines Kind.
Ich weiß absolut nicht, wie mir das passieren konnte.
Ich wurde dann jedenfalls von dem Lehrgang abgelöst und durfte wieder in meine Stammeinheit fahren. Dort verstand das keiner. Ich sollte, um mich in diesen Dingen zu üben, in eine Ausbildungskompanie (AGA) als Gruppenführer gehen. Ich weigerte mich zunächst mit allen Mitteln, aber als mir die Kündigung angedroht wurde, gab ich nach.
Ich war genau 3 Stunden dort. )
Meine Ängste machten mir so zu schaffen das ich meine Versetzung abbrach und mal wieder in meine Stammeinheit fuhr. Dort angekommen musste ich mich beim Arzt melden der mich zu einen Psychologen überschrieb.
Jetzt haben wir einen neuen Kompaniechef bekommen und der möchte das ich noch einmal versuche den UL1-Lehrgang zu bestehen. Ich weiß aber schon im Vorhinein, das ich so nicht bestehen kann.
Bei dem Psychologen war ich bisher einmal. Dort musste ich einen Fragebogen ausfüllen und ein kurzes Gespräch von 5 min mit Ihm halten.

Als ich dann letzten Freitag im Zug nach Hause fuhr hatte ich wieder diese Ängste. Ich saß in einem Abteil das randvoll war und fühlte mich extrem beobachtet. Ich wich den Blicken aus und schaute meistens auf dem Boden oder aus dem Fenster. Irgendwann hielt ich es dann nicht mehr aus und tat so als ob ich schlief.

Nun sitz ich hier vor meinem Rechner und müßte eigentlich seit gestern wieder in meiner Einheit sein, kann aber nicht weil ich die ganze Zeit an Freitag denken muss und ich mich jetzt nicht in einen voll besetzten ICE setzen kann...
Ich weiß das ich meinen Beruf wahrscheinlich in der nächsten Zeit aufgeben muss und auf jeden Fall in Behandlung gehen werde.
Ich hoffe, das wir mit diesem Problemen fertig werden und wieder ein normales Leben ohne Ängste und Depressionen führen können.

Würde mich freuen von anderen Betroffenen Post zu bekommen.

MFG

Daniel

19.11.2001 19:39 • #8


Hallo Daniel

Es ist so eine verdammt schierige Sache. Die Angst frisst einen auf. Und alle anderen machen sich darüber lustig. Das schürt die Angst weiter. Es ist ein Teufelskreis.

Andererseits verstehe ich diejenigen, die sich über unsere Probs lächerlich machen. Für die ist es ja auch wirklich lächerlich. Ich meine, was würdes du sagen, wenn jemand Angst vor zB Federn von *beep* hat?!? (War unlängst in einer BBC Doku - Echt gut!) Es ist absolut unverständlich und trotzdem ist es da. Eine Therapie ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Auf keinen Fall darfst du anfangen, dich zu vergraben und davor "davonzulaufen". Das würde nämlich dazu führen, das du dich noch mehr abschottest und die Sozial-Phobie schön wachsen kann. "Je mehr" du unter das normale Volk gehst, umso eher ist die Chance, die Phobie loszuwerden. Bei der Sozial-Phobie gibt es einen "Vorteil". Du kannst es in gewisser Weise selbst regeln. Du kannst bestimmen, ob du raus gehst oder nicht.

Ein guter Freund von mir war selbst Sozial-Phobiker. Ich lernte ihn nach seiner Heilung kennen. Er meint, das wichtigste bie der bekämpfung der Angst ist die Kontrolle. Kontrollierte desensiebilisierung. Ob das auf alle Arten der Phobie zutrifft, kann ich nicht sagen. Aber du kannst entscheiden. Steigere dich langsam. Ich glaube du verstehst schon was ich sagen will:) Silvester auf dem Potsdammer Platz sollte nicht der Anfang sein.

cya

21.11.2001 11:42 • #9




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler