Hi,

ich bin jetzt 23 und habe seit ca. 10 Jahren schrittweise "abgebaut". Früher habe ich mich "viel" getraut, aber heute... Jegliche soziale Kontakte (vor allem zu Frauen) versuche ich strikt zu vermeiden. Mit den Jahren auch sehr erfolgreich.
Eine Beziehung habe ich schon lange völlig abgehakt. Es muß ohne gehen, aber zumindest mein Studium will ich positiv beenden. Doch da stehen wieder mündliche Prüfungen an... Selbst wenn ich alles weis, die Angst zu versagen macht es fast unmöglich zu bestehen... Ich hasse mich dafür.
Ich habe erst vor ein paar Monaten von diesem Krankheitsbild gehört und war anfangs sehr erleichtert, daß es nicht nur mir so geht. Leider kann ich nicht wie einige von euch den Mut aufbringen, zu einem Psychologen zu gehen. Auch eine Gruppentherapie erscheint mir unmöglich. Ich will aber unbedingt was ändern, ich kann so nicht weiterleben. Diese Angst macht mich kaputt.
Ich würde gern eine Behandlung mit Medikamenten versuchen. Kann man die irgentwo per Internet (also anonym, ohne Rezept) bestellen?

winter

17.11.2001 21:32 • 05.03.2002 #1


10 Antworten ↓


Lieber Winter,
VERGISS DAS MIT DEN MEDIKAMENTEN! BITTE!
Als ich ungefähr in deinem Alter war, befand ich mich in einer ähnlichen Situation: es war mir bereits unmöglich geworden, mich in Seminare zu setzten, in denen ich damit rechnen musste, angesprochen zu werden.
Mein Hausarzt überwies mich leider zu keinem Psychologen, sondern zu einem Psychiater/Neurologen, der an mir dann eine ganze Reihe von Medikamenten ausprobierte. Über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren nahm ich beinahe täglich die Präperate Xanor und Sormodren (gegen Hyperhydrosis) ein. Die Wirkung war zunächst verblüffend: ich hatte das Gefühl, "angstfrei" an Vorlesungen teilnehmen zu können; inzwischen weiß ich , dass die Medikamente mich nur gleichgültig machten. Sie dämpften & betäubten mich, setzten Schleier der verschiedensten Art zwischen mich & die Welt, ich schleppte mich so irgendwie durch mein Leben, war ständig müde, verlor jeden Appetit, jedes Interesse, ich konnte mir zunehmend immer weniger merken & musste doch die Dosis immer weiter steigern...- aber all das hab ich nicht einmal mehr mitgekriegt!
Du ahnst es vielleicht schon: mein Studium habe ich noch immer nicht abgeschlossen. Ich bin jetzt 28 und habe vor einem halben Jahr mit einer Therapie begonnen, seit 4 Monaten nehme ich keine Medikamente mehr.
Ich kann dir aufgrund meiner eigenen Erfahrungen nur dringend davon abraten, irgendwelche Tabs im Eigenversuch zu testen, das ist viel zu gefährlich, viel zu riskant!
Ich bin mir ganz sicher, dass du es schaffen wirst, Kontakt zu einem Psychologen aufzunehmen! Nimm dir einfach mal das Telefonbuch & ruf einen an! Das ist irgendwie ganz anonym, du kannst überhaupt nichts verlieren dabei. Bitte versuch es wenigstens! & vertrau dabei auf dein Gefühl, ob das der "Richtige" für dich ist, wenn nicht ruf den nächsten an.
Ich weiß, dass das schwieriger ist als Tabletten zu nehmen, aber du wirst sehen: es ist der erste Schritt in ein lebenswerteres Leben!
mit lieben Grüßen
Pezix

20.11.2001 17:30 • #2


Hallo Pezix,

ich nehme z.zt. auch unregelmäßig ein Alprazolam-medikament. leider hilft das zeugs ja wirklich recht gut. aber schon nach 2 wochen musste ich auch die dosis erhöhen. seit montag nehme ich es nicht mehr. mir ist die gefahr der abhängigkeit einfach zu groß. wie lange hast du denn das Xanor eingenommen und wie war es beim ausschleichen? gab es entzugserscheinungen?

das Sormodren interessiert mich sehr, da meine hyperhidrosis z.zt. mal wieder richtig schlimm ist. gibt es nebenwirkungen und ist es für einen längeren einsatz geeignet? wird auch das schwitzen im kopfbereich und an den händen reduziert? wenn ja, werde ich das Sormodren wohl mal antesten.

wie läuft es so in der therapie? schon fortschritte gemacht?

würde mich über eine antwort sehr freuen.

bis bald.

21.11.2001 20:49 • #3


Hi!
- also: freute mich sehr über Antwort / Reaktion; häng erst seit 3 Tagen am Netz; die Erfahrung, dass ich nicht alleine bin - mit meinem "Problem" ist NEU für mich.

stelle meine Erfahrungen gerne zur Verfügung, muss dann allerdings anmerken, dass...
- ich schon immer das Gefühl hatte, dass bei mir irgendwie alles anders ist.
- dass ich seit 10 Jahren *beep*/*beep*; was die Wirkung der Tabs sicherlich verfälschte/verstärkte/beeinflußte...

Sormodren: wirken auf das zentrale Nervensystem; könnte bei Interesse mal den Beipacktext einscannen; laut Auskunft des Psychiaters, der sie mir verschrieb, könne mensch sie ruhig dauerhaft nehmen, das sie nicht abhängig machen. Gegen das Schwitzen helfen sie tatsächlich sehr gut - ganzkörpermäßig. Ich schwitze sowieso an Händen, Füßen & Achseln und am ganzen restlichen Körper: am Kopf so stark, dass innerhalb von Sekunden meine Haare nass sind; am Bauch, Rücken, Beckengegend, sodass mein Tshirt & Slip ständig nass sind....
wie gesagt: dagegen helfen sie zu 100%, während sie wirken.
Hatte aber das Gefühl, das sich das Schwitzen dadurch nur "verschiebt": extremer Nachtschweiß.

Hauptsächlich nahm ich die Sorm. ja in Kombination mit den Xanor (seit Okt. 1997): am Beginn hatte ich keine Nebenwirkungen, die stellten sich erst nach etwa einem halben Jahr ein & wurden dann zunehmend unerträglicher. Sie versetzten mich zwar in die Lage, mich den "Anforderungen" des Alltags zu stellen - mehr oder weniger, sobald ich jedoch nach einem Arbeits- oder Unitag nach hause kam, war dann alles vorbei: ich war zu absolut NICHTS mehr zu gebrauchen: müde & zerschlagen, unaufmerksam, unkonzentriert, aufnahmeunfähig- in vielen Beziehungen; vor allem brachte ich zunehmend keinen Bissen mehr hinunter; kotzte viel;
zum Schluss würgte es mich bereits bei dem Gedanken daran, sie am nächsten Tag wieder nehmen zu müssen...

Versuchte dann (im Frühjahr 2001) auch die Sormodren ohne Xanor: hatte aber die gleichen Nebenwirkungen, vor allem auch Gedächtnisstörungen; Störungen im Sprachzentrum: fand die richtigen Wörter nimmer, verwechselte sie ständig...

ENTZUG: 4 Tage nonstop-Schwitzen, Schlaflosigkeit, extreme Verwirrtheitszustände, Unerträglichkeitsgefühle, ANGST - & das obwohl ich ständig dazu *beep*, was den"Entzug" teilweise sicher aufgefangen hat.
dann im September: 3 Wochen "Rückfall": ich hatte wieder eine neue Arbeit begonnen.

In der Therapie lerne ich jetzt mein Schwitzen als Symptom anzunehmen & beginne langsam die Zusammenhänge dahinter zu verstehen. Mein Schwitzen hat jeweils einen Sinn & eine Bedeutung, es ist nicht so, dass es mich unvermittelt überfällt & ich nichts dagegen tun kann, ihm hilflos ausgeliefert bin...
das alles ist bei mir noch lange nicht ausgestanden, but I`m on the way. Es ist nicht leicht, es ist nicht angenehm; es reißt mich ständig hin & her....

Trotzdem möchte ich meine Meinung in der letzten Nachricht an Winter revidieren, in der ich die Einnahme von Medikamenten kategorisch ablehnte. Eine kurzfristige Einnahme kann uU. sehr wohl hilfreich & erleichternd sein, manchmal ist der Leidensdruck einfach zu groß, einfach nicht mehr auszuhalten.

Leider musste ich die Erfahrung machen, dass eine Dauereinnahme jedoch nichts löst, im Gegenteil: das Symptom sucht sich dann eben einen anderen Weg, bei mir war das eben das Kotzen.

Ok. jetzt reicht`s aber. Komm mir schon ganz "besserwisserisch" vor.
Aber ich weiß eh: jeder muss seine Erfahrungen allein machen, seinen Weg finden...

Aber alle, die sich hier einklinken, sind zumindest schon mal auf der Suche nach einem Weg & das gefällt mir, denn es bestärkt in mir die Hoffnung, dass es einen Weg heraus aus dieser Hölle gibt!
WIR WERDEN ES ALLE SCHAFFEN!
(natürlich würde ich mich sehr über Antworten/Reaktionen freuen!)

love&peace
pezix

22.11.2001 13:01 • #4


Danke für die ausführlichen Informationen. Eine Dauerlösung kann es also nicht sein Pillen zu schlucken. Ok, das war mir eigentlich schon klar, aber gerade einmal dieses Gefühl haben, „angstfrei in einer Vorlesung zu sitzen“ macht es doch sehr reizvoll „was zu probieren“.
Ihr habt beide geschrieben, dass die Tabletten kurzfristig recht erfolgreich sind. Kann ich eine Wirkung erwarten, wenn ich Tabletten nur geziehlt, z.B. vor einer wichtigen Prüfung (auch Dinge wie Vorstellungsgespräche, ect.) einnehme, um in dieser Situation zu bestehen?
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es oft nur am Anfang in der Phase des ersten Kennenlernens (z.B. in einer neuen Schulklasse oder einer neuen Arbeit...) richtig „schlimm“ ist. Dannach, wenn man nicht mehr das Gefühl hat im Mittelpunkt zu stehen, angestarrt zu werden, eine Besserung von allein eintritt. Von daher wäre doch eine Einnahme von Tabletten am Anfang ok...?
Zu den Nebenwirkungen wie: „müde&zerschlagen, unaufmerksam, unkonzentriert, aufnahmeunfähig“ muß ich sagen, dass diese mir auch von Freunden die nur *beep* ohne derartige Tabletten zu nehmen, nur zu gut bekannt sind....!?

Winter

23.11.2001 19:29 • #5


Hallo pezix!

freut mich, dass du nach so kurzer zeit im netz gleich meine seite gefunden hast !

das gefühl, dass alles irgendwie anders ist, kenne ich auch sehr gut. ist ein schei. gefühl!

das Sormodren werde ich auf alle fälle mal antesten. ich habe in zwei wochen eh einen termin bei meinem neurologen und werde ihn mal daruf ansprechen. der beipackzettel würde mich vorab aber schon mal interessieren. wenn du den mal einscannen könntest, wäre das super.

deine erfahrung mit Xanor bestätigt mich darin, das zeugs auf keinen fall regelmäßig zu nehmen. ich habe jetzt tatsächlich die ganze woche ohne medis geschafft. und ehrlich gesagt, wars auch nicht viel schlimmer als sonst.

sicher mag schwitzen einen sinn haben; aber auch das übermäßige? ist das schwitzen denn bei dir auch hauptsächlich psychosomatisch bedingt?

ich denke auch, dass gegen eine kurzzeitige einnahme von medis nichts einzuwenden ist. ich kann mich noch gut an die zeit nach meinem selbstmordversuch erinnern. ich bin so froh, dass es beruhigungsmittel gibt. sonst wäre ich wahrscheinlich total durchgedreht. denke aber genau wie du, dass eine dauereinnahme niemals eine lösung sein kann; zudem irgendwann jedes medikament seine wirkung verliert.

WIR WERDEN ES ALLE SCHAFFEN!

diesen satz möchte ich unterstreichen. wenn wir uns gegenseitig mut machen, werden wir es tatsächlich irgendwie schaffen!

wünsche dir ein schönes wochenende und weiterhin alles gute!

so long,

psychic

23.11.2001 22:12 • #6


hi winter,

wenn du wirklich nur in bestimmten situationen ein angstlösendes mittel brauchst, kann ich den wirkstoff Alprazolam empfehlen (z.B. das Xanor, was Pezix eingenommen hat). ich habe schon einige tranquilizer genommen und bin am besten mit Alprazolam klar gekommen. es macht nicht so müde wie viele andere. außerdem hat es eine sehr geringe halbwertzeit. es wirkt also nur einige stunden. du solltest es aber unbedingt vor einer akuten situationen einmal antesten. bei mir ist es z.b. so, dass ich ca. 15 minuten nach der einnahme für 5-15 minuten ziemlich weggetreten bin. alles eine frage des individuellen timings.

du musst aber einen arzt aufsuchen, um solche medikamente zu bekommen. alles andere wäre unverantwortlich dir selbst gegenüber.

wünsche dir alles gute,

psychic

23.11.2001 22:20 • #7


Hallo winter!
gut, meine message ist also angekommen: Pillen sind keine Dauerlösung, du hast es auf den Punkt gebracht.
Ich hab mich für die Xanor entschieden, weil man sie eben kurzfristig & "gezielt" einsetzen kann im Unterschied zu den ganzen Antidepressiva, die man ja über mehrere Wochen regelmäßig/täglich einnehmen muss, bis sie zu wirken beginnen. Mein Problem wurde dann eben, dass ich sie immer öfter in immer mehr "Situationen" nahm, das ist die Gefahr dabei; hängt aber sicherlich von der Bereitschaft oder Tendenz zu Abhängigkeiten ab & da ist ja auch wieder jeder verschieden.
Unter Umständen sind Tabs wie die Xanor oder Alprazolam hilfreich um gewisse Anfangsschwierigkeiten zu überstehen, um positive Erfahrungen zu machen - das stärkt das Selbstvertrauen & Selbstbewusstsein.
Aber wenn schon, dann wie auch psychic meinte, nur mit Arzt & umbedingt vorher ausprobieren, mit kleiner Dosis beginnen...
& ich würde dir trotzdem sehr empfehlen, begleitend unterstützend eine Therapie zu machen. Ich weiß, es ist nicht leicht einen Therapeuten zu finden, bei dem mensch sich gut aufgehoben & verstanden fühlt, aber ich bin mir sicher, dass dir das gelingt! Es tut gut sich mal alle Unsicherheiten & Ängste von der Seele zu reden & was anderes zu hören als die eigenen - destruktiven - Gedanken, die sich nur im Kreis drehen...
ok.- ) sunshine & happiness & einen klaren Kopf!
pezix

24.11.2001 02:02 • #8


Hallo psychic!
Gratulation zu dieser Seite! Deine Initiative, uns so ein Forum plus Informationen zur Verfügung zu stellen, finde ich wirklich bewundernswert! Ich fühl mich echt wohl hier!

werde den Sormodren-Beipacktext eincsannen, das wird aber noch 2-3 Tage dauern. wäre neugierig, was dein Neurologe zu den S. sagt.
wenn deine HH zur Zeit so schlimm ist, können sie dir uU. einiges erleichtern. Ich kenn ja deine "Geschichte" nicht, würde mich aber auch sehr interessieren.

Es hängt ja von vielen verschiedenen Umständen ab, warum mensch sich wann für welches Medikament entscheidet oder nicht entscheidet...
& ich denke inzwischen auch, dass dieses "Erscheinungsbild" der HH in sovielen unterschiedlichen Formen & Arten auftritt wie es Betroffene gibt.
und daher muss es auch genau soviele unterschiedliche Arten oder Möglichkeiten der Problembewältigung geben; naja das klingt jetzt ziemlcih idealistisch...

ich freu mich, dass du diese Woche keine Tabs genommen hast!
Hast du auch schon Therapieerfahrung?

ich denk schon, dass die Ursache(n) meines Schwitzens psychischer Natur ist/ sind. Es hat in der Pubertät langsam & leicht angefangen & war immer auf bestimmte Situationen/Personen bezogen, die ich dann zunehmend vermieden habe, dadurch verstärkte es sich etc...ich wurde immer unsicherer; ein Teufelskreis, in den ich mich immer nur weiter hinein flüchtete, ...

ich wünsch dir auch ein schönes erholsames Wochenende
mit viel Kraft & Energie
wir hören sicher bald wieder von einander!
pezix

24.11.2001 03:16 • #9


hi pezix,

danke für das lob. freut mich wirklich, dass du dich hier wohl fühlst.

tja, vieles meiner geschichte kann man ja auf den einzelnen seiten dieser HP nachlesen. zumindest bin ich an einem punkt angelangt, wo ich unbedingt etwas unternehmen muss, damit mein leben noch einen sinn macht. ich habe vor 3 wochen meine freundin verlassen, damit ich mich nicht mehr hinter ihr verstecken kann und endlich wieder aktiv werde. ICH WILL ENDLICH LEBEN! weiß nur noch nicht, wie das gehen soll ...

termin beim neurologen ist nächste woche. hoffe, er wird mir das zeugs verschreiben. habe leider schon einiges von ihm verschreiben lassen, und musste immer sagen, dass ich es nicht vertrage. weißt du, wie teuer das Sormodren ist? wenn es wirklich etwas das schwitzen eindämmen könnte, wäre das total super! verträgt sich das medikament eigentlich mit Alk.? ist ja ein großer nachteil bei dem alprazolam.

ja, ich habe auch therapieerfahrungen. allerdings keine positiven. werde nun aber mal wieder eine versuchen, mit dem ziel eine stationäre therapie zu machen. sozusagen meine letzte hoffnung ...

jap, diesen teufelskreis gilt es irgendwie zu durchbrechen. irgendwie wohlgemerkt.

bis bald.

26.11.2001 22:27 • #10


Bitte Leute,laßt die Finger von Somodren.Das zeug ist Nervengift,ich hatte furchtbare Nebenwirkungen,obwohl ich nur einmal eine halbe Pille genommen habe.Es war furchtbar,ich war wie auf Dro. mit totalen Angstzuständen! Erspart euch so einen Trip!

05.03.2002 20:12 • #11




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