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Hallo Joaquim,
schade, dass du die Therapie nicht weiter gemacht hast. Wahrscheinlich war es einfach der falsche Therapeut.
Das ging mir vor Jahren genauso. Ich war zw. 1993-96 bei vier verschiedenen Therapeuten, wo ich mich total unverstanden fühlte. Außerdem waren es reine Gesprächstherapien mit Medikamentenverbot! Ich musste jedesmal, wenn ich eine Schlaftablette nahm, beichten und wurde deswegen als unkooperativ bezeichnet und von der einen Therapeuten regelrecht rausgeworfen.
Der Therapeut, bei dem ich jetzt bin, ist ganz anders. Er macht mit mir eine Mischung zwischen Gesprächs-, Verhaltens-, und Hypnosetherapie. Und er hat mir selbst geraten, zu einem Psychiater wegen Medikamenten zu gehen.
In einem anderen Thread schreibst du, dass du keine Medikamente nehmen willst, weil du Angst vor Abhängigkeit hast. Das ist völlig unbegründet: Antidepressiva machen nicht abhängig!
Bei mir fing das ganze erst in der Pubertät an. Als Kind war ich total anders. Ich liebte es, im Mittelpunkt zu stehen und mich zu produzieren und war richtig draufgängerisch.
Aber ich war aber immer sehr pummelig, und das wurde mir dann in der Pubertät richtig bewusst. Da meine Mutter mich ständig auf Diät setzten wollte, hatte ich immer mehr das Gefühl, dass sich meine Eltern wegen mir schämten und dann schämte ich mich natürlich auch. Die Tanzschule hat mir dann den enstscheidenden Knacks versetzt, weil ich nie aufgefordert wurde. Seitdem habe ich die totale Panik vor männlichen Wesen.
In der Schule und im Studium konnte ich mich immer durch gute Leistungen profilieren und war da auch sehr glücklich und hatte immer einen netten Freundeskreis, aber es waren immer nur Frauen. Als das Studium zu Ende war und alle ihren eigenen Weg gingen, heirateten und Kinder bekamen, fühlte ich mich immer mehr als Versager. Und weil es dann auch im Beruf nicht gut lief, bin ich in diese tiefe Krise geraten.
Der vielzitierte Therapieansatz, dass die Konfrontation mit der Angstsituation dazu führt, dass die Angst weggeht, funktioniert nur bei einzelnen, konkreten Phobien wie z.B. Fahrstuhlfahren , aber nicht bei der "Ängstlichen (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung."
Dadurch, dass ich meine Ängste immer wieder ignoriert habe und mich durch meinen eigenen Willen gezwungen habe, trotzdem alles zu machen, hat sich die Angst den Umweg über die Schlafstörung gesucht. Der Schlaf lässt sich nämlich nicht willentlich erzwingen.
Meine jetzige Therapie ist hauptsächlich ressourcenorientiert. Es wird auf Erfolge und positive Aspekte meines bisherigen Lebens, die es ja zweifellos gegeben hat, aufgebaut.
Ich kann dir auch wirklich nur raten, es nochmal mit einer Therapie zu versuchen.
Liebe Grüße