Hallo Leute,
bin heute das erste mal hier. Hatte mir schon lange vorgenommen im Netz mal ein paar Gleichgesinnte zu kontaktieren und ein Forum zu suchen, das meine Problematik zum Thema hat!
Schön dass ich euch gefunden hab! (Oh, da meldet sich doch gleich wieder der Kritiker in mir mit: - Abwarten!)
Noch weiß ich nicht genau, ob ich eine Sozialphobie hab, aber es klingt doch alles sehr danach. Ich bin nur ein bisschen verwirrt, weil ich die Systematik der Bezeichnung der verschiedenen Störungen noch nicht begriffen hat. Ist die Persönlichkeitsstörung nur ein Oberbegriff und die Phobie die eigentliche Störung? Naja! Selbst wenn ich das herausgefunden habe, wird es wohl nichts an meiner Situation ändern bzw verbessern. Nur der Stempel, den ich mir oft selbst auf die Stirn drücke, trägt ne andere Aufschrift.

Ich hoffe, nette Leute kennenzulernen, die mit Ängsten und Psychotherapien vertraut sind, die verstehen können, wie es ist, wenn man nicht vor die Tür will, Verabredungen nicht einhält, unverbindlich bleiben will, gerade engere Freundschaften immer wieder strapaziert, weil man Angst vor Nähe hat, aber andererseits die Einsamkeit nicht ertragen kann.

Noch kurz zu mir:
Ich bin 31, habe ein Ernährungswissenschaften-Studium hinter mir, wobei ich die Diplomarbeit nicht beendet hab - aus Angst vor der Zukunft. Habe zwar eine 5-jährige Partnerschaft, aber fühl mich weder geliebt, noch ernstgenommen, noch verstanden.

Eine Freundin nahm mich vor 2 Jahren an die Hand und schleifte mich zu einer (Tiefenpsychologischen) Therapie, die ich dankend annahm und ein Jahr(!) später beginnen konnte. Zwischendrin war ich in Leipzig stationär in der KT (Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin), was mir zum ersten mal vor Augen führte, wieviel doch in Wirklichkeit schief lief. In welchen Dimensionen! Ich hab noch viel Arbeit vor mir, aber ich finde schon noch zu mir!

Ich hoffe, dass ich nicht allzu sehr langweile. Deswegen belasse ich es jetzt erst mal dabei!
Und warte auf interessante Beiträge!
Euch allen einen schönen Abend und ne wirklich gute erholsame Nacht!
Bis denne
Kristin

18.09.2007 21:22 • 22.09.2007 #1


8 Antworten ↓


Hallo Kristin,

Sozialphobie ist wohl eine der wenigen Störungen/Phobien, die zur Abwechslung nicht auf meiner Liste stehen, aber dennoch finde ich mich durchaus an einigen Stellen Deines Beitrags absolut wieder.

Mein größtes Problem ist Agoraphobie (mit Angst- und Panikattacken).

Zitat:
Ich hoffe, nette Leute kennenzulernen, die mit Ängsten und Psychotherapien vertraut sind, die verstehen können, wie es ist, wenn man nicht vor die Tür will, Verabredungen nicht einhält, unverbindlich bleiben will, gerade engere Freundschaften immer wieder strapaziert, weil man Angst vor Nähe hat, aber andererseits die Einsamkeit nicht ertragen kann.


Da kann ich nur zu allem ja, ja und ja sagen.
Die Gründe, weshalb ich nicht vor die Tür will oder Verabredungen nicht einhalte sind vielleicht andere als bei Dir.? Aber gerade auch das Problem mit Nähe und Einsamkeit auf der anderen Seite kann ich auch groß auf meine Fahnen schreiben.

Machst Du zur Zeit eine Therapie?

Wohnst Du in der Nähe von Leipzig? Mit Leipzig verbinden mich so wahnsinnig positive Gefühle; habe da mal einige Monate gewohnt - wahrscheinlich die schönsten Monate, die ich je (in Deutschland) gehabt habe. "Schwelg"


Liebe Grüße erstmal!
Kiiwii

20.09.2007 14:33 • #2


Hallo Kiiwii,


ich danke, dir für deine Antwort. Hatte echt schon das Gefühl, mit meinem Geschriebenen nix ausgesagt zu haben, und Bedenken keine Rückmeldung zu kriegen.


hab gerade in nem anderen Forum meine Situation gepostet:

will ich dir nicth vorenthalten, aber du verzeihst mir hoffentlich, dass ichs kopiert hab!

Thema: Schreckstarre.

"Ich wollt mal hören, ob euch dieses "Nix-Erwidern-Können" bzw. das "Nicht-Verteidigen-Können" auch so zu schaffen macht, wie mir? Meine Situation, die ich schildern möchte, ist folgende:

Ich stand für meine DA (Diplomarbeit) im Labor und bearbeitete Blutproben, sprich eine wertvolle Probenart, da man sie nicht so einfach ersetzen kann. Mein Thema fügte sich in eine Doktorarbeit ein. Die entsprechende Doktorandin war meine Betreuerin. Mit ihr kommen und kamen die wenigsten auf freundschaftlicher Ebene aus. Sie ist ein energischer Typ mit manchmal beleidigenden Zügen. Ich sollte Plasma, Serum und Erys trennen. Ich war total aufgeregt, denn ich wollte keinen Fehler machen. Hatte mir zu Hause am Abend vorher nochmal alles genau aufgeschrieben. Und trotzdem habe ich das Plasma aus Versehen verworfen, und somit waren 2 Messwerte sozusagen im Eimer. Bei nur 6 Probanden pro Gruppe a 2 Messwerte ist es bitter, wenn einer wegfällt! Nun gut! Ich erschrak, als mich Dr. K., die daneben stand, darauf ansprach. Es dauerte nicht lang, erfuhr es auch die Doktorandin, kam zu mir, stellte mich zur Rede. Ich hab mich gefühlt wie eine 5-jährige. Ich konnte nur dastehen, nichts machen, nichts sagen, es liefen nicht mal Tränen, obwohl es bei mir nicht viel braucht dazu. Ich war mattgesetzt. Ich war äußerlich wie tot, regungslos. Und Innen kann ich nicht beschreiben. (Mein Therapeut hat vorgeschlagen, es wäre Panik.) Ich konnte nicht mehr denken, ich hab nur gewartet, bis es vorbei war. Ich hab die Schuld komplett auf mich genommen. Wollte weg, aber ich konnte nicht. Anschließend ist die Doktorandin laut fluchend durch die Laborgänge gerannt, und hat immer wieder gesagt: "Die hat meine Probe durchtrieben! Wie geht denn so was?" so dass es alle mitbekommen haben! Ich war fertig an dem Tag. Quälte mich von nun an jeden Tag ins Institut, immer kleiner werdend, mit wahnsinnig viel Scham im Nacken. Mittlerweile musste das ja nun jeder da wissen, was ich verbockt hatte.


Einige Zeit später musste ich den Vortrag über meine Ergebnisse halten, vor einigen Studenten und den Institutsmitarbeitern. Zum Glück hatte mein Prof und Gutachter keine Zeit an dem Tag. Ich nahm vorher 1 oder 2 Insidon, wollte es gelassen sehen. Meine Vortragsweise war entsprechend lax. Ich wollte aufgelockert wirken, mein Redestil war wenig wissenschaftlich. Dr. K. kritisierte nach den insgesamt 3 oder 4 Vorträgen meinen am meisten. Direkt nach der Veranstaltung musste ich kurz nochmal zu ihr. Einige Studenten waren noch im Raum. Dr S. (stellvertretender Institutsleiter) und die Doktorandin, die mich wegen der Probe so runtergemacht hatte standen dabei, als Dr. K. ohne Umschweife sagte: "Frau L. Sie haben überhaupt keine Ahnung von ihrem DA-Thema, so seh ich das!" Und schon wieder konnte ich nur dastehen. Ich wollte flüchten - es ging nicht. Ich war wie gelähmt, konnte wieder nicht denken, nicht reden, nicht weinen, nicht laufen. Vollkommen abgeschnitten von der Situation kam ich mir vor, alles war so unwirklich. Und ich stand da wie ein kleines Kind von 5 Jahren..."


Irgendwie hab ich eben die innere Panik, von der man äußerlich nix sieht! Aber im Grunde, von der Funktion her dasselbe: Schreckstarre als andere Form der Todesangst!

Und es ist mir immer wieder so gegangen, in Momenten, wo es nicht angemessen schien! Und so kam die Angst vor der Angst...


Seitdem hab ich an der DA nichts mehr angerührt. Das ist jetzt 2 1/2 Jahre her. Diese beiden Situationen waren der Auslöser für die Probleme die ich jetzt habe, deren Ursachen danach aufgedeckt wurden. Z.T. in Leipzig. Ja, die Therapie dort war heftig, es war erschreckend, aber die Stadt gefällt mir auch sehr. Meine Eltern wohnen nicht weit davon weg (in nem Dorf bei Altenburg) und meine Schwester wohnt sogar selbst da!

Was hatte dich denn nach L.E. geführt. Und wo warst du im Ausland? Und wie hast du dich dort erlebt? Hattest du Einsamkeitsgefühle?


Ja, ich mach grad ambulant ne tiefenpsychologische Therapie seit ungefähr einem Jahr.


Ich danke dir ganz doll fürs Zuhören und hoffe, dass du was damit anfangen kannst. Wie ging denn alles bei dir los?

Viele Grüße

Kristin:)

20.09.2007 19:14 • #3


Hi,

habe auch n paar probleme ich fang mal an. Bei mir ging alles los als wir in einen anderen Ort umziehten. ich wußte ja nicht was auf mich zukommen würde die 8. Klasse habe ich noch beendet, dann haben sich meine Eltern entscchlossen umzuziehen bis zur 8. war alles in ordnung ich hatte nen großen Freundeskreis , guten Ruf ich war sehr gut bei der Gesellschaft angesehen also sozusagen hat es mir an nix gefehlt. Nach den Sommerferien ging es dann los neue Schule, neue Menschen, alles neu die erste zeit dachte ich noch, nach einer Weile wird sich schon alles bessern aber da habe ich mich getäuscht. Ich habe keine "richtigen" Freunde und mein Handy is nur noch da um auf die Uhr zu schauen. jetzt lebe ich schon 2 jahre so, langsam habe ich mich damit abgefunden allein zu sein die Erste Zeit bin ich immer jede Ferien in mein Heimatort gefahren um wenigsten n bisschen abwechslung zu bekommen aber jetzt ist es schon fast kein unterschied ob ich da oder hir bin meine alten Freunde haben sich von mir distanziert (nicht alle) aber wenn ich in meine alte Stadt zu meiner Oma fahre hocke ich fast auch nur Zuhause rum. Ich habe meine gesamte Lebensfreude verloren, offt kam es vor dass, ich Nächte lang geweint habe und mich gefragt habe "wieso nur ich" ich habe oft dran gedacht wie mein Leben früher war, denn erst jetzt habe ich es geschnallt was ich doch fürn gutes Leben hatte. Ich mein ich werd nicht gemobbt oder so aber ich kann mich überhaupt NICHT anpassen ich habe das Gefühl das die Menschen hir ganz anders sind. Jetzt vor kurzem ist mir aufgefallen das ich total Menschenscheu geworden bin und mir Fremden nur schwer kommunizieren kann. Ich hatte ja ein paar gute Schulfreunde (so hatte ich wenigstens in der Schule ein bisschen Sozialen Kontakt mit denenen ich ein bisschen lachen,zeit verbringen etc. konnte) aber jetzt musste ich die Schule wechseln und gehe mit denen nicht mehr in eine Klasse daher ist auch der Kontakt verloren gegannen und auf der neuen Schule komme ich überhaupt nicht mehr klar ich habe kein Bock auf Garnichts sitzt einfach meine Zeit ab. Geh Nach Hause schau Fern oder hock vorm PC. Mir geht es richtig mies Ich hatte for 2-3 Jahren ALLES und jetzt habe ich NICHTS ÜBERHAUPT KEIN SOZIALES NETZTWERK (außer meinen eltern) KEINE ANNERKENNUNG NIEMAND INTERESSIRT SICH FÜR MICH WENN ICH MORGEN TOD WÄRE WÜRDE ES KEINEM AUFFALLEN außer meinen eltern. Ich will die Schuld ja nicht meinen Eltern geben aber mich aus den Wurzeln zu reißen und irgendwo mithinnehmen und von mir verlangen das ich mich anpassen soll is ja leicht gesagt aber die Relität sieht anders aus. Wie gesagt hocke ich nur noch vor dem PC meine Augen sehen die Welt anders als bei normalen Leuten Ich hasse es wenn die Sonne scheint ich hasse es wenn andere lachen ich hasse es einfach wenn andere Freunde haben und Nachmittags was unternehmen können und ihr leben genießen und überhaupt nicht wissen wie gut sie es doch haben. Ich war mal ein fröhlicher,aufgeweckter und normaler Junge aber jetzt das komplette Gegenteil. Der einzigen Tatsachen die mich noch Überwasser halten sind mein Gutes Aussehen und der Gedanke das es sich irgendwann mal ausgleichen wird.

20.09.2007 22:23 • #4


Hallo Gast,

War der Umzug echt der einzige Auslöser für deine Isolation? Machst du ne Therapie?

Und die Wut auf deine Eltern ist voll natürlich und durchaus nachvollziehbar. Auch, wenn man sich anfangs nicht traut, ihnen die Schuld zu geben, weil es doch die eigenen Ellis sind, ist es manchmal doch nötig.
Schuld ist relativ und Schuld haben heißt nicht unbedingt, einen Riesenfehler begangen zu haben, sondern manchmal auch einfach eine notwendige Entscheidung getroffen zu haben, oder fahrlässig etwas übersehen zu haben oder auch unfähig gewesen zu sein, die Situation, wie es Kindern mit nem Umzug geht, richtig einzuschätzen.
Oder auch nicht den Mut zu haben, dich auf deine Probleme anzusprechen, und sie mit dir gemeinsam anzugehen, Verständnis zu haben, mitzufühlen, wies dir geht. Das wären dir deine Eltern schuldig.

Ich weiß, wie das ist, wenn man nicht raus geht. Ich versteh auch, wie die Einsamkeit einen immer tiefer sacken lässt, und das Gefühl der Machtlosigkeit, sich unfähig sehen, irgendetwas ändern zu können. Und sich selbst noch dafür zu bestrafen, mit wenig Schlaf, schmerzenden Augen und Rücken, obwohl das alles eigentlich jemand anders abkriegen müsste!

Schreib wieder, lass dich aufpeppeln!
Viele liebe Grüße
Kristin:)

21.09.2007 01:30 • #5


Hallo Kristin,

Mensch, das ist ja ne blöde Sache. Du warst so kurz vor Deinem Abschluss. Ist es denn theoretisch möglich, dass Du das noch nachholst, damit Du einen Abschluss hast? Aber das ist wahrscheinlich gerade nicht Dein größtes Problem, oder? Was machst Du denn jetzt? Bist Du in der Lage zu arbeiten?

Ich finde es immer wieder unglaublich, wie sehr andere Dein gesamtes Leben verändern können.
Hat die Therapie Dir denn schon geholfen im Hinblick auf Ursachen-Findung? Bzw hast Du schon Wege gefunden, wie Du aus dieser Starre rauskommst? Würde mich auch brennend interessieren.

Gerade bin ich sehr sehr froh, dass ich Dir geantwortet habe. Denn Deine Antwort wiederum setzt meine jetzige Situation nochmal in ein ganz anderers Licht.

Diese Schreckstarre, von der Du schreibst, kenne ich auch. Zum allerersten Mal hatte ich die als ich 6 Jahre alt war. Mein über alles geliebter Papa ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Das hat mich so verletzt, dass ich nicht mehr gesprochen habe, auch nicht geweint, nix. Einfach nur völlig kalt, geräusch- und mimiklos. Ich sehe noch meine Mutter vor mir stehen, mich anschreien, ich sollte doch was sagen. Naja, das ganze hat damit geendet, dass ich bei meinem ersten Therapeuten gelandet bin. Einige Wochen später habe ich dann das Nötigste wieder gesprochen. Aber die Quasselstrippe, die ich vorher war, ist nicht wieder gekommen - bis ich 18 wurde.

Ich bin also 18 geworden, konnte endlich ausziehen. So weit weg wie möglich wollte ich - also bin ich erstmal für längere Zeit nach Detroit gegangen. Dort war ich dann 13 Monate und es war die absolut beste Zeit in meinem ganzen Leben! Ich war wie ausgewechselt, ein neuer Mensch.

Zurück in Deutschland hat es nur wenige Monate gebraucht, um die alte Kiiwii wieder zu haben Und dann ging es so langsam bergab, bis ich irgendwann nochmal so ein Verlassen-werden-Erlebnis hatte und damit kamen auch die Panikattacken, die Agoraphobie, ...

Was das aber nun mit jetzt zu tun hat: Ich muss mich derzeit mit dem Vorwurf der "Maulfaulheit" rumschlagen. Das seltsame ist, dass das nur bei einem Menschen so ist und bei anderen eher weniger. Es ist oft so, dass ich die kompletten Gedanken im Kopf habe, es aber nicht hinkriege, sie zu artikulieren. Und manchmal, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle, ist auch einfach nichts da. Alles weg ... ein völlig leerer Kopp. Verrückt, oder? Ich denke, das Problem ist, dass ich diesen Menschen sehr mag und jedes Mal wenn ich ihn sehe auch die Angst mit dabei ist, dass er einfach abhaut (so, wie die anderen Menschen in meinem Leben, die ich je mochte). Das macht plötzlich irgendwie Sinn. Ist nicht besonders hilfreich, weil mir da jetzt keine Lösung für einfällt, aber vielleicht bin ich jetzt ja schonmal einen Schritt weiter.

Zu Leipzig: ich habe Psycholinguisitk studiert und dort im Hauptstudium ein Praktikum im Max-Planck-Institut gemacht. Leipzig war für mich eine schöne Pause von all meinen Problemen. Neue, nette Leute, eine völlig andere Umgebung (die Agoraphobie war damals gerade erst am Anfang). Die Stadt ist unglaublich schön. Umso härter war die Rückkehr in alte Gefilde. Von da an war's für mich die Hölle.

Wie gehst Du mit dieser Schreckstarre um, Kristin? Das würde mich wirklich interessieren. Ich stehe damit zur Zeit sehr hilflos da.

Liebe Grüße
Kiiwii

21.09.2007 07:59 • #6


Hallo Kiiwii,

ich hab mich wirklich sehr über die Antwort von dir gefreut, weil ich dadurch weiß, dass ich nicht allein bin. Danke dir ganz lieb.
Auch geht mir deine Geschichte sehr nahe, weil sich meine Schwester mit ihren 3 kleinen Kindern vor 2 Monaten von ihrem Mann getrennt hat. Ganz generell begrüße ich die Entscheidung und bewundere ihren Mut. Denn wahrscheinlich hätte die cholerische Ader meines Schwagers den Kindern mehr geschadet als alles andere. Und dennoch werden sie ihn vermissen, und sind in nem Alter (4,4 und 3), wo sie sich an vielen Dingen selbst die Schuld geben werden.
Ich bin grad sehr gehemmt, was über mich zu schreiben. Wahrscheinlich, weil es immer näher geht. Aber ich weiß, dass ich an dem Punkt nicht aufhören darf:

Das, was du von Detroit schreibst, kenn ich aus meinen Aufenthalten in Mexiko. Da gibts einfach so viele Anregungen von außen, die einen stimulieren und am Leben halten, dass man sich einfach wohlfühlen muss. Die Neugier ist riesig. Ständig neue Dinge, die man lernt, worauf man wiederum stolz ist. Das Interesse der Anderen war immer groß. Man hat ja viel erlebt, man hat viel zu erzählen, zu lachen. Als Exot in Mexiko ist es eh immer leicht, positiv aufgenommen zu werden. Das gibt Auftrieb und man fällt einfach nicht. Man hat dieses Gefühl von Stärke und Leichtigkeit.
Wenn aber die Veränderungen im Leben, das Reifen und Weiterkommen von einem selbst kommen müssten, weil zu Hause nun mal alles in alten, ruhigeren und vertrauten Bahnen läuft und Reize von außen eher selten sind, kapitulieren wir, weil wir unseren eigenen Ideen nicht genug trauen. Irgendwer hat schon, als wir noch klein waren, unsren Ideen nie Beachtung geschenkt, oder sie sogar zu nichte gemacht, unsere Phantasie verkümmern lassen, unsern Drang, individuell zu sein, getötet.

Zur Schreckstarre: In der Therapie hieß es, sich in den Situationen bewusst machen, dass man nicht mehr 5 ist. Verstehen, dass man mit 5 natürlich nichts anderes machen kann und konnte. Die Hilflosigkeit ist aber vorbei, sobald man sich ins Hier und Jetzt zurückholt, spüren kann, dass man Möglichkeiten des Handelns hat. Die Energie der Wut spürt, und den Mut, der durch die Wut genährt wird. So viel zur Theorie, aber zumindest ist das ein Plan und ne Idee, wies gehn könnte.

Das letzte Mal heftige Schreckstarre hatte ich im August wieder als mein Dackelmischling von nem Kampfhund gebissen wurde und mich der Halter des beißenden Hundes auch noch beschimpft hatte, als ich von ihm die Hälfte der Tierarztkosten haben wollte. (Es wären 60 Euro gewesen). Diese Forderung konnte ich nur ausdrücken, weil zum Glück noch ein netter Hundehalter da war, der mich "zurückgeholt" hat. Wenn ich dieses Zurückholen auch selber schaffe und mir meiner Kraft und Energie bewusst werde, dann ist das meiste geschafft, denke ich!
Dass nach diesem Vorfall ne depressive Episode kam, kann sich jeder denken.

So nun habe ich doch wieder ganz schön viel zusammengeschrieben und bin froh darüber!

Bis denne
Viel Mut allen da draußen (und drinnen)
Kristinchen:)

21.09.2007 14:58 • #7


Hab mich selbst grad nochmal mit meiner Eingangsfrage beschäftigt, was SP (F40.1) ausmacht und was der Unterschied zur ängstlich-vermeidenden PS (F60.6) ist. Bin irgendwie nicht so glücklich über das Ergebnis, weil es so klingt, dass dieses dahinter stehende Verhaltensmuster so sehr tief sitzt bei der PS.
Mist

Gibts hier auch Leute mit der PS?
Kristin

21.09.2007 16:01 • #8


Hallo Kristin,

Soziale Phobie ist mehr auf bestimmte Situationen begrenzt. Die selbstunsichere Persönlichkeitsstörung ist weiter gefasst und betrifft mehr Situationen. Der Übergang zwischen diesen beiden Erkrankungen ist aber fließend. Ich denke aber, dass die Behandlung ähnlich ist.

Die Therapie setzt dann da an, dass man mit Situationen, vor denen man Angst hat, anders umgeht. Eine Therapeutin hat mir empfohlen, eine Realitätsprüfung zu machen. Bewerte ich die Situation realitätsbezogen oder mache ich irgendwelche Annahmen, die nur aus meinem Kopf kommen, aber nichts mit der Realität zu tun haben. Die praktische Umsetzung ist aber schwierig. Ich habe es ehrlich gesagt nie richtig geschafft.

Gruß

Sascha

22.09.2007 17:52 • #9





Dr. Reinhard Pichler