Zitat von HeikoEN: es gilt z.B. nur für Vertragsärzte der KVen. Habe ich eine reine Privatpraxis, fällt der Arzt NICHT darunter und braucht sich sein Leben lang NICHT weiterbilden!
Jeder Arzt mit Praxis, gleich ob Kassen- oder Privatarzt muss Mitglied der Ärztekammer sein. Diese regelt und überwacht u.a. die Fortbildung.
Zitat von HeikoEN:Habe ich einen KV-Sitz, gibt es KEINE verpflichtenden Fortbildungen! Der Arzt kann diese selber entscheiden. Und erfüllt er diese nicht, wird ihm 10% Erstattung abgezogen. Wie ich finde, zu wenig! Ich weiss nicht, ob Du dich auskennst über die Einkommenssituation von Facharztpraxen in Deutschland? Ich kenne sie relativ genau und sage, natürlich stört das den Arzt, aber nicht so sehr, dass er ein echtes Problem hätte, da der GKV Teil sowieso nur die Praxiskosten deckt und der PKV Anteil sich der Arzt selber auf die Tasche tut.
Kein Weiterbildungsnachweis und die Zulassung und nicht nur die Erstattung steht auf dem Prüfbrett, gleich ob Kassenarzt oder Privatarzt.
Du weißt aber schon, dass bei -10% schnell eine gute 6stellige Summe wegfällt. Und im Durschnitt verdient Herr und Frau Doktor 5-6% am Umsatz der Praxis. -10% Einnahmeverlust bedeutet also, der Doktor kein Geld, zwei-drei Sprechstundenfachkräfte kein Geld. Was sollen die jetzt machen, Singen?
Und was man alles so hört und liest über die Einkommenssituation der Arztpraxen.
Sicher der Doktor aus der Beautyklinik kann sich zwei drei Porsche mehr leisten, als der Allgemeinmediziner, der sich dafür aber anhören muss, was bei Beautydoc alles schiefgelaufen ist.
Der Kassenpatient ist das Brot und die Butter für den Arzt, der Privatpatient der Belag. So in etwa sieht es in 90% der Arztpraxen in Deutschland aus.
Zitat von HeikoEN: würde mir mehr verantwortungsvollere Ärzte wünschen, die auch klar zugeben würde, sich mit gewissen Fragestellungen nicht auszukennen und einfach eine Empfehlung geben, anstatt zu Lasten des Pateinten erstmal diverse therapeutische Maßnahmen zu probieren. Aber diese Ehrlichkeit würde ich mir wünschen gegenüber den PAtienten, damit dieses z.B. NICHT in einer Lebensperspektive "Tabletten essen bis zum Ende" landen.
Die, die ich kenne sind aber eben verantwortliche Ärzte. Mir kann man natürlich vorwerfen, ich suche mir meine Freunde genau aus.
Der Arzt ist nicht der Halbgott in Weiß, sondern der Partner im Gesundheitsbereich. Das gilt umso mehr für alte und ältere Patienten, Patienten mit chronischen Erkrankungen und natürlich auch psychische Erkrankungen.
Mein Lebensmotto ist es: Wer lange leben möchte, darf nicht früh sterben. Und dafür muss man einiges auf sich nehmen. Und manchmal ist es auch das Tablettenessen bis zum Ende. Hypertoniker und Diabetiker kennen das.
Medikamente sind kein Teufelszeug. Die einen stellen es her, weil sie Geld damit verdienen, die anderen nehmen sie, weil sie sich davon Besserung versprechen. Wenn der Eine also sein Geld bekommt, der Andere sich besser fühlt, dann ist doch gut.
Zitat von HeikoEN:Ein Hausarzt verschreibt Antidepressiva! OHNE eingehende Diagnostik! Und glaubst Du allen Ernstes, dass das bei Antibiotika anders läuft?!?!? Es ist schön, dass inzw. auch beim allerletzten Hausarzt angekommen ist, dass es einen Unterschied zwischen Viren und Bakterien gibt und was jeweils denn Sinn macht. Sorry, aber diese Spitze konnte ich mir einfach nicht verkneifen
Und hier liegst du vollkommen daneben. (sry für die klaren Worte). Der Hausarzt verschreibt dir AD auf eigene Kasse, soll heißen, der bekommt das relativ schnell nicht mehr honoriert, also keine Kohle dafür. Der Grund warum er es tut; Eigentlich müsstest du jedes Mal zu deinem Psychiater, der dir das AD wieder verschreibt. So ist das von der Politik/System vorgeschrieben. Nun ist dein Hausarzt vermutlich auch nicht blöd. Der weiß, dass er in deiner Nähe wohnt, der Psychiater am anderen Ende der Stadt oder überhaupt in der Stadt, falls man auf einem Dorf wohnt. Beim Psychiater durchaus auch mal 2-3 Monate ins Land gehen können, bevor du da einen Termin bekommst und du vermutlich genau das Zeitfenster verpasst, wann du deinen Psychiater anrufen kannst; Mittwoch zwischen 16.03Uhr und 16.07Uhr, und wehe da telefoniert schon einer.
Also verschreibt er fleißig weiter. Der wechselt das Medikament nicht, weil er eben kein Facharzt ist. Er weis nur, wie das geschrieben wird und vielleicht ein wenig drumherum. Alles andere muss er nachlesen. Der wird dir auch nicht raten, es abzusetzen, es sei denn, er kennt sich mittlerweile gut damit aus.
Soll aber nicht bedeuten, er kennt sich grundsätzlich damit nicht aus. Wirkstoffkunde und Wechselwirkungen sind schon ein wichtiger Bestandteil in der Medizinischen Ausbildung.
Zitat von HeikoEN:Ich finde denn Ansatz gar nicht so schlecht, denn er ist der "Verteiler". Ich denke, dass das auch so vom System gewollt ist.
Genau das ist es. Qualität und Personenkenntnis ersetzt durch Management und Wirtschaftlichkeit. Wenn du das als Patient auch gut findest, dann ist das ja doch auf dem richtigen Weg.
Zitat von HeikoEN:Wo ist der Sinn, psych. Erkrankte in die x-te Verhaltenstherapie zu "zwingen", wenn die davor absolut keinen Erfolg/Verbesserung/Heilung brachten?
Und genau DA kritisiere ich die Schulmedizin stark, denn das bekannte System wird weitergefahren und der Patient im Glauben gelassen, es macht alles Sinn.
Da gibt es genügend Gründe!
Der Bedauernswerteste zuerst:
- Es gibt halt vermutlich zur Zeit nichts Besseres, also nachgewiesen Besseres. Wunderdoktor und Heiler können das durchaus auch wegtanzen.
Die anderen währen Erfahrungswerte aus ein paar Jahrzehnte ohne fundierte psychiatrische Kenntnisse
- Manchmal merkt der Patient das nicht sofort. Ich habe schon viele Patienten sagen hören, dass es vier/fünf Jahre später "irgendwie Klick gemacht habe und das hätte es nicht, wenn ich damals nicht hier und dort gewesen wäre und was habe ich damals geflucht".
- Dann geht es manchmal auch nicht um Besserung oder Heilung, sondern um das Stabilisierung.
- Manchmal ist der Arzt überzeugt von dem Konzept, der Patient aber nicht.
Jetzt kannst du dir aus der Liste aussuchen. Ich garantiere, es ist nie nur der Letzte.
Zitat von HeikoEN:Arzt und Patient auf AUGENHÖHE wünsche ich mir und erwarte ich!
Schwer zu machen. Der eine ist Krank und braucht Hilfe, der andere hat das Wissen und die Möglichkeit zu helfen. Es ist wirklich schwer und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Zitat von HeikoEN:Warum also nicht z.B. andere therapeutische Wege gehen und offen sein dafür, insb. deutlich stärker auf die Selbstverantwortung der Patienten setzen!
Aber genau dahin bewegt sich "die Schulmedizin" gerade eben hin. Verstärkt wird auf Autosuggestion gesetzt. Dazu nimmt man jahrelange Erfolge mit Placebos. Man schaut mehr auf das Umfeld, Ernährung, Verhalten.
Es gibt bspw. eine Studie aus Kanada, Neuseeland, Deutschland und Australien, die einen Zusammenhang zwischen Angststörungen und Ernährungsverhalten untersuchen.
Das würden die nicht machen, wenn sie da keinen Anfangsverdacht haben.