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Wie sich traumatische Erfahrung auswirkt

201820.02




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Endlich kommt es, wenn auch langsam, in der Schulmedizin an:

Wie sich traumatische Erfahrung in der Kindheit auch im Erwachsenenalter auswirkt

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... r-auswirkt

Auf das Thema antworten


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daham in mein wigwam
308
  20.02.2018 10:35  
überwiegend nur könnte und müßte, nichts Beispielhaftes

wie an Betroffene herankommen ? ........und wie einen Arzt bewegen sich das zu eigen
machen ? Weiterbildung für Ärzte ist nur KANN aber kein MUSS



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  21.02.2018 11:01  
weichei75 hat geschrieben:
wie an Betroffene herankommen ? ........und wie einen Arzt bewegen sich das zu eigen
machen ? Weiterbildung für Ärzte ist nur KANN aber kein MUSS

Einspruch!
Für Ärzte gilt eine Fortbildungspflicht. Beispiel was passiert, wenn dem nicht nachgekommen wird; Entzug der Zulassung (SG Marburg, Gerichtsbescheid vom 23.5.2016 - S 12 KA 2/16).
Natürlich muss sich dein Wunscharzt nicht an deine Fortbildungswünsche halten, da hilft nur der Arztwechsel.

Es wäre nicht im Ärzteblatt, wenn sich kein Arzt darum kümmern würde. :D

Danke1xDanke




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  21.02.2018 11:26  
Natürlich müssen Sie sich fortbilden und fleissig Punkte sammeln, jedoch gibt es KEINE Pflichtveranstaltungen oder gar eine Regelung darüber, in WAS sich der Arzt so fortbildet.

Allein der Besuch einer Medizintechnik-Industriemesse bedeutet für den Arzt, Punkte zu kassieren.

Ich würde es sehr wünschenswert finden, wenn es insb. für Hausärzte (aber auch für andere Fachärzte), die an der täglichen Patienten-Front sind, schlichtweg Pflicht-Fortbildungen z.B. über Antibiotika, psych. Gesundheit usw., geben würde.
Ein einfaches EKG zu deuten und diagnostische Schlüsse daraus zu ziehen, wird z.B. NICHT im Studium vermittelt, sondern muss der Arzt in der Praxis lernen. Aber dann praktiziert er bereits! Und genau DA sehe ich ein echtes Problem und natürlich hat ein Kardiologe, der 20 Jahre Berufserfahrung hat und über 10.000 Echokardiographien gesehen und durchgeführt hat, MEHR Erfahrung, als der junge Facharzt, der sich gerade niedergelassen hat mit eigener Praxis ODER der Assistenzarzt in der Uni-Klinik, der vielleicht erst 30 oder 150 Untersuchungen durchgeführt hat. Solchen Leute, insb. bei etwas komplexeren Fragestellungen blind zu vertrauen, ist ein echtes Problem, weil die Meinung und Kompetenz eine völlig andere ist, die vermittelt wird.

Das jetzt NUR an einer Fortbildungspflicht für Ärzte festzumachen, ist aus meiner Sicht falsch und trifft das Problem nicht.

Ebenso würde sich KEIN Radiologe erlauben, eine Aussage zur Therapie zu machen. Weil er das schlichtweg einfach nicht kann und auch NICHT (!) weiss! Sein Job ist die pure Diagnostik. Ich will damit sagen, woher nimmt so ein Hausarzt denn sein Wissen, dass er glaubt, einem Patienten der vor ihm sitzt und 2 Minuten von Symptomen berichtet wie Herzrasen, Schweissausbruch und sonstwas, ein "fettes" Antidepressiva zu verschreiben? Ich meine, HALLO. Aber genau DAS ist Alltag in deutschen Hausarztpraxen.

Danke2xDanke


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nrw
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  21.02.2018 11:46  
Nicht nur in hausarztpraxen. Auch bei Psychiatern



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Zuckerwattewolke
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  21.02.2018 12:16  
Ich empfinde den Link als reinen Hohn gegenüber Betroffenen! Das klingt ja so als müsste die natürliche körperliche Funktion in uns selbst bekämpft werden. Da wird wieder nur wissenschaftlich gedacht, anstatt die Ursache bei den Wurzel zu packen - nämlich im Familienkreis und der Gesellschaft! Würde man Kinder besser gegen Misshandlung und Traumata schützen und Aufklärung betreiben, dann würde man vielen Leben sowas ersparen.
Egal was in unserem Kopf dann passiert, so funktioniert das eben und da sollten wir die Finger von lassen. Das Problem liegt nicht in uns selbst, sondern in den Einflüssen, die uns krank machen.



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  21.02.2018 13:34  
HeikoEN hat geschrieben:
Natürlich müssen Sie sich fortbilden und fleissig Punkte sammeln, jedoch gibt es KEINE Pflichtveranstaltungen oder gar eine Regelung darüber, in WAS sich der Arzt so fortbildet.
Allein der Besuch einer Medizintechnik-Industriemesse bedeutet für den Arzt, Punkte zu kassieren.
Ich würde es sehr wünschenswert finden, wenn es insb. für Hausärzte (aber auch für andere Fachärzte), die an der täglichen Patienten-Front sind, schlichtweg Pflicht-Fortbildungen z.B. über Antibiotika, psych. Gesundheit usw., geben würde.

Schau mal hier: http://www.bundesaerztekammer.de/filead ... 150424.pdf
Nennt sich Empfehlung, darin enthalten sind aber die rechtlichen Rahmenbedingungen und Regelungen für Fortbildungen.
HeikoEN hat geschrieben:
Ein einfaches EKG zu deuten und diagnostische Schlüsse daraus zu ziehen, wird z.B. NICHT im Studium vermittelt,

Doch ganz sicher und das sogar sehr intensiv.
HeikoEN hat geschrieben:
Aber dann praktiziert er bereits! Und genau DA sehe ich ein echtes Problem und natürlich hat ein Kardiologe, der 20 Jahre Berufserfahrung hat und über 10.000 Echokardiographien gesehen und durchgeführt hat, MEHR Erfahrung, als der junge Facharzt, der sich gerade niedergelassen hat mit eigener Praxis ODER der Assistenzarzt in der Uni-Klinik, der vielleicht erst 30 oder 150 Untersuchungen durchgeführt hat. Solchen Leute, insb. bei etwas komplexeren Fragestellungen blind zu vertrauen, ist ein echtes Problem, weil die Meinung und Kompetenz eine völlig andere ist, die vermittelt wird.

Ich vermute, du unterschätzt die Arztausbildung gewaltig. Als Assistenzarzt, also mehr oder weniger nach dem Studium und den Praktikas, führt der Arzt tatsächlich nur 30-150 Untersuchungen durch. Die aber häufig täglich und das dann für die kommenden drei-fünf Jahre. Und dahinter stehen immer die Oberärzte und Leitende mit denen alles abgesprochen werden muss, sonst muss man zum Chef.
Und wenn ein Facharzt sich niederlassen kann (bspw. als Kardiologe) hat er schon mehrere zehntausend EKGs in den Händen gehalten und begutachtet.
Insgesamt ist die Ausbildung der Ärzte sehr anstregend und langwierig und bis man endlich das Geld verdient, was den Ärzten so nachgesagt wird, sind die grauen Haare nicht mehr in der Minderheit. Dafür ist sie aber umfassend und ich glaube auch sehr gut. Aber letztendlich ist auch er nur Handwerker. Und da gibt es solche und solche.

HeikoEN hat geschrieben:
Das jetzt NUR an einer Fortbildungspflicht für Ärzte festzumachen, ist aus meiner Sicht falsch und trifft das Problem nicht.
Zweifelsohne gebe ich dir Recht. Aber deine Argumente stimmen nicht und ich habe den Verdacht, dass das was du eigentlich damit Aussagen möchtest, so auch gar nicht festzumachen ist.

HeikoEN hat geschrieben:
Ebenso würde sich KEIN Radiologe erlauben, eine Aussage zur Therapie zu machen. Weil er das schlichtweg einfach nicht kann und auch NICHT (!) weiss! Sein Job ist die pure Diagnostik.
doch, können tut tut der das schon, also im Rahmen dessen, was er einmal gelernt hat
HeikoEN hat geschrieben:
Ich will damit sagen, woher nimmt so ein Hausarzt denn sein Wissen, dass er glaubt, einem Patienten der vor ihm sitzt und 2 Minuten von Symptomen berichtet wie Herzrasen, Schweissausbruch und sonstwas, ein "fettes" Antidepressiva zu verschreiben? Ich meine, HALLO. Aber genau DAS ist Alltag in deutschen Hausarztpraxen.

Zunächst verfolgt der Arzt einer allgemeinen medizinischen Logik. "Was häufig vorkommt, ist auch häufig die Ursache!" Dann folgt die Differenzialdiagnostik. Zusammen mit dem ersten Blickkontakt, dem Erscheinungsbild des Patienten, einer flüchtigen Hautberührung (Händeschütteln oder Abhorchen), kann der erfahrene Arzt tatsächlich in sehr kurzer Zeit, eine zumindest fundierte vorläufige Diagnose stellen.

Aber, dass ein Hausarzt ohne psychatrische Fachausbildung oder Rücksprache mit einem Facharzt Antidepressiva verschreibt ist ungewöhnlich. Zum Einen, weil er Schwierigkeiten mit der Abrechnung bekommen wird (als Notfall wird das manchmal durchgelassen (Herr Doktor, die Katze hat die Tabletten gefressen)), zum Anderen weil das nicht dem Berufsethos entspricht, Fachübergreifend zu behandeln, wenn die notwendige Fachausbildung fehlt. Von der Haftpflichtgestellung etc. mal ganz abgesehen.

Im Übrigen ist die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient sehr wichtig. Daher würde ich niemals dauerhaft Medikamente zu mir nehmen, wenn diese nicht helfen. Da gehört das Gespräch mit dem Arzt gesucht, welche Wirkung das Medikament bei mir zeigt oder eben nicht, welche Nebenwirkung aber auch das Befinden.

Gerade bei Antidepressiva rudert die Medizin noch gewaltig rum, weil man zwar chemische und biologische Abläufe isoliert begreift aber im Zusammenspiel noch viel zu erforschen gilt.
Daher kann ich nur raten, wenn ADs nicht helfen, ab zum Psychiater und besprechen, welches andere AD vielleicht in Frage kommt. Das gilt auch bei unerwünschten Nebenwirkung. Wäre doch blöd, wenn ich meine Depression im Zaum halten kann, dafür aber aufgegangen bin wie ein Hefeklos. Hilft auf Dauer nicht wirklich.
Allerdings muss man ADs auch Zeit geben, da es manchmal dauern kann, bis sich Besserung einstellt. Und damit es ganz blöd kommt: Wichtig ist auch einen objektiven Betrachter/Beurteiler (Partner/Eltern/Kinder/Freund) mit ins Boot zu holen. Nicht selten bekommt es der Patient nicht mit, das sich etwas geändert oder verbessert hat. Leider auch nicht, wenn es sich verschlechtert. Wer also seinem Arzt nicht traut, dann andere mit ins Boot holen.

Viel Text aber mir ist das Thema wichtig!



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  21.02.2018 14:03  
Narandia hat geschrieben:
Ich empfinde den Link als reinen Hohn gegenüber Betroffenen!

Kann ich verstehen. Aber in diesem Fall ist es tatsächlich eine wissentschaftliche Veröffentlichung zum Denkanstoss

Narandia hat geschrieben:
Das klingt ja so als müsste die natürliche körperliche Funktion in uns selbst bekämpft werden. Da wird wieder nur wissenschaftlich gedacht, anstatt die Ursache bei den Wurzel zu packen - nämlich im Familienkreis und der Gesellschaft! Würde man Kinder besser gegen Misshandlung und Traumata schützen und Aufklärung betreiben, dann würde man vielen Leben sowas ersparen.
Egal was in unserem Kopf dann passiert, so funktioniert das eben und da sollten wir die Finger von lassen. Das Problem liegt nicht in uns selbst, sondern in den Einflüssen, die uns krank machen.

Jain.
es zeigen sich eben nicht bei jedem gleichen Trauma, die selben Symptome. Z.B. sind einige Missbrauchsopfer auch symptomlos. Tatsächlich weis man heute, dass bei Menschen, die in Folge von Traumata bspw. an Belastungs- oder Anpassungsstörungen leiden, einige Elemnte zu wenig, andere dafür zuviel vorhanden sind. Das leider auch noch in unterschiedlicher Ausprägung. Soll heißen, im Prinzip ist der grobe Wirkmechanismus bekannt und kann tatsächlich auch nachgewiesen werden. Nur gezielt behandeln kann die Medizin noch nicht wirklich. Das braucht noch Zeit.
Und so löblich und nachvollziehbar deine Einstellung zur Ursachenbekämpfung auch ist, wir werden als Gesellschaft nie jeden immer schützen können. Wir können aber versuchen, die Folgen zu lindern.
Das auch vor dem Hintergrund, dass ein Trauma auch durch Unglücke, Alpträume und sogar durch falsch vermittelte Zuneigung ausgelöst werden kann.





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  21.02.2018 16:34  
der kleine prinz hat geschrieben:
Schau mal hier: http://www.bundesaerztekammer.de/filead ... 150424.pdf
Nennt sich Empfehlung, darin enthalten sind aber die rechtlichen Rahmenbedingungen und Regelungen für Fortbildungen.

Ja, ich kenne sie durchaus :-)

Aber ich kann aus einer Empfehlung nunmal KEINE Verpflichtung ableiten, auch wenn es, wie ich finde, recht lockere Rahmenbedingungen gibt.

der kleine prinz hat geschrieben:

Doch ganz sicher und das sogar sehr intensiv.

Aber nicht praktisch, sondern theoretisch oder warum muss der Assistent den OA fragen, wenn er im EKG eine Reizleiterstörung erkennt (wenn er sie denn erkennt)?
Wenn er doch so sicher wäre und intensiv es gelernt hätte, bräuchte er es wohl nicht.

der kleine prinz hat geschrieben:
Ich vermute, du unterschätzt die Arztausbildung gewaltig. Als Assistenzarzt, also mehr oder weniger nach dem Studium und den Praktikas, führt der Arzt tatsächlich nur 30-150 Untersuchungen durch. Die aber häufig täglich und das dann für die kommenden drei-fünf Jahre. Und dahinter stehen immer die Oberärzte und Leitende mit denen alles abgesprochen werden muss, sonst muss man zum Chef.

Es geht mir nicht darum, die Ausbildung zu kritisieren, es geht mir mehr darum, wie der Alltag aussieht und da steht durchaus der Assi in der Ambulanz und muss belastbare Aussagen machen gegenüber dem Patienten. Aber halt ohne weitreichende Erfahrung und das kritisiere ich. Und natürlich muss auf dem Weg zum Facharzt auch die Anzahl der Untersuchungen durchführen, bis er eben in seiner Disziplin "sicher" ist und den Facharzt machen kann. Das ist alles ok und kritisiere ich nicht, ebenso wenig wie dass der OA den Kopf dafür hinhalten darf.

der kleine prinz hat geschrieben:
Aber deine Argumente stimmen nicht und ich habe den Verdacht, dass das was du eigentlich damit Aussagen möchtest, so auch gar nicht festzumachen ist.

Was ich für mich kritisiere ist, eine Aussage, auch wenn sie von einem Arzt kommt, durchaus kritisch zu sehen und auch durchaus eine Zweit- oder Drittmeinung einzuholen.

HeikoEN hat geschrieben:
Ebenso würde sich KEIN Radiologe erlauben, eine Aussage zur Therapie zu machen. Weil er das schlichtweg einfach nicht kann und auch NICHT (!) weiss! Sein Job ist die pure Diagnostik.


der kleine prinz hat geschrieben:
doch, können tut tut der das schon, also im Rahmen dessen, was er einmal gelernt hat

Das bezweifle ich relativ stark, dass ein Radiologe sich im Rahmen von Therapieaussagen bewegt :-) Ich weiss ja nicht welche Du so kennst, aber die, die ich kenne, tun genau das NICHT. Und wie ich schon sagte, ist das auch nicht deren Job!

Ich wollte damit den Bogen spannen vom Hausarzt, der z.B. Antidepressiva verschreibt, OHNE eingehende Diagnostik zu betreiben. Was ist das bitteschön? Wie Du schon sagtest, es gibt solche und solche.

der kleine prinz hat geschrieben:
Zunächst verfolgt der Arzt einer allgemeinen medizinischen Logik. "Was häufig vorkommt, ist auch häufig die Ursache!" Dann folgt die Differenzialdiagnostik. Zusammen mit dem ersten Blickkontakt, dem Erscheinungsbild des Patienten, einer flüchtigen Hautberührung (Händeschütteln oder Abhorchen), kann der erfahrene Arzt tatsächlich in sehr kurzer Zeit, eine zumindest fundierte vorläufige Diagnose stellen.
Aber, dass ein Hausarzt ohne psychatrische Fachausbildung oder Rücksprache mit einem Facharzt Antidepressiva verschreibt ist ungewöhnlich. Zum Einen, weil er Schwierigkeiten mit der Abrechnung bekommen wird (als Notfall wird das manchmal durchgelassen (Herr Doktor, die Katze hat die Tabletten gefressen)), zum Anderen weil das nicht dem Berufsethos entspricht, Fachübergreifend zu behandeln, wenn die notwendige Fachausbildung fehlt. Von der Haftpflichtgestellung etc. mal ganz abgesehen.

Das mag für die Allgemeinmedizin beim Hausarzt gelten wenn es sich um Erkrankungen wie Grippe & Co. handelt. Für alles was darüber hinaus geht, sieht Praxis völlig anders aus. Und ja, Hausärzte verschreiben OHNE Differenzialdiagnostik Antidepressiva! Die Diffdiagnostik sieht nämlich bei psych. Erkrankungen dann wie aus, wenn der Hausarzt sie durchführt? *Lach*

der kleine prinz hat geschrieben:
Im Übrigen ist die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient sehr wichtig. Daher würde ich niemals dauerhaft Medikamente zu mir nehmen, wenn diese nicht helfen. Da gehört das Gespräch mit dem Arzt gesucht, welche Wirkung das Medikament bei mir zeigt oder eben nicht, welche Nebenwirkung aber auch das Befinden.

Und genau da tut sich eine weitere Schere zwischen uns auf. Ich würde es so formulieren, dass ich keine Medikamente dauerhaft nehmen würde, die nicht bei der Ursachenbekämpfung helfen! Und dabei habe ich oft den Eindruck, dass bei den Ärzten Symptom und Ursache zugunsten der Symptombehandlung verwischt ist.

Sicher mag es, auch psychische! Erkrankungen geben, bei denen die Perspektive wirklich so aussieht, dass es ein Leben lang Medikamente einnehmen heisst. Aber da reden wir doch wohl über etwas anderes als z.B. eine Angsterkrankung (ohne das ich da jetzt eine Gewichtung reinbringen möchte). Und schaue Dir das Forum hier an, wie viele diese Medikamente aber Jahre und Jahrzehnte einnehmen. Ich finde, dass es das nicht sein kann. Daher ist eine MEHR als kritische Haltung gefordert, insb. wenn es um solche medikamentengestützte Lebensperspektiven geht!



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  21.02.2018 20:08  
HeikoEN hat geschrieben:
Aber ich kann aus einer Empfehlung nunmal KEINE Verpflichtung ableiten, auch wenn es, wie ich finde, recht lockere Rahmenbedingungen gibt.

Doch, die sind gesetzlich vorgeschrieben und die Kammer achtet dort sehr darauf.
HeikoEN hat geschrieben:
Aber nicht praktisch, sondern theoretisch oder warum muss der Assistent den OA fragen, wenn er im EKG eine Reizleiterstörung erkennt (wenn er sie denn erkennt)?
Wenn er doch so sicher wäre und intensiv es gelernt hätte, bräuchte er es wohl nicht.

Doch auch praktisch. Ein Assistenzarzt ist aber im übertragenen Sinne, ein Handwerksgeselle. Er muss alles können, darf aber wenig alleine.

HeikoEN hat geschrieben:
Es geht mir nicht darum, die Ausbildung zu kritisieren, es geht mir mehr darum, wie der Alltag aussieht und da steht durchaus der Assi in der Ambulanz und muss belastbare Aussagen machen gegenüber dem Patienten. Aber halt ohne weitreichende Erfahrung und das kritisiere ich. Und natürlich muss auf dem Weg zum Facharzt auch die Anzahl der Untersuchungen durchführen, bis er eben in seiner Disziplin "sicher" ist und den Facharzt machen kann. Das ist alles ok und kritisiere ich nicht, ebenso wenig wie dass der OA den Kopf dafür hinhalten darf.

Hatte ich auch so nicht verstanden. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, das der motivierte Arzt vieles bereits kann, aber eben auch vieles noch nicht alleine darf.


HeikoEN hat geschrieben:
Was ich für mich kritisiere ist, eine Aussage, auch wenn sie von einem Arzt kommt, durchaus kritisch zu sehen und auch durchaus eine Zweit- oder Drittmeinung einzuholen.

Das ist absolute legitim und unbedingt ein Muß. Du glaubst gar nicht, wieviel Ärzte bei Kollegen um eine Meinung bitten, weil sie eben doch keine Götter sind. Der gute Arzt macht das.

HeikoEN hat geschrieben:
Das bezweifle ich relativ stark, dass ein Radiologe sich im Rahmen von Therapieaussagen bewegt :-) Ich weiss ja nicht welche Du so kennst, aber die, die ich kenne, tun genau das NICHT. Und wie ich schon sagte, ist das auch nicht deren Job!

Ich stimme dir so zu. Aber Können kann er das. Aber es ist gut wenn er es nicht macht, weil ihm da die Erfahrung fehlt.

HeikoEN hat geschrieben:
Ich wollte damit den Bogen spannen vom Hausarzt, der z.B. Antidepressiva verschreibt, OHNE eingehende Diagnostik zu betreiben. Was ist das bitteschön? Wie Du schon sagtest, es gibt solche und solche.

Das ist doof! Aber es setzt sich langsam durch, das "unsere" Psyche nix anderes ist als ein Organ, welches funktioniert oder eben nicht. Der Unterschied zum Darm ist, das ich da i.d.R. weiß, was bei rauskommt. Oben rum gibt es da noch Defizite

HeikoEN hat geschrieben:
Das mag für die Allgemeinmedizin beim Hausarzt gelten wenn es sich um Erkrankungen wie Grippe & Co. handelt. Für alles was darüber hinaus geht, sieht Praxis völlig anders aus. Und ja, Hausärzte verschreiben OHNE Differenzialdiagnostik Antidepressiva! Die Diffdiagnostik sieht nämlich bei psych. Erkrankungen dann wie aus, wenn der Hausarzt sie durchführt? *Lach*

Ich verstehe was du schreibst. Und deine Annahme deckt sich auch mit meiner. Aber der Hausarzt ist mittlerweile in eine Situation geraten, die es ihm auch ungleich schwerer macht.
Es ist leider häufig so, dass sofort nach einer Überweisung zum einem Facharzt verlangt wird. Das klingt professionell und gibt dem Patienten das Gefühl, er tue sich damit etwas Gutes.
Das ist manchmal auch gut. Aber als Hausarzt, als Ansprechpartner vor Ort mangelhaft. Wann sieht ein Hausarzt denn heute noch ein Kind oder einen chirurgischen Fall, einen Patienten mit vielleicht pathologisch ausgelegten Sorgen?
Das Problem ist aus meiner Sicht gar nicht so sehr die Politik oder die Kostenträger, sondern einfach unser Anspruchsdenken, als Arzt und als Patient. Ich will überall immer nur das Beste. Ob das auch gut für mich ist, ist manchmal fraglich.
HeikoEN hat geschrieben:
Und genau da tut sich eine weitere Schere zwischen uns auf. Ich würde es so formulieren, dass ich keine Medikamente dauerhaft nehmen würde, die nicht bei der Ursachenbekämpfung helfen! Und dabei habe ich oft den Eindruck, dass bei den Ärzten Symptom und Ursache zugunsten der Symptombehandlung verwischt ist.

Die Schere ist da nicht wirklich auseinander. Der Arzt möchte gerne die Ursache beseitigen. Aber das ist nicht immer möglich. Manchmal muss man daher einfach die Symptome angehen.
HeikoEN hat geschrieben:
Sicher mag es, auch psychische! Erkrankungen geben, bei denen die Perspektive wirklich so aussieht, dass es ein Leben lang Medikamente einnehmen heisst. Aber da reden wir doch wohl über etwas anderes als z.B. eine Angsterkrankung (ohne das ich da jetzt eine Gewichtung reinbringen möchte). Und schaue Dir das Forum hier an, wie viele diese Medikamente aber Jahre und Jahrzehnte einnehmen. Ich finde, dass es das nicht sein kann. Daher ist eine MEHR als kritische Haltung gefordert, insb. wenn es um solche medikamentengestützte Lebensperspektiven geht!

Da bin ich auf deiner Seite. Aber um es einmal platt auszudrücken, zuerst muss das Leid verringert werden, dann nach der Ursache forschen. Niemals umgekehrt, denn das hört sich nur in der Theorie gut an.
Als Patient möchte ich in allererster Linie, dass das weg ist. Und später gerne wissen, wo das herkommt.


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