Hallo Delphi
Ich erlaube mir dazu mal etwas philosophisch zu werden

Für das, von dem du schreibst, gibt es ein Wort und das heißt "Sensibilität"

, zu deutsch "Empfindsamkeit". Menschen wie wir - ich bin auch ein sensibler Mensch - können Stimmungen von anderen Menschen eher, bzw. besser erfassen als die Masse und das führt leider oft zu unerwünschten Nebenwirkungen wie bspw. einer Angsterkrankung. Im Grunde jedoch halte ich diese Eigenschaft für eine Gabe, denn wie du das schon ganz richtig beschrieben hast, ermöglicht uns unsere Sensibilität, hilfreich für andere Menschen zu sein. Leider habe ich in meinem Leben viel zu oft zu hören bekommen, "sei nicht so sensibel". Heute weiß ich, daß das eine völlig beknackte Äußerung ist, denn da hätte man auch von mir verlangen können, daß ich nicht so blaue Augen haben soll oder nicht so dunkelblond sein soll

.
Ich glaube, daß die Umweltbedingungen für sensible Menschen immer schlechter werden. Heutzutage ist Leistung zum größten Teil das, worüber wir definiert werden. Leistung und/oder Effizienz. Wir bekommen von außen vermittelt, daß wir nicht in Ordnung sind, wie wir sind, daß etwas falsch ist mit uns, aber dabei sind wir gar nicht falsch - wir sind nur Menschen, die eine Eigenschaft ausgeprägter haben, als andere. Und als Folge dessen schickt man uns zu Psychiatern, zu Psychologen, in Kliniken und man wirft uns Pillen ein, die nur einen Zweck haben sollen: so zu ticken, wie die anderen. (Ich weiß, ich schweife ab

)
Ich glaube fest daran, daß wir mit unseren Eigenschaften schon völlig ok sind, wie wir sind. Meine Ängste sind für mich nicht das Ergebnis von zu viel Sensibilität, sondern für mich sind sie das Ergebnis des ewigen Konfliktes in dem ich stehe, mich so zu nehmen wie ich bin - aber das beziehe ich jetzt nur auf mich. Das ist MEIN Verständnis meiner Problematik. Ich fand mich eigentlich immer ganz ok, bis man mir von außen zugetragen hat, daß ich es nicht bin

Nun aber zurück zu deiner Frage: Kann ich verstehen, was andere fühlen? Meine persönliche Antwort: Jein. Ich kann vielleicht verstandesmäßig erfassen, daß mein Gegenüber sich gerade schlecht fühlt oder aber auch sich gut gut fühlt. Aber ich fühle nicht, was mein Gegenüber fühlt. Was ich gut kann ist das, was du auch von dir mittlerweile erfahren hast: ich merke unheimlich schnell, wie die Stimmung in einem Raum ist oder bei meinem Gegenüber, habe ganz feine Antennen für so etwas. Bei mir weiß ich auch den Grund dafür und ich habe gelernt, daß das keine angeborene Sache ist, sondern erlernt.
So... is' ma' wieder lang geworden

aber so is'er halt, der Fugazi
