Zitat von Nyan:Du meinst also die Angst entsteht als Gefühl ohne vorherige Gedanken? Dass Angst Gedanken beeinflusst und nicht umgekehrt, dass Gedanken kein Angstgefühl auslösen? Oder eher ein Kreis?
Nein. Kein Kreis. Jedenfalls nicht die Entstehung einer Angst. Ist sie erst mal entstanden, dann kann es m.M.n. schon einen ("Teufels"-)Kreis*(lauf) geben.
Die Anlage zu, bzw. die Ursache für Ängste kann m.E. auf jeder Ebene (auf geistiger, seelischer oder instinktiver) zu finden sein. Das ist individuell unterschiedlich und zeigt sich nicht zwangläufig im gleichen klinischen Bild (Symptomatik).
Die exakte, individuelle Diagnostik ist m.E. der erste und allerwichtigste Schritt. Wird hier schon "geschlampt", wie sollte sich dann eine Therapie in die richtige Richtung bewegen können?
Zitat von Nyan:Zitat: ... Gehst du da nach einem konkreten Modell vor, oder ist das nur deine Annahme? Ich habe neulich gelesen, dass uns etwa 1 bis 10 Gedanken pro Sekunde durch den Kopf schließen, die nicht alle bewusst wahrgenommen werden.
Ich gehe nach einem konkreten Modell vor.
Mag sein, dass bis zu 10 Gedanken/sek. durch den Kopf schießen. Nur sagt das 1. noch nichts über die Qualtiät der Gedanken aus und 2. wie schnell meinst du sind die Impulse unseres Instinkts bzw. unserer seelischen Empfindungen? ... z.B. Schock- oder Panik-impulse liegen evtl. sogar im Nanosekundenbereich und prägen in diesen Bruchteilen von Sekunden durch innere Bilder unsere (Lebens-)Einstellungen und sicher auch unsere Gedanken.
Zitat von Nyan:Ich habe mit den Faktoren das Modell der Inneren Anteile, von Freud abgeleitet, gemeint. Also das Konzept des Ich-ÜberIch-Es, oder das der Transaktionsanalyse Erwachsenen-, Kinheits- und Eltern-Ich oder beim Rogers Selbst-Idealselbst. ...
Und diese Instanzen ÜberIch, Idealselbst, Eltern-Ich usw. werden auch als der Innere Kritiker definiert bzw. die moralisierende Instanz in uns.
Ja. Diese Faktoren sind ähnlich denen, wie ich sie betrachte. Allerdings gehe ich primär von den "gesunden" Grund- bzw. Kernanlagen eines Individuums aus.
Die klassische Psychologie rollt quasi das "Feld" von der Seite der Erkrankungen (wie auch immer die definiert werden) auf, und ich von der Seite der oft total "gesunden" Anlagen eines Individuums, die in der jeweils aktuellen Mehrheitsmeinung leider oft pathologisiert werden.
Beispiel:
Ein sensibler Mensch, der unter div. menschenverachtenden Missständen dieser Gesellschaft, in der auch er leben muss, leidet und div. psychische Symptome zeigen kann, ist nicht krank, sondern eher die Mehrheit seiner Zeitgenossen.
Aber aktuell wird ER ! pathologisiert, medikamentiert, therapiert usw. ... IHM ! wird permanent vermittelt, dass mit IHM ! etwas nicht in Ordnung ist und verzweifelt nicht selten an diesem Prozess bis hin zum Suizid.
Wie gesagt:
Alles steht und fällt mit der exakten, INDIVIDUELLEN Diagnostik.
Und dabei helfen die "Schubladen" der Psychopathologie nur sehr bedingt.