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Ich (W) bin 20 Jahre alt und habe kürzlich herausgefunden, dass ich introvertiert und hochsensibel bzw. ein "Empath" bin. Ich weiß nur, dass ich mich immer wie ein Alien gefühlt habe. Als ich auf den Begriff "alte Seele" (old soul) gestoßen bin, habe ich sehr viele Antworten auf meine Fragen gehabt(der Begriff stammt aus dem Spirituellen). Ich habe mittlerweile auch keine sozialen Netzwerke mehr, weil ich finde, dass die heutigen Menschen sowieso zu abhängig davon geworden sind. Es kotzt einen doch an, egal wie positiv man denkt. Ist das normal? Das man sich wie ein Alien fühlt, diese Generation bzw. die Menschen allgemein nicht mag und nie dazugehört hat? Zu Gleichaltrigen habe ich nie gepasst, weil ich anders war. Man hat sich über mich lustig gemacht, weil ich schüchtern und sensibel war. Wenn ich meine Gedanken über die heutige Welt mit meiner Familie teile, kriege ich komische Blicke. Ich habe halt nicht das Bedürfnis die neuste Smart Watch oder das neuste Smartphone zu besitzen. Bin ich wirklich so allein damit?

Meine Mutter ist in ihren 50ern.

Zwischen meinem 13-16 Lebensjahr meinten sie und meine Großmutter (67) immer, dass ich handysüchtig sei. Ich hab es teilweise auch am Esstisch benutzt,also hatten sie nicht ganz Unrecht. Auch mein Onkel meinte letztens zu mir, dass ich damals mit diesem Ding festgewachsen sei. Meine Mutter nannte es damals meinen einzigen Freund. Seitdem ist das Smartphone nur noch Thema. Wie viel Zeit verbringe ich damit, wann, was schaue ich etc. Ja, meine Mutter ist ein bisschen altmodisch und verteufelt das ganze ein bisschen. Es ist besser geworden. Dennoch fühle ich mich schuldig, jedesmal wenn ich an diese Zeit denke und wie ich damals war. Ich hasse mich selbst dafür. Wie die Pest.

Ich wurde außerdem mit dem Turner-Syndrom diagnostiziert und habe nun daran gedacht, ob ich vielleicht damals in eine Depression gerutscht bin? Ich habe außerdem herausgefunden, daß ich hochsensibel bin. Ich hab mich halt damals so anders gefühlt und wollte diese ganze Welt einfach ausblenden. Die familiären Probleme, die schlechten Noten etc. Es hat mich niemand verstanden und deswegen wusste ich auch nicht, wie ich anders damit hätte umgehen können. Ich wurde damals auch gemobbt, weil ich kleiner als Gleichaltrige war.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, als wäre ich aus diesem "Schlaf" erwacht. Als wäre ich "wach". Ich hinterfrage einfach alles (Smartphone, Internet, Digitalisierung etc.).

Ich weiß zwar nicht, ob das hier reinpasst, aber ich musste mir das mal von der Seele schreiben. Außerdem habe ich den Myers Briggs Typenindikator gemacht und herausgefunden, dass ich ein INFJ bin.

Wollte mal eure Meinung dazu hören

Wünsche euch einen schönen Tag !

09.05.2020 18:13 • 22.05.2020 x 1 #1


3 Antworten ↓


Calima
Nur eine Frage, weil ich das Bedürfnis dahinter für mich nicht nachvollziehen kann: Warum ist es wichtig, in eine Schublade zu passen?

Mein Bestreben ging immer eher in die Richtung "Think and live outside the box".

09.05.2020 18:16 • #2


Roterfalke08
Zitat von Anonymous06:
Ich (W) bin 20 Jahre alt und habe kürzlich herausgefunden, dass ich introvertiert und hochsensibel bzw. ein "Empath" bin. Ich weiß nur, dass ich mich immer wie ein Alien gefühlt habe. Als ich auf den Begriff "alte Seele" (old soul) gestoßen bin, habe ich sehr viele Antworten auf meine Fragen gehabt(der Begriff stammt aus dem Spirituellen). Ich habe mittlerweile auch keine sozialen Netzwerke mehr, weil ich finde, dass die heutigen Menschen sowieso zu abhängig davon geworden sind. Es kotzt einen doch an, egal wie positiv man denkt. Ist das normal? Das ...


Das durch die sozialemedien die menschheit geändert hat ist ja nichts neues,
Es kommt aber darauf an wozu man es benutzt.
Ich z.b benutze es um ihn Kontakt mit Menschen zubeißen die mir wichtig sind.
Kennenlernen ist ausgeschlossen das würde ich so machen wie ich es auch früher getan habe draußen auch wenn es mir in letzter zeit nicht so gut geht

09.05.2020 18:18 • #3


Hi,
ich bin w,33, und habe mit Anfang 20 mich ganz ähnlich gefühlt wie du. So ein Gefühl des Aufwachens; dazu ein ganz großes Interesse bzw. viel Beschäftigung mit Fragen wie 'Wer bin ich/ Was für ein Mensch bin ich', und 'warum bin ich irgendwie anders/passe nicht richtig rein'. 'Ich fühle mich wie ein Alien' habe ich genau so auch einmal zu einem Therapeuten gesagt. So ein Gefühl, auf die Welt und die Menschen von außen draufzuschauen, während man auf dem Planeten herumläuft.
Gleichgesinnte gibt es, die sind aber seltener; und wenn man sie findet, werden sie oft gute Lebensfreunde.

Eine wichtige Erkenntnis, die ich irgendwann in den späten 20ern hatte: Ich darf nicht nur nach diesen anderen paar Mit-Aliens Ausschau halten, sondern auch mit anderen Menschen Freundschaften, Bekanntschaften und Beziehungen ausprobieren. Das hat mir sehr geholfen; Anfangs war ich der Ansicht, ich mag nur mit Menschen zusammen sein, die so 100% in meine Bubble passen; in der Zwischenzeit habe ich tatsächlich auch die nicht ganz so tiefen Freundschaften, Geschäftsfreundschaften und gute Bekanntschaften schätzen gelernt; und das hilft mir sehr, denn von diesen Menschen kommen teils auch tolle Impulse, wo ich aus einem Gespräch, oder einfach sehen, wie jemand an eine Sache herangeht, mir etwas abzugucken oder für mich mitnehmen kann.

Per Zufall bin ich zudem für einige Jahre ans Improtheater spielen gekommen; und ich muss sagen, diese zwei Elemente in Kombination (Herangehen an andere mit einem 'ausprobieren'-Verständnis und das Impro) haben mir enorm geholfen, zu mir zu finden, mich wohler in dieser Welt zu fühlen; und mein Leben und meinen Charakter/wie ich so bin besser anzunehmen.
Also, dass die Dinge, und wie ich sie tue, auch ok sind. (Das jahrelange versuchen, mich in Richtung 'normal' zu biegen, mit 'in die Disko gehen' und was man nicht alles tut, hat einfach unmengen Kraft gekostet. Ich habs dann bleiben lassen, aber es sagt einem ja keiner, was man stattdessen machen kann. - So habe ich mich durch o.g. Weg 'selber gefunden'; bin auch noch dabei, denn es gibt immer neues zu entdecken, während man älter wird; aber so wird man auch im Gehen dieses Wegs geübter.

Ich denke, wenn du weiter offen, nachdenklich, scharfsinnig aber auch mit einer Lockerheit für das 'Irdische' deinen Weg gehst, wirst du die für dich richtige Art zu leben schon finden. Du wirst sicher noch einiges an Lektüre lesen, den einen oder anderen weiteren Test machen; das sind alle Schritte auf diesem Weg. Ich habe auch den Myers Briggs gemacht und war auch anfangs ganz ehrfürchtig vor diesem Ergebnis - es ist wirklich ein riesiger Aha-Moment über einen selber, weil man zum ersten Mal die Begriffe bzw. Kategorien an die Hand bekommt, um überhaupt differenziert über sich nachzudenken bzw. sich wahrzunehmen.
Irgendwann wird dieses Ergebnis sich als ein Baustein in ein komplexeres Gefüge einpassen, wenn du mehr liest, mehr erlebst,..

(Wenn du Tipps haben möchtest: die Bücher von Leo Martin sind auch enorm hilfreich; er hat eine andere Persönlichkeitstypologie, die nur 3 Typen umfasst, aber dafür alltagspraktischer veranlagt ist als Myers Briggs: Der Macher, der Beziehungstyp und der Analytiker. Du wirst dich schnell selbst wiederfinden;)

Toll ist auch der VIA Charakterstärkentest aus der positiven Psychologie nach Martin Seligman. Den findest du, wenn du nach 'viacharacter' googelst. (Das Forum wollte mich hier nicht den Link einfügen lassen).
Nicht wundern außerdem, der Test ist auf englisch (das gelbe Kästchen rechts oben auf der Seite).
Grundlage sind 24 Charaktereingenschaften, und der Test zeigt, welche davon bei dir am stärksten ausgeprägt sind. (Sie werden also in eine Reihenfolge gebracht, was zur Folge hat, dass man immer 5 beste, aber auch immer 5 'am wenigsten beste' Charaktereigenschaften hat. Sprich, nur weil etwas bei dir auf dem letzten Platz ist, heißt das nicht, dass du ein schlechter Mensch bist: Bei JEDEM hat immer irgendeine der 24 Eigenschaften den letzten Platz.
Und aus jedem Stärkenprofil (also so deine Top 5-7 Stärken) lässt sich ein erfolgreiches Leben bauen; das sieht nur für jeden anders aus (wenn bei dir Liebe, Empathie, Herzlichkeit als Topstärken rauskommen, solltest du z.B. Kindergärtnerin oder Altenpflegerin werden oder dich sozial engagieren. Wenn deine Topstärken eher Genauigkeit, Wissbegierde u.ä. sind, wirst du vermutlich als Buchhändler, Bauzeichner oder Bankkauffrau zum einen glücklicher und zum anderen erfolgreicher sein.) - das jetzt nur am Beispiel Berufswahl. Gilt natürlich für andere Lebensbereiche entsprechend (wieviel Freiraum beim Wohnen usw...)
Positive Psychologie heißt übrigens nicht 'auf Teufel komm raus gut drauf sein', sondern es geht darum, statt sich mit der Mängelbehebung zu beschäftigen (wie die klinische Psychologie das tut), sondern damit, herauszufinden welche Stärken der Mensch hat und wie er diese in seinem Leben fördern und ausbauen kann. (Was nebenbei auch den klinischen Symptomen gut tut).

So, viel Erfolg wünsche ich dir!

Vor 4 Stunden • #4