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Hallo,
ich bin Mathilda, 27, und leide auch am RDS, Typ Durchfall
das RDS kam bei mir das erste mal wirklich heftig in der Abi-Zeit, da ging das auch echt ewig, mit Magen-/Darmspiegelung, tausend Ärztebesuchen, ihr kennt das sicher. Ganz schlimm, immer diese Angst, hinterher auch echt vor allem, einkaufen, bahnfahren, irgendwo hin, wo ich nicht sofot aufs Klo kann.
Und dann, irgendwann, hab ich irgendwie gerafft, dass das nur der Kopf ist, der mir die Bauchschmerzen, die Angst, den Durchfall macht, und ich eigentlich nicht "richtig" krank bin. Ich weiß selbst nicht mehr genau, wie ich das gemacht hab damals, aber es hat funktioniert. Und ging dann auch ein paar Jahre gut.
Blöd nur, dass ich auf ein paar Dinge allergisch bin, und nicht so mit Nase-zu oder sowas, sondern darauf mit Durchfall reagiere, vor allem scharfe Sachen. Das ist bei mir dann auch so, dass wenn ich das esse, dann nicht mehr als 2h mit ganz schlimmen Krämpfen schnellstmöglich verschwinden muss und solche Erlebnisse lassen die alte Angst immer wieder neu hochkochen. Und dann häng ich wieder voll in dem RDS-Angst-Kreislauf drin und verzweifel. Angst vor allem, allein die Tatsache, an einer Bushaltestelle zu stehen und zu warten, löst bei mir richtig übel Panik aus. Schon Stunden vorher renne ich ständig zur Toilette, in der Situation selbst hab ich ständig Fluchtgedanken, denk nur in Abständen von einem Klo zum nächsten. Aushalten ist jedesmal ein echter Horror, ich schwitze wie blöd, was mir wieder unangenehm ist und die Angst noch weiter hochtreibt.
Kennt ihr das auch? Also, dass das ne Zeitlang wieder echt gut geht und dann haut's einen wieder voll um? Würd mich über eure Meinung freuen!

16.06.2009 21:06 • 15.11.2009 #1


7 Antworten ↓


Hallo Mathilda,

bei mir tritt das RDS auch in Phasen auf. Früher war ich der Verstopfungstyp, mittlerweile hat es sich in den Mischtyp, also mal Durchfall mal Verstopfung mit allen möglichen anderen Symptomen wie Blähungen, Völlegefühl, Übelkeit etc. umgewandelt. Aber das Schlimmste daran ist wirklich die Angst. Früher hatte ich auch schon o. g. Beschwerden (außer Durchfall), aber eben keine Angst. Ich bin einkaufen gegangen, obwohl mir speiübel usw. war, habe alles Mögliche unternommen, bin sogar über 20 Std. mit dem Bus nach Kroatien gefahren.
Das ist mittlerweile leider nicht mehr so ohne Weiteres möglich. Die Angst hat angefangen, als ich mal während einer Fahrt mit dem Bus in die Stadt plötzlich Durchfall bekommen habe und weit und breit keine Toilette in Sicht war. Seitdem ist es auch mehrmals passiert, dass ich in der Stadt war und dann dort der Durchfall kam.
Was die psychische Seite betrifft, weiß ich mittlerweile ganz gut, wann die RDS-Beschwerden auftreten und kann sie zwar noch nicht komplett beeinflussen, aber zumindestens teilweise.
Wie Du, habe ich aber auch das Problem, dass ich scheinbar auf bestimmte Lebensmittel allergisch reagiere. Bei mir treten dann auch ca. 1h nach dem Essen heftige Bauchkrämpfe, Durchfall, Übelkeit, Schweißausbrüche, Zittern usw. auf. Das Problem ist einfach, ich weiß vorher nie, wann es auftritt. Mir kann es psychisch und körperlich erstmal gut gehen und ohne Vorwarnung tritt dann der Durchfall auf. Mittlerweile esse ich nach Möglichkeit auch nichts, solange ich unterwegs bin, was mir dann aber öfter mal Probleme mit dem Blutzucker und dem Kreislauf beschert.
Zugfahren geht langsam wieder, ich setze mich dann auf einen Platz direkt an der Toilette. Aber Bus und U-Bahn fahren vermeide ich nach Möglichkeit, v. a. wenn es längere Strecken sind und ich nicht weiß, an welchen Haltestellen ich notfalls aussteigen und eine Toilette aufsuchen kann. Beim Einkaufen bevorzuge ich mittlerweile größere Einkaufszentren, bei denen ich sicher gehen kann, dass dort Kundentoiletten vorhanden sind. Ich muss dann "nur noch" den Weg dorthin ohne Zwischenfälle überstehen.

Hast Du denn schon irgendwelche Strategien, wie Du damit umgehst? Ich versuche wie gesagt meine Fahrten an irgendwelchen Toiletten auszurichten, was aber die Angst nicht wirklich mindert. Denn 2-3 Std. dann auf einer Toilette irgendwo festzusitzen, finde ich auch nicht wesentlich angenehmer.

Ich hoffe, dass ich irgendwann mal eine Möglichkeit finde, damit umzugehen und genieße bis dahin erstmal die Angst- und Beschwerdefreien Tage, an denen ich dann endlich mal etwas unternehmen kann.

Liebe Grüße,
Simone

20.06.2009 20:17 • #2



RDS in Phasen und immer diese Angst

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Hallo Simone,
ja, das kann ich alles ziemlich gut nachvollziehen. Auch das unterwegs nicht-essen-wollen ist bei mir ähnlich, dehne das meist auch auf Trinken aus, weil das in so ner Situation auch Bauchschmerzen bei mir macht. Echt mies. Denke auch, man kann sich an die Beschwerden irgendwie gewöhnen, schon allein, weil es so oft passiert, die Angst macht aber so richtig kaputt.
Hab für mich überlegt, dass ich das hinkriegen muss zu trennen, also zum einen das ursprüngliche Erlebnis, was die Angst ausgelöst hat (urplötzlich Durchfall vor tausend Menschen), die spätere Angst, nochmal sowas zu erleben, und dann die Angst, irgendwelche Lebensmittel plötzlich nicht zu vertragen.
Was ich jetzt ausprobiert hab vor der letzten langen Zugreise, war mir genau das oben nochmal aufzuschreiben, mir klar zu machen, dass ich nichts "gefährliches" gegessen habe (die müssen aber auch zu 100% sicher sein, da gibt's noch nichtmal Experimente mit Gewürzen) und dass die olle Angst einfach nicht real ist. Hab vorher Kamillentee getrunken und so nen Magen-Darm-Tee, das hilft ganz toll bei mir, weil das macht mich ruhiger und verhindert, dass die Angst so stark hochkommt. Hab mir dann auf dem Weg zum Bahnhof (Horror!) und dem Bahnsteig (noch viel schlimmer!) quasi permanent eingeredet, dass das nur der Kopf ist, nur der Kopf ist, nur der Kopf ist.. Sah ich glaub ich auch bisschen blöd bei aus, aber egal. Und das hat echt geholfen. Ich war viel ruhiger und konnte die aufkeimende Angst mehr oder weniger schnell unterdrücken. Und jede "durchgestandene" Situation zieh ich mir beim nächsten Mal dann als Vergleich ran, also dann auf dem Weg zum Arzt letzte Woche hab ich mir gesagt, dass hat im Zug das letzte mal auch geklappt, es ist nicht real, es gibt keinen Grund Angst zu haben. Klingt jetzt wahrscheinlich einfacher als es ist, das ist echt ein Kraftakt, aber ich denke du/ihr kennst/kennt so ne Gefühle.
Naja, aber leider war dann der nächste Rückschlag vorprogrammiert, nächste lange Autofahrt und schon mussten wir wieder anhalten Einmal angekommen war aber dann alles super, tolles Wochenende gehabt und selbst die Rückfahrt konnte mich dann nicht mehr kratzen.
Vielleicht hilft dir mein Gedankengang ja auch ein wenig; ich finds ganz toll zu wissen, dass man mit dem ganzen Mist nicht allein ist Danke!

24.06.2009 09:22 • #3


Ich kann euch für den "Weg dahin" einen Tipp geben.
Wenn die Beschwerden bei euch zuhause nicht auftreten,dann ja vor allem,weil ihr euch da wohl und geborgen fühlt.
Das ganze könnte man aufs Auto übertragen.
Ich persönlich habe beim Autofahren eigentlich nie Beschwerden - zumindest nicht wenn ich selber fahre.
Das Auto ist zu einer Art "Schutzzone" geworden,wo ich mich genauso sicher fühlen kann wie zuhause.
Und ich weiß,dass ich jederzeit anhalten kann,wenn ich zur Toilette müssen sollte und genau deshalb muss ich nicht - zumindest nicht öfter als jeder "normale" Mensch.

30.06.2009 17:19 • #4


Hallo,
ich würde gerne zur Schutzzone "Auto" was schreiben.
Nur wenn man mit dem Auto auf der Autobahn im Stau steht und weit und breit kein Baum und Strauch zu sehen ist. Wenn die Autobahn mit einem Zaun gesichtert ist und hinter, vor und neben dir Autos stehen. Dann kommt die Panik und der Durchfall. Und dann wohin??
Ja klar, kann es mir egal sein, denn die Leute auf der Autobahn sehen mich nicht wieder. Doch trotzdem ist es wirklich übel und ich möchte es keinem wünschen.
Oder, wenn ich selber fahre und dabei die Angst so unterdrückem muss dass mir übel wird. Mir wird schwindlig und ich kann so zittrig nicht mehr sicher autofahren.
Da hab ich schon Angst vor der Fahrt und kann mich nicht mehr beruhigen.
Grüße Giseng

15.11.2009 21:44 • #5


ich bin ganz neu hier im Forum und will kurz was über mein Person erzählen, ich bin 37 Jahre alt seit 3 Jahren stolze Mutter einer wunderbaren Tochter. Sie ist mein Leben! Und mein Antrieb dieses Leiden endlich in Griff zu bekommen. Seit nun 10 Jahren leide ich unter RDS, ich hab so ziemlich alle Ärtze, Therapien und Medikamente durchgemacht. Leider hat nichts wirklich geholfen. Es fing alles mit einem Magen-Darm Virus an, und ich habs einfach nie wieder unter Kontrolle bekommen. Im Gegenteil es wurde immer schlimmer. Ich hatte so schlimme Angst unter Menschen zu gehen, dass ich 6 Monate gar nicht mehr raus bin. Nur das Nötigste zu besorgen, das musste aber immer schnell passieren. Das unangenehmste was mir passiert ist, war ich war im Kino, das völlig ausgebucht war, und mein damaliger Freund hatte Plätze genau in der Mitte genommen! Zuvor waren wir noch Pizza Essen. Tja, als der Film anfing, fingen auch die Blähungen an und natürlich kann man das nicht verbergen. Dann kam der Durchfall dazu, ich hab es gerade mal so aufs Klo geschafft und übergeben musste ich mich auch noch! Den restlichen Film sah ich mir in Etappen mit der Paltzanweiserin an der Ausgangstür stehend an. Mein Ex war so sauer auf mich, er zerrte mich noch beim Heimweg zu Fuss durch die ganze Stadt und ich bin in so ziemlich jede Einfahrt oder Garage geflüchtet und habe ge... Seit dem war nichts mehr wie es zuvor war. Ein Leben mit Angst und Krämpfen ist mir mittlerweile vertrauter als ein Sorge und Schmerzfreies Leben. Essen ist keine Freude mehr, vorallem nicht wenn ich unterwegs bin, ich trinke dann auch nicht, egal wie lang ich unterwegs bin, geht einfach nicht. Alles was bei mir rein kommt kommt auch gleich wieder unter Krämpfen raus!

15.11.2009 22:34 • #6


sei froh, dass du den kerl losgeworden bist!!
in so einer situation ist das sowas von die falsche reaktion von dem vogel..
aber ich kann deine probleme nachvollziehen, suche aber im moment selbst nach helfenden medikamenten.

15.11.2009 23:09 • #7


ja, bin ich auch. Aber auf das Verständnis meiner Nächsten musste ich laaange warten. Habe von der letzten Ärztin bei der ich war Uzara Dragees empfohlen bekommen, mal schauen ich hol sie mir morgen mal. Auf ein neues Kapitel! In eineinhalb Wochen muss ich wieder in die Arbeit, da ist Schluss mit Erziehungsurlaub, mir steht da 3mal die Woche eine 1 stündige Autofahrt auf der Autobahn bevor, mir ist jetzt schon ganz schlecht, wenn ich daran denke und das muss ich natürlich die ganze Zeit! Hoffe nur, dass das alles ohne Staus von statten geht..

15.11.2009 23:23 • #8




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