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Heyoka
Mitglied

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Hallo, ich bin neu im Forum und ich lebe seit 10 Jahren mit einer schizophrenen Erkrankung.

Meine Krankheit mit all ihren Symptomen hat mich und mein Leben seither so sehr vereinnahmt und geprägt, das von einem "normalen Leben" kaum noch die Rede sein kann. Ich lebe jetzt (mit 27 Jahren) immer noch bei meinen Eltern (zum Glück. ), habe im Alltag kaum noch soziale Kontakte und bin arbeitsunfähig, aufgrund der Schwere meiner Erkrankung und der Hartnäckigkeit meiner Symptome.

Nun habe ich aber den Anspruch an mich selbst, wenn ich ja schon nicht "normal" bin, zumindest irgendwann in der Lage sein zu wollen, ein möglichst normales und zufriedenstellendes Leben führen zu können, was auch immer das jetzt für mich bedeutet - und möchte darauf hinarbeiten.

Gibt es hier vielleicht Leute mit einer schizotypen Erkrankung, die von sich behaupten würden, ihr Leben trotz oder mit Erkrankung zu meistern? Also einen Weg gefunden haben, mit der Erkankung "normal" zu leben? Und was hat dabei geholfen/hilft dabei diesen Weg zu machen?

Mich würden eure Geschichten interessieren. Denn mir mangelt es zur Zeit immer wieder enorm an Hoffnung in meinem Leben.

Mfg, Heyoka.

25.01.2026 x 1 #1


8 Antworten ↓


W
Hallo. Meine Diagnose sind zwar hauptsächlich Depressionen, aber ich möchte dir dennoch etwas schreiben, weil ich quasi in der selben Situation bin wie du. Ich leider unter meiner Erkrankung seit langer Zeit. Nach Jahren von Therapie und Klinikaufenthalten gelte ich mittlerweile aus ärztlicher Sicht als austherapiert. Auch ich bin arbeitsunfähig und wohne bei meinen Eltern. Bei mir ist das Problem hauptsächlich die extreme Müdigkeit und Antriebslosigkeit, was dazu führt dass ich einen Großteil des Tages im Bett verbringe. Was sind es bei dir für Symptome die dich so hartnäckig einschränken?

Ich verstehe sehr gut dass du diesen Anspruch hast, auch wenn einem ja oftmals gesagt wird, dass man seine Ansprüche reduzieren muss, und zufrieden sein soll mit dem was man eben hat, finde ich es wichtig sich Träume und Hoffnungen aufrecht zu erhalten, weil es ohne sie an Sinn mangelt weiterzumachen. Insofern finde ich es auch gut dass du auf etwas hinarbeiten möchtest.
Beim Thema normal finde ich ist es eine Definitionsfrage. Mir zb wäre es hauptsächlich wichtig einfach nur glücklich und zufrieden zu sein, ob ich dann normal bin ist eigentlich unwichtig. Wenn normal bedeutet voll arbeitsfähig zu sein, dann trifft das wohl auf viele Menschen nicht zu, und spätestens ab einem gewissen Alter hat sich dieses Thema eh erledigt, insofern finde ich es wichtig den Fokus in erster Linie darauf zu richten was Zufriedenheit auslöst. Wie siehst du das denn?

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A


Trotz Schizophrenie/Schizoaffektiver Störung normal leben?

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H
@Winternight Hey, Danke für deine Nachricht. Ich stimme deinen Gedanken und Impulsen voll zu.

Ich leide an den selben Symptomen wie du, nur äußern sich diese depressiven Episoden bei mir phasenweise. Sie tauchen auf, bleiben eine gewisse Zeit, und klingen irgendwann wieder ab. Etwas hartnäckiger ist der psychotische Part bei mir, zu dem ich ein sehr ambivalentes Verhältnis habe, da es mir meistens bei Beginn einer psychotischen Episode sehr "gut" geht. So lange, bis es sich halt zuspitzt und die reinste Folter ist. Außerdem habe ich große soziale Ängste.

Auch mit dem zweiten Teil deiner Nachricht hast du Recht und sagst was wichtiges. Ich fürchte weil meine Krankheit damals so abrubt in mein Leben einbrach, zu einer Zeit wo dieser ganze Lebensweg überhaupt erst noch anstand für mich, mich die Frage was ich werden möchte sehr beschäftigt hat, und ich auch sehr große Ziele und Träume hatte, welche ich immer noch teilweise oder mittlerweile wieder habe, ist es schwer für mich mein Glück von meiner (nicht erfüllten) Leistung zu trennen und mich gut zu fühlen. Meine Vorstellung von einem "glücklichen" Leben ist eng verknüpft mit dem Anspruch an mich selbst, einigermaßen zu funktionieren, und mein Leben wieder selbst mehr gestalten zu können, so das ich diese Ziele erreiche. Aber erlebe ich das komplette Gegenteil und eher noch einen stetig fortlaufenden Leistungsabfall.

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Micha2
Hey,
dann erzähl ich auch mal bissel was.
Vor 5Jahren bin ich an Paranoider Schizophrenie erkrankt.

Ich war fast 3Jahre komplett matsche, pillen haben ihr teil dazugetragen.


Heut geht es halbwegs gut und ich kann halbwegs normal leben, hab ne angepasste arbeit, und leute wo ich auch immer hin kann (was bei solche krankheiten viel wert ist).

Damals wollte man mich in de Rente drücken was ich auf keinen fall wollte....und ich hab mir dann mein eigenen weg durchkämpft und mal teilweise auf de Ärzte gesch.....


Ich musste aber als erstes alle Pillen absetzen, ständig unter diesen einfluss war man dauerhaft von negativ Symtome geplagt.

Dann hab ich an mir gearbeitet versucht irgendwie wieder in einen "alltag" zu kommen.

Und das hat funktioniert, ist trotzdem nicht so einfach da ich auch ab und zu mit Schübe zu tuen hab, und auch gerade die Negativsymtome vorhanden sind, die aber besser als die positiven sind^^.




Man sollte klein anfangen, am anfang musste ich mich auch zu allem zwingen, irgendwann entstand dann wieder ein normales leben?

Ka wie ich das erklären soll.


Einfach versuchen und machen, ich lag auch Jahre nur im Bette rum, aber das kann so doch jetzt nicht mein leben sein dacht ich mir und fing dann an.

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H
@Micha2 Hi, Danke für das Teilen deiner Erfahrung. Und Respekt. Es ist 'ne riesige Kunst dann trotzdem seinen eigenen Weg so zu machen, wie du es schilderst, finde ich. Teilweise auch trotz der Autorität der Ärzte und dem Einfluss der Medikamente, für sich im Blick zu behalten was sich gut und richtig für einen anfühlt und was nicht. Das finde ich irgendwie schwer, da 'ne Mitte für mich zu finden. Meine bisherigen Versuche die Medikamente auszuschleichen, sind alle fehlgeschlagen und ich bin da an diesem immensen Leidensdruck der Plussymptome immer wieder eingeknickt. Ich habe es lange Zeit geschafft, mit einer sehr niedrigen Dosierung zumindest kaum bis keine Plussymptome zu haben, ohne mich kognitiv und im Fühlen komplett daneben zu fühlen. Minussymptome muss man wahrscheinlich wirklich, wie du sagst, mit aller Willenskraft selbst anpacken und Schritt für Schritt angehen, das die sich bessern. Sonst ist es wahrscheinlich echt schwer. Ich versuche mir das vorzunehmen. Danke nochmal fürs Teilen, ein gutes Wochenende dir und weiterhin alles Gute!

x 2 #5


IronIgris
@Heyoka Hallo, kann es sein, dass wir irgendwie Seelenverwandte sind? Ich habe auch eine paranoide Schizophrenie – zumindest steht das so auf dem Papier – und leide, wie du, unter Depressionen und einer sozialen Phobie. Die paranoide Schizophrenie wurde ebenfalls vor zehn Jahren diagnostiziert, also als ich 17 war. Ich bin ebenfalls Sternzeichen Löwe und auch 27 Jahre alt. Schade, dass du nicht in Hamburg wohnst, sonst würde ich direkt Kontakt mit dir aufnehmen.


Zu meiner Lage: Ich musste meine Arbeit vor etwa neun Monaten abbrechen, es ging einfach nicht mehr – und sie wollten es auch nicht mehr. Ich kam dort über vier Jahre super zurecht, hatte keine Probleme, aber als die guten Chefs weg waren, bekam ich Schwierigkeiten mit den neuen. Es gab ungerechte und unfreundliche Behandlung. Bis dahin hatte ich auch jemanden, der mir Kraft und Energie gab, aber seitdem ich diese Person nicht mehr habe, ging es nur noch bergab. Am Ende habe ich gemerkt, dass keine Energie mehr da war. Seit ich nun auch nicht mehr arbeite, bin ich fast nur noch isoliert zu Hause. Außerdem habe ich eine schlechte Nachbarschaft und kaum Freunde. Ich grüble zu viel, mache mir zu viele Gedanken über mein Leben, darüber, dass ich nichts erreicht habe, worauf man stolz sein kann. Zu viele Gedanken auch darüber, was andere über mich denken, und Angst davor, nicht die Liebe meines Lebens zu finden. Wichtig wäre auf jeden Fall, dass ich wieder aktiver werde, mehr rausgehe, um weniger isoliert zu sein, und anfange, meinen Zielen nachzugehen – aber es ist schwer. Momentan schlafe ich zu viel und liege zu viel im Bett.

#6


W
Ich habe eine schizoaffektive Störung und habe mich auch sehr isoliert. Ich bin 2019 erkrankt und hatte bislang eine Psychose. Arbeiten kann ich immer noch nicht. Es gibt Zeiten da denke ich mir alles wird wieder gut und ich bekomme mein Leben in denn Griff. Es gibt auch Zeiten ohne Hoffnung. Ich kenne aber einige Erkrankte die gut funktionieren und auch arbeiten können. Wünsche allen Betroffenen alles Gute.

#7


R
Hi :>,
mein Psychiater meinte, dass es viele Menschen gibt, die mit Schizophrenie trotzdem arbeiten können. Aber was bedeutet eigentlich „erfolgreich“? Manchmal denke ich, das Dinge, die andere Menschen als normal ansehen oder scheinbar mühelos schaffen, sind für mich oft schon ein Schritt in Richtung Erfolg. Das ist manchmal bedauerlich, und ich weiß, dass ein Teil meiner Kraft fehlt, nur weiß man nicht, wie ich diese Lücke füllen kann.
Ich mache gerade meinen Schulabschluss nach. Ich habe nur wenige Freunde, aber es hat lange gedauert, bis ich mich meinen Ängsten gestellt habe. Es war gedanklich eine Qual. Heute bin ich sehr selbstbewusst. Ich musste mir so viel eingestehen und einsehen, dass auch Fähigkeiten nicht mehr da sind. Man wird nie ganz fertig und das muss man auch nicht. Was eine belastende Situation für Betroffene erträglicher macht, sind Menschen, die einen wahrnehmen, lieben und nicht loslassen. Viele von uns erleben dieselbe Symptomatik. Wir sollten das, was früher war, nicht als Maßstab für die heutige Situation nehmen. Darum miss den heutigen Schritt nicht mit dem Maß von gestern.
Manchmal bedeutet neu lernen nicht, alles von vorne zu beginnen, sondern Dinge auf eine bessere, passendere Weise wieder zu aufarbeiten. Es ist schwer. Es ist langsam. Aber man ist bei Bewusstsein und kann sich Schritt für Schritt wieder nach oben kämpfen. Schäme dich nicht, ehre dich, nimm dir die Zeit, setzt dir kein Limit, suche nach den richtigen Dingen. Du hast es nicht einfach. Wer das nicht glaubt, hat nicht im Geringsten genug Intelligenz und Empathie, um die Komplexität dieser Erkrankung zu verstehen. Auch wer denkt, dass erkrankte Menschen dadurch minderwertig wären, ist menschlich ignorant, leichtgläubig und wertschätzt kaum was. Du schaffst das, aber du brauchst eine menge an Zeit, Geduld und Ruhe.

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B
Zitat von Heyoka:
Gibt es hier vielleicht Leute mit einer schizotypen Erkrankung, die von sich behaupten würden, ihr Leben trotz oder mit Erkrankung zu meistern?

Ja, hier, wobei sich bei mir bisher kein Arzt getraut hat eine eindeutige Diagnose zu stellen. Es wurde dann ausgewichen, dass Diagnosen heutzutage eh nicht viel nützen würden. Vielleicht eine Besänftigung. Ohne Diagnose ist es allerdings in der brüokratishen Welt sehr schwer.

Ich habe zwar ein eigenständiges Leben und bin auch selbständig, aber hilfebedürftig. Die soziale Eigenständigkeit ergibt sich eher aus der Einsamkeit. Die berufliche aus dem, dass ich was machen will. Aber es ist schwer und es werden mir viele Steine und Hürden in den Weg gelegt - von den Gesunden.
Zitat von Heyoka:
Meine bisherigen Versuche die Medikamente auszuschleichen, sind alle fehlgeschlagen

Ich hatte das SSRI-Absetzsyndrom und es erst beim dritten Versuch geschafft. Ich musste fies zu mir selber sein um es zu schaffen. Es ist eine richtig miese Sache, zumal mir damals (vor über 20 Jahren keiner etwas von diesem Syndrom gesagt hatte).

Das größte Problem ist, dass andere nicht mit dieser Krankheit umgehen können. Einige sind abweisend, andere behandeln einen als gestört und nicht zurechnungsfähig. Die bürokratische Seite behandelt einen wie entmündigt, ohne einen zu entmündigen. Man wird nicht ernst genommen. Sehr leicht wird alles gesagte und getane der Krankheit zugeschoben. Man wird nicht wie ein freier Mensch behandelt. Dabei ist es so, dass die meisten mit dieser Krankheit wissen, dass sie für andere schwierig sind, die anderen dafür aber keinerlei Verständnis haben, außer nach einer Diffamierug zu etwas niedrigerem als sie, dass sie dann entsprechend behandeln. Kontakt auf Augenhöhe und Gleichberechtigung gibt es selten. Aus diesen Gründen lebe ich in ständiger Angst, ohne eine Angststörung zu haben. Der endgültige soziale Absturz ist stetiger Begleiter. Kleinste Unachtsamkeiten können fatale Wirkungen haben. Zudem ist in den letzten 25 Jahren die soziale Kälte größer geworden. Es ist noch strenger und noch gefährlicher.

Die einzige Hoffnung die ich dir machen kann ist, dass du dich auf dein Glück verlassen kannst, wenn du denn welches hast, also in deinem innern ein guter Mensch bist. Insbesondere gegenüber bösen Menschen kann das hilfreich sein. Sei immer nur so ehrlich und offen wie nötig. Notlügen und Schönreden/Ausschmücken ist gegenüber anderen erlaubt. Mache einfach das worauf du Lust hast und kämpfe dafür es tun zu können.

PS: übrigens, wenn du das Potential der Erkrankung in dir erkennst, dann kannst du dieses nutzen. Ob künstlerisch oder sonstwie ist dir überlassen. Die Kunst ist frei. Da kannst du vollkommen frei alles tun, egal wie abgefahren oder krass oder krank.

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