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Hallo zusammen!

Ich suche nette e-mail Kontakte im Berliner Raum, vielleicht auch mit Menschen die wie ich an sozialer Phobie und verschiedenen anderen Ängsten leiden.
Erst mal zu mir, ich bin 39 Jahre alt, lebe alleine und bin durch die Ängste schon längere Zeit arbeitsunfähig.
Ich habe starke Angst vor anderen Menschen, habe mich daher immer mehr zurückgezogen. Ob das eine soziale Phobie ist, weiß ich gar nicht so genau, aber es geht schon in die Richtung von anderen abgelehnt zu werden, bewertet zu werden und so. Leider habe ich außerdem noch eine ganze Palette von anderen Ängsten, auf der Straße, in Geschäften usw., eigentlich allem, wo man Menschen begegnet. Zur Zeit ist es so schlimm, dass ich gerade mal so eine Runde um den Häuserblock schaffe und dann zitternd und erschöpft wieder in meine Wohnung gehe. Ich übe zwar täglich, aber es verbessert sich leider nicht so richtig.
Ich würde mich gerne mit anderen austauschen, die ähnliche Probleme haben wie ich. Zur Zeit suche ich nur e-mail Kontakte, da aufgrund meiner Angst nichts anderes möglich ist. Trotzdem ist mir der Berliner Raum wichtig, um sich vielleicht später doch mal persönlich kennenlernen zu können.

Ich freue mich auf Antworten!

Liebe Grüße
Michaela

01.05.2009 18:46 • 22.05.2009 #1


10 Antworten ↓


Hallo Michaela,

Deine Nachricht ist zwar schon 2 Wochen alt, aber vielleicht schaust Du ja noch hier vorbei.

Ich wohne in Glienicke; das liegt nördlich von Frohnau/Hermsdorf. Also fast Berlin. Aber da ich in Charlottenburg arbeite, findet mein Leben fast nur in Berlin statt.

Du weißt nicht genau, an welche Art Phobie Du leidest? Fein, denn das geht mir genauso. Ich dachte, es sei eine Sozialphobie. Aber ich habe keineswegs ständig Angst unter Menschen zu sein. Dies hängt vom Ort und dem notwendigen Kontakt ab. Aber dazu erzähle ich Dir lieber später mehr.

Ich warte mal ab, ob Du hier noch vorbeischaust . . .

RUDRA

16.05.2009 14:50 • #2



E-mail Kontakte im Raum Berlin gesucht!

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Hallo Rudra,

vielen Dank für Deine Antwort. Ja, ich schaue hier schon öfters mal rein.
Wie ist es denn bei dir genau mit den Ängsten? Wenn du arbeiten gehst, scheinst du dich ja noch ganz gut unter Menschen zu trauen.
Bei mir ist es so, dass ich jetzt dieses typische, was bei einer sozialen Phobie der Fall ist, eher nicht habe. Also nicht sprechen können vor anderen oder das Gefühl ständig beobachtet zu werden. Ein Therapeut hat mir mal gesagt, ich hätte eine verzerrte Wahrnehmung, das heißt, ich denke immer, dass andere schlecht von mir denken und mich ablehnen. Dessen bin ich mir so sicher, dass sich eine starke Angst bei mir entwickelt hat. Ich habe immer das Gefühl, dass von anderen irgendwie eine Bedrohnung ausgeht, im Sinne von nicht ernst genommen werden, ausgelacht und abgelehnt zu werden usw.
So, dann schreib mal, wie es bei dir so ist, in welchen Situationen du Ängste hast und in welchen du dich wohl fühlst und alles in Ordnung ist.

Liebe Grüße
Michaela

16.05.2009 16:24 • #3


Liebe Michaela,

also ich weiss nicht, welche Art von Phobie ich habe. Ich gehe täglich zur Arbeit. Ich arbeite in der öffentlichen Verwaltung. Dort habe ich zwar keinen Kontakt mit den Bürgern, aber natürlich mit den Kollegen. Das allein macht mir noch nichts aus. Auch die Ansagen, die ich als Teamleiter zu treffen habe, machen mir nichts. Es sind eher die nicht steuerbaren Situationen: Besprechungen, Seminare. Dort treffe ich auf noch unbekannte Personen und sofort werden Ängste ausgelöst. Ich fühle mich beobachtet, bewertet. Häufig mache ich mir schon Tage zuvor große Gedanken, was alles passieren könnte. In der Folge leide ich unter starken Bauchbeschwerden. Die werden zwar während der Seminare deutlich erträglicher, aber dort habe ich dann stark schwitzende Hände.

Und außerhalb der Arbeit bin ich zwar ein vielseitig interessierter Mensch, vermeide aber den direkten Kontakt zu anderen Menschen. Wobei ich nur den direkten Konatkt meine. Ich habe keine Probleme in U-oder S-Bahn, gehe zu Sportveranstaltungen usw. Aber Familienfeste, öffentliche Veranstaltungen wie z.B. eine Vereinsmitgliederversammlung, bei denen ich angesprochen werde, lösen wieder Ängste aus.

Ist das eine Sozialphobie? Oder nur ein sehr eingeschränktes Selbstbewußtsein? Keine Ahnung.

Eine Psychotherapie habe ich schon probiert. War sehr angenehm, hat aber im Nachinein betrachtet, nichts verändert.

Eigentlich suche ich auch den Kontakt zu Gleichfühlenden. Deshalb bin ich auf eine SHG gestoßen. D.h. bisher nur im Online-Forum. Zum wöchentlichen Treffen zu gehen, habe ich bisher zeitlich nicht geschafft.

Ansonsten hört sich das bei Dir sehr ähnlich an. Ich glaube auch stets, dass alle Anderen mich angucken und bewerten. Und dann ablehnen. Es ist schlimm, dass ich es nicht schaffe, unbekümmert zu Versammlungen zu gehen. Sobald ich weiss, dass ich Kontakt zu anderen aufnehmen soll, rebelliert mein Bauch und schwitzen meine Hände.

Wie gehst Du damit um? Und wie sieht Dein Alltag aus?

Liebe Grüße

RUDRA

16.05.2009 17:06 • #4


Liebe Rudra,

wenn ich das so lese, wie es dir geht, dann würde ich sagen, das ist ganz eindeutig eine soziale Phobie. Das ist doch, wenn man Angst hat, sich vor anderen zu blamieren, vielleicht rot zu werden oder zu stottern. Wenn das bei dir vor allem in Besprechungen und Seminaren so ist, dann ist das ganz eindeutig eine soziale Phobie.

Tja, das ist doch was ganz anderes was wir beide haben und ich fürchte, ich kann dir da auch nicht weiterhelfen. Ich habe richtige Angst vor Menschen. Also wenn jemand z.B. zu Besuch kommt, auch wenn ich denjenigen kenne, dann kriege ich mindestens 24 Stunden vorher Angstzustände, bin aufgeregt, habe Herzrasen, kann nicht schlafen. Den Besuch stehe ich dann irgendwie durch, unter höchster Anspannung, bin gar nicht richtig ich selbst vor Angst und danach bin ich total erschöpft, weil mein Körper so lange auf Hochtouren lief.
Anfangs habe ich immer wieder geübt und versucht und gehofft, dass es besser wird. Dann war ich in einer Klinik, weil ich dachte, dass es ja helfen muss, wenn ich immer unter Menschen bin.
Aber seit der Klinik hat sich das noch mal so verschlimmert bei mir, jetzt habe ich auch Angst vor anonymen Menschen, kann also kaum noch auf die Straße gehen, das war vorher bei mir nicht.
Ich habe so was noch nie gehört, was ich habe, eine soziale Phobie ist es eindeutig nicht. Scheint was ganz seltenes zu sein.
Tja, wie sieht mein Alltag aus? Ich bin fast den ganzen Tag zu Hause und versuche mir meinen Tag so schön wie möglich zu machen. Das gelingt natürlich nicht immer, dafür bin ich zu verzweifelt.

So, das war es erst mal wieder von mir

Liebe Grüße
Michaela

17.05.2009 09:49 • #5


Liebe Michaela,

sorry, das ich Heute erst so spät schreibe. Aber ich war bei ALBA in der O²-World. Dort bin ich Dauergast. Basketball ist so schön . . .

Was denkst Du jetzt? Warum postet dieser Kerl hier im Sozialphobieforum, obwohl er doch offenbar auch noch Spaß dabei hat, mit mehr als 10.000 anderen Menschen in einer Sporthalle zu sitzen? Er hat doch keine Probleme und kann mich überhaupt nicht verstehen?

Ich hoffe, so denkst Du nicht!

Ok, Deine Probleme machen sich ganz anders bemerkbar. Aber ich denke, dass wir beide durchaus vergleichbare Sorgen haben. Vielleicht sogar sehr ähnliche Ursachen.

Ich habe schon häufiger von Menschen gehört, die überhaupt keinen Kontakt zu Anderen wahrnehmen können. Du hast das bei Dir auch so beschrieben. Nun, auch wenn ich täglich zur Arbeit gehe und ständig zu Sportveranstaltungen, so täuscht dies etwas über meine Probleme bei der Kontaktaufnahme mit anderen Menschen hinweg. Ok, Deine Probleme sind offenkundiger. Ich dagegen kann noch häufig genug über meine Probleme hinweggehen. Aber wie es Innen aussieht, bleibt meistens verborgen. In einem Seminar habe ich mal gelernt, dass ein introvertierter Mensch genauso gesprächig den Tag unter Menschen verbringen kann, wie ein Extrovertierter. Der Unterschied ist nur, dass der Extrovertierte am Abend noch fit ist, während der Introvertierte völlig kaputt auf die Couch fällt. Aber den Tag haben sie identisch verbracht. Und die Mitmenschen haben häufig gar keinen Unterschied feststellen können.

Also glaube ich, dass Deine Probleme nach Außen ausgebrochen sind, während ich meine verstecken kann. Verstecken, auch vor mir selbst.

Du leidest bei jedem Besuch, egal wer vorbeikommt? Ok, dass ist bedauerlich. Bei mir ist wenigstens abhängig, wer kommt.

Hm, ich möchte mich nicht als Therapeut aufspielen, aber ich möchte unbedingt mir Dir im Kontakt bleiben.

Gibt es denn noch Menschen, mit denen Du persönlichen Kontakt hast? Eltern, langjährige Freunde? Wie ist es denn bei Telefongesprächen?

Ich mag einfach nicht glauben, dass diese Phobie, und ich glaube, es ist auch bei Dir nichts Anderes, nur eben sehr ausgeprägt, so viel Macht ausüben kann. Wie sieht es denn bei Gleichgesinnten aus? Eine Selbsthilfegruppe?

Du darfst nicht aufgeben!
Du bist so, wie Du bist. Nichts ist falsch daran! Es gibt noch viele Menschen, die gerne mit Dir reden würden, die so sind wie Du oder zumindest so ähnlich. Gib ihnen eine Chance, andere Menschen, Dich, kennenzulernen. Es gibt Menschen, die Dich brauchen! Lass sie nicht allein. Du bist nicht allein !

So, es ist leider schon spät geworden. Ich würde mich noch gerne mit Dir unterhalten. Aber für Heute soll es genug sein. Hast Du meine persönliche Nachricht gelesen? )
Ich schaue hier Morgenabend wieder rein. Wirst Du geantwortet haben?
Klar!

Ich wünsche Dir eine gute Nacht und einen angenehmen Montag.
Im Profil habe ich erwähnt, dass ich Yoga mache. Und unter Yogis ist das Falten der Hände und das Lächeln dem Gegenüber üblich. Zur Begrüßung und zum Abschied. Namaste.
Fühle Dich angelächelt . . .

Rudra

17.05.2009 22:35 • #6


Hallo Rudra,

nee, das stört mich nicht, dass du ein Mann bist.

Naja, ich dachte tatsächlich ein bisschen so, wie du vermutest hast. Dass du Probleme hast, die jetzt mit meinen nicht so vergleichbar sind. Scheint ja wohl doch nicht so zu sein.
Ich fand ja deinen Vergleich mit den introvertierten und den extrovertierten Leuten so klasse. Geht es dir so? Bei mir war es immer so, ich war nach einem Arbeitstag so was von müde und kaputt und wusste nie warum. Für die anderen ging das Leben da erst so richtig los und ich musste mich ausruhen. Ob es daran lag, dass für mich der Kontakt mit anderen viel stressiger war?
also ich hatte ja auch mal ein relativ normales Leben so wie du. Ich staune, dass dir das so bewusst ist, was mit dir los ist. Ich hatte keine Ahnung. Ich war immer sehr schüchtern, hatte nie viele Freunde und immer Probleme, in Gruppen klar zu kommen. DAs hat mich schon sehr gewundert, aber so richtig was bei gedacht habe ich mir nicht.
Dann habe ich mal eine Singlereise gemacht, wo ich mich sehr schrecklich gefühlt habe. Danach hatte ich plötzlich so merkwürdige Erschöpfungszustände, war einfach nicht mehr so leistungsfähig wie vorher. DAs ging 5 Jahre lang so weiter, bin von Arzt zu Arzt gerannt und keiner fand etwas, ich war kerngesund. Dann bin ich aber psychisch total zusammengebrochen, hatte Heulkrämpfe, konnte einfach nicht mehr arbeiten gehen. DAs ist jetzt auch schon wieder 5 Jahre her. Man hat dann schwere Depressionen diagnostiziert. Mit der Angst vor Menschen das fing erst während meiner Krankschreibung an. Plötzlich war es so, eine langjährige Freundin kam zu Besuch und ich war außer mir vor Angst. Konnte überhaupt nicht verstehen, was mit mir los war.
Tja, und der Klinikaufenthalt vor ein paar Monaten hat nun alles noch viel schlimmer gemacht. Vorher konnte ich ja auch runtergehen, einkaufen gehen, ins Kaufhaus und so, viele Menschen haben mir nichts ausgemacht, ich hatte nur bei Menschen Angst, die ich kannte, die mir nahe kommen konnten. Nun geht gar nichts mehr, jetzt habe ich vor allen Angst.
Kontakte hab ich kaum noch, meine Mutter kommt ab und zu mal zu Besuch, aber auch da bin ich aufgeregt, obwohl es nicht ganz so schlimm ist. Bis vor einem Jahr habe ich in einer Beziehung gelebt, aber er hat mich verlassen, weil er meine Krankheit nicht mehr ertragen konnte und die damit verbundenen Einschränkungen der sozialen Kontakte.
Über dieses Forum habe ich eine ganz nette Frau kennengelernt, mit der schreibe ich mich schon seit Monaten. Sie war ein paar mal kurz bei mir zu Hause, aber meine Angst ist so schlimm, ich schaff es nicht, sie näher an mich ranzulassen, sozusagen. Klappt einfach nicht. Zum Glück hält sie mir trotzdem die Treue, denn wir sind in den e-mails schon so gute Freundinnen geworden.
Telefonieren fällt mir auch schwer, aber so richtig schlimm ist es nur, wenn mir ein Mensch in Fleisch und Blut gegenübersteht, dann bin ich wie erstarrt vor Angst. Eine Selbsthilfegruppe ist völlig ausgeschlossen, ich kann ja kaum vor die Haustür gehen. Ich war auch mitten in einer sehr guten Therapie, die musste ich leider auch abbrechen, weil ich keine Möglichkeit mehr habe, da hin zu kommen. Und leider kommen keine Therapeuten in die Wohnung, das zahlt die Kasse nicht, da hab ich mich schon erkundigt. Also bin ich ganz allein auf mich gestellt.

So, nun hab ich ja ne Menge über mich geschrieben. Du, ich versteh das schon, dass du arbeiten kannst und ins Sportstadion gehen kannst. Da braucht man ja keinen wirklich nahe an sich ranlassen, also seelisch gesehen. Ich vermute mal, das ist auch dein Problem, oder? Wie lebst du denn sonst so? hast du einen Freundeskreis? Eine Familie?

Liebe Grüße
Michaela

18.05.2009 10:10 • #7


Liebe Michaela,

ich freue mich sehr, dass Du geantwortest hast.

Ja, die Situation mit den Introvertierten und den Extrovertierten ist mir sehr geläufig. Nicht unbedingt im Alltag, aber wenn ich zu einem Seminar muss, dann quäle ich mich dadurch, ohne dass die Anderen irgendetwas bemerken und am Abend falle ich fast um. Das war auch nicht immer so. Fing erst so vor etwa 7 oder 8 Jahren an. Ich hatte nie viele Freunde, nur wenige, aber dafür ziemlich intensiv. Ich habe mich in Gruppen nie wohl gefühlt, das hält bis Heute an. Ist sogar eher noch schlimmer geworden.
Wobei es Ausnahmen gibt: Ich mache seit 2005 Yoga. Seitdem verbringe ich jedes Jahr einige Wochen im Ashram in Bad Meinberg(Westfalen). Dort lebe ich teilweise allein in einer Gruppe. Und -- ich fühle mich sehr wohl. Anfang 2008 habe ich eine Mass. dort gemacht. Es war wohl die schönste Zeit in den letzten Jahren. Was hat es mir gezeigt? Ich kann mich sehr gut in einer Gruppe aufhalten. Nur ist es wichtig, welche Menschen in dieser Gruppe sind. Ich mag keine Draufgänger, keine lauten Menschen, keine, die sich ungefragt eine Bühne nehmen. Ich mag auch niemenaden, der mich komisch findet. Ich möchte einfach so akzeptiert werden, wie ich bin. Und genau das habe ich dort gefunden.

Es gibt Menschen, die so sind, wie wir. Die kümmern sich nicht um die Schüchternheit, sondern nehmen einen unvoreingenommen in die Gruppe auf; keine Vorurteile, keine blöden Nachfragen. Man bekommt gesagt, wie froh sie sind, dass man dabei ist. Und sie meinen es ehrlich ! Und das Ganze ist Realität; kein Film, kein Traum. Einfach real.

Leider bin ich schon 41 Jahre und führe ein Leben, was mich nicht glücklich macht. Ich habe einen Beruf, der mir nichts bringt, außer finanzielle Sicherheit. Wäre ich 15 oder 20 Jahre jünger, würde ich im Yoga-Ashram leben und den wahren Sinn des Lebens erkunden.

Ich möchte Dich jedoch nicht verschrecken. Ich bin ein esoterisch interessierter Mensch. Aber ich stehe mit beiden Beinen auf dieser Erde. Manchmal etwas verträumt, aber nicht wirklich abgehoben. Ganz am Rande sei übrigens erwähnt, dass Yoga das Selbstvertrauen steigert. Du lernst nämlich Deinen Körper besser kennen.

Keinen an sich ranlassen? Nein, ich lasse gerne Menschen an mich ran. Also nicht viele und natürlich nicht alle auf einmal. Aber sich mit einem achtsamen Menschen zu unterhalten, ist doch eine sehr schöne Sache. Er muss jedoch die Achtsamkeit haben, die eine tiefgehende Unterhaltung benötigt. Ich hasse Oberflächlichkeiten und Smalltalks. Solche Menschen zu finden, ist jedoch im Alltag sehr schwierig.

Familie? Ja, ich habe eine Freundin. Wir leben seit fast 10 Jahren zusammen. Und sie ist sehr achtsam ! Außerdem habe ich einen 14-jährigen Sohn. Er lebt aber bei seiner Mutter. Wir sind schon seit über 10 Jahren auseinander.

Fragst Du Dich, warum ich trotz Freundin, mich hier in solch einem Forum aufhalte? Nun, meine Freundin ist zwar sehr achtsam, aber ich möchte daneben noch andere Menschen kennenlernen, mit denen ich auch etwas Zeit verbringen kann. Ich darf mich nicht auf einen Menschen verlassen. Die Welt hat mehr zu bieten.

Es ist sehr schade, dass sich Deine Sorgen so verschlimmert haben. Offenbar war der Weg über Therapie und Klinik nicht der Richtige. Ich hoffe, Du hast Dich nicht entmutigen lassen. Bekanntlich führen alle Wege nach Rom. Du brauchst also nur einen anderen Weg zu nehmen . . . Über ein Online-Forum Kontakt zu führen ist durchaus auch ein Weg. Ich wünsche Dir, dass er Dir hilft.

In der kurzen Zeit des Hierseins, habe ich gelernt, dass es Menschen gibt, deren Sorgen meine in den Schatten stellen. Das könnte mir etwas helfen. Dafür danke ich Dir !
Ich hoffe, dass ich Dir auch etwas helfen kann. Am Ende des Tunnels wartet immer das Licht . . . Auch auf Dich !

Auch diese dunkle Zeit wird vergehen. Auf Regen folgt stets Sonnenschein. Kämpfe nicht dagegen an. Nimm den Regen an und lächle ihm zu. Es geht! Ich glaube Depressionen und fehlendes Selbstbewußtsein können erst dann beseitigt werden, wenn man sie akzeptiert hat und man nicht mehr gegen sie ankämpft. Was ich nicht bekämpfe, verliert seine Macht über mich.

Du hast mal ein normales Leben mit Partner gehabt? Falsch !
Dein Leben ist immer noch normal. Dein Partner hatte keine Geduld. Sehr schade. Er versäumt etwas. Aber Dein Weg ist jetzt offen für andere Menschen. Für Menschen, die mehr Geduld haben, für Menschen, die mit Dir in Kontakt bleiben möchten. Die sich darüber freuen, dass Du Dich in Gruppen unwohl fühlst, weil sie Dich dann nicht ständig mit Anderen teilen müssen. Für Menschen, die genau Deine Begleitung auf ihrem Weg brauchen, die nur auf Dich gewartet haben. Lass Dich von Ihnen finden und begleite sie.

Schreibe bei nächster Gelegenheit Deiner Freundin, die Du hier getroffen hast. Und sei Dir anschließend bewußt, dass nun schon 2 Menschen den Kontakt hier mit Dir geniessen. Du bist niemals allein. 2 Menschen denken gerne an Dich und freuen sich über Deine Nachrichten.

Und weißt Du, was besonders bewegend sein kann. Gehe ins Badezimmer, stell' Dich vor den Spiegel und sage Dir ins Gesicht:
"2 Menschen freuen sich auf mich." Wiederhole den Satz mehrmals und komm' Dir dabei nicht komisch vor. Du bist ja eh allein in der Wohnung. Also sieht es keiner. Du wirst sehen, nach einigen Malen wirst Du Dich anlächeln . . .

2 Menschen freuen sich auf Dich und lächeln Dich an. Keine Worte, keine Sorgen, keine Angst . . . nur lächeln.

Ich lächel Dich an . . .
und schicke Dir ein lieben Gruß

Dein Rudra

P.S.
Deine nächste Nachricht bitte erst nach dem Besuch des Spiegels . . .

18.05.2009 21:51 • #8


Hallo Rudra,

Du, ich weiß, dass du versuchst mich aufzubauen und mir was gutes tun willst, wenn du schreibst, dass auf Regen Sonne folgt und solche Sachen.

Ich bitte dich, so was nicht mehr zu schreiben. Weißt du, für mich klingt das sehr nach platten Sprüchen und davon halte ich nicht viel. Ich bin seit mehreren Jahren sehr schwer krank und habe viel unternommen um da wieder rauszukommen und es ist trotzdem immer schlimmer geworden. Das Leben funktioniert nicht nach dem Prinzip nach Regen kommt Sonne. Manche kriegen Krebs und sterben auch schon in jungen Jahren. Manche haben eine schwere seelische krankheit so wie ich und finden einfach keinen Weg heraus. Das Leben kann unglaublich grausam sein. Daran, dass auch mir mal irgendwann das Glück über den Weg läuft, glaube ich schon lange nicht mehr. Ich bin da vollkommen desilliosioniert und fühle mich sehr verscheißert, wenn du solche Sachen schreibs, auch wenn ich weiß, dass du es eigentlich gut meinst.

Ich werde auch nicht irgendwas vor dem Spiegel sagen, bitte verschone mich mit sowas, davon halte ich absolut überhaupt nichts, da bin ich nicht der Typ für. Das liegt mir nicht.

Ansonsten kann ich dich schon in vielen Dingen sehr gut verstehen. Dass man sich auch in Gruppen wohl fühlen kann, das habe ich auch schon erlebt. Allerdings, dass Menschen einen so annehmen wie man ist, ganz vorbehaltlos, das habe ich nie erlebt. Gelästert wird doch immer, gerade wenn man so schüchtern ist wie ich und sich vielleicht auch mal nicht so cool und selbstsicher geben kann, wie andere.

Einen Beruf, der finanzielle Sicherheit gibt, aber nicht ausfüllend oder erfüllend ist, hatte ich auch immer. Rückblickend muss ich sagen, dass es ein großer Fehler in meinem Leben war, dabei geblieben zu sein. Ich glaube, ich habe viel Kraft dafür gebraucht, etwas zu machen, was ich gar nicht gerne mache. Wenn ich heute nochmal in der Situation wäre, würde ich es anders machen. Ich würde kündigen, mich erst mal um mich selbst kümmern und dann mal gucken, was man noch aus seinem Leben machen kann. Allerdings ist es auch so, dass mir Geld nie viel bedeutet hat. Ich brauche nicht viel, mir ist es weitaus wichtiger, Zeit für mich zu haben, als genug Geld. Aber solche Sachen lehrt einen erst die krankheit, vorher war ich für meine eigenen Bedürfnisse blind. DA hab ich gemacht, was von mir erwartet wurde, bwzw. was ich dachte, was gesellschaftlich eben üblich ist und was man eben macht. Nämlich niemals einen gut bezahlten Job kündigen ohne zu wissen, was danach kommt.

Esoterisch veranlagt bin ich nicht, da kann ich wenig zu sagen. ich finde es toll, dass du Yoga machst, und auch deine Zeit im Ashram find ich klasse. Muss eine tolle Erfahrung sein. Ich habe allerdings auch mal Yoga probiert und für mich ist es nichts. Ich bin eher der Typ der gerne Rad fährt, inline skaten geht und solche Sachen.

Du schreibst, was man nicht bekämpft, verliert die Macht über einen. Du, vielleicht ist da ja was dran, aber das ist schwer. Das hieße ja für mich, dass ich akzeptieren muss, dass ich die Wohnung nicht verlassen kann, nie einen Menschen sehe, körperlich so wenig kraft habe, dass ich manchmal kaum den haushalt schaffe. Also kurzum, mein Leben ist so eine Hölle, das kann ich nicht akzeptieren, ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder richtig leben zu können, meine Interessen ausleben zu können, wieder Kraft zu haben, wieder unter Menschen gehen zu können. ich habe solche starke Sehnsucht nach dem Leben, daher kann ich es nicht akzeptieren, wie es jetzt ist, einfach weil es die Hölle ist.

Dass du noch Kontakte suchst, obwohl du eine Freundin hast, kann ich auch gut verstehen. Bei uns schüchternen ist es ja oft so, dass wir uns an einem Menschen festklammern, zumindest bei mir war das immer so. Das ist wirklich nicht richtig, denn wenn derjenige geht, dann steht man plötzlich alleine da und zum anderen ist es so wie du schreibst, das Leben hat ja noch mehr zu bieten und man verpasst vielleicht eine Menge. Naja, ob ich aber die richtige bin zum kennenlernen, mit meiner Krankheit, ich glaube da muss ich dich enttäuschen. Viel mehr als Mails schreiben, kriege ich zur Zeit nicht hin.

So, das wars wieder erstmal von mir

Liebe Grüße
Michaela

19.05.2009 10:08 • #9


Liebe Michaela,

ich danke Dir für Deine Offenheit. Es ist gut, dass Du mir gleich sagst, was Du nicht hören möchtest. Ich werde mich bemühen, darauf zu achten. Denn ich möchte Dich nicht langweilen oder gar verärgern.
Aber Du bist mir bestimmt nicht böse, wenn auch ich meine Ansichten habe, an die ich glauben möchte, auch wenn die Realität manchmal das Gegenteil zu beweisen scheint. Du sagst, dass Leben kann grausam sein und dass manche Menschen viel zu früh sterben müssen. Das stimmt leider. Bitte lass mich Dir hierzu meine Meinung darlegen. Und bitte sei mir nicht böse, wenn Du Dich dem gar nicht anschließen kannst. Ich versuche auch alle platten Sprüche zu vermeiden. Also, manche Menschen sterben viel zu früh. Das ist tragisch, denn wir wollen möglichst lange leben. Auch die anderen Menschen sollen lange leben. Und doch gibt es jetzt religiöse Glauben, die uns eine andere Antwort liefern. Du bist nicht religiös? Darf ich trotzdem fortfahren oder musst Du schon die Nase rümpfen? Also beim Chatten wär' das jetzt leichter für mich. Also, das Christentum lehrt uns, dass die Seele in den Himmel kommt. Das Leben auf Erden schien zwar viel zu kurz zu sein und die Mitmenschen sind alle traurig. Aber die betroffene Seele wird für ihre Qual auf Erden im Himmel belohnt. Auch die anderen Religionen, wie der Buddhismus und der Hinduismus haben diese Sicht. Falls Du jetzt schon das Forum schließen und mich auf dem Mond schießen möchtest, es ist ok, wenn Du mit Alledem nichts anfangen kannst. Ich will ja auch gar nicht sagen, dass eine Krankheit etwas Gutes ist. Sozusagen, die Seele lernt für künftige Leben hinzu. Aber trotzdem bin ich der Meinung, dass es nicht schadet, wenn man Dinge globaler betrachtet. Beispiel: Ich habe starke Kopfschmerzen. Ich denke, das Leben ist grausam. Aber Morgen wird es mir besser gehen. Nur Heute ist es grausam. Oder: Du leidest an einer schweren Depression. Dein Leben ist grausam? Nein! Nur diese Jahre sind grausam. Aber Du hattest ein Vorher und Du musst darauf vertrauen, dass auch ein Nachher folgt.
Du kannst inzwischen nicht mehr daran glauben, dass Dir das Glück nochmal über den Weg läuft und fühlst Du nur verscheißert? Nun, ich bekomme feuchte Augen, wenn ich das lese. Du bist sehr verzweifelt. Ich wünsche mir, dass Du verstehen kannst, dass ich Dir nur helfen möchte. Es macht mich sehr traurig, dass Du noch nie Menschen getroffen hast, die Dich so annehmen, wie Du bist. Kein Lästern, kein Gucken, kein Nachfragen. Solltest Du allerdings der Meinung sein, dass es solche Menschen gar nicht gibt, so ignorierst Du mein Dasein. Und solltest Du glauben, ich veralbere Dich nur, so tust Du mir Unrecht.

Du sagst, Du hast Sehnsucht nach dem Leben? Das ist doch klasse. Magst Du mir etwas beschreiben, was Du gerne machen möchtest? Oder macht es Dich traurig, dass Du es jetzt nicht in die Tat umsetzen kannst? Du könntest diese Vorstellung auch als Plan ansehen. Du planst Dein künftiges Leben. Beweise Deiner Krankheit, dass sie zwar Dein jetzigen Tagesablauf bestimmt, aber Dich nicht von Plänen abhalten kann. Nur Du allein hast die Macht über Deine Gedanken.

"Viel mehr als Mails schreiben, kriege ich zur Zeit nicht hin." Ach, Du glaubst, dass ich mehr möchte? Dass ich mit Dir einen Kaffee trinken gehen möchte? Oder durch den Park bummeln? Am See sitzen?
Vielleicht möchte ich das gar nicht. Vielleicht kann ich das gar nicht. Vielleicht bin ich viel zu schüchtern, um mich mit Dir zu treffen. Vielleicht kann ich hier nur lange Mails schreiben, platte Sprüche machen und so? Vielleicht bekomme ich schon nasse Hände, wenn ich nur daran denke, Dich zu treffen? Du glaubst, Du enttäuscht mich, weil Du nicht mehr geben kannst?
N E I N ! Ich enttäusche Dich. Weil ich nicht mehr geben kann. Du könntest ja gerne mehr wollen, aber ich kann Dir das nicht geben. Sorry!

Kannst Du dies richtig einschätzen? Weißt Du, wie ich das meine? Bin ich ehrlich zu Dir?

So, ich gehe jetzt mit dem Hund raus.
Dir sende ich noch einen ganz lieben Gruß, verbunden mit Kraft für den nächsten Tag.

Rudra

P.S. I
Gerne würde ich Dein Gesicht beim Lesen sehen. Kann man hier nicht Chatten?

P.S. II
Du wirst meinen Absatz mit den vielen Fragen doch richtig verstehen oder?

P.S. III
Denke nie, dass ich Dich nicht ernst nehme oder gar verscheißern möchte. Das würde mir wehtun. Und auch ich bin empfindlich . . .

P.S. IV
Es ist schön, Dich hier getroffen zu haben ! Ich hoffe, Du kannst bleiben.

19.05.2009 20:56 • #10


Zitat von Michaela_Berlin:
Kontakte hab ich kaum noch, meine Mutter kommt ab und zu mal zu Besuch

Was ist mit Papa?

22.05.2009 21:39 • #11



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