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Ginny1
Hallo!

Ich beschäftige mich nun schon seit 16 Jahren mit einer Angst- und Panikstörung. Vor ein paar Jahren habe ich eine lange Zeit Opipramol und Citalopram genommen. Hat mir eine unfassbare Gewichtszunahme eingebracht und für meine Begriffe zu wenig geholfen. Bus fahren oder ins Kino gehen, ging auch trotz Citalopram nicht. Allerdings frage ich mich heute, ob meine Dosis nicht auch vielleicht zu niedrig war.

In den letzten Jahren habe ich keine Medikamente genommen und mich "so" durchgeschlagen. Nun wird es aber seit knapp einem Jahr immer schlimmer und ich komme kaum noch aus dem Haus. Momentan stehe ich auf der Warteliste für eine Therapie in einer Tagesklinik, aber mit meiner neuen Hausärztin habe ich auch besprochen, dass wir schon mal mit einer medikamentösen Behandlung anfangen. Deswegen bin ich am Montag bei einem Neurologen, der mit mir besprechen soll, welches Medikament wohl geeignet ist.

Nun, bin ich ja kein willenloses Häschen , sondern trotz der Erkrankung eine selbstbewusste Frau, die sich nicht einfach was aufdrücken lassen will, deswegen habe ich natürlich viel gelesen, mich informiert, etc. Und die Frage ist eben, was würdet ihr mir empfehlen?

Ich lese viel über Venlafaxin oder Escitalopram. Paroextin möchte ich nicht ausprobieren - scheint mir ein eher heftiges Medikament zu sein. Oder doch noch mal Citalopram bzw. Cipralex, nur vielleicht mit höherer Dosis? Welches moderne Medikament würdet ihr empfehlen? Vor Nebenwirkungen habe ich nicht so viel Angst. Ich hatte damals nur eine Woche bleiernde Müdigkeit vom Opipramol. Ich denke viele Nebenwirkungen redet man sich auch ein und wenn sie kommen, gehen sie ja nach einigen Tagen auch vorbei. Das schafft man schon, wenn man will. Gut, die Gewichtszunahme war schei. - bräuchte ich jetzt nicht wieder.

Ich habe übrigens keine Depressionen, sondern wirklich "nur" diese Angst und Panikstörung mit einer leichten Zwangsstörung, die sich daraus wohl entwickelt hat (das typische.. ist der Herd aus und die Tür zu). Wäre also nicht schlecht, wenn die Tabletten dies auch gleichzeitig behandeln würden, was, soweit ich weiß zumindest beim Escitalopram und dem Venlafaxin wohl gegeben ist.

Aber vielleicht habt ihr ja noch sinnige Vorschläge. Eine Empfehlung auszusprechen ist sicherlich schwierig, weil jeder anders reagiert, aber ich möchte einfach so gut es geht für Montag vorbereitet sein.

Liebe Grüße,
Ginny

16.04.2016 15:32 • 16.04.2016 #1


9 Antworten ↓


Hallo Ginny1

Ich kann dir nur sagen was mir gut geholfen hat.
Das Beste für mich war bisher Trevilor,eher bekannt unter dem Namen Venlafaxin.
Hattest du ja selbst schon geschrieben.
Es half mir 5 Jahre sehr gut und dann ließ die Wirkung nach.
Muss ja nicht dazu schreiben,dass es bei jedem anders anschlägt,auch was Nebenwirkungen angeht.

Ich hatte damals hier viel "gutes" über Sertralin gelesen und da ich ein neues AD brauchte,sprach ich meine Ärztin drauf an und sie fand es passend.
Es ist ein gut verträgliches Medi.,was mir schon hilft.

Beide Medis passen zu deiner Problematik.
Ich wünsche dir Alles Gute

16.04.2016 15:49 • #2


Ginny1
Liebe Alex!

Danke für Deine Meinung! Ich hoffe, ich muss das Medikament keine 5 Jahre nehmen. Ich erhoffe mir wirklich sehr viel von der Tagesklinik und habe einfach auch diesen Willen, dieses Jahr - wenn nötig - durchs Tränental zu gehen. Es muss doch einen Weg geben aus dieser verflixten Angsstörung. Aber ich denke, Therapie und Medikament befruchten sich dann ja auch gegenseitig.

Venlafaxin hatte auch meine Hausärztin schon vorgeschlagen. Na, mal schauen, was der Neurologe sagt. Manche Neurologen sind ja leider ein bisschen von gestern und kommen dann mit so uraltem Zeugs wie dem Opipramol.

Liebe Grüße und auch Dir weiterhin alles Gute,
Ginny

16.04.2016 15:55 • x 1 #3


Vergissmeinicht
Hey Ginny,

begrüße Dich ganz lieb bei uns.

Ich nahm 2014 Citalopram und nun Venlafaxin, was sehr gut ist. Dennoch haben mich die Medis 20 kg gekostet und fange Ende des Monats mit der Ausschleichphase an.

Was mir gegen die Gedanken geholöfen hat ist Abilify in der Niedrigstdosierung von 5 mb (keine Nebenwirkungen). Nach meinem jetzigen Stand würde ich nur die Abilify nehmen und alles andere mit einem guten Therapeuten erarbeiten.

Weißt Du um die Ursachen Deiner Ängste?

16.04.2016 16:34 • #4


Ginny1
Hallo Vergissmeinnicht!

Es gibt ein paar Dinge, die mich in meiner Jugend sicherlich belastet haben. Obwohl dies eigentlich zum Zeitpunkt meiner ersten Panikattacke (Anfang 20) keine direkte Rolle gespielt haben kann. Ich denke bei mir war es so, dass sich einige Dinge einfach zu einem Turm gedeckelt haben und dann war irgendwann Ende Gelände. Im Moment der 1. Panikattacke gab es keinen direkten Auslöser. Ich saß entspannt lesend im Zug und hatte an diesem Tag überhaupt keinen Stress oder Streit oder Probleme oder sonst was.

Nach 16 Jahren denke ich manchmal, es gibt viele Gründe für meine Panikstörung, aber all diese Dinge helfen mir nicht bei der Bewältigung. Ich hab mal in einem Buch einer Betroffenen gelesen... was interessiert mich nach etlichen Jahren noch, woran es liegt. Viele werden das ja auch nie herausfinden, wenn es keine extremen Dinge in der Vergangenheit (Missbrauch, etc.) gab. Und die Frage ist dann.. hilft es einem, wenn man verzweifelt versucht etwas zu ergründen, was man nicht mehr fassen kann? Ich möchte mich eigentlich mit dem hier und jetzt auseinandersetzen. Bei vielen gibt es auch vielleicht gar keinen wirklichen Auslöser.

Ich finde das alles sehr schwierig. Anfang 20 hatte ich eine tiefenpsychologische Therapie, die an sich gut war, aber zu dem Zeitpunkt wohl total falsch. Ich hätte eher eine Verhaltenstherapie gebraucht, aber das wusste ich damals natürlich nicht. Eine Verhaltenstherapie hatte ich dann mit Ende zwanzig, aber mit heutigem Wissen, muss ich sagen, die Therapeutin war vollkommen ungeeignet. Für "sie sterben nicht bei einer Panikattacke und das ist alles nur ihr Kopf" brauch ich keine Therapeutin. Das weiß ich nach knapp 10 Jahren Panik-Karriere auch so. Davon mal ab, hatte ich (bis auf bei der 1. Panikattacke) nie Todesangst. Ich finde nur die körperlichen Symptome der Angst und der Panik so unangenehm und belastend. Mir hilft da leider auch die Konfrontation gar nicht. Ich habe eher das Gefühl ich trainiere mir dadurch die Panikattacken noch mehr an.

Bei Citalopram habe ich auch tierisch zugenommen. Bei Venla hört man ja so oder so.

Liebe Grüße,
Ginny

16.04.2016 16:54 • #5


Vergissmeinicht
Liebe Ginny,

auch eine Betrachtungsweise im Hier und Jetzt zu schauen und daran zu arbeiten. Dafür wirst Du sicherlichen einen Therapeuten brauchen; ich habe so einen, der auch nicht zurückschaut, wobei die Erlebsnisse schon besprochen wurden und u.a. Mißbrauch vorlag.

16.04.2016 17:01 • #6


Ginny1
Liebe Vergissmeinnicht!

Das mit dem Missbrauch ist furchtbar. Es tut mir so leid.

Anfang Mai habe ich mein Einführungsgespräch in der Tagesklinik und da bin ich mal gespannt. Nach dem Aufenthalt dort, muss man natürlich weiterarbeiten. Ich hoffe, dass ich dass dann mit meinem dortigen Therapeuten machen kann, weil ich bisher noch keine Therapeutin habe und ich eigentlich ungern bei jemand Neuem wieder bei "null" anfangen will. Habe aber gelesen, dass sie Nachsorge machen, wenn der jeweilige Patient keine Therapeutin außerhalb der Klinik hat.

Liebe Grüße,
Ginny

16.04.2016 17:13 • #7


Meiner Erfahrung nach wirkt Escitalopram sehr gut gegen Angst, aber auch ziemliche Gleichgültigkeit und Trägheit und Gewichtszunahme. Venlafaxin dürfte eher den Antrieb steigern

16.04.2016 19:55 • #8


Angststörungen haben die Wurzeln meist in der Kindheit. Es ist wichtig dies aufzuarbeiten.
Die erfolgreichste Therapieform bei Ängsten ist die KVT. Solltest Du z.B Ängste beim Busfahren haben, musst du das solange "üben" bis Dein Angstzentrum (Teilbereich) mit der Info "Hier kann mir nichts passieren" überschrieben wurde.
Löschen kann man nichts mehr, was einmal verankert ist.
Es ist leider sehr harte Arbeit, aber es funktioniert.
Ängste können sehr gut geiheilt werden, mit der richtigen Therapie.

Wenn es rein um Ängste geht, empfehle ich Dir Escitalopram, da es in Tropfenform (besser zum eindosieren) erhältlich ist und wenige NW macht.

Ein Neuroleptika bei Ängste würde ich def. als aller letzte Option wählen.

16.04.2016 21:44 • #9


BlueBeholder
Mit Venlafaxin habe ich angefangen. Das wirkt sehr gut. Musste such aber einschleichen. Hat bei mir 3 Wochen gedauert. Leider hat das alles unterdrückt. Sowohl Angst und Depressionen wie auch alles was Freude bereitet. War sozusagen ein Emotionszombie.

Elontril dürfte Dir wahrscheinlich nicht helfen, ist eher Abtriebsfördernd.

Im Moment nehme ich Valdoxan. Das finde ich auch ganz gut. Das fördert wohl auch den REM-Schlaf. Seitdem ist zumindest mein Sekundenschlaf auf arbeiten besser geworden.

Seit kurzen nehme ich zusätzlich Sertralin. Da muss ich aber erst noch mehr Erfahrung sammeln.

16.04.2016 23:31 • #10




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Dr. med. Andreas Schöpf