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Ich87
Hallo. Bin neu hier
Ich würde gerne hören, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Ich habe seit mehreren Jahren eine Angststörung. Nahm für 10 Jahre Zoloft (50mg) das mir super geholfen hat. Ich hatte so gut wie keine Panikattacken mehr, fühlte mich wohl und zufrieden. Nun hat sich wohl die Wirkung langsamausgeschlichen und so merkte ich zunehmend in den letzten Monaten, dass ich mich immer öfters überfordert fühlte. Dennoch hielt ich mich über Wasser bis dann Mitte Juni dieses Jahres immer mehr körperliche Symptome dazukamen (Magendruck mit Ausstrahlung in den Rücken) und das Gefühl es nicht mehr auszuhalten. Dies führte dann zu Panikattacken. Bin dann gleich zu meiner Hausärztin. Sie sagte dann, dass sie Zoloft ungerne erhöhe. Ich solle Zoloft ausschleichen, zeitgleich mit Venlafaxin (Efexor, bei uns in Italien) beginnen. Für eine Woche 37,5mg dann auf 75mg erhöhen. Als Unterstützung bekam ich dann noch Xanax (hab ich wenig genommen und bald aufgehört). Die Anfangszeit war schlimm. Ich weiss nicht, ob es die Medikamente waren, oder die Psyche die noch verrückt gespielt hat, aber es waren 3 Horror-Wochen. Dann merkte ich langsam eine Besserung, dass die körperlichen Symptome weniger wurden, Appetit kam zurück und ich fühlte mich besser, merkte aber immer noch, dass ich noch nicht da angekommen bin, wo ich eigentlich hin wollte. Nun seit einer Woche (bei 75mg) fühl ich mich wieder schlechter. Innerliche Unruhe nimmt zu, schwitze nachts wieder mehr und dieses Unwirklichkeitsgefühl und die komplette Gefühlslosigkeit machen mich verrückt. Ich hatte das vorher so no nie erlebt. Erst seit der Einnahme von Efexor hab ich diese Zustände. Ich hab total Angst nicht mehr rauszukommen. Es fühlt sich an als wäre man tot und das macht mir so Angst.
Ich wollte fragen, ob es jemanden ähnlich geht?
Meine Ärztin ist leider zur Zeit im Urlaub, ich werde sie aber sofort kontaktieren, sobald sie wieder zurück ist.
Kann es sein, dass Venlaflaxin nicht das richtige für mich ist? Nach 45 Tagen müsste es wohl besser gehen, oder nicht? Ich weine dem Zoloft hinterher, würde am liebsten wieder zurückkehren, aber meine Ärztin meinte sie möchte es ungern erhöhen, da man mit 100mg wie ein Zombie sei .

Sorry für den ewig langen Text, aber ich wollte alles wichtige mitreinpacken
Ich freue mich, wenn mir jemand seine Erfahrungen mitteilt.
Danke schon mal!
Lg Ich87

30.07.2021 15:21 • 14.08.2021 #1


8 Antworten ↓


Maxo
Hallo.

Dazu kann ich was sagen. Ich nahm ca. 1 Jahr Zoloft, also den Wirkstoff Sertralin. Was für ein Unsinn, man sei bei 100 mg wie ein Zombie. Beim Sertralin sind 50 mg die Einstiegsdosis, 200 mg die Höchstdosis. Da wäre zunächst definitiv noch Luft nach oben gewesen bevor man gleich das Präparat wechselt! Also manche Ärzte da frag ich mich wirklich wie sie arbeiten *kopfschüttel*

Aber ja Hausärzte halt. Genau deswegen gehe ich damit auch nicht mehr zu meiner. Die haben überhaupt keine Ahnung und probieren wahllos rum. Geh beim nächsten mal lieber zum Facharzt, also Psychiater!

Zum Venlafaxin. Ich habe nach einem Jahr auch auf Venlafaxin gewechselt. Ich persönlich komme hier gut zurecht, da es genau das ist was ich brauche, diese leichte Emotionslosigkeit, damit man eben nicht mehr so abrutschen kann in eine Depression. Sich weniger Gedanken macht, weniger grübelt. Bis 150 mg ist es meistens auch gut verträglich, ich nehme 112,5 mg.

Es beruhigt halt und stabilisiert dich psychisch, wirkt auch gut gegen Ängste, Panikattacken, Sozialphobie. Bei jedem ist die Dosierung individuell. Manche nehmen kleine Dosierungen und manche brauchen hohe um die 225 mg und fühlen sich wohl damit. Aber ehrlichgesagt so wie ich das bei dir rauslese, das dich diese Emotionslosigkeit schon bei 75 mg in den Wahnsinn treibt, da bin ich mir nicht sicher ob es das richtige Präparat für dich ist. Ohje, das tut mir echt Leid und macht mich sauer wie die Ärzte an sowas rangehen. Sie hätte ganz klar das Sertralin auf 100 mg erhöhen sollen erstmal, ggf. noch vorübergehend ein Benzodiazepin wie du es auch hattest noch dazu verordnen können. Oder besser Quetiapin, das macht nicht abhängig.

30.07.2021 20:56 • #2



Venlaflaxin - Nebenwirkung komplette Gefühllosigkeit

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Ich87
@Maxo vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ja, es reagiert wohl jeder anders auf die Medikamente... Mein Problem ist dann immer, dass ich mich sinnlos reinsteigere und dadurch alles noch schlimmer bzw. intensiver mache da muss ich mich wohl auch in Gedult üben. Ich hoffe nur, dass ich bald etwas finde was mir eine dauerhafte Besserung beschert. Hab Sorge, dass meine Ärztin die Dosis erhöhen will und ich mich dann noch schlechter fühle jetzt heißt es erstmals abwarten und Gedult haben.
Nochmals Danke für deine Antwort

31.07.2021 10:11 • #3


Maxo
Gerne. Ich teile immer gerne meine Erfahrungen mit anderen. Habe auch einiges an Fachwissen durch diverse Fachbücher. Das von Dr. Jan Dreher kann ich absolut empfehlen.

Okay du steigerst dich da gern hinein und dann wird es noch schlimmer. Ja das stimmt natürlich das es dadurch nicht gerade besser wird. Also ich würde sagen, dass du dir überhaupt keine Sorgen machen musst. Venlafaxin ist ein sehr gut wirksames Medikament und eines der am meist verordneten wenn es um Depressionen und Angststörungen aller Art geht. 75 mg ist allerdings die Einstiegsdosis, wo ich zum Beispiel keine positive Wirkung des Medikamentes mehr verspüre. Oft schon habe ich gelesen das Venlafaxin erst über 100 mg anfängt zu wirken. Das heißt, es wird höchstwahrscheinlich so kommen das deine Hausärztin es auf 150 mg erhöht. Aber da musst du dir überhaupt keine Sorgen machen, ich habe diese Dosierung jahrelang genommen und erst da entfaltet sich die Wirkung des Medis richtig. Also zurück gehen auf Sertralin das kannst du eigentlich nun getrost abhaken, Venlafaxin wirkt hier ähnlich und erfahrungsgemäß besser gegen Panikattacken und Ängste. Es wäre einfach nur der richtige Weg gewesen erstmal die Dosierung beim Sertralin auszureizen, bevor man dich der Belastung eines Präparatwechsels aussetzt. Aber nun hast du das schlimmste eh überstanden und musst jetzt nur noch deine passende Dosierung finden.

Alles Gute und Liebe für dich!

31.07.2021 10:42 • #4


Ich87
Maxo, ich danke dir sehr für deine aufmunternden Worte meine Ärztin sollte am Montag wieder anwesend sein, dann gehe ich da gleich hin und kläre es mit ihr ab. Ich halte dich auf den laufenden.
Danke nochmals! Liebe Grüße von mir

31.07.2021 12:45 • x 1 #5


Maxo
Ich denke gerade an dich und hoffe, dass es dir inzwischen etwas besser geht!

13.08.2021 22:35 • x 1 #6


Ich87
Hallo Maxo,
das ist total lieb von dir danke, mir geht es schon deutlich besser. Nach dem Besuch bei einer Psychiaterin, konnte ich Efexor absetzen und hab wieder mit Zoloft begonnen. Bin im Moment bei 50mg, steigern dann am Sonntag noch auf 75mg. Ich hoffe und denke, dass die Dosis dann reicht, da ich bisher ja auch nie eine hohe Dosis benötigt habe bin im Moment zufrieden mit dem Verlauf! Wie geht es dir? sende dir ganz liebe Grüße!

13.08.2021 23:02 • x 1 #7


Maxo
Oh wow, nagut, dann ging es doch noch rückgängig zu machen! Ja, dass Altbewährte ist immernoch das Beste. Was sich einmal richtig etabliert hat, sollte man beibehalten. Auch wenn man zwischenzeitlich mal das Gefühl hat es wirke nicht mehr oder nicht mehr richtig. Aber dafür konntest du ja nichts, ich bin schon gespannt ob du einen Unterschied merken wirst mit 75 mg

13.08.2021 23:19 • #8


Ich87
Lieber Maxo, ich lass es dich auf alle Fälle wissen
Schönes Wochenende inzwischen!

14.08.2021 12:07 • x 1 #9





Dr. med. Andreas Schöpf