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Mir wird teilweise etwas schwindelig, wenn ich lese: "Kannst Du den Rest Deines Lebens nehmen!". Ich bekam Tavor damals nach meiner ersten Panikattacke... 1mg.... half... ich nahm es bei jeder Attacke.... dann schon "vorsorglich" weil ich dachte es könnte eine Attacke kommen. Dann hing ich dran... Low-Dose-Abhängigkeit. Nahm nur geringe Mengen aus Angst vor den Wirkungen und Nebenwirkungen. War wie angefichst, durchlitt die Hölle... 7 Monate... bis ich mit Rivotril absetzen konnte... vor einigen Monaten musste ich dann wieder zum Rivotril greifen (nach 2 Jahren ohne Benzos). Schaffte es von 5 - 10 Tropfen täglich wieder runter auf einen. Versuche es jetzt ganz los zu werden.
Es gibt WENIGE Menschen, die müssen Benzos ein Leben lang nehmen - das sind aber keine Angstpatienten sondern Epileptiker. Wie teuflisch das Zeug ist merkt man erst, wenn man es nicht mehr nimmt. Es verändert auf Dauer das "Ich", verändert Wahrnehmung von Reizen, Stimmungsschwankungen und vieles, vieles mehr. Vor allem Tavor, weil es eine SEHR KURZE Halbwertzeit ("Wirkdauer") hat. Diazepam hat eine recht lange Halbwertzeit und wird daher gerne zum Entzug von Tavor genommen. Wenn es irgendwie geht: Versuch ohne Tavor auszukommen, setze es aber NICHT alleine und schlagartig ab - das kann lebensgefährlich werden. Es geht NICHT um Panikmache, es geht um eine zu 95% gesicherte Realität.
Tavor ist ein NOTFALLMEDIKAMENT, keine Dauermedikation. Es gibt Alternativen, die dem Körper auf Dauer nicht so zusetzen. Mir z.B. haben Benzos nun nachweislich einige Zähne gekostet, ständige Muskelanspannungen, Krämpfe, Haarausfall und vieles mehr. Von der Wesensveränderung mal abgesehen - und ich hatte auch KEINE Tendenzen, immer mehr nehmen zu müssen. Es mag Menschen geben, die andere Erfahrungen haben - aber mein Rat ist definitiv: Versuche das Zeug wegzulassen und suche Dir Alternativen. Benzos sind im Allgemeinen gut verträglich da im Vergleich zu anderen Mitteln weniger toxisch - aber genau das (bzw. auch das) macht die große Gefahr aus.
Über das Thema kann man jetzt noch Stunden diskutieren aber ich behaupte: Die, die meinen, dass Benzos zu Unrecht verteufelt werden, schreiben schon aus einer sich selbst nicht eingestehen wollenden Sucht. Nur weil man nicht ständig mehr braucht heisst das nicht, dass man nicht schon "voll drauf" ist. Ich habe auch mal so argumentiert... und ich muss immer noch Rivotril nehmen, trotz Aufdosierung von Lyrica... 100mg Lyrica fangen nicht ansatzweise ab, was EIN- bis ZWEI Tropfen Rivotril schaffen - so viel zur Wirkung auf Geist und Körper, irgendwann wird Dein Belohnungszentrum abstumpfen. Wenn Du das Zeug weglässt wirst Du merken, was es angerichtet hat bzw. anrichten kann... ich verstehe den Griff zum dem Zeug, aber Bitte: Wechsle vorerst WENIGSTENS auf ein lange wirkendes Benzo wie z.B. Diazepam. Suche Dir einen FACHARZT der sich gezielt damit auskennt (kann Dir auf Anfrage einen empfehlen).
Besuche mal die Entzugsstationen... Benzo-Entzug rangiert nicht umsonst noch über Heroin-Entzug was die "Hölle" betrifft die man beim Entzug durchleiden kann. Wie gesagt: Das MUSS nicht bei Jedem so sein, aber bei 95% ist es so. Mein früherer Psychiater meinte auch: "1mg? Das können Sie noch 10 Jahre nehmen, das tut ihnen nix!". MIR haben 7 Monate gereicht.
Ich wünsche Dir viel Erfolg, werde mich auch weiter nicht in diese Diskussion einwerfen da es meist zu unendlichen Diskussionen führt bei der ich mir nicht sicher bin, wie viel Sucht und wie viel Realität aus den Betroffenen schreibt... zu denen ich mich ja auch zähle.
P.S.: In den meisten Fällen verschreiben Ärzte irgendwann keine Benzos mehr... weil sie sagen: "Das wird jetzt langsam zu viel!". Was, wenn Dein Doc nicht mehr ist? Wie gesagt: Lass Dich von einem Facharzt beraten und erarbeite einen Plan - wohlwissend, dass ich Deine Ängste und damit verbundenen Schmerzen sehr, sehr, sehr gut nachvollziehen kann - glaube mir, ich habe es durchlebt und durchlebe es Attackenweise immer noch. Vermutlich auch durch die damalige Low-Dose-Abhängigkeit vom Tavor...
12.11.2013 08:09 •
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