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Liebe Community!
Ich hatte heute wieder mal einen Videocall, der für mich nur schwer zu ertragen war. Inhaltlich erfolgreich, hat mich dennoch der Stress gepackt. Mein Blutdruck, das konnte ich spüren - ich kenne es sehr gut, da es beinahe täglich auftritt - muss riesig hoch gestiegen sein. Danach, und auch das habe ich vorhergesehen, hatte ich blutrote Augen. Dann habe ich entschieden, ausnahmsweise eine Betablocker-Tablette zu nehmen, Bisoprolol 2,5mg. Im Verlauf des Tages fiel mir auf, wie gesund und glücklich ich mich fühlte, klar im Kopf und ohne Angst beim Autofahren (normalerweise auch ein Stressauslöser für mich).
Ich finde es einfach unglaublich, welche psychischen Implikationen dieses Blutdruckmedikament auf mich hat. Es macht zuversichtlich, lichtet den Nebel im Kopf und ich fühle mich super fit, wenn ich fünf Stockwerke hochrenne und am Ende kein bisschen Herzklopfen spüre. Ohne Betablocker fühle ich mich nach dem Treppensteigen wie kurz vorm Umfallen, unfassbar aufgewühlt mit pochendem Herzen. Das ist zwar gar nicht das Thema hier, aber passt zu meiner Erfahrung, dass Bisoprolol mich gut fühlen lässt. Wäre es ein Medikament, dass keinen Gewöhnungseffekt mit sich brächte, würde ich es stetig nehmen. Habt ihr Erfahrungen mit Betablockern gegen Stress und Angst und kennt ihr diese Blutdruckattacken? Bei mir ist es so langsam so weit, dass mir der Blutdruck ansteigt bei entsprechenden Situationen, ohne dass ich überhaupt akute Angst verspüre. Kennt ihr herzkreislaufberuhigende Medikamente, die nicht so gravierende Auswirkungen wie Betablocker haben?
Und abschließend: psychotherapeutisch irgendwelche Psycho-Ursachen für die Blutdruckreaktion ausgraben, werde ich nicht machen. Ich weiß, es ist neuronal gelerntes Verhalten und lässt sich nur durch häufige gegensätzliche Ruhemomente/erfahrungen ersetzen.
Liebe Grüße
Provence

27.11.2020 21:37 • 03.12.2020 #1


5 Antworten ↓


Zitat von Provence:
Wäre es ein Medikament, dass keinen Gewöhnungseffekt mit sich brächte, würde ich es stetig nehmen.

Betablocker weisen allgemein kein Abhängigkeitspotential auf. Wer sagt denn sowas? Das ist völliger Unsinn.

27.11.2020 21:42 • #2



Betablocker bei Angst und Stress

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Abhängigkeit und Gewöhnung sind verschieden. Mit Gewöhnung habe ich gemeint, dass wenn man dauerhaft Betablocker nimmt, der Blutdruck zwar in der ersten Zeit niedrig bleibt, dann aber der Körper mit der Bildung neuer Adrenalinrezeptoren am Herzmuskel gegenreguliert, was bedeutet, das beim Absetzen der Blutdruck deutlich höher sein wird (und damit auch das Stresslevel für mich) als beim Start der Medikation.

27.11.2020 21:46 • x 1 #3


Madeline89
Ich nehme täglich Bisoprolol 1,25mg wegen einem hohen Ruhepuls. Und ich kann es bestätigen das ich mich dadurch auch viel ruhiger fühle. Die Ängste sind zwar nicht weg aber viel erträglicher geworden das körperlich. Am Blutdruck macht es bei mir nicht viel. Aber hat meinen Puls schön gesenkt .Fühle mich so als könnte ich nicht mehr ganz so viel Adrenalin ausschütten .


Liebe Grüße

27.11.2020 22:04 • #4


squashplayer
Hallo Provence,

ich nehme Betablocker bei Bedarf, da ich in sozialen Situationen und zu weit weg von zu Hause vor Angst teilweise Herzrasen kriege sowie unerträgliches Zittern, Schwindel etc etc.

Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich Betablocker als ein kleines Wunder empfinde. Ich fühle mich damit fast normal. Das Adrenalin wird unterdrückt.

Bei mir ist es auch so, wenn ich eine Treppe hochgehe ohne Betablocker, und wenn ich gerade sehr ängstlich bin, dann schlägt das Herz sehr schnell, wenn ich oben bin. Genauer gesagt, schlägt das Herz bereits schnell, wenn ich die Treppe noch gar nicht angefangen habe. Aus Angst eben. Ich fühle mich dann unterträglich aufgedreht. Luftnot habe ich aber gar nicht.

Wenn ich aber einen Betablocker genommen habe. erhöht sich der Puls nur relativ leicht und ich fühle mich nach der Treppe echt gut. Am meisten hilft der BB aber in sozialen Situationen, U-Bahn, Supermarkt oder sogar, wenn ich bei meiner Freundin bin.

Da meine Blutdruckspitzen am meisten durch höheren Puls kommen, werden die durch den BB gemindert, sind aber nicht weg.

Ich vermeide aber, den BB zu oft zu nehmen, nur wenn es anders nicht erträglich ist.

Die Wirkung tritt relativ schnell ein, in ca. 10 Minuten.

Ich persönlich nehme Metoprolol. 25 mg bewirken bei mir schon eine deutliche Beruhigung. Wenn es sehr schlimm ist, kann ich nochmal 25 mg nachlegen. Dann bin ich schon sehr benommen, aber der Stress wird eliminiert.

Insofern bin ich echt froh, dass es BB gibt!

Es gibt Leute, die davor warnen oder sie verteufeln bei Angst, aber mir helfen sie. Und zwar mehr als Paroxetin, Opipramol & Co.

VG

03.12.2020 19:24 • #5


Vielen Dank für deine großartige Antwort. Es freut mich, zu sehen, dass es dir genauso geht wie mir und Betablocker eine echte Rettung sind. Wie du sagtest, sind sie keine Dauerlösung, aber in bestimmten Situationen sind sie unerlässlich. Zum Punkt, dass viele meinen, es wäre falsch ein Herz-Kreislauf-Medikament bei Ängsten zu nehmen, kann ich nur sagen: Psychopharmaka greifen nachhaltig in die Hirnchemie ein und können oft, wie bei vielen Anxiolytika, zu Abhängigkeiten führen. Ein Betablocker bleibt da die sichere Wahl, und wenn er für uns beide funktioniert, auch die richtige. Ich nehme übrigens immer (vielleicht einmal in einer Woche bei einer schlimmen Situation) entweder 1,25 oder 2,5 mg Bisoprolol.
Ich wünsch dir alles Gute und hoffentlich irgendwann einmal eine Gelassenheit, die Betablocker überflüssig macht.
Provence

03.12.2020 19:52 • x 1 #6




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Dr. med. Andreas Schöpf