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Da ich selbst nach 6 Wochen Venlafaxin starke Schlafprobleme hatte wurde mir von einer neuen Ärztin Escitalopram verschrieben. Nehme das nun seit Donnerstag, und es geht mir echt mies. Furchtbar Kopfweh, Magen-Darm-Amok, bin irgendwie abgestumpft. Obendrein habe ich ständig Hunger und friere
Was aber echt spannend ist: Ich könnte den ganzen Tag nur heulen. Ist das etwa ein Pro-Depressiva?
Unter Venla habe ich mich tagsüber wirklich gut gefühlt, Antrieb war da, ich hatte Ideen und Pläne. Nur der mangelnde Schlaf nervte halt und von der angstlösenden Wirkung hatte ich auch mehr erwartet, aber ich nahm ja nur noch 37,5mg, vielleicht war das zu wenig?
Mit dem Escitalopram habe ich echt Angst wieder zuzunehmen. Mir knurrt selbst nach dem Essen sofort wieder der Magen, hatte 6 Wochen unter Venla kein Hungergefühl und knapp 10kg abgenommen - ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber immerhin; ich kann mich zu nix aufraffen und bin so niedergeschlagen...und das nach der dritten Einnahme von 5mg.

Soll ich dem Zeug eine Chance geben und weiter nehmen oder absetzen und hoffen, wieder auf Venla zurückgesetzt zu werden? Montag werde ich die Ärztin anrufen, die NWs stehen auch so in der Packungsbeilage, aber ich kann mir nicht vorstellen, so erst mal weiterleben zu müssen. Da fand ich die NWs vom Venla eher lustig.

Warum habe ich nicht eine Ärztin die mir das Venla lässt und mir nur was zum Runterkommen (Mirtazapin? Scheint ja der Standard-Downer zu sein) für abends verschreibt? Ich habe mir extra den Befund meines Theras geben lassen, da steht dick drin, dass ich in unbekannten sozialen Interaktionen (neue Ärztin halt) hypernervös reagiere und stark zittere. Mein Blutdruck war dadurch halt auch ziemlich hoch und das Gesamtpaket hielt die Ärztin halt für eine NW vom Venla, obwohl ich ihr X mal erklärt habe dass die Reaktionen normal bei mir sind. Klar war der gesteigerte Antrieb erst mal anstrengend, aber jetzt fehlt es mir total. Schlafen kann ich natürlich auch nicht besser :/
Aber ehrlich: Ich sch... auf Schlaf wenn ich mich nur wieder so fühlen kann wie mit dem Venlafaxin. Ich war zwar etwas aufgeregter und nervöser, aber das war besser als wie ein Zombie stumpf heulend im Bett zu liegen. Immerhin weiß ich jetzt, wie sich Depressionen anfühlen müssen.

Kann man schon nach drei Einnahmetagen sagen/merken, dass ein Medikament nichts für einen ist?

Frustrierte Grüße,
d.

21.03.2015 16:40 • 04.12.2017 x 1 #1


13 Antworten ↓


Faultier


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Hallo,

Am Anfang einer Therapie mit AD kann sich eine Depression leider auch verschlechtern und das ist mir bei Paroxetin auch passiert.
Das vergeht aber i.d.R wieder recht schnell und dauert höchstens 1-2 Wochen.
Einige Medikamente können sogar Selbstmordgedanken auslösen und dann muß man das Medikament sofort absetzen und sich Hilfe suchen.
Ich würde dem Escitalopram schon eine Chance geben und es ein paar Wochen nehmen,denn die meisten unangenehmen Nebenwirkung verschwinden ganz plötzlich wieder von allein.
Nach 3 Tagen kann man leider noch nicht sagen,wo die Reise hingeht...
Wenn du es gar nicht aushältst bleibt nur ein erneuter Wechsel auf ein anderes AD.
Ein zu hoher Blutdruck kann im übrigen schon ein Grund sein ein AD kurzfristig abzusetzen!
Weist du wie hoch deiner unter Venlaflaxin war?

21.03.2015 17:31 • #2


Destructed


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Ich habe aber keine Depressionen an sich, ich habe diverse Angststörungen, maximal aufgrund dessen vereinzelt depressive Episoden. Das was sich da heute abspielt ist mir bisher eher unbekannt, unter Erstverschlimmerung läuft das bestimmt nicht mehr. Ist ja nicht nur dass ich den ganzen Tag heulen könnte, ich habe rasende Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, aber trotzdem Hunger. Das wären zumindest Nebenwirkungen mit denen ich leben könnte, für das meiste gibt es ja notfalls Medikamente. Was gar nicht geht ist dieses tiefe schwarze Loch in dem ich sitze. Ich sehe kein Morgen, fühle keine Freude, mir ist alles egal. Dinge die ich vor wenigen Tagen noch toll fand interessieren mich nicht mehr, ich sitze wie unter einer Käseglocke, irgendwie abgestumpft und völlig im Tran. Aktuell habe ich noch keine Suizidgedanken, wenn dieser Zustand aber länger anhalten soll kann ich dafür auch nicht mehr garantieren. Vielleicht ist auch der Unterschied zum Zustand unter venlafaxin so groß dass es mir momentan so derbe vorkommt. Durch meine Phobien bin ich die personifizierte Vermeidungsstrategie, und wenn ich es so vergleiche habe ich unter Venla durch den gesteigerten Antrieb sogar ein kleines bisschen Neugierde an dem ganzen um mich rum entwickelt. Bin auch mal freiwillig rausgegangen, ohne dass mich irgendein Termin dazu zwingt. Nur die Schlafprobleme...
Ich habe eigentlich immer einen eher niedrigen Blutdruck. Bei der Psychiaterin wurde gemessen, und just in diesem Moment war er zu hoch, Zahlen weiß ich keine. Kein Wunder: 48 Stunden wach, Angst vor der fremden Ärztin, Zittern und Zappeln und extrem unruhig. Das liegt aber meines Erachtens an der Situation und meinen Ängsten, nicht am Medikament. Ich messe zwar nicht selbst, aber bis auf manchmal etwas schnelleren Puls ist mir unter V nix aufgefallen. Den erhöhten Puls schiebe ich mal auf die ungewohnte Antriebssteigerung, da kam mein Kadaver wohl nicht mit zurecht. Bin eher träge, habe seitdem ich nicht mehr rauche auch ziemlich zugenommen, da muss der Körper erst mal hinterherkommen.

Ich werde den jetzt-Zustand aber definitiv keine 1-2 Wochen aushalten. Ich will wieder was fühlen können, meinetwegen auch meine Ängste, aber dieses total stumpfe dunkle geht gar nicht. Und diese migräneartigen Kopfschmerzen will ich auch keine 2 Wochen haben.
Leider ist die Psychiaterin erst Dienstag wieder zu sprechen, die hat mir den nächsten Termin erst in 6 Wochen gegeben (dann ist die Packung leer), aber ich werde morgen wohl kein Esci mehr nehmen. Vielleicht ist das Venla tatsächlich too much für mich, dann müssen wir was anderes probieren. Ich will aber keinesfalls etwas sedierendes, ich mag meine Gefühle an sich nämlich, auch wenn es nicht immer die angenehmsten sind.
Früher hatte ich Cymbalta ausprobiert, da tat sich überhaupt nichts. Null Veränderung. Venla knallte direkt rein, nahm mir aber den Schlaf. Beim Escitalopram habe ich das Gefühl, es nimmt mir "mich".

21.03.2015 18:51 • #3


Faultier


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Das Schwarze Loch kann aber auch vom absetzen des Venlafaxin kommen und muß nicht mit dem Escitalopram zusammenhängen
Für alle deine anderen Symptome gilt das leider auch...
Es wird sehr schwer werden ein geeignetes Medikament für dich zu finden,wenn du so schnell aufgibst...
Alle SSRI kann man da eigentlich schon vergessen und trizyklische wegen der sedierenden Wirkung wohl auch.
Wenn dir das Venlafaxin geholfen hat,kannst du es ja nochmal damit probieren.
Gegen die Schlafstörungen kann man ja ein sedierendes AD, oder wenn du das nicht nehmen willst,ein anderes Schlafmittel wie z.b Zopiclon verschreiben.
Den Blutdruck kann man ja auch während der Behandlung überwachen.
Vielleicht hat deine Ärztin da zu schnell aufgegeben ?

21.03.2015 19:28 • #4


Misfire

Misfire


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schon komisch, mir war es die ersten zwei Wochen überhaupt nicht nach essen (4Kg abgenommen). Jetzt nach 3 Monaten, ist es ganz "angenehm" und mir ist einiges gleichgültig. Alles nicht so ganz wirklich wahrgenommen, aber kein Vergleich zu AD-frei. Schlaf...ok, da wach ich schon mal auf...egal. Kämpfen, von nix kommt nix...ist man auch noch so daneben.

21.03.2015 19:50 • #5


Destructed


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Zu schnell aufgeben?
- 2 Jahre Cymbalta mit Warten auf Wirkung.
- 6 Wochen Venlafaxin ohne Schlaf, wenn, dann nur mit Schlaftabletten. Davon die ersten 10 Tage wie auf Dro.. Es hieß ja, sobald die angstlösende Wirkung einsetzt kommt auch der Schlaf zurück. Dem war aber nicht so, vielleicht war dafür die Dosis zu gering?

Ich glaube nicht dass ich generell schnell aufgebe, bisher habe ich immer durchgehalten. Das was jetzt passiert ist allerdings nichts was ich länger aushalten kann, da es a) meine Persönlichkeit für meinen Geschmack zu sehr verändert und b) ich mich einfach nur körperlich krank fühle. Die Kopfschmerzen sind mit Schmerzmitteln nicht in den Griff zu kriegen und mittlerweile bleibt auch nichts mehr drin.
Ich habe der Ärztin ja gesagt dass meine Reaktion bei ihr nicht der tägliche Standard ist, ich bin zwar immer nervös und innerlich unruhig, aber diesen starken Erregungszustand mit Zittern und allem habe ich nur in Stress-Situationen. Und wohl auch den hohen Blutdruck in der Praxis würde ich auf meine Nervosität schieben.
Alles in allem ging es mir unter Venla wirklich besser, vor allem im Vergleich zu jetzt, aber auch zu vorher. Ich wollte ja auch nur etwas zusätzliches verschrieben bekommen, damit ich abends runterkomme. Vor 6 Wochen fand ich das noch total daneben, morgens was zum Pushen, abends was zum landen zu nehmen, aber mittlerweile sehe ich es anders.
Die gute Frau Doktor hat aber gemeint, das Esci. wäre ja auch antriebssteigernd, aber nicht so sehr wie Venla. Vielleicht findet sie auch das neue Medi so toll, wer weiß. Sie war schon recht schnell dabei mit ihrem neuen Vorschlag. Und da ich in solchen Situationen sowieso nie das bekomme, was ich möchte, weil ich kaum was sage, bin ich dann mit dem Rezept voller Hoffnung von dannen gedackelt.
Schwer zu sagen ob der jetzige Zustand eine NW vom Esci. ist oder Absetzerscheinungen vom Venla, aber das wird man wohl erst sehen wenn ich das Esci morgen weglasse. Wie es dann ab Dienstag (oder wann auch immer die Ärztin Zeit für mich hat) weitergeht wird sich zeigen. Oder ich mache ab morgen gleich mit dem Venla weiter, damit es nicht zu (schlimmeren) Absetzsymptomen kommt? Ich weiß es nicht, ich kann momentan nicht denken. Scheint aber die schlauere Variante zu sein. Und meinetwegen lass ich dann regelmäßig meinen Blutdruck checken. Dann noch was von der Ärztin zum Schlafen und ich glaube, die Kombi könnte mich glücklicher machen.
Komisch, die ganzen sechs Wochen fand ich den gesteigerten Antrieb viel zu anstrengend und irgendwie drüber. Jetzt, beim totalen Gegenteil merke ich erst, wie gut ich mich damit eigentlich gefühlt habe

21.03.2015 20:04 • #6


Faultier


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Stimmt...eigentlich kannst du das selber schnell herausfinden obs am Escitalopram liegt oder es Absetzsymptome von Venlafaxin sind.
Letzteres halte ich aufgrund der sehr schweren und vielfältigen Symptome für eher wahrscheinlich.

21.03.2015 20:27 • #7


scaro

scaro


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Also anfangs sind Nebenwirkungen bei AD ja normal, ich nehme jetzt die 3 Woche Venlafaxin 75mg und mir ging es die ersten 6 Tage richtig richtig schlecht, an Tag 2 war ich in der Notaufnahme..dort hat mir ein Psychotherapeut gesagt ich solle es durchziehen und nach einigen Tagen geht es mir wieder besser (war zum Glück auch so) habe übrigens mit Venlafaxin auch schon 5kg verloren und Nachts wache ich alle 2 Stunden auf...aber nehme ich gerne in kauf solange es mir Tagsüber endlich besser geht!

21.03.2015 20:53 • #8


Destructed


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Nachdem ich gestern auch noch nesselsuchtähnlichen juckenden Ausschlag bekam habe ich Esci nun abgesetzt. Mein Magen erholt sich langsam, Stimmung ist auch wieder normal, Kopfschmerzen weg. Morgen werde ich rumtelefonieren ob ich jemanden finde der mir zum Venla für abends was zum Schlafen verschreibt. Heute habe ich gar nichts genommen, und alles prima. Da ich das Venlafaxin nur noch in einer 37,5er Dosierung nahm, scheinen die Absetzprobleme sich doch in Grenzen zu halten.
Mag ja sein dass Escitalopram ein gutes Medikament ist, aber diese Nebenwirkungen (bis hin zur allergischen Reaktion) waren selbst mir zu viel.
Mal sehen wie es nun weitergeht

22.03.2015 12:48 • #9


Destructed


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Seit heute nehme ich wieder Venlafaxin. Für abends bekam ich nun ein Rezept für Trimipramin. Das vertrage ich, das hatte ich schon mal für abends als ich Cymbalta nahm.
Der Ausschlag ist auch weniger geworden, dank Kortisoncreme. Das war echt das schlimmste Wochenende seit langer Zeit.
Wenn das mit dem Schlaf unter Trimi funktioniert kann ich auch langsam mal drüber nachdenken ob ich von den 37,5mg langsam hochdosiere um ein bisschen mehr angstlösende Wirkung zu erzielen. Aber eines nach dem anderen, erstmal muss das Schlafen wieder klappen. Mein Antrieb und meine Grundstimmung ist dank des Venlafaxins schon wieder ganz gut

23.03.2015 14:38 • #10


Destructed


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So, die zweite Nacht mit Trimipramin liegt hinter mir. Zwei Nächte mit wunderbar viel Schlaf, trotz Venlafaxin.
So wie es jetzt aussieht ist es wohl das Richtige für mich, tagsüber was um aus den Puschen zu kommen, abends was zum Bremsen und Landen. Nur so kann ich die benötigte Energie sammeln um meine Therapie sinnvoll fortführen zu können.

25.03.2015 11:18 • #11


Mariexxx


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Hallo Destructed.

Gut, dass du jetzt eine angenehme Kombination für dich gefunden hast.
Ich habe das Esci auch verschrieben bekommen.
Habe mich nicht getraut es zu nehmen, weil ich vom Citalopram schon Probleme bekam (u.a. Depersonalisierung u.ä.). Nachdem ich deinen Bericht gelesen habe, bin ich froh, es nicht genommen zu haben.

Ich wünsche dir eine angenehme Nachtruhe.

Viele Grüße
Marie

28.03.2015 19:20 • #12


Destructed


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Man sollte sich nicht von anderen Meinungen und Erfahrungsberichten abschrecken lassen, jedes Medikament wirkt bei jedem anders.

Heute habe ich zum ersten Mal seit 2 Monaten wieder ein Mittagsschläfchen gehalten. Irgendwie war heute am Ende der Nacht noch ziemlich viel Müde übrig...soll nun auch langsam das Venla wieder hochsetzen auf 75mg. Mal gucken wie das wird

28.03.2015 20:39 • x 1 #13


Tia

Tia


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Weiss nicht, ob ich das thema verfehle..


Opipramol wird andscheind häufig für Abends verschrieben...Wegen Sedierend.

04.12.2017 15:53 • #14



Dr. med. Andreas Schöpf