Zitat von Minime:Wenn meine geschätzten Lehrkörper die "Coolen" in den Griff bekommen hätten, hätten sie es nicht nötig gehabt auch noch auf dem Außenseiter rumzuhacken
Das können Lehrer schlicht nicht, weil Mobbing sich in der Schule nicht unterbinden lässt. Es ist ja leider nicht damit getan, die Täter zu identifizieren und zu bestrafen - das geschieht in vielen Fällen ja sogar.
Das Ergebnis ist aber fast immer das gleiche: Die Schuld für die Strafe wird von den Tätern dem Opfer zugeschoben, was dazu führt, dass die Quälerei meist noch gesteigert wird. Allerdings viel subtiler und heimlicher als vorher und nicht selten auch mit einer zunehmenden Einschüchterung des Opfers, das dann nicht mehr wagt, weiterhin vom Mobbing zu erzählen und auch auf entsprechende Nachfrage sagt, dass alles in Ordnung sei.
Auch sind die Bestrafungsmöglichkeiten begrenzt. In einer Regelschule ist es extrem schwierig, ein Kind dauerhaft von der Schule zu verweisen, was aber die einzige wirksame Maßnahme wäre. Alle anderen Strafen führen immer nur zu mehr Hass der Täter auf das Opfer.
Es gibt Anti-Mobbing- Konzepte, wie den No-Blame-Approach, die mit den Tätern arbeiten und sehr erfolgreich sind, weil sie die Strafe-Hass-Dynamik außer Kraft setzen. Sie erfordern aber nicht nur kenntnisreiche Lehrer sondern auch ein entsprechendes Schulklima und die Bereitschaft des Opfers - und vor allem der Eltern des Opfers - zur Mitarbeit.
An letzterer scheitert es nicht selten deswegen, weil diese nach Strafe für die Täter rufen und ihrem Kind durch ihre eigene Wut auf die Täter indirekt unmöglich machen, sich auf das Konzept einzulassen.
Geht man aber den herkömmlichen- und von den Eltern der Opfer oft geforderten Weg der Bestrafung, erreicht man nur in etwa 5-10 Prozent der Fälle tatsächlich eine Besserung.
Es sind ja nicht nur die Täter das Problem sondern all die Mitläufer, die dadurch, dass die sich raushalten, das Mobbing kräftig unterstützen, ohne aktive Mitschuld zu tragen. Fakt ist, dass ohne sie Mobbing nicht funktionieren würde, denn wenn 5 oder 10 Leute nicht stillschweigend wegsehen sondern sich auf die Seite des Opfers stellen, ist der wichtigste Mobbingfaktor außer Kraft: Das Opfer ist nicht mehr isoliert.
Hier hindert aber oft die eigene Angst, selbst zum Opfer zu werden, Leute am Einschreiten. Und auch in dieser Hinsicht sind Bestrafungen der Täter kaum hilfreich. Wer in die Enge getrieben wird, beißt erst recht um sich.
Lehrer müssen und können auch eingreifen, wenn sie von Mobbing Kenntnis bekommen - was sie in vielen Fällen gar nicht tun, weil das Mobbing nicht vor ihren Augen geschieht. Mobber sind nicht blöd.
Anti-Mobbing-Konzepte gehören zumindest in Bayern seit gut 10 Jahren zur Lehrerausbildung. Es gibt dennoch viele Kolleg*innen, die sich nicht trauen, sie umzusetzen, denn sie erfordern Einsatz und auch die eigene Fähigkeit, Konflikte auszuhalten. Ein paar Strafen zu verhängen ist da viel einfacher.
Damit ist das Gewissen beruhigt, weil man ja reagiert hat, und man hat den Forderungen der Eltern entsprochen, die glauben, ihr Kind wäre dadurch zu schützen.
Die Opfer selbst wollen übrigens in aller Regel oft lange Zeit gar nicht, dass die Täter bestraft werden. Sie möchten nur, dass das Mobbing aufhört und dass sie einfach normal dazugehören können. Im Gegenteil: Ihnen ist meist klar, was passiert, wenn man den Tätern Druck macht und sie versuchen oft, genau das zu verhindern.
Das Bedürfnis nach Rache entsteht meist erst, wenn das Mobbing schon sehr weit fortgeschritten ist und lange besteht.