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201813.02




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Puh. Vielleicht gibt es hier jemanden mit ähnlichen Erlebnissen, der sich mit mir austauschen möchte? Oder jemand weiß Rat ...

Vor ca. 5 Jahren (eher weniger, aber Zeit ist so ein Ding) habe ich in einem Kurs eine ältere Frau kennen gelernt, die mein Leben so ziemlich auf den Kopf gestellt hat. Und die mir wie ganz selbstverständlich durch die schwerste Zeit meines Lebens geholfen hat. Sie hat mich vom Suizid abgebracht, hat mir geholfen, ein neues Leben aufzubauen. Unsere Freundschaft war sehr unwirklich, da sie 10 Jahre älter war und sich um mich gekümmert hat wie eine Mutter. 3 Jahre waren wir unzertrennlich, haben uns fast jeden Tag gesehen, irgendwann bin ich sogar bei ihr eingezogen.

Doch sie hatte ziemliche psychische Probleme, wie ich auch. "Gesund" war diese Freundschaft nicht, denn wir waren - zumindest in diesen 3 Jahren - sehr von einander abhängig. Immer wieder hatte sie innere Krisen, tauchte ab, meldete sich wochenlang nicht. Trotzdem hätte ich ohne sie diese Zeit nie überstanden, und ich bin ihr bis heute unendlich dankbar dafür, dass sie mir einen neuen Lebensweg gezeigt hat und mich so unterstützte.

Und ich vermisse sie unglaublich. Sie war ein Teil meiner Familie, ja mehr Familie, als ich es bis dahin je gekannt hatte, und uns verband eine sehr tiefe Freundschaft, sogar eine Art platonische Liebe. Ihre Freunde wurden auch zu meinen Freunden, ihre Familie nahm mich herzlich auf. Ich hätte mir nie ein Leben ohne sie vorstellen können.

Und dann? Tja, dann war sie plötzlich weg. Sie hatte wieder eine Krise, ich war mitten im Umzug (auch, damit wir näher beieinander wohnten), sie wollte mir und meiner Partnerin eigentlich beim Einrichten der neuen Wohnung helfen. Doch sie meldete sich nicht. Ich war im Stress und dachte mir, dass sie einfach nur viel auf der Arbeit zu tun hatte, schrieb ihre dutzende Nachrichten über Wochen hinweg. Keine Antwort. Ich fuhr zu ihr, sie machte nicht auf. Am nächsten Tag hatte sie die Telefonnummer gewechselt. Solche Phasen kannte ich von ihr, doch normalerweise kannte ich auch den Auslöser - Beziehungsprobleme, Stress, Sinnkrisen, Krankheit, Wahnvorstellungen. Sie hatte noch nie den kompletten Kontakt mit mir verweigert.
Ich ließ sie in Ruhe, weil ich sie ja nicht zwingen konnte, mit mir zu reden. Sporadisch schrieb ich ihr Mails, fragte nach ihrem Leben, ob es ihr gut ging. Ich bekam nie eine Antwort, über Monate hinweg. Ich vermisste sie schrecklich und machte mir Sorgen. Jeden Tag dachte ich an sie. Ein paar Mal fuhr ich zu ihrem Haus, doch sie öffnete mir nie. Nach Monaten schickte ich ihr ihre Schlüssel per Post, fragte noch einmal in einem kurzen Brief, wie es ihr geht und ob sie mir nicht wenigstens sagen kann, was passiert ist. Ich wollte sie damit nicht unter Druck setzen. Ich wollte einfach nur wissen, ob es ihr gut geht. Dann hätte ich den Kontaktabbruch besser akzeptieren können.

Kurz darauf bekam ich eine SMS von ihr. Sie "schrie" mich an, was ich von ihr wollte, warum ich sie nicht in Ruhe lassen würde. Darauf antwortete ich, dass ich mir seit Monaten Sorgen machte weil sie einfach von der Bildfläche verschwunden war. Das glaubte sie mir nicht, unterstellte mir andere Beweggründe, die ich nicht verstand. Ja mei. Sie war jahrelang meine beste Freundin, meine Familie, was sollte das? Warum "durfte" ich mir keine Sorgen machen? Ich schlussfolgerte, dass sie sich in einer Phase mit Wahnvorstellungen befand (sie unterstellte mir Kontakt mit ihrem Exmann, nie passiert) und das es keinen Sinn hatte, mit ihr zu diskutieren. Ich versprach, sie nicht mehr zu belästigen. Seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört, seit einem guten Jahr. Sie ist nicht umgezogen, wohnt noch im alten Haus, Freunde sehen sie manchmal in der Stadt.

Ich vermisse sie.

Manchmal gehe ich an unsere Lieblingsplätze mit der absolut verrückten Hoffnung, sie irgendwann dort zu treffen. Einmal liefen wir uns zufällig in der Stadt über den Weg. Sie stand auf der anderen Seite der Kreuzung, lächelte mich an. "Hey, ich lebe noch." Wir haben den gleichen Therapeuten. Es ist zum Mäusemelken. Einerseits will sie ja offensichtlich keinen Kontakt, andererseits bringt mich diese Unfairness fast um. Es gehören doch zwei dazu, und ich fühle mich so alleingelassen von ihr. Ich bin nicht nur wegen ihr nach hier gezogen, aber sie war einer der Hauptgründe. Und jetzt sitze ich hier in einer für mich recht fremden Stadt, werde überall an sie erinnert, denke fast jeden Tag an sie, wie es ihr geht, wie es ihrer Mutter geht, ihrem Vater, ihrem Freund, ob die Scheidung vom Ex endlich überstanden ist, ob sie genug isst ... hachja.

Wie überwinde ich das? Wie höre ich auf, an sie zu denken? Und wie halte ich mich davon ab, mit ihr Kontakt aufzunehmen? Sie will ja offensichtlich nichts mehr mit mir zu tun haben. Aber da sind immer diese Zweifel. Will sie wirklich nicht, oder sind das wieder Wahnvorstellungen? Darf ich hoffen, dass sie eines Tages wieder vor der Türe steht als wäre nichts gewesen? Ein gemeinsamer Freund versucht mich immer davon zu überzeugen, er glaubt fest, dass sie sich irgendwann wieder meldet. Aber es ist jetzt mehr als ein Jahr vergangen. Ich weiß nicht.

Auf das Thema antworten


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17
Hamburg
507
  13.02.2018 18:06  
Hallo seventeen,

ich bin mir nach dem Lesen Deiner Zeilen unschlüssig, welche Art von Beziehung Euch beide eigentlich verband. War sie für Dich die beste Freundin, der liebevolle Mutterersatz oder war es doch eine Liebesbeziehung?

Wenn ich es richtig verstehe, dann bist Du zusammen mit Deiner Partnerin in die Stadt gezogen, in der besagte Frau wohnt. Oder? Das ist schon ein enormer Schritt, findest Du nicht? Was sie letztlich dazu bewogen hat, Abstand zu Dir zu nehmen, kann hier niemand beantworten. Das können natürlich psychische Probleme sein. Vielleicht wollte sie aber auch gar nicht mehr eine so enge Bindung zu Dir haben. Daher meine Frage nach der Art Eurer Beziehung.

Ich habe es in der Vergangenheit auch schon erlebt, dass sich eine vermeintlich gute Freundin zurückgezogen hat und mir auch nach mehrmaliger Nachfrage nur fadenscheinige Begründungen dafür gab. Es tut sehr weh, wenn man ohne Antwort stehen gelassen wird. Inzwischen denke ich aber, dass Menschen uns in unterschiedlichen Phasen unseres Lebens begleiten und dann wieder gehen. Von daher bleibt Dir im Moment nur, Dich Deinem heutigen Leben zu widmen und dieser Frau in Gedanken einen Gruß zu senden. Mehr kannst Du nicht tun.

LG Perle



3007
4
Mittelfranken
2128
  13.02.2018 18:24  
Wenn ihr nicht Streit oder sowas vorher hattet und Du solche Rückzugstendenzen von ihr schon von früher kennst, kann es schon sein, dass sie wieder eine psychische Krise hat. Auch wenn das so lange anhält. Ich finde das nicht untypisch für eine psychische Krankheit. Vielleicht hat sich auch etwas in ihrem Leben geändert. Ich tippe aber eher auf die Psyche.

Sowas habe ich auch schon mal erlebt von einer Freundin, mit der ich engen Kontakt über Jahre hatte. Sie hat sich von allen zurückgezogen. War auch schwer für mich. Ich hab ihr dann auch einen Brief geschrieben und sie antwortete mir nicht. Das muss man akzeptieren.





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  14.02.2018 09:29  
Perle hat geschrieben:
Hallo seventeen,

ich bin mir nach dem Lesen Deiner Zeilen unschlüssig, welche Art von Beziehung Euch beide eigentlich verband. War sie für Dich die beste Freundin, der liebevolle Mutterersatz oder war es doch eine Liebesbeziehung?


Hi Perle,
Eine Liebesbeziehung war es nicht. Sie war auch nicht "nur" Mutterersatz, mehr wie eine große Schwester. Ist schwierig zu definieren, aber sie selbst hat auch immer gesagt, dass ich wie ihre kleine Schwester bin. Nach den 3 Jahren war unsere Beziehung auch nicht mehr so eng. Wir haben uns - ganz unabhängig voneinander - eigene Leben aufgebaut, und hatten ca. 1 Jahr lang eine recht lockere Freundschaft. Haben uns so ein, zweimal im Monat gesehen, am Wochenende meist, dazwischen telefoniert. Alles war gut, wir haben uns nicht gestritten oder ähnliches. Dann steckte sie in Prüfungsvorbereitungen, und ich war mit dem Umzug gestresst. Aber eine Woche bevor sie komplett abgetaucht ist, hatten wir noch zusammengesessen und überlegt, dass wir nach dem ganzen Stress zusammen in Urlaub fahren für ein paar Tage. Sie hatte den Wunsch geäußert, wollte uns was Gutes tun. Und dann hat sie sich nicht mehr gemeldet.

Zitat:
Wenn ich es richtig verstehe, dann bist Du zusammen mit Deiner Partnerin in die Stadt gezogen, in der besagte Frau wohnt. Oder? Das ist schon ein enormer Schritt, findest Du nicht?


Jein. Also sie wohnt nicht in der Stadt, sondern außerhalb, in einem kleinen Dorf. Meine Partnerin wohnte bereits vorher in der Stadt, natürlich war eine gemeinsame Wohnung in der Stadt das Ziel, weil sie das auch nicht aufgeben wollte. Es war allerdings ein "netter" Nebeneffekt, dass ich nicht mehr 40 Minuten durch die Pampa fahren musste, um besagte Frau zu besuchen. Sie hatte sich auch sehr darüber gefreut, näher bei mir zu wohnen, weil es so einfacher für sie war, vorbeizukommen. Meine Partnerin kennt sie natürlich auch, wir haben oft zusammen etwas unternommen oder zusammen gekocht. Das war für beide vollkommen okay. Meine Partnerin wusste, dass sie ein Teil meiner Familie war, und hat das auch akzeptiert. So richtig befreundet war sie mit ihr allerdings nicht, weil der Altersunterschied für sie etwas seltsam war.

Ja, es tut weh. Ich hab mich von ihr sehr alleine gelassen gefühlt. Wäre dieser Bruch in einer früheren Phase passiert, hätte ich es besser akzeptieren können, aber es war alles gut, wir waren alle glücklich, und dann war sie einfach "weg". Es fühlt sich immer noch so an, als hätte sie eine Lücke hinterlassen, die ich ohne sie nicht füllen kann/will. Dass ich nicht mehr tun kann, ist mir rational bewusst, egal was ihre Gründe waren. Trotzdem vermisse ich sie.

Zitat:
Wenn ihr nicht Streit oder sowas vorher hattet und Du solche Rückzugstendenzen von ihr schon von früher kennst, kann es schon sein, dass sie wieder eine psychische Krise hat. Auch wenn das so lange anhält. Ich finde das nicht untypisch für eine psychische Krankheit. Vielleicht hat sich auch etwas in ihrem Leben geändert. Ich tippe aber eher auf die Psyche.

Sowas habe ich auch schon mal erlebt von einer Freundin, mit der ich engen Kontakt über Jahre hatte. Sie hat sich von allen zurückgezogen. War auch schwer für mich. Ich hab ihr dann auch einen Brief geschrieben und sie antwortete mir nicht. Das muss man akzeptieren.


Das tut mir leid, Kalina. Aber gut, dass du ihr trotzdem einen Brief geschrieben hast. Inzwischen denke ich auch, dass sie einfach überfordert war mit Prüfungen etc, es ihr dadurch wieder schlechter ging. Ich mache mir aber auch Vorwürfe. Ich hätte mehr für sie da sein sollen in dieser Zeit. Das hat sicherlich dazu beigetragen, dass sie den Kontaktabbruch für die einzige Handlungsmöglichkeit gehalten hat.

Danke1xDanke

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