Zitat von Spaceman: Deine Beschreibungen von ihm finde ich sehr aufschlussreich. Sie sind selten ausgeglichen, zumeist konzentrieren sie sich entweder vollständig auf die negativen oder vollständig auf die positiven Seiten. Deiner Beschreibungen zufolge wirkt er auf mich fast wie Jekyll/Hyde. Darf ich Dich direkt fragen: Bist Du emotional von ihm abhängig?
Lieber Spaceman,
wie auch immer man es nennen mag, ungesund. Ich muss mehr Distanz finden. Er ist wie eine abgespaltene, andere Persönlichkeit, wenn er aggressiv ist, nicht wiederzuerkennen. Das ist sehr beängstigend, ja. Ich erlebe es fast psychosenah, weil er immer wieder, sobald er in dem anderen Persönlichkeitesteil ist sozusagen, dieses Verhalten selbst anders erlebt oder abstreitet, aggressiv gewesen zu sein. Ich erlebe eben auch dieses Wahnhafte, er fühlt sich ständig bedrängt und bedroht, obwohl er selbst die Situationen verursacht und der Realitätsbezug dabei ist dann wirklich extrem verzerrt bzw sehr gering. Ich denke, dass es am ehesten Borderline nah kommt, weil diese ganz extremen Brüche da sind, die super extreme Instabilität, das Suchtverhalten, Substanzmissbrauch, Glücksspiel, sich immer wiederholende massive innere Anspannungszustände und Unmengen von unkontrollierbarer Wut, Impulsivität. Er scheint mir, zumindest zur Zeit, wie ein wandelndes Pulverfass ohne jede Selbstregulationsfähigkeit.
Ich habe mich dank meiner Selbsthilfegruppe und Arbeit an mir selbst in den letzten sechs Jahren immer unabhängiger gemacht. Coabhängigkeit an sich ist definitiv mein Thema. Aber von der Tendenz, mich komplett auf einen Partner zu fixieren, alle Erwartungen an diesen zu koppeln, sich von sozialen Kontakten zurück zu ziehen etc. bin ich nun bei einem sehr großen Freundeskreis und sozialen Netz, habe sehr viele Aktivitäten, die mir mit anderen oder allein Spaß machen. Vor allem bin ich finanziell komplett unabhänig, das ist viel wert.
Er ist eher der, der sich hier auch total abhängig von mir gemacht hat. Er hat und hatte gar kein soziales Netz, keinerlei Bindungen. Immer wieder nur Brüche bei ihm. Egal wobei. AA ein paar Mal, Abbruch (war ihm zu blöd, angeblich seien da alle Freunde und das wäre komisch da). Selbsthilfegruppe Depression 2-3 mal, Abbruch (ohne Kommentar). Betreutes Wohnen ambulante Hilfe ein halbes Jahr, keine realen Ergebnisse, Abbruch (Ziele nicht erreicht und keine Alternative gesucht). Ergotherapie zur besseren Strukturierung seines Alltags, Abbruch (war ihm zu doof, er sollte angeblich Mandalas ausmalen, er ist da nicht in den Dialog gegangen darüber), acht Monate auf der Warteliste für eine DBT Skills Gruppe, Abbruch (einfach nicht weiter gekümmert), Selbsthilfegruppe EA für emotionale Gesundheit ein paar Mal, Abbruch (ohne Kommentar), Paartherapie 1 gemeinsam, Abbruch von ihm (Überforderung, es hieß, er habe so gravierende Probleme, dass er da erstmal etwas aufarbeiten müsse, bis man das weiter gemeinsam bearbeiten könne), Jahre später Paartherapie 2 gemeinsam, Abbruch von ihm (kein Kommentar, das war der Bruch, wo er auszog)