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kkallwass
Hallo zusammen,
ich bin 23 Jahre alt und komme aus Essen.

Ich habe mich hier angemeldet als einer Art letzten Ausweg,weil ich mit dem Schweigen und alles wegstecken nicht mehr
klarkomme.Leider habe ich im meinem Umfeld niemanden mehr,dem ich so vertraue,dass ich ihm gegenüber zugeben
würde Depressionen zu haben und ihm mein wahres ICH zeigen.

Wie gesagt eigentlich habe ich nichts in meinem Leben wirklich verarbeitet.Von klein auf wurde mir beigebracht stark zu sein
und Dinge wegzustecken.Und das mache ich bis heute noch.Es ist aber falsch, es tötet einen innerlich.

Hat zwar über jahrzehnte gut funktioniert,aber seit ca.3 Jahren wird es Tag für Tag schwieriger sich nichts anmerken zulassen.
Ich hasse die Person,die die Verdrängung aus mir gemacht.Auf einmal bricht alles um mich rum zusammen und ich weiß einfach nicht weiter.
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen sollte,wenn ich meine Baustellen auflisten sollte.
Aber aktuell sieht es so aus..

Ich lebe seit 6 Jahren in einer Beziehung und wir haben einen gemeinsamen Sohn(4)
Momentan befinde ich mich noch (!) in einer Ausbildung zur Tischlerin was mein absoluter Traumberuf war.
Kurz vor Weihnnachten letzten Jahres hatte ich einen doppelten Bandscheibenvorfall der mir einen fetten
Strich durch die Rechnung macht.Denn selbst wenn ich den Gesellenbrief kriegen sollte,wird es sehr schwer bis
unmöglich eine Festanstellung zu bekommen bzw. körpelich jahrelang zu arbeiten.
Nun weiß ich einfach nicht was aus mir wird und habe Angst in allem zu versagen was ich tue.
Ich werde Alleinverdienerin sein,weil mein Freund die Erziehung und Haushalt schmeißt.
Meine schlimmste Vorstellung ist ,dass mein Sohn so aufwachsen muss wie ich.(Dazu mehr in einem anderem Thread)

Und das ist nicht mal 0.000000343432 % von den Dingen,die mich belasten und kaputt machen.

Ich hoffe darauf hier Unterstützung und offene Ohren/Augen zu finden um endlich Erlösung zu finden.

16.03.2017 01:13 • 20.03.2017 x 1 #1


5 Antworten ↓


Hallo kkallwass,

herzlich willkommen auf diesem Forum. Ich habe deine Nachricht ausführlich gelesen.

Den Gesellenbrief würde ich versuchen zu schaffen. Was danach kommt lässt sich noch nicht sagen.

Dann gibt es aber noch viele Alternativen dazu. Behindertenwerkstatt, Kunstbereich, Umschulung, Weiterbildung oder ähnliches.

Hast du schon Mal eine Therapie gemacht? 20 Jahre sind eben sehr viel Zeit. Fängt bei Familienaufstellung an. Den Hass reduzieren und in das Jetzt schwenken.

Du mußt auch nicht alles alleine machen, es gibt Helferkreise wie dieses Forum, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen, Psychotherapeuten ect.

Es ist einfach so daß du Werte und Einstellungen archaisch übernommen hast die nicht deine waren. Und das ist bei vielen so. Dadurch sind entsprechende Prozesse entstanden die korrigiert werden müssen.

Ich finde du kannst ersteinmal Stolz auf dich sein daß du in diesem Alter von dem Kind-Ich kurz über das Erwachsenen-Ich zu dem Eltern-Ich gekommen bist.

Dieses Eltern-Ich gibt dir lange Zeit die Möglichkeit gelieferte Einstellungen und Werten
zu überprüfen und bei deinem Kind anders zu machen. Außerdem bleibst du sehr flexibel.

Es ist eben so daß gewöhnlich alle die einen Komplettzusammmenbruch im Umfeld haben eine Therapie beginnen.

Eine Therapie ist zum Teil nichts anderes als das spiegeln der erlebten Emotionen und auch verlagern der Gefühle auf den Therapeuten und dadurch auch die Korrektur deines Verhaltens.

Ich weiß nicht ob dieses Forum ein Ersatz für eine Therapie ist. Viele haben ja hier auch schon Therapie oder Selbsthilfegruppenerfahrung.

Ich denke du wirst hier mit Sicherheit viele Meinungen einholen können.


Ich wünsche dir alles Gute.


Liebe Grüße

16.03.2017 04:09 • #2



Über 20 Jahre Verdrängung und unverarbeitete Emotionen

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Hurt
Hallo kkallwass,
das ist hart was Du beschreibst. Und ich kenne das auch gut von mir selber in dem Alter. Mit dem eigenen Leben, mit den Schicksalsschlägen und mit der daraus resultierenden Angst, nicht alleine zurecht zu kommen. Und auch dieses sich verstellen und niemandem sagen können, wie es wirklich in einem aussieht.

Mit fast doppelt soviel Lebensjahren kann ich jetzt sagen, das Leben ist manchmal unglaublich hart. Aber, es ist auch gut die Sachen eher irgendwie weg zu stecken.
Es geht Dir nicht alleine so, dass Du einen Traum an den Nagel hängen musst. Das ist nicht schön, und damit muss man erstmal fertig werden. Doch dann muss man nach Alternativen suchen. Das geht jedem Menschen oft immer wieder so.
Damit will ich Dir sagen, dass Du damit nicht alleine bist. Soetwas gehört zum Leben quasi dazu.

Um aus dem psychischen Tief hinaus zu kommen, und damit Du Dich über Deine Situation austauschen kannst, würde vielleicht ein Gesprächskreis zu dem Thema hilfreich sein. Soetwas kannst Du z.B. selbst in der Zeitung inserieren und Dir Menschen suchen, die sich dann regelmässig treffen. Oder Du fragst bei Vereinen nach, die sich mit dem Thema beschäftigen.
Und Du kannst auch zu einem Arzt gehen, und ihm Deine psychische Situation schildern. Oder Du versuchst es selbst erstmal mit pflanzlichen Mitteln, wie z.B. Johanniskraut. Das "erhellt" auf natürliche Weise recht gut die dunklen und negativen Empfindungen.

Tja, und dann müssen beruflich natürlich Alternativen durchdacht werden. Was sagt denn Dein Lebenspartner dazu? Wäre es nicht machbar, dass ihr beide euch die Familienarbeit teilt, und er auch arbeiten geht?

Also ich würde an Deiner Stelle die Flinte nicht ins Korn werfen. Mir hat mit anfang 20 bei meinem Studium eine psychische Episode alles verdorben. Studium, Ausland, toller Job - alles war sozusagen im Eimer. Doch es kommen auch noch andere Zeiten. Es ist nur wichtig, sich nicht unterkriegen zu lassen!

Es ist ganz bestimmt sehr schmerzlich und schwer was Du gerade erlebst, aber es ist nicht das Ende der Welt. Und ein grosser Teil wie sich das ganze Fortsetzt, liegt an Dir selbst. Ob Du Dir z.B. Hilfe suchst, ob Du Dich darum bemühst nach Alternativen zu suchen, ob Du Dich entscheidest für Dein Leben zu kämpfen - oder Dich Deinen negativen Gedanken hingibst.

Ich drück Dir ganz doll die Daumen!

16.03.2017 05:01 • #3


kkallwass
Danke für die Antworten,es tut echt gut es mal rauszulassen und sich Bestand zu holen.
Mir ist das schon bewusst,dass es so nicht weitergeht und ich einiges ändern muss.
Das Problem ist, dass ich in einem Land ohne sozialen Absicherungen aufgewachsen bin
,wo man Leistungen von Geburt an fördert.so konnte ich mit 4 Jahren schon fließend lesen und schreiben.
Meine Mama war vor mir bereits 2 mal schwanger hatte aber beide Kinder verloren.Hat mich erst mit 32 bekommen
Als ich 2 war hat sie sich von meinem Vater getrennt,weil er sie betrogen und verprügelt hat.Dann stand sie aufeinmal
Nachts bei meinen Großeltern vor der Tür und hat um Obdach gebeten.Zum Glück durften wir bleiben.Also lebten wir zu viert in einer 44qm 2 Raumwohnung.Alles war super soweit,dann als ich fünf war erfuhren wir,dass mein Opa Lungenkrebs hatte im Endstadium.Anstatt eine Chemotherapie zu machen wollte er lieber arbeiten damit wir länger Geld hatten.Die letzten Tage war er zu Hause und ich war immer an seiner Seite.Ich habe mich immer an ihn rangekuschelt.Am 5.11.1998 bin ich neben ihm eingeschlafen und wurde von meiner Mama geweckt und sollte mich anziehen und mit ihr rausgehen.Ich wusste zwar nicht genau was aber iwas war komisch. Dann kam auch schon die Polizei und noch andere Menschen und meine Oma hatte einen Nervenzusammenbruch.Mir wurde nur gesagt dass Opa für ganz, ganz lange weg muss.Abrechnung sogar mit 5 war mir klar dass er nicht wiederkommt.Ab da ging es uns finanziell richtig beschissen ,weil Opa Alleinverdiener war.Ich musste immer Sachen von anderen auftragen was nicht schlimm ist, aber Sachen wie Schokolade oder Fleisch gab's nur an Geburtstagen.
Ohne unseren Nachbarn einen guten Freund meiner Oma wären wir vermutlich verreckt.Er hatte ein Auto und einen Fernseher ,was wir halt nicht hatten.Er gab mir auch Taschengeld für Bücher und Stifte.Meine Oma hatte aus Trauer einen Schlaganfall und war im Krankenhaus ohne ihn hätten wir aber kein Geld für die Behandlung gehabt und würde sterben.Das wusste er genau.Ich sollte immer bei ihm bleiben wenn meine Mama arbeiten war .Eines Tages wurde er komisch kam zu mir rüber und fragte ob ich meine Oma lieben würde und ob ich wollen würde,dass sie wieder gesund wird.Natürlich wollte ich das.Dann meinte er ,dass es nur mit meiner Hilfe geht.Ich sollte nur lieb sein und niemandem was erzählen.Er hat mich dann geküsst und hat sich entblößt.Ich sollte ihn dann befriedigen, damit er besser schlafen könnte,sagte er.Ohne aufgeklärt zu sein und ohne zu wissen was ich da tue ,hatte ich nur den Gedanken das Leben meiner Oma hängt von mir ab.Es ist verdammt viel Verantwortung für ein 6 jähriges Kind? Ich war aber lieb und habe alles getan was er wollte und habe es bis zum heutigen Tag für mich behalten.Das ging 3 Jahre so weiter bis wir dann 2003 nach Deutschland kamen.

Mein Problem jetzt aktuell ist,wie soll man damit leben,dass man als Kind mit Schuldgefühlen und durch Bestechung zu Sachen gezwungen wurde ,die einen bis heute anwidern.Ich fühle mich schuldig für alles was in meinem Leben schiefläuft
und übernehme Verantwortung für Sachen,die meiner Familie schaden.

Täglich ,wenn ich meinen Sohn in den Kindergarten bring quält mich die Frage warum ich nicht in Deutschland geboren werden konnte und eine Kindheit wie er haben konnte.
Ob ich dann immernoch so psychisch labil wäre.Es schmerzt zu sehen,dass es hier so viele Möglichkeiten gibt
und du aber schon zu alt bist die Dinge mit Kinderaugen zu erleben.


Sorry,ist etwas lang geworden,aber das musste jetzt mal alles raus.Jetzt sitz ich hier und kriege keine Luft weil der Klos im Hals immer größer wird.Ich hoffe es geht wieder weg.

16.03.2017 10:34 • #4


Hallo kkallwass,

den Schmerz kann ich gut nachfühlen. ich hatte auch unter der Fluchttraumatisierung meiner Mutter aus der heutigen tschechischen Republik zu leiden. Mein Opa ist auch früh gestorben.

Als lernen am Modell hatte ich dann noch das Matriarchat meiner anderen Uroma und Ihrer 3 Töchter und vieles mehr.

Jeder ist eben immer eingebunden in die Biographie und Ereignisse seines Landes und seiner Familie. Für Psychoanalytiker sind wir archaisch durchlaufende Posten. Ob sich das Leben jemand in dem Land rausssucht oder nicht müsste ein Reinkarnationstherapeut sagen.

Ich denke jeder sollte unter den gegebenen Umständen das Beste aus seinem Leben machen.

Die Kindheiterlebnisse solltet Du auf jeden Fall therapeutisch aufarbeiten.

Ich wünsche Dir alles Liebe

Liebe Grüße

Edi

20.03.2017 03:19 • #5


BellaM85
Hey:)
Herzlich willkommen im forum:)
20 Jahre sind eine lange Zeit aber wenn man Dinge nicht verarbeitet hat kommen sie irgendwann mal hoch das ist normal hatte ich auch damals.
Ich würde dir zu einer Therapie raten ich war damals in der tagesklinik das war echt super und hat mir gut geholfen. Es ist auf jeden Fall so das belastende Dinge aus der Vergangenheit immer irgendwie aufgearbeitet werden müssen weil hoch kommen die immer im Leben.
Zu deiner Lehre die würde ich auf jeden Fall beenden und danach einfach mal schauen es gibt genug Möglichkeiten Weiterbildungen oder sogar umschulungen zu machen. Es wäre schade das jetzt einfach so weg zu Werfen va da die dieser Beruf ja auch noch so gefällt:)
Viel Glück

LG

20.03.2017 07:28 • x 1 #6




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